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Der Rhodesian
Ridgeback
Von Bianca
Pertz
"Oh, ist
das ein Ridgeback? Wie sind die denn so?" Ich weiß nicht,
wie oft ich diese Frage schon ge-stellt bekam, und immer noch weiß
ich nicht, was ich darauf antworten soll.
Ein Ridgeback macht es seinem Besitzer manchmal nicht sehr einfach,
und man sagt sich, er sei nicht leicht zu erziehen. Es handele sich
hier um eine ganz spezielle Rasse, die manche Dinge einfach nicht
mache. Was ist dran an dem Mythos um des Ridgebacks Schwererziehbarkeit?
Einige Exemplare verfügen über einen mehr oder weniger
starken Hetz- oder Jagdtrieb. Doch es gibt eine Menge anderer Rassen,
deren Kooperationsbereitschaft diesbezüglich wesentlich geringer
ist. Denn im Allgemeinen ist der Ridgeback ein leichtführiger
Hund. Hiermit ist nicht gesagt, dass er be-sonders leicht zu erziehen
wäre. Mit leichtführig ist eher seine Bereitschaft gemeint,
mit dem Men-schen zusammenzuarbeiten. Er jagt selten blindlings
drauf los, sondern mit Köpfchen, was in seiner Vergangenheit
als Jagdhelfer in Afrika natürlich überlebenswichtig war.
Er wurde eben auf eine enge
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Ridgeback Lisa und Dts. Kurzhaar Lutz. |
Zusammenarbeit
mit seinen Menschen selektiert. Allerdings kann es vorkommen,
dass
er sich in Sachen Jagd auch sofort mit seinen Artgenossen versteht,
denn der Ridgeback arbeitete ursprüng -lich oft in der Meute.
Das sollten sich seine Menschen zu Nutze machen. Ich rate daher
unbe-dingt
zu einer Beschäftigung mit ihm, die diesen Fähigkeiten
gerecht werden, die also zum einen die jagdlichen Anlagen anspricht,
und zum
ander-en die Kooperation und Kommunikation zwischen Hund und Mensch
fördert. Ideal erscheint mir hierzu die Dummyarbeit. (Ja, auch
ein Ridgeback kann das Apportieren lernen!) Und natürlich
jeg-liche Art von Nasenarbeit. Nicht zu vergessen ist auch die
Rettungshundearbeit,
in der schon einige talentierte Ridgebacks zeigen durften was sie
können.
Der Ridgeback ist sehr sensibel. Das bedeutet allerdings nicht,
dass er etwa durch negative Er-ziehungsmaßnahmen besonders leicht
zu beein-drucken wäre, sondern eher, dass er dank seiner |
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scharfen Sinne sofort merkt, wenn etwas im Busch ist. Er registriert
jede Stimmungsschwank- ung und reagiert darauf.
Leider sind diese Reaktionen oft nicht die, die sein Mensch erwartet.
So wird ein Ridgeback, der bspw. eine Abneigung gegen das Treppensteigen
hat, alles aufbieten, um der Sache aus dem Weg zu gehen. Wird der
Mensch daraufhin wütend, wird dies den Hund noch bestärken
und dazu führen, dass er die Mitarbeit total einstellt
und das Vertrauen in seinen Menschen verliert. Es soll auch
Ridgebacks
geben, die sich bei irgendwelchen bedrohlichen Vorkommnissen
einfach auf ihren |
Allerwertesten
setzen, sich weigern weiterzugehen und so eine Stunde ausharren.
Der Hund vertraut in solchen Momenten seinen
Menschen
nicht, was ja auch kein Wunder ist, ist er doch der Meinung, dass
diese gar keine Ahnung haben, wie gefährlich bestimmte,
unvorhergesehene Situationen sein können! Außenstehende
würden derartiges
Verhalten vielleicht als Ängstlichkeit deuten. Fakt ist, dass
die meisten Ridgebacks Neuartigem eher misstrauisch gegenüber
stehen. Angst ist hier m.E.n. das falsche Wort, es handelt sich
um
eine gewisse Vorsicht, die sie dann aber oft durch ihre
sehr deutliche Körper- |

Lisa am Strand. Auch eine wichtige Erfahrung! |
sprache
ausdrücken. Man sagt Ridgebacks
tatsächlich einen 6. Sinn für Gefahren nach. Dies hängt
zum Einen mit den sehr sensiblen Sinnen der Rasse zusammen,
und
zum anderen mit dem Misstrauen gegenüber Neu-em und Unvorhergesehenem.
Hier ist der Besitzer ganz klar gefordert, dafür zu sorgen,
dass gerade sein Ridgeback genügend positive Erfahrungen
mit unter-schiedlichen Umweltfaktoren machen darf - dies bitte
das ganze
Ridgebackleben lang, aber natürlich ohne den Hund zu überfordern.
Ein, zwei positive Erlebnis-se sind hier mehr wert als 10 gute
und
3 schlechte. Ein Welpenbesitzer darf nicht dem Trugschluss verfallen,
es reiche, seinem Welpen nur viele verschiedene Dinge zu zeigen,
damit er für den Rest seines Lebens an eben diese Dinge gewöhnt
ist. Ein junger Ridgeback, der es gewöhnt war, dass in seinem
Haus Menschen ein und aus gehen, wird dies nicht unbedingt dulden,
wenn sich die Wohnverhältnisse ändern und nur noch selten
Besucher zu erwarten sind. Er wird nun vielmehr
die veränderten Bedingungen als "normal" einstufen.
Den nun selten stattfindenden Besuch findet er daher un- |
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gewöhnlich
oder gar bedrohlich.
Seine Reaktion wird entsprechend ausfallen, schließlich war
der Ridgeback neben seiner Rolle als Jagdhelfer auch immer schon
ein Wachhund. Andererseits kann
es aber auch so sein, dass ein Hund, der verlässlich Fremde
gemeldet hat, dies plötzlich nicht mehr tut, weil seine Menschen
bspw. über einige Tage Handwerker im Haus hatten, welche
der Hund lernte zu ignorieren. Steht dann plötzlich ein
ungebetener Gast in der Tür, so kann es sein, dass auch
dieser für
einen Handwerker gehalten wird und vielleicht nicht schwanzwedelnd
begrüßt, aber zumindest ignor-iert wird. Rigdebacks
sind absolute Gewohnheitstiere und werden immer aufmerksam,
vielleicht
sogar argwöhnisch jede Veränderung beobachten. Andererseits
gewöhnen sie sich schnell an solche Veränder-ungen,
die dann wiederum zur Gewohnheit werden. Und das ist es letzlich,
was
den sechsten Sinn beim Ridgeback ausmacht, der Sinn für alles
was vom Gewohnten abweicht und somit als potentiell gefähr-lich
eingestuft wird. |
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Eine Begebenheit
möchte ich dazu kurz erzählen:
Eines Nachts wachte ich auf, weil meine junge Hündin Lisa
unruhig im Zimmer herumirrte. Sie sah be-mitleidenswert aus und
ich dachte,
sie wäre verrückt geworden, denn sie hechelte, hatte
einen panischen Blick und tigerte im Zimmer auf und ab. Als
ich sie
dann auf ihren Platz verwies, trollte sie sich zwar, schaute mich
aber umso panischer an! Ich kam mir vor wie ein Tierquäler
- hatte ich die Ärmste etwa im Schlaf geschimpft oder beim
Versuch sich auf meine Beine zu legen getreten? Soll ja vorkommen,
wenn frau nicht Herrin ihrer Sinne ist. Dann nahm ich meine
Ohropax
aus den Ohren (ich habe einen leichten Schlaf und man wird es
nicht
glauben, aber Ridgebacks schnarchen hin und wieder) und mir wurde
klar was los war: draußen regnete es stark. Irgendwo in
der Nachbarschaft tropfte es sehr laut auf etwas Blechernes.
Ein unheimliches
Geräusch, welches durch die ganze Siedlung hallte. Ich ging
gefolgt von meiner Hündin durch alle Zimmer, schaute durch
die Fenster, schloss einige und sagte ihr, es sei alles in Ordnung.
Dann legte ich mich zurück ins Bett und Lisa legte sich auf
ihren Platz und schlief augenblick -lich ein, als sei nichts
gewesen.
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Doch
was braucht man nun, um einen Ridgeback zu erziehen? Ganz einfach:
Geduld und die Be-reitschaft, sich auf seinen Hund einzulassen.
Das darf nicht mit Nachgiebigkeit oderWeich- heit verwechselt
werden.
Eher eine ruhige, liebevolle Standhaftigkeit. Und wenn man dann für
seinen Hund oft genug der Fels in der Bran-dung war, scheint es,
als
ginge diese Eigen-schaft in ihn über. Hat er gelernt, er kann
sei-nen Menschen vertrauen, so wird er selbst zu einem überaus
vertrauenswürdigen Hund. Hat er gelernt, dass er sich auf
seinen Menschen verlassen kann, so kann man sich auch auf ihn
verlassen.
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Es wird immer
wieder Situationen geben, in denen ein Ridgeback mal "checkt",
ob die Dinge immer noch so sind, wie sie zu sein pflegten. Wenn
der Hund bspw. einmal gelernt hat, was "Sitz!" bedeutet,
so kann es sein, dass er auch mal probiert, ob man bei "Sitz!"
nicht auch stehen kann. Wird dann aber darauf bestanden, so wird
das Kommando auch ausgeführt und der Hund scheint zufrieden
zu sein, dass "Gott sei Dank" alles beim Alten ist. Während
es bei meinem Deutsch Kurzhaar oft so scheint, als hätte er
ein Kommando total vergessen, so ist es bei Ridgebacks eher so,
dass sie nur mal sehen wollen, ob auch ihre Menschen die Bedeutung
eines Kommandos noch kennen.
Alles in allem ist der Ridgeback für mich der ideale Begleiter,
der einiges von seinen Menschen ver-langt aber jede Mühe doppelt
und dreifach wieder wett macht.
Zum Fotoalbum
Rhodesian Ridgeback
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Alle Fotos: Bianca Pertz
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