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Wissenswertes

Wölfe


Den Wölfen im Oltrepo Pavese
(nördlicher Apennin) auf der Spur


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Wölfe während der Jagdsaison
Von Sabine Middelhaufe

Bekanntlich kommt immer alles ganz anders als man denkt, so auch bei der Wolfsbeobachtung.
Das Mitte August, nach Sichtung des siebenköpfigen Rudels erhoffte baldige Auftauchen der Welpen blieb aus. Ja, überhaupt blieben die Wölfe aus. Man sah sie nicht, man hörte sie nicht irgendwo heulen, ich fand keine Losungen mehr.       
   Vielleicht hing das einfach mit der Verlegung der Rendezvous Zone zusammen. Vielleicht mieden die Wölfe den mit Fotofallen bestückten Feldweg, weil sich dort ständig – wir waren ja im nationalen Ferienmonat August – Hunde, Spaziergänger, Kindergruppen, Radfahrer, Moto Cross Fahrer, Traktoren und Geländewagen bewegten. Tatsache ist, der August erwies sich als große Enttäuschung.

Ab Mitte August dürfen die Jäger in Italien beginnen, ihre Hunde für die bevorstehende Saison zu trainieren und fit zu machen. Bei uns stellten sich die Jagdgebrauchshunde nebst ihrer Besitzer erst Anfang September regelmäßig ein und kaum tauchten sie fast täglich auf, kehrten auch die Wölfe zurück. Aber nicht nur das. Eine Frage, die mich seit langem beschäftigte, war, ob sich die Wölfe durch das Jagdgeschehen verunsichert fühlen und Jagdzonen in der Saison deshalb meiden. Wie sich bald zeigte lautet die Antwort darauf ohne Zweifel: Nein! Mit Eröffnung der Hasen- und Vogeljagd Mitte September nahmen die Wolfssichtungen sprunghaft zu. Insgesamt zehn Mal passierten sie die Fotofallen in diesem Monat und lieferten Bildmaterial von 24 Wölfen. Fünf Sichtungen fanden in der Morgen- oder Abenddämmerung statt, vier sogar am hellichten Tag.

Die Schwarzwildjagd startet am 1. Oktober und wird in unserer Gemeinde stets mittwochs und alternierend samstags oder sonntags durchgeführt. Wegen der Corona-Krise wurde sie in diesem Jahr (2020) nach nicht einmal einem Monat schon wieder geschlossen
Die Wölfe zeigten sich an den acht Jagdtagen zwölf Mal vor den Fotofallen, zwei weitere Male in der Morgendämmerung vor der Jagd. Zufall?
     Die Videos dokumentieren außerdem, dass den Wölfen weder der ständige Verkehr der Geländewagen, noch die anstehenden Schützen, Schussgeräusche und das Geläut der Laufhunde etwas ausmachen; Autos und Menschen werden ganz einfach gemieden, indem man sich kurzfristig in die Büsche schlägt oder Schützen an ihrem Stand umgeht.
Am 19. Dezember wurde die Jagd für kurze Zeit noch einmal geöffnet. Am Vorabend hatte der Spurensucher des Jagdteams eine fünfköpfige Rotte mit einigen Jungtieren entdeckt. Morgens,
auf dem Weg zu deren Einstand, fand er die noch ganz frischen Reste eines dieser Schwarzkittel. Diesmal hatten die Wölfe also nicht auf die Jäger gewartet, sondern waren ihnen zuvorgekommen.

 

Sollte es zutreffen, dass sich die Wölfe gezielt in der relativ begrenzten Zone der Saujagd aufhalten, weil sie auf leichte Beute in Form eines verletzten, aber nicht nachgesuchten oder schlicht von der Flucht erschöpften Wildschweins aus sind, würde ihre Losung Aufschluss über den diesbezüglichen Erfolg geben. Leider sind regennasse, schlammige Feld- und Waldwege, auf denen ständig Geländewagen hin und her rasen, der denkbar schlechteste Ort, um solche Beweismittel noch unbeschadet aufzufinden. Ich konnte im Oktober nur 14 Kotproben dokumentieren, viele im Nahbereich der Fotofallen, aber da sie mehrheitlich aus schwarz-grauem Durchfall bestanden, müssen wir die Analyse enthaltener Haare durch die Uni Pavia abwarten.

   Ebenso interessant wäre es natürlich, jetzt den Gegenbeweis anzutreten, dass nämlich die Wölfe mit dem vorzeitigen Ende der Jagdsaison ihre Besuche bei uns deutlich reduzieren. Bedauerlicherweise zog die Uni ihre Fotofallen genau zu diesem Zeitpunkt ein, um sie anderweitig zu benutzen. Eine bittere Enttäuschung. Oder eigentlich muss man sagen, eine weitere herbe Enttäuschung, denn auch die lange angekündigte wolf-howling Session fand nicht statt.

Text und Fotos (c) Sabine Middelhaufe, Dezember 2020

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