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Erfahrungen
mit dem Deutsch Drahthaar in Italien
Von Paolo Andrea Sangiorgi
Den ersten
Kontakt mit dem Deutsch Drahthaar hatte ich 2002, als mein Freund
Orazio (der leider im Sommer 2007 verstorben ist) mir einen Welpen
dieser Rasse schenkte; als Gegengabe für den jungen Pointer,
den ich ihm zwei Jahre zuvor überlassen hatte.
Zu dieser Zeit jagte ich im Alpengebiet, und man konnte die Tage,
an denen ich mit meinen Pointern los zog an einer Hand abzählen.
Entsprechend begeistert nahm ich den kleinen DD Argo an, denn ich
dachte an die so gerühmte Vielseitigkeit dieser Rasse, die
mir vielleicht erlauben würde, Wildschwei- ne zu jagen, (das
einzige damals mit dem Hund jagdbare Schalenwild in unserer Gegend)
sobald die Abschussquote für das typische alpine Wild erreicht
sei.
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Argo im Alter von drei Monaten. Im Startfenster: Argo erwachsen. |
Dessen
eingedenk, brachte ich Argo schon in den ersten Monaten in Kontakt
mit allem Haarwild, das aus dem Gebirge herabstieg, also Reh,
Hirsch und Sau, und er zeigte tatsächlich großes Interesse
dar -an. Sein Enthusiasmus war sogar derart groß, dass er
mir oft und gern beim Versorgen des geschos-senen Stücks half:
ich hielt ihm einen Zipfel der Decke hin, er nahm ihn in den Fang
und begann fleißig zu zerren, mit dem Ergebnis, dass ich
weniger Arbeit mit dem Abziehen des Fells hatte…
Während er heranwuchs, zeigte Argo eine weitere Besonderheit
seiner Rasse, nämlich die starke Bind -ung an den Herrn. Das
nötigte
mich in seiner Welpenzeit mehr als einmal, Fluchtstrategien zu
ersin-nen, nur um ungestört ins Bad gehen zu können,
da er andernfalls nicht unversucht ließ, die Tür einzu
-rennen, um endlich wieder bei mir zu sein.
Am Ende der Jagdsaison 2002/03 kam ich zu dem Schluss, dass es
angesichts der Entwicklung seiner Anlagen unvernünftig wäre, Argo
ausschließlich für die Saujagd einzusetzen, wie ursprünglich
geplant. Folglich stellte ich ihm nun auch jedes andere jagdbare
Wild vor, das den Landstrich um meinen Wohn -ort bevölkerte
und stieß augenblicklich auf eine unerwartete Jagdpassion
des Junghundes.
Guter Dinge begann ich die Ausbildung auch am Federwild, mit Vorstehen,
Nachziehen und Apport, wie es sich eben für jeden ordentlichen
Hund und Jäger gehört, und bemerkte dabei wieder einmal,
wie einfach sich Argo erziehen und ausbilden ließ. |
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Argo während des Italien-Cup
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Irgendwann
war ich so begeistert von meinem deutschen Allrounder, dass
ich beschloss, den „Herrn der Winde“, den Pointer, endgültig
aufzugeben, zumal diese Rasse wegen ihrer Besonderheiten eine
viel zu begrenzte Einsatzmöglichkeit in unserer Gegend
hatte. Meine neue Lieblingsrasse wurde der Deutsch Drahthaar. |
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Faruk
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Seitdem
habe ich fünf DD geführt, drei eigene, nämlich
Argo, Fosca (die leider mit nur 18 Monaten von einem Zug überfahren
wurde) und Mira so-wie die beiden Hunde meines Jagdge-fährten
Pietro, Faruk und Buffy, eine Tochter von Argo. Und immer wieder
bin ich hingerissen von der unglaubli-chen Anpassungsfähigkeit
dieser Tiere, ganz gleich welches Wild einem der Jagdtag beschert.
Und ganz allmählich habe ich mich auch an die „magische
Welt des VDD“, wie ich sie gern nenne, angenähert, und
begonnen, die Prüfungen in Deut-schland als den Abschnitt
im Leben jedes DD zu betrachten, den er durch -laufen muss, um
all die
Fähigkeiten, für die er gezüchtet wurde zu beweis
-en und zu erhalten.
Ich persönlich glaube, dass der DD in Italien - vielleicht
wegen des von ein-igen Züchtern zu begrenzten Einsatz-es bei
den hiesigen Prüfungen – von der überwältigenden
Mehrheit der Hundeführer und Jäger etwas „miss- |
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verstanden“ wird.
Bei der praktischen Jagd genauso wie bei den Prüfungen wird
viel zu oft nur von Aggressivität
und Bissigkeit gesprochen, und man schafft es nicht, den verschiedenen
Richtergremien die Anlagen dieser Rasse für Spurwillen und Spursicherheit
klar zu machen, die aber für die ver-schiedenen Aufgaben, die
ein guter DD zu erfüllen im Stande sein muss, unerlässlich
sind.
Was mich angeht, fahre ich trotzdem damit fort, meine Hunde „deutsch“ auszubilden
und sie folglich in allen Situationen einzusetzen, die mir die Jagd
hier bei uns erlaubt: von der Vorstehjagd auf Wach -teln zur Jagd
auf Schalenwild, vom Einholen verletzter Schädlinge zum Apport
aus tiefem Wasser. Bisweilen nehmen wir auch an Prüfungen teil,
seien es die der ENCI (Verband für das ital. Hunde-wesen) oder
die vom Typ Sankt Hubertus, einfach um zu zeigen, was wirklich im
DD steckt, einer Rasse, die, wenn man sie tatsächlich kennt
und im praktischen Einsatz erlebt, einen tiefen Eindruck bei jedem
Jäger hinterlassen muss.
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Argo
und Faruk
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Übrigens
trifft die Diskussion um die Prüfungen der ENCI in Italien
die Hauptschuld für die Verän-derung der Ausbildungsmethoden,
die sich bei vielen Rassen (und vor allem beim DD) als verderblich
erwiesen hat, und all das wegen der Aufgabe, die vom Hund während
seines Prüfungsturnus
gefordert wird, nämlich nur die geordnete Suche („lacets“),
das feste Vorstehen mit unbedingt hoch erhobenem Kopf und die
völlige Bewegungslosigkeit beim Hochmachen des Vogels.
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Meiner
Ansicht nach müssten diese drei Phasen so durchgeführt
und bewertet werden, dass der Hund seine natürlichen Anlagen
zeigen kann und nicht nur das Ergebnis einer ständigen
und starren Dressur. Ausserdem müss-te der berühmte
Punkt "Suchenstil"
den verschiedenen Richtern ermöglich-en, den Stil jeder
einzelnen teilnehm-enden Rasse zu erkennen und anzuer-kennen
und jenen Hund am höchsten
prä -mieren, der sich dem Arbeitsstandard seiner
Rasse am
meisten annähert.
Um zum Beispiel bloße Schönheitsbe-wertungen zu
erreichen, statt auch die rassegemäßen Anlagen einzubeziehen, wurden
bei uns Pointer vorgeführt,
die sich dem Wild nicht mit diesen wunder-schönen, typischen
Bewegungen annäh-erten,
oder Bracchi und Spinoni Italia-ni, die ihren spontanen Apport
verlor-en haben, der sie früher zu unschätz-baren Helfern
des Jägers
gemacht hatte, oder Deutsch Drahthaar, die ge-
schossenes
Wild nicht mehr suchten
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Buffy, Tochter
von Argo |
und
brachten und sich nicht einmal ins Wasser wagten, um ihrem Herrn
an drückenden
Sommertagen dorthin zu folgen…
Ich meine, den Verlust eines genetischen Schatzes zu riskieren,
den man seit über
100 Jahren zu be-wahren versucht, weil die Erhaltung der Anlagen des DD
von Anfang an Ziel der Zucht
war, nur um eine
(meines Erachtens nach ohnehin begrenzte) Arbeitsprüfung
zu bestehen, oder
gar nur, um aus Ge- |

Mira |
winngier
ständig Würfe
auf den Markt werfen zu können, ist si-cher nicht der beste
Weg, eine Hunderasse zu betreuen und ihre herausragenden Fähigkeit-en
auch für künftig Generation -en zu erhalten.
In diesem Sinne:Waidmannsheil!
Übersetzung
des ital. Originaltextes :
Sabine Middelhaufe
Alle Fotos:
Paolo Andrea Sangiorgi |
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