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Wissenswertes

Wölfe - über die Situation in Deutschland und Italien

Wie viele Wölfe haben wir und wo kommen sie her
Wie stellt man die Präsenz von Wölfen fest
Wolf oder Mischling?
Wolf versus Haushund
Wolf und Weidetiere
Wolf und Wild
Wolf und Mensch
Der Wolf macht Politik  
Der Wolf ist business

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Wölfe - über die Situation in Deutschland und Italien
Von Sabine Middelhaufe

 

Wolf und Wild
Wir haben hier von Hunden gesprochen, die von Wölfen gefressen wurden, von Schafen, die sie erbeutet haben, aber all das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die hauptsächliche Beute des Wolfs das freilebende Schalenwild ist.
    Ein erwachsener Wolf, so informiert der Wildpark Eekholt, benötigt täglich 3-4 kg Fleisch; bezogen auf ein Jahr sind das ungefähr 60 Rehe oder 16 Hirsche.
    Für ein fünfköpfiges Rudel in einem etwa 200 qkm großen Territorium liegt der Fleischbedarf bei 1,5 Rehen oder 0,3 Hirschen pro Hektar.
    Dank einer Studie des Senckenberg Instituts scheint die Nahrungszusammensetzung der Wölfe in Deutschland genau bekannt: 52,7% Reh, 17,6% Wildschwein, 15,1 % Rothirsch, 6,3% Damhirsch, 3,5% Hasenartige, 2,4% unbestimmte Hirschartige 1,1% Nutztiere, 0,7% kleine und mittelgroße Säugetiere, 0,5% Mufflon, 0,1% Fische, Wildvögel, unbestimmte Säugetiere und Früchte
     Dazu merkte die Zeitschrift Jäger 2018 allerdings an:
„Eine viel zitierte Studie soll belegen, dass Wölfe nur zu einem geringen Anteil Nutztiere reißen. In den eingesammelten Losungsproben fanden sich überwiegend Schwarz- und Rehwild als Hauptnahrungsbestandteile. Das Ergebnis muss auch gar nicht angezweifelt werden, viel mehr aber die Aussagekraft. Denn die Proben wurden zu Beginn der 2000er Jahre in Sachsen und Westpolen gesammelt, als die Wolfspopulation noch klein und dazu noch in Gebieten beheimatet war, in denen es kaum Weidehaltung gab. Würde man die gleiche Studie im Cuxhavener Land durchführen, käme man sicher zu ganz anderen Ergebnissen. Fakt ist, Wölfe nutzen die leichteste Nahrungsquelle, und sie sind sehr lernfähig im Umgehen von angewandten  Herdenschutzmaßnahmen.“

Rehschale in einer Wolfslosung.
Titelbild: Bock im Bast. Fotos: Middelhaufe

Wie sehen die entsprechenden Daten zur Nahrungszusammensetzung der Wölfe in Italien aus?
In einer wissenschaftlichen Studie analysierte man zwischen 2008 und 2013 insgesamt 1457 Kotproben von Wölfen in Ligurien und stellte fest, dass sich die Beutegreifer zu 64,4% von Schalenwild, vor allem Wildschwein und Reh, und 26,3% von Weidevieh, insbesondere Ziegen, ernährten.
Die Nahrungszusammensetzung war nicht in allen Jahren und Jahreszeiten gleich, sah aber eine allgemeine Abnahme des Viehanteils und eine Zunahme des Schalenwildanteils. Außerdem stellte man fest, dass einzelne Wanderwölfe häufiger Vieh als Beute konsumierten als stabile Wolfsrudel. Daraus folgerte man, dass die Präsenz fester Rudel, hoher Rehwildbestände, der Anteil an Laubwald sowie Herdenschutzmaßnahmen die Verluste an Vieh reduzierten und formulierte die Empfehlung, die Ausbreitung von Schalenwild und die Etablierung von Wolfsrudeln zu fördern.

Mehr Rehwild = weniger Nutztierrisse? Foto: Middelhaufe

Welchen Einfluss haben Wölfe auf die Schalenwildbestände? Foto: Middelhaufe

Dem Jäger könnte der Wolf durchaus als Konkurrent erscheinen. Was mancher, etwas zu pessimistische Waidmann vielleicht für die nahe Zukunft fürchtet, und was mancher, ein bisschen zu verträumte Tierschützer hofft, ist, dass die stetig zunehmende Ausbreitung des Wolfes, langfristig gesehen, die Jagd überflüssig machen könnte. Eine Verschwörungstheorie, die, zumindest in Italien, wohl auch von der starken Anti-Jagd Bewegung befeuert wird.
In Deutschland sieht man die Sache gelassen. Jäger schreibt:
„Eine Wolfspopulation, die unsere Schalenwildbestände (abgesehen von Exoten wie dem Muffelwild) nachhaltig reduzieren könnte, müsste so groß sein, dass nicht nur Nutztierhaltung, sondern auch der Gassigang mit dem Schoßhund unmöglich werden würde. Denn Wölfe suchen sich immer die leichteste Beute – und das sind eher Fiffi und Schaf als wehrhafte Bachen.“
    Anders ausgedrückt, der Wolf wird den menschlichen Jäger nicht ersetzen. Zutreffend ist jedoch, und darin stimmen die Beobachtungen der Jäger nördlich und südlich der Alpen überein, dass das Wild instinktiv alles tut, um seinem Feind Wolf auszuweichen: es schliesst sich zum Beispiel in größeren Gruppen zusammen, sucht sich neue, sichere Ruhezonen und hält sich häufiger nahe bei oder in Nutzflächen auf, was zu vermehrten Schäden in der Forst- und Landwirtschaft führen kann.
      Aktuelle Untersuchungen oder zumindest Daten über diese indirekte Wirkung des Wolfs existieren in Italien nicht. Allerdings glauben viele Jäger, dass das Schwarzwild in Wolfsterritorien zunehmend offensiver auf Jagdhunde reagiert und es entsprechend häufiger zu Angriffen kommt. Nicht nur auf Bracken, die die Sauen stellen, sondern auch auf Vorstehhunde, während der Suche nach Waldschnepfen.    

Von einer Sau schwer verletzter Setter. Foto: Saverio

 

Wolf und Mensch
Die Zeit widmete dem Thema Wolf schon 2015 einen ausführlichen Artikel und konstatierte:
„Aufschlussreich ist, wie sich die Rhetorik deutscher Naturschützer verändert hat. Ein Wolf tut Menschen nichts. Das war lange Zeit eine unumstößliche Gewissheit. Dann hieß es: Ein Wolf ist in der Regel harmlos – vorausgesetzt, er ist gesund. Dann: Der gesunde Wolf ist in der Regel harmlos, solange er nicht hungrig ist. Dann: Der gesunde und nicht hungrige Wolf, der sich von Siedlungen fernhält, ist in der Regel harmlos. Schließlich: In absoluten Ausnahmefällen, wenn ein Wolf sich auffällig gegenüber Menschen verhält, obwohl er gesund und nicht hungrig ist, darf er vertrieben werden.“

Vor allem der letzte Satz, würde, wenn gegenüber der Bevölkerung in solchen Ländern ausgesprochen, die weit mehr Erfahrung mit dem Wolf haben, ungläubiges Kopfschütteln hervorrufen. Aber die Deutschen lieben nun mal Natur und Tiere. Die Rückkehr des großen Beutegreifers, ursprünglich einmal Raubtier genannt, und vor allem die Geburt des ersten Welpen im Jahre 2000 in Sachsen, wurde als „großartiger Erfolg für den Naturschutz“ gefeiert. Seitdem ist der Wolf auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene scheinbar zum Lieblingskind der vielen deutschen Organisationen avanciert, die dazu berufen wurden (oder sich vielleicht auch nur berufen fühlen) Wölfe laufend zu kontrollieren, schützen, zählen,  analysieren, fotografieren, promoten, studieren, verteidigen und ihr positives öffentliches Image aufrecht zu erhalten. Wir haben Wolfsexperten, Wolfsforscher, Wolfsbeobachter, Wolfsbeauftragte, Wolfskompetenzzentren, Wolfsreferenten, Rissgutachter, „Wolfsversteher“ und viele andere, deren Bezeichnung man auch nicht ins Italienische übersetzen kann.
     Schon vor mehr als einem Jahr zitierte die Allgemeine Zeitung den Bürgermeister einer Stadt in Sachsen-Anhalt, der die Zahl des im Wolfsmonitoring involvierten Personals mit jenem in staatlichen Kindergärten verglich, wo ein Betreuer für 12 Kinder zuständig sei, während sich in Sachsen-Anhalt allein etwa 100 Personen um die circa 60 vorhandenen Wölfe kümmerten.

Foto: Anne Friesenborg.

Im April 2018 wurde das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage veröffentlicht, die Forsa für den NABU durchgeführt hatte. 2009 Bundesbürger ab 18 Jahren taten ihre Meinung kund:
79% finden es erfreulich, dass der Wolf wieder Teil der Natur in Deutschland ist.
55% assoziieren mit dem Wolf positive Gefühle,
12% Prozent haben negative Empfindungen.
78% meinen, dass Wölfe in Deutschland leben können sollen, auch falls es teilweise zu Problemen käme.
Bei der hohen Zustimmung zum Wolf gibt es keinen Unterschied zwischen Bewohnern im städtischen Umfeld und im ländlichen Raum, stellt der NABU zufrieden fest..
Allerdings endet die Umfrage damit nicht:
47% der Befragten gehen davon aus, dass die Rückkehr des Wolfes Risiken birgt.
30% hätten Angst, in einem Gebiet mit Wolfsvorkommen in den Wald zu gehen.
64% sind eindeutig dafür, einzelne Wölfe, die Probleme verursachen, notfalls auch zu töten. 
    Eine Meinung übrigens, von der NABU und andere Tier- und Naturschutzorganisationen nicht einmal hören wollen.
    Nicht wirklich verwunderlich dürfte sein, dass junge Leute eher positiv zum Wolf in Deutschland eingestellt sind, als ältere Menschen, und dass sich die Einstellung von Interviewpartnern, die in Bundesländern mit Wolfsvorkommen leben deutlich von denen unterscheidet, die Wölfe vorwiegend aus dem Fernsehen, youtube Videos oder den social media kennen.
   In der Tat sind 79% der Befragten in Sachsen einverstanden, dass Wölfe notfalls getötet werden.
61% der Umfrageteilnehmer in Niedersachsen gehen von Risiken durch die Wolfspräsenz aus.
    Also, eine klare Mehrheit ist vollauf zufrieden damit, dass der Wolf durch die deutsche Landschaft trabt, aber fast die Hälfte ist sich auch der Risiken bewusst und ungefähr jeder Dritte möchte Isegrim offenbar nicht persönlich begegnen, zumindest nicht zu Fuß.

Wolf auf einer Landstraße in Italien: bitte recht feundlich fürs Foto,
und dann ab in die Wiese.
Fotos: Laura Zanocco.

Und damit wird schon ein ganz wichtiger Aspekt der Wolfsdiskussion deutlich: viele Menschen argumentieren und werten aus der sicheren Position des Nichtbetroffenen, des Theoretikers. Man braucht nur aufmerksam die Kommentare zu Zeitungsartikeln über Wölfe zu lesen, um zu erkennen, dass da oft kindliche Naturromantik mitschwingt, persönliche Sehnsucht nach einer heilen Märchenwelt und offenbar auch viel Unzufriedenheit, denn der „noble“ Wolf wird quasi ersatzweise zum Rächer der Natur erhoben, der die böse Zivilisation bestrafen möge.
    Der Wolf als Projektionsfläche für die eigene Sinnsuche.
Es ist ohne weiteres nachvollziehbar, dass jemand, der keine potenziell gefährdeten Haustiere hält, der nicht täglich mit seinem Hund spazieren gehen möchte, der keine Kinder hat, die auch mal am Dorfrand oder im Wald spielen wollen, ja, der nicht einmal in einem Wolfsgebiet lebt, von Isegrims Präsenz und Ausbreitung begeistert ist; ebenso wie derjenige, für den die zufällige Sichtung eines Wolfes ein Ausnahmeerlebnis ist, das er enthusiastisch und hundertfach übers Internet teilt. Er ist eben nicht wirklich betroffen; er ist nur Wolfsfan und wie die menschlichen, so haben auch die tierischen Idole für ihre Anhänger keinen Makel. 

In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur die Rhetorik zur möglichen Gefährlichkeit des Wolfes gewandelt, wie die Zeit feststellte, sondern auch zu anderen „unumstößlichen Gewissheiten“, die das public image des Wolfes in Deutschland stark mitgeprägt haben.
    Zur Illusion vom „edlen wilden“ Beutegreifer würde es vortrefflich passen, wenn er nur zum reinen Überleben jagen und töten würde. Doch man muss gar nicht bis nach Kanada reisen, um zu sehen, dass auch der Wolf surplus killing betreibt, das sieht man auch auf norddeutschen Weiden.

Eine Unmenge an Videos, die Wölfe in deutschen Dörfern, auf Straßen, Bürgersteigen oder vor Gartenzäunen zeigen, sind Beweis genug, dass Isegrim nicht der menschenscheue Geselle ist, den mancher gern in ihm sehen möchte. In den meisten Fällen dürfte es sich da zwar um neugierige oder desorientierte Jungtiere handeln, die bei ihrer Erkundung der großen weiten Welt mehr versehentlich in die urbane Landschaft geraten sind und keinerlei sinistren Absichten hegen. Oder um Wölfe, die irgendjemand in falsch verstandener Tierliebe über einen längeren Zeitraum regelmäßig gefüttert und dadurch bei ihnen die Assoziation "wo Mensch, da Fressbares" geschaffen hat.
Wie dem auch sei, Wölfe bleiben nicht zwangsläufig alle brav im finsteren Walde und je mehr sie begreifen, dass der Mensch keine ernsthafte Bedrohung darstellt, desto weniger Grund haben sie, auf gelegentliche Stippvisiten zu verzichten.
    Eine besonders beruhigende These für ein Volk, das über Generationen die Schrecken von Horrormärchen à la Rotkäppchen erdulden musste, ist natürlich die, dass Wölfe in Wahrheit keine Menschen fressen. Wir Zweibeiner stehen ganz gewiss nicht auf dem üblichen Speiseplan des Wolfes und die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland zu seinem Abendessen zu werden ist derart gering, dass man sie mit Null beziffern kann.
Würde es auch so gesagt, kein Problem. Aber zu behaupten, dass Wölfe prinzipiell Menschenfleisch verschmähen stimmt einfach nicht.
      Um noch einmal  Jäger zu zitieren: „Beim Absturz der Germanwings Maschine in den französischen Alpen wurden nachts Gendarme zum Schutz der Überreste vor Wölfen abgestellt. In Indien werden heute noch jährlich Dutzende Kinder erbeutet, und jüngst machten ähnliche Berichte aus Israel Schlagzeilen. Auch eine englische Urlauberin in Griechenland soll Wölfen zum Opfer gefallen sein.“
Die Vermutung bezüglich der Touristin bewahrheitete sich leider.

     In Frankreich hat sich der Historiker Jean Marc Moriceau von der Universität Cean ausführlich mit der Problematik von Wolfsangriffen auf Menschen in den vergangenen 250 Jahren beschäftigt, indem er und seine Mitarbeiter landesweit Archive nach entsprechenden Hinweisen durchsuchten und sagte dazu 2016 in einem Interview *) (hier auszugsweise):
„Es gibt zwei Arten von Wolfsattacken: räuberische, die hütende Frauen und Kinder attackierten und tollwütige Wölfe, die alle Menschen angriffen.(...) Insbesondere am Ende des 17. Jhs., als Charles Perrault die Geschichte „Das Rotkäppchen“ schrieb, welche erst 100 Jahre später von den Gebrüdern Grimm übernommen wurde. Dass Perrault 1695 diese Geschichte veröffentlichte, kam nicht von ungefähr. (...) man wusste, dass damals mehr als tausend, zweitausend Kinder jährlich in fünf oder sechs Regionen Frankreichs angegriffen wurden. Die Forschung zeigt in der Tat, dass man zwischen dem Ende des Mittelalters und dem Anfang des 19. Jhs. bereits Aufzeichnungen von bis zu 9000 Wolfsopfern hatte.  (...) diese Opfer, verteilt auf 250 Jahre, repräsentieren tatsächlich nur die Spitze des Eisbergs. (...) Aus den Quellen erfahren wir, dass es wegen des Wolfs ebenso viele Verwundete gab wie Tote. (...)“
     Frage des Interviewers Bruno Lecomte: „Besteht heute die Gefahr von Wolfsattacken auf den Menschen?“
Jean Marc Moriceau: „Sie sind nicht auszuschließen, aber sehr unwahrscheinlich in Europa, weil die Lebensbedingungen heute ganz anders sind als die Verhältnisse bis zum 19. Jh..“

    Moriceaus Argumentation sollte man durchaus überdenken, denn die Unwahrscheinlichkeit von Angriffen basiert seiner Ansicht nach nicht auf dem veränderten Verhalten des Wolfs, sondern unserer modernen Lebensweise: früher wohnte und arbeitete die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Lande und Kinder hielten sich tagsüber nicht in KiTas und Schulen auf, sondern wurden zu Tätigkeiten herangezogen, die sie mit sechs, sieben Jahren schon erfüllen konnten, vor allem das Viehhüten in den kargen Berggebieten und dichten Wäldern; ohne Pfefferspray und Smartphone, auf sich allein gestellt und mit der Last der Verantwortung für die Weidetiere, die das Überleben der Familie mit garantierten. 
Deshalb kann es nicht verwundern, dass es früher in Europa und anderswo auf der Welt noch heute insbesondere Kinder waren und sind, die von Wölfen getötet und gefressen werden.

„Nun, warum werden heute mögliche Wolfsattacken auf Menschen nicht mehr in Erwägung gezogen?“ fragt sich Moriceau und antwortet. „Man sieht, dass eine gewisse Anzahl Ökologen, welche die Wiederansiedlung des Wolfes unterstützen und das verteidigen, die Verbreitung von zu vielen Informationen nicht wünschen. Sie möchten verhindern, dass die Öffentlichkeit beunruhigt wird, um die Wiederansiedlung des Wolfes nicht zu gefährden. Das führt dazu, dass sich ein Gesetz des Schweigens etabliert, um gewisse Informationen zu verneinen und sie zu vernebeln. Und das beengt die Historiker, die die Freiheit wollen, die Wahrheit herauszufinden und sie mitzuteilen ohne zu übertreiben. Also, es geht nicht darum, für die aktuelle Zeitperiode lauthals zu verkünden, der Wolf sei ein gefährliches Tier. Ich will nur sagen, dass unter bestimmten Bedingungen Wolfsattacken auf Menschen nicht ausgeschlossen sind.“ 
      
*) Das vollständige Interview finden Sie auf youtube unter dem Titel: „Die schwerwiegenden Folgen der Wiederkehr des Wolfes in Frankreich“, von Bruno Lecomte.

Kann der Spaziergang in der Natur gefährlich werden? Foto: Wecker

Auch in Schweden ist man sich der Gefahr durch den Wolf bewusst und scheut im Bedarfsfalle nicht vor drastischen Mitteln zurück: nachdem die Wölfe im Nationalpark Kolmarden vor einigen Jahren einen Mitarbeiter des Parks attackiert und getötet hatten, beschloss die Leitung im November 2018 endgültig, die Wölfe human zu töten und nicht mehr zu ersetzen.  

     In Deutschland ist die legale Tötung von Wölfen ein äußerst kontroverses Thema. Bis heute wurden lediglich fünf Wolf-Hund-Mischlingswelpen und ein Wolfsrüde getötet.
Über Letzteren berichtete der NDR: „Erstmals hatte das Niedersächsische Umweltministerium im Jahr 2016 einen Wolf töten lassen. "MT6", genannt "Kurti", hatte sich immer wieder Menschen genähert und wurde schließlich vom damaligen Minister Stefan Wenzel (Grüne) zum Abschuss freigegeben.“
     Gegenwärtig macht der Rodewalder Wolf von sich reden. Nach zahlreichen Rissen wurde der Rüde Ende Januar zwar zum Abschuss freigegeben, doch bisher nicht gefunden.  „Laut Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) erschweren mehrere Gründe die Suche nach dem Rodewalder Rüden mit der Kennung "GW717m". Das größte Problem sei das bis zu 600 Quadratkilometer große Streifgebiet des Rudels. (...) Hinzu komme, dass die Suche durch "Störer" behindert werde. In Waldgebieten im Landkreis Nienburg waren zuletzt immer wieder Aktivisten unterwegs, um den Leitwolf aufzuscheuchen und so vor einem Abschuss zu schützen,“ schreibt der NDR in seinen online Nachrichten vom 3. Mai 2019. „Zudem mangele es in diesem Gebiet, das aus über 170 Jagdrevieren besteht, an Unterstützung: "Alle haben die Sorge, sich in irgendeiner Form öffentlichen Beleidigungen oder sonstigen Dingen ausgesetzt sehen", sagte Lies. Er will dies ändern - und erwägt dazu rechtliche Mittel. "Wir brauchen eine Grundlage dafür, dass uns die Revierinhaber, die Jagdpächter, die Jäger vor Ort als Partner zur Verfügung stehen", sagte er. Das Ministerium werde deshalb prüfen, "inwieweit wir rechtliche Möglichkeiten haben, die Jäger in diese Rolle zu versetzen". Eine Option wäre demnach, den Wolf - als streng geschütztes Tier - ins Jagdrecht aufzunehmen. Dann könnte ein problematisches Tier unter Aussetzung der Schonzeit von den örtlichen Jägern getötet werden.
Wer zurzeit konkret nach dem Rodewalder Wolf sucht und ihn gegebenenfalls abschießen darf, wird nicht öffentlich gemacht. "Dazu äußern wir uns nicht, um die Betroffenen zu schützen", sagte eine Ministeriumssprecherin.“

     Es klingt wie ein schlechter Scherz, aber auch Nutztierhalter müssen geschützt werden, denn erst wenn sie mehrfach Risse zur Anzeige bringen, kann das Umweltministerium den Abschuss eines tatverdächtigen Wolfes genehmigen. „Doch einen solchen Antrag stellen die Landwirte nur ungern,“ schreibt Gunnar Schupelius in der Berliner Zeitung. „Denn wenn ihr Begehren bekannt wird, bekommen sie nicht selten Morddrohungen von radikalen Tierrechtlern oder die Ankündigung, dass man ihre Scheune niederbrennt. Erst am Mittwoch erzählte mir ein Bauer aus Brandenburg, dass zum wiederholten Male die Kriminalpolizei auf seinem Hof erschien, weil er als „Wolfsfeind“ ernsthaft bedroht wurde.
In Pinneberg (Schleswig-Holstein) musste ein Schäfer seinen Antrag auf Abschuss eines gefährlichen Wolfes anonym stellen, weil er gefährdet ist. Das berichtete der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Das Ministerium sichert dem Jäger, der mit dem Abschuss betraut wird, ebenfalls Anonymität zu, damit er nicht in Gefahr gerät. “

 

 

Der Wolf macht Politik  

Im März letzten Jahres wurde in Winsen an der Aller die erste Bürgerinitiative mit dem Motto „Wolfsfreie Dörfer“ gegründet, es gab und gibt Kundgebungen gegen eine unkontrollierte Ausbreitung des Wolfes, Demonstrationen vor dem Sitz der Landesregierung, Informationskampagnen und ähnliche Aktivitäten.
    Ziel all dessen ist nicht die gnadenlose Vertreibung des Wolfes oder eine absolute Ablehung, den Beutegreifer in Deutschland zu akzeptieren.
Was Gründer und Mitglieder solcher Initiativen erreichen möchten, ist vielmehr ein realitätsorientiertes Wolfsmanagement, das auch für Viehzüchter, private Halter von ein paar Ziegen, Schafen oder Pferden und Dorfbewohner akzeptabel ist, die es leid sind, am hellichten Tag Wölfe durch ihre Straßen spazieren zu sehen.

Frage an Anne Friesenborg, Mitgründerin der ersten Bürgerinitiative: Können Sie einmal kurz erzählen, warum und wie es zur Gründung Ihrer Bürgerinitiative gekommen ist?

Anne Friesenborg: "Hintergrund sind die zunehmenden Wolfssichtungen am Tage und Nahbegegnungen mit dem Wolf in unseren Dörfern. Die Bewegungsfreiheit und das Freizeitverhalten in unserem Lebensraum wird uns zunehmend durch die unkontrollierte Ausbreitung der Wölfe genommen.

In einer Gemeinschaft werden wir eher wahrgenommen und es ist wesentlich einfacher die Standpunkte zu vertreten. In Berlin in einer Fraktionssitzung der CDU durften wir in einer Expertenrunde die Situation auf dem Lande schildern. Es war wichtig, auch den menschlichen Aspekt mit all seinen Ängsten und Sorgen  darzustellen."

     Gibt es inzwischen ähnliche Initiativen auch anderswo in Deutschland?

     Anne Friesenborg: "Nach unserem Vorbild gibt es mittlerweile zwei weitere Bürgerinitiativen in Schleswig-Holstein. Es sind weitere in Planung in Sachsen und Niedersachsen."

Es ist eine Sache, Wölfe im Fernsehen, auf youtube und hübschen Fotos zu sehen, eine ganz andere, ihn vor der eigenen Gartenpforte zu wissen. Warum, glauben Sie, ist es für nicht betroffene Menschen so schwer zu begreifen, dass die Lebensqualität erheblich leiden kann, wenn man zum Beispiel beim Waldspaziergang eben doch immer mal wieder instinktiv über die Schulter schaut, vor allem wenn man mit Kind und Hund unterwegs ist?

      Anne Friesenborg: "In der Stadt im dritten Stock mit Balkon lässt sich das auch schwer begreifen. Wie das Wort schon sagt, hat es was mit ‚greifen‘ zu tun. Man muss schon mal die sich aufstellenden Nackenhaare gespürt haben, wenn man den Grauen gegenüber steht. Oder auch nur das stocksteife Verharren der Hunde, das Aufstellen der Bürste und das tiefe Knurren, um dann Frauchen oder Herrchen wieder rückwärts zu ziehen.  Wenn man beginnt, in der dunklen Jahreszeit nur noch unter voller Beleuchtung des Gartens zur Mülltonne vorne an der Straße zu gehen und den Hund nur noch unter Aufsicht im Garten lässt. Wenn die Kinder nicht mehr alleine mit dem Fahrrad durch die Feldmark zum Schulbus fahren oder am Dorfrand unbeschwert spielen dürfen. Wenn die Joggingrunden durch die Natur ins Fitnessstudio verlegt werden und die Hunderunden nur nach genauer Überlegung wohin und mit Abwehrspray gelaufen werden. Dann hat man es begriffen, wie es sich anfühlt und wie die eigene Lebensqualität leidet."

Dass Weidetiere von Wölfen getötet werden ist hinlänglich bewiesen. In den Medien spricht man dann gern von “Schäden”, was ein bisschen so klingt, als berichte man von einer Beule im Kotflügel, nicht dem Tod eines Tieres. Dabei dürfte es für den Besitzer von Schaf, Ziege oder Pferd, vor allem wenn er die Haltung nur im kleinen Rahmen oder gar als Hobby betreibt, ein echter, persönlicher Verlust sein, schließlich kennt er ja jedes einzelne Tier. Wie empfinden die Betroffenen diesen Mangel an Verständnis und Empathie?

     Anne Friesenborg: "Unerträglich, da diese Schäden mit Entschädigungen ausgeglichen werden - zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Realität schaut ganz anders aus. In den meisten Fällen wird gar nicht vermittelt, wie viele Tiere Opfer der Übergriffe sind. Nicht selten versterben auch die verletzten Tiere an der schweren Sepsis. Lämmer, die ihre Mütter verloren haben können nicht mehr an das Trinken aus Trinkautomaten gewöhnt werden, Schafe verlammen oder resorbieren in der Trächtigkeit, die Herden sind nicht mehr händelbar. Man spricht auch von Stressschäden wenn die Tiere nicht mehr aufnehmen und den gewünschten Nachwuchs bringen. Die dann so oft beschworenen Herdenschutzhunde können schwerlich in eine caniden-geschädigte Herde eingesetzt werden. Oft ist die Haltung von diesen Hunderassen gar nicht möglich oder gar verboten. So wie z.B. an den Deichen oder in der Hüteschafhaltung beim aktiven Hüten in der Heide usw.  Aus Wolfsländern, wie Serbien und Bulgarien weiß man, dass die Zahl der Hunde immer der Anzahl der Rudelmitglieder des ansässigen Rudels entsprechen soll, damit auch die Hunde gegenüber einem Rudel eine Chance haben. Zudem: wieviele Hunde soll dann ein Schäfer mit über 1000 Schafen in Koppelschafhaltung in 20 einzelnen Herden, die zudem weit auseinander liegen, halten? Das ist doch gar nicht möglich. Die emotionale Belastung der Tierhalterfamilien wird komplett außer acht gelassen. Zudem bewegen sich die Wölfe ja nicht in einer Natur-, sondern in einer Kulturlandschaft. Deutschland ist eng besiedelt und nur wenige Regionen haben Truppenübungsplätze (TÜP) oder offen gelassene Tagebaulandschaften, wie in der Lausitz. Je ausgeprägter die Tierhaltung in einer Landschaft ist - so wie z.B im gesamten Norddeutschland - desto deutlicher werden die Konflikte. Die Sichtungen am Tage nehmen zu, die Wölfe werden in den Dörfern und auf den Höfen gesehen. Die Tiere werden auch direkt an den Häusern gerissen, die Wölfe gehen in die Ställe. Im Norden Deutschlands gibt es viel Offenstallhaltungen und sog. Kaltställe für Rinder und Milchvieh. Dies bedeutet, dass alles offen ist und die Tiere sich innerhalb und zum Teil direkt um die Stallungen frei bewegen können. All dies im Sinne des Tierwohls und der Tiergesundheit. Daher ist der Mangel an Verständnis und Emphatie kaum nachvollziehbar. Der Wohlstand macht uns satt - auch an Emotionen für andere. Die Supermärkte sind gut bestückt und man kann an 6 Tagen in der Woche für mindestens 12 Stunden einkaufen. Woher die Ware kommt wird von den wenigsten hinterfragt. Und für artgerechte Tierhaltung gibt man ungern ein paar Cent mehr aus. Aber gerade die artgerechte Weidetierhaltung ist betroffen. Genau jene Tierhaltung, die die Gesellschaft lautstark fordert."

Die Wolfsdiskussion in Deutschland erscheint recht schwarz-weiß: entweder man ist für die Wölfe, oder man ist dagegen. Tatsächlich gibt es aber ja auch Grautöne, etwa in Form des Vorschlags, die Wolfspopulation zahlenmäßig zu begrenzen, oder bestimmte Gebiete wolfsfrei zu halten oder, wie letztes Jahr von der FDP gefordert, den Wolf zur jagdbaren Tierart zu erklären. Zwischen den beiden Extrempositionen – “uneingeschränkte Freiheit für den Wolf” oder “ein großer Beutegreifer wie der Wolf hat in Deutschland absolut nichts zu suchen” – existieren also diverse Konzepte eines realistischen Wolfsmanagements. Welche Position vertritt Ihre Bürgerinitiative?

      Anne Friesenborg: "Diejenigen, die von Ausrottung sprechen, sind interessanterweise in Podiumsveranstaltungen und öffentlichen Diskussionen eher die Naturschützer, denn die Tierhalter. Die meisten Menschen wünschen sich einen offenen und ehrlichen Umgang mit dem Wolf und nicht diese ewig kommunizierte Verharmlosung eines großen Raubtieres mitten zwischen uns. Die Frustration der Betroffenen ist bedingt durch das Nicht-Ernst-Genommen-Werden und das Nicht-Glauben dessen, was geschieht. Die Betroffenheit beginnt und endet oft am Ortsschild. Das Monitoring, was auf den sog. SCALP Kriterien beruht, wird unterdessen nicht selten von den Ereignissen auf der rechten Spur überholt. Diese SCALP Kriterien wurden ursprünglich zum Monitoring von Luchs und Bär entwickelt. Dies sind bei weitem keine mobilen Arten wie der Wolf. Und genauso träge ist auch das Monitoring und die daraus resultierenden Information für die Bevölkerung. Steht der Wolf dann im Dorf, sind alle komplett überrascht. Und da setzt die Arbeit der Bürgerinitiativen ein.
Die Frage bleibt doch wohin man mit dem Wolf in Deutschland noch möchte? Bis in die letzte Ecke der Republik? Und dann? Wenn es soweit ist, ist jegliche viel beschworene Akzeptanz und gewünschte Kooexistenz schon längst verloren gegangen. So tut man dem Wolf jedenfalls keinen Gefallen. Die Menschen, die dem Wolf oder gar mehreren schon gegenüber gestanden haben, haben simpel und einfach Angst. Ihnen Trillerpfeifen und Stöckewerfen an die Hand zu geben ist einfach lächerlich."

    Ja, und mit dem Unmut mehren sich auch die Initiativen.
„Während die Landesregierung noch immer an einer Fortschreibung des bereits 2017 ausgelaufenen Wolfsmanagementplanes arbeitet,“ liest man bei wolfsfreiezone.de, „fordern die Städte und Gemeinden, ihr Gebiet darin als nicht für eine Besiedlung durch den Wolf geeignete Zone auszuweisen und die weitere Ausbreitung des Raubtieres durch Abschüsse zu bremsen. Örtliche Jäger und betroffene Tierhalter sollen das Recht erhalten, "an Viehweiden angreifende Wölfe zu töten", verlangen unter anderem die Kleinstädte Lenzen, Bad Wilsnack, Kyritz, Gransee, Werder (Havel), Ziesar, Niemegk, Schlieben, Ortrand und Calau. Alle Kommunen, die den Beschluss gefasst haben, sind jetzt auf einer Karte auf der vom Bauernbund betriebenen Seite "wolfsfreiezone.de" einzusehen. (...) Wir laden alle Städte und Gemeinden Brandenburgs ein, sich zur Wolfsfreien Zone zu erklären", sagte Mario Borchert, Gemeindevertreter aus Breddin, der für den Bauernbund die Aktion koordiniert. In dem Beschlusstext wird die Landesregierung aufgefordert, Schutzjagden auf den Wolf nach schwedischem Vorbild zuzulassen sowie den Bauern die Verteidigung ihrer Weidetiere zu erlauben. Außerdem sollen in Naturreservaten, Truppenübungsplätzen und Bergbaukippen Schutzgebiete eingerichtet werden, in die der Wolf sich zurückziehen kann. "Es geht uns nicht um eine erneute Ausrottung", stellt Borchert klar: "Wir wehren uns nur gegen die flächendeckende Ausbreitung. Wo Menschen leben und Nutztiere weiden, muss der Wolf bejagt werden."
Unterstützung erhielt die Initiative heute von Teilen der brandenburgischen Landespolitik: Auf der Pressekonferenz erklärten Dieter Dombrowski, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, und der FDP-Landesvorsitzende Axel Graf Bülow, dass sie über die kommunalpolitischen Dienste ihrer Parteien den Antrag verbreiten werden. Die Landesregierung dürfe die Bürger im ländlichen Raum nicht länger mit dem Wolfsproblem allein lassen, so Dombrowski und Bülow.“

Im Februar 2018 diskutierte der Bundestag das Thema Wolf. Und so positionierten sich vor einem Jahr die einzelnen Parteien mit ihrem jeweiligen Antragsthema:

Bündnis 90/Die Grünen: „Rückkehr des Wolfes – Artenschutz und Herdenschutz zusammen denken“. Man fordert umfassenden Schutz des Wolfs; Schaffung einer ausreichend großen Wolfspopulation und besserer Bedingungen für die natürliche Wiederansiedlung des Wolfes; schnelle und unbürokratische Kompensation von Wolfsübergriffen auf Nutztiere, um eine höhere Akzeptanz des Wolfs zu erreichen.

- Die Linke: „Herdenschutz – jetzt bundesweit wirkungsvoll durchsetzen“. Man plädiert für Sofortmaßnahmen für den Schutz weidetierhaltender Betriebe, zum Beispiel einen Rechtsanspruch auf Unterstützung für Herdenschutzmaßnahmen und den Ausgleich von Schäden durch Wolfsübergriffe zu schaffen, ihn bundeseinheitlich und praktikabel zu regeln und zu finanzieren.

- FDP: „Gefahr Wolf – Unkontrollierte Population stoppen“. Man verlangt, den Wolf als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aufzunehmen, einheitliche Standards für ein bundesweites Wolfsmanagement und Wolfsmonitoring zu schaffen und zusätzliche finanzielle Mittel für die Schadensprävention und Wolfsgeschädigte bereitzustellen.

- AFD: „Herdenschutz und Schutz des Menschen im ländlichen Raum – Wolfspopulation intelligent regulieren“. Man möchte die Neufestlegung des Status der in Deutschland lebenden Wölfe und Wolfsmischlinge, eine Untersuchung, ob sie der Unterart Canis Lupus Lupus angehören sowie eine genauere Definition, ab wann ein Einzelwolf oder ein Wolfsrudel problematisch in Bezug auf Mensch und Weidetier zu betrachten ist.
 
- SPD: die Sozialdemokraten betrachten das aktuelle Wolfsmanagement in Deutschland als angemessen und wollen am Schutzstatus von Canis lupus nicht rütteln. Subventionen wollen sie so verteilen, dass insbesondere die Viehzüchter dabei favorisiert werden.

- CDU/CSU: die beiden Schwesterparteien betrachten die Rückkehr des Wolfes zwar als positive Entwicklung, lehnen aber jeden diesbezüglichen Naturromantizismus ab. Sie möchten eine genaue Untersuchung der Wolfspopulation im Hinblick auf mögliche Hybriden und akzeptieren im Bedarfsfalle die Entnahme von Einzeltieren oder einem gesamten Rudel. Die Christdemokraten möchten den Viehzüchtern vor allem Mittel für die Anschaffung von Herdenschutzhunden zur Verfügung stellen.

   
    Wessen Vorschläge dem Wahlvolk besser gefallen, wird sich zeigen. In zwei der drei Bundesländer mit dem höchsten Wolfsaufkommen, Sachsen und Brandenburg, geht man im Herbst 2019 zu den Urnen. Die Bürger Niedersachsens müssen bis 2022 warten, aber bis dahin kann ja viel passieren
, zumindest auf Landes- und kommunaler Ebene.
    So berichtete der NDR etwa am 3. Mai 2019: „Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) will den Abschuss von Wölfen rechtlich erleichtern. (...) Basis für ein solches Vorgehen könnte die sogenannte "Lex Wolf" werden, eine beantragte Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes. Die vom Land Mecklenburg-Vorpommern angestoßene Gesetzesänderung sieht vor, "dass wenn Schäden bei Nutztierrissen keinem bestimmten Wolf eines Rudels zugeordnet werden können, der Abschuss von einzelnen Mitgliedern des Wolfsrudels an einem potentiellen Schadensort in engem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit bereits eingetretenen Rissereignissen auch ohne Zuordnung der Schäden zu einem bestimmten Einzeltier bis zum Ausbleiben von Schäden fortgeführt werden darf."



 

Der Wolf ist business
Der Wolf hat für viele Menschen ganz unterschiedliche Bedeutung und eine davon ist -  ein gutes Geschäft.
    Schon 2017 titelte die Hannoversche Allgemeine:
„Naturschützer locken Touristen mit Wolfsbeobachtung.“ Fast 1800 Euro kostet das Privileg, eine Woche lang Wolfsspuren zu vermessen, Losung zu sammeln oder neue Fotofallen aufzustellen. „Bürgerwissenschaftler-Expedition“, nennt der Veranstalter Biosphere Expeditions das Projekt.
„Dass nun Touristen einen Teil des Wolfsmonitorings in Niedersachsen übernehmen sollen,“ schreibt die Zeitung, „stößt bei denen sauer auf, die laut Vertrag eigentlich für das Monitoring verantwortlich sind: den Jägern. „Wir haben von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass wir das ablehnen“, sagt Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft. Er sehe es kritisch, dass die Touristen während der Brut- und Setzzeit in den Wald geführt werden sollen. Und nicht zuletzt störe ihn, dass mit dem Wolfsmonitoring Geld verdient werden soll. „Ein Großteil unserer ehrenamtlichen Wolfsberater dürfte sich herabgesetzt fühlen. Sie bekommen für das Monitoring nicht mal Benzingeld“, sagt Dammann-Tamke. Dass das Wolfsbüro des Landes trotz Protesten der Jäger in die Zusammenarbeit mit Biosphere Expeditions eingewilligt habe, erschwere das Miteinander von Land und Jägern: „Die Kooperation ist derzeit sehr belastet.“
    Wie an anderer Stelle schon berichtet, fängt man auch in Italien an, durch den Wolf zu verdienen, auf Seiten der Wolfsbefürworter jedenfalls.

    Ja, der Wolf ist nun mal ein Bestseller, in Form von Fotos, Zeichnungen, Silhouetten, in schwarz-weiß oder Farbe, den Kopf heulend in den Nacken gelegt oder den weisen Blick dem Betrachter zugewandt, ob auf t-shirts, Baseball Mützen und Logos gedruckt oder selbstklebend auf Wänden, Kühlschränken, Notebookdeckeln, Schultaschen, Türen, Autos und vielem mehr.
   Die WELT vermutete, dass der NABU wohl einen Großteil der 32,2 Millionen Euro, die 2014 in seine Kassen gewandert waren, dem Wolf zu verdanken hatte.
   Man darf annehmen, dass das Jahr 2018 für den NABU und viele andere Vereine, die sich mit dem Wolf beschäftigen, finanziell gesehen noch besser gelaufen ist. Selbst VW wollte seine Herkunft Wolfsburg nicht verleugnen und spendete großzügig für die Pro-Wolf-Kampagne. Das Konzept Wolf lässt sich vortrefflich instrumentalisieren und eine PR Aktion zur Image Aufbesserung kann auch einem Autokonzern nie schaden.
Seit dem Dieselskandal verzichten die Wolfsschützer allerdings auf VW als Sponsor. 

Text (c) 2019

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