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Der Bracco
Italiano
Von Gian Carlo Perani
Man sagt vom
Bracco Italiano "l'è un om", "er
ist ein Mensch". Dieser Satz, der gleich zur Geburt des
[italienischen] Hundewesens geprägt und in der Welt des
Jagdhundewesens widerspruchslos akzeptiert wurde, stammt aus
dem lombardischen Dialekt, und zwar
einfach deshalb, weil die Wiege des wiederge-borenen Bracco Italiano
der Nachkriegszeit in der Po-Ebene stand.
"L'è un om" bezieht sich nicht nur auf die
so menschlich wirkenden, ausdrucksvollen Augen des Bracco die überdies
in einem der vielleicht schönsten Vorstehhundeköpfe sitzen,
sondern umschreibt sehr re-alistisch auch einige Charakterzüge
der Rasse: etwa die Fähigkeit, Erlebnisse zu "überdenken"
und zu
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Multi-Champion
Orso di Montetricorno steht vor.
Startfenster: Delor de Ferrabouc Cesarione (vorn) und Luciano
Delor's beim Sekundieren. Fotos: Lucia P. G, Delor de Ferrabouc |
verarbeiten,
was ein Grund dafür ist, dass die auf Strafen beruhen-de
Ausbildung vom italienischen Vorsteher höchst ungern toleriert
wird. Ganz im Gegenteil müssen all unsere Maßnahmen
dazu dienen, ihm auf logischste Weise, mit der Kunst der Überredung,
der Wiederholung-en der Übungen und viel, viel Ge-duld klar
zu machen, was wir von ihm wünschen, aber ihm dabei gleich
-zeitig auch reichlich Spielraum lassen, damit er sich frei und
fan-tasievoll
ausdrücken kann.
Sofern man auf diese Weise die angemes-senen Vorbedingungen schafft
und dem Bracco die richtigen Erfahr-ungen ermöglicht,
ist sein Verstand |
oft
in der Lage, komplizierte Jagdsituationen und äusserst schwierige
Geruchsprobleme zu lösen,
weil er alles ausschöpft was ihm an Stil und Fähigkeiten
zur Verfügung steht. Tatsächlich gehört die Fanta-sie
zu seinen hervorragenden Qualitäten: wenn Umweltbedingungen
und Wind es erlauben, erfindet er z.B. plötzlich eine neue "Nummer",
indem er etwa seinen Trab im Hinblick auf die aktuelle Situation
abwandelt,
Kopf und Hals übertrieben anhebt, wie ein Periskop, um auf
wirklich spektakuläre Weise auch noch die minimalsten Duftspuren
wahrnehmen zu können, und hat er das Wild dann gefunden, steht
er wieder absolut klassisch vor. |
Der
Bracco Italiano ist heutzutage ideal für jemanden, der in
der Kynologie aktiv sein möchte, da sich die Rasse in einer
ständigen
Evolution befindet. Im Gegensatz zur nicht allzu fernen Ver-gangenheit
ist der Bracco inzwischen auch zahlenmäßig gut vertreten
und hat eine angemessene Position unter den Vorstehrassen erlangt,
er ist gesünder, stärker, mit wesentlich dünnerer
und fettärmerer Haut als früher, hat einen autonomeren
Suchstil entwickelt und im Durchschnitt lebhaftere Bewegungen.
Der Trab der
heutigen Bracchi [Plural von Bracco], der das Resultat einer
kontinuierlichen und bedachten Selek-tion ist, zahlt sich jagdtechnisch
sehr |
Bracco Italiano
des Autors. Foto: Gian
Carlo Perani |
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gut
aus, und wenn
er angemessen und als schnellste Gangart gezeigt wird, ist das
sehenswert, um es be-scheiden auszudrücken. Dazu dann
das allmähliche
Kürzerwerden, das Sichern der Wittrung noch im feinsten
Luftstrom - da bekommt man Herzklopfen...
Ganz allgemein zeichnen sich heute immer mehr Bracchi bei den
Prüfungen
im bergigen Gebiet aus, wo sie gegen ausländische Vorsteher
antreten müssen, aber auch in speziellen Leistungsprüfungen
der Ras-se, an Bekassinen etwa, und gewinnen dabei alles, was
es
zu gewinnen gibt, draußen im Gelände genauso wie im
Ausstellungsring. Oh ja, denn bei dieser Rasse gibt es keine Aufteilung
in Leistungs- und Schön-heitszucht. Normalerweise sind die
erfolgreichsten Arbeitshunde auch die typischsten Rassevertreter, |
Internationale
Ausstellung Lausanne 2004. Beste Hündin Rivana del Monte
Alago. Rassenbester Luciano Delor's
Foto:
Lucia P. G, Delor de Ferrabouc |
und übertragen später bei der Zucht sowohl die morphologischen
als auch ihre inneren Qualitäten.
Gegenwärtig darf man behaupten, dass der Bracco Italiano eine
sehr positive Phase erlebt, und seine erreichte Position festigt,
nicht zuletzt dank jah-relanger, zielstrebiger Arbeit der Züchter
und des Vorstandes der S.A.B.I. [Società Amatori Bracco
Italiano;
Zuchtklub der Rasse], was auch aus den allmählich zunehmenden
Wurfmeldungen hervorgeht; eine Tendenz, die bei anderen Jagdhunderassen,
speziell den Vorstehern, eher in die entgegen- gesetzte Richtung
geht.
Bracchi, die sich auf Prüfungen qualifizieren nehm- |
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en,
wie bereits erwähnt, zahlenmäßig
immer mehr zu, und liegen qualitativ ganz entschieden über
dem Niveau ihrer Vorfahren. Das zeigte sich auch beim diesjährigen
Wettbewerb um den Italien-Pokal für kontinentale Vorstehrassen,
bei dem die Mannschaft der Bracchi Italiani alles abgeräumt
hat. Für den Zuchtklub muss es schwierig und recht unangenehm
gewesen sein, unter den vielen zur Auswahl stehen- |
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Multi-Champion Orso di Montetricorno und seine
Tochter Titti beim Apport. Foto:
Lucia Delor |
den
Hunden, allesamt mit herausragendem Stil, willensstark, zielbewusst
und fähig,
ihre Anlagen erfolgreich umzusetzen, eben jene fünf Tiere
für den Wettbewerb auszusuchen, aber das Resultat hat
die Wahl bestätigt.
Ist es utopisch sich den Bracco Italiano vielleicht nicht als
den bevorzugten, aber doch wenigstens als einen der belieb-testen
Hunde
bei denjenigen vorzustellen, die mit derselben Rasse zur Jagd
gehen, die sie im kynologischen Sinne lieben? Unser Bracco hat
im Bereich
des [italienischen] Jagdhunde-wesens leider nie große Wertschätzung
genossen. Vielleicht auf Grund alter Vorurteile oder kursierender
Gerüchte, Ge-rüchte, die sich fast immer als Unsinn
erweisen und bezeich-nenderweise fast immer von Leuten in Umlauf
gesetzt wer-den,
die den Bracco in Wahrheit gar nicht kennen und ihn mit Gewissheit
nie selbst geführt und gehalten haben. |
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Was
um alles in der Welt, so fragt man, kann an einem Jagdhund schon
Gutes dran sein, der zwar seinen Zweck erfüllt, aber eben
auch groß und vielleicht ein bisschen "sperrig" ist,
noch dazu dermaßen ver-spielt, dass es einem auch mal
zuviel werden kann, und dann so übertrieben anhänglich,
dass er seinem Menschen einfach nicht von der Seite weichen
will und
schließlich dermaßen in seinen Herrn verliebt, dass
es mitunter fast lästig wird. Aber irgendwelche guten Eigenschaften
muss er ja wohl auch haben, sonst würden wir ihn wohl nicht
so schätzen. Oder mögen wir ihn vielleicht nur, weil
er Italiener ist
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Delor de
Ferrabouc Albina mit Professional Handler Fabio Cardea.
Foto:
Lucia P. G, Delor de Ferrabouc
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und
wie alle guten Sprösslinge unseres Landes
Fantasie besitzt, Köpfchen hat, anpassungsfähig ist
und sich gern auf die Arbeit stützt, die ihm liegt, und
weil er
immer und ewig verliebt ist und tiefe Ge-fühle
für
Sie, den Herrn und Meister hat
? Der Bracco ist vielleicht
eines der wenigen Geschöpfe, die noch die echte "Italienischkeit"
verkörpern, die wir scheinbar allmählich verlieren,
und die aus guten, einfachen, wahren und wirklichen Dingen besteht.
Er, der Bracco gehört zu unseren Wurzeln.
(Anm. d. Ü.: Die Widerristhöhe des Bracco Italiano
liegt je nach Geschlecht bei 55 - 67 cm, das Ge-wicht zwischen
25 und 40 kg. Die Rasse erscheint nur als Kurzhaar in den Farben
Weiß mit orangenen Flecken sowie Braunschimmel.)
Übersetzung des italienischen Originaltextes:
Sabine Middelhaufe.
Lesen Sie auch: Erfahrungen mit dem Bracco
Italiano.
Zum Fotoalbum Bracco Italiano
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