Leben mit einem Welsh Springer Spaniel
Von Susanna Müller

Dies sind - nach zwei Flat Coated Retrievern - meine persönlichen Eindrücke vom Leben mit meinem ersten Welsh Springer Spaniel, Rhian.
Rhian ist ein unglaublich fröhlicher, unternehmungslustiger Hund und sehr anhänglich. Beide Springer Spaniel Rassen, d.h. der Englische wie auch der Welsh, gelten offenbar zu Recht als Velcro-Hunde. Ungeheuer interessiert an ihrer Umwelt ist sie und mit schier unerschöpflichen Energiereserven.
Meine Hündin reagiert sehr sensibel auf Stimmungen und Körpersprache, hat aber auch eine Neigung zur Sturheit. Sie ist extrem verspielt, das liegt aber wohl teilweise am Alter - sie zählt jetzt knapp 15

Monate. Äußerste Verträglichkeit mit andern Hunden ge-hört zu ihren Eigenschaften; Aggression scheint ihr fast fremd zu sein und sie unterwirft sich leicht.
Im Spiel stellt sich Rhian auf die andern Hunde ein, ist da- bei aber zäh und recht hart im Nehmen. Im Haus erlebe ich sie als ruhig (jetzt, da sich die Kauorgien der Welpenzeit gelegt haben), draußen als ultraschnelle Rakete. Dabei ist sie aber eher der vorsichtige Typ, keinesfalls ängstlich, aber eben ein Hund, der nicht unüberlegt von einer Klippe springt. Als echter Clown und Antidepressivum, und von absolut um-werfendem Charme zaubert sie oft ein Lächeln auf die Lip-pen von Passanten......Nicht vergessen sollte ich Rhians große Wasserfreude, die an den Retriever erinnert!
Wie es mit dem Jagdtrieb steht ist derzeit noch schwierig zu sagen. Ich denke, die Anlagen wären da. Draussen ist die Nase meist unten; wenn ich es zulasse, nimmt sie sich auch einen recht grossen Aktionsradius heraus. Ernsthaft Spuren aufnehmen tut sie selten, aber aufgestöberte Kleintiere wer-
den kurz gehetzt, wenn sie die Chance dazu kriegt. Ob sie ausdauernd fährten oder hetzen würde, weiß ich nicht, dazu hatte sie bisher nie Gelegenheit. Bei den Welsh Springern gibt es keine Unterscheidung zwischen Ausstellungs- und Arbeitslinien; die jagdlichen Anlagen müssen deshalb durch entsprechende Aufzucht gefördert werden (was bei meiner Rhian nicht der Fall war/ist), lassen sich aber wohl auch relativ leicht umlenk -en. Vögel z.B. werden von ihr zwar sehr gerne angeschlichen und hochgemacht, danach erlischt das Interesse jedoch wieder (es sei denn, sie fliegen nicht weg!). Das Vogeljagen haben
wir mittlerweile auch im Freilauf unter Kontrolle; an den Katzen arbeiten wir noch - da übernehme ich momentan noch keine Ga-rantien. Rhian ist sehr bringfreudig, wenn sie auch an die Passion des Retrie-vers nicht herankommt - für sie ist das Suchen (noch) der spannendere Teil.
Ich habe gelesen, der Welsh Springer komme von allen Spaniels dem Vorsteher am nächsten. Das kann ich nicht beurteilen, aber Rhian steht tatsächlich manchmal vor, oft vor Fliegen.... Daneben zeigt sie auch noch eine - wie ich vermute - dem Welshie vorbe-haltene Art des "Vorstehens":Aufrecht wie ein Erdmännchen auf den Hinterbeinen! Diese Haltung wird auch bei der Verlorensu-che oft eingenommen, um direkte Witterung zu bekommen.
Eigentlich ist Rhian ein leichtführiger Hund, weich und hochsen-sibel, aber nicht mit dem gleichen Will to Please wie meine Flats (oder auch der English Springer).
Rhian versucht öfters über Kommandos zu "diskutieren", oder löst Aufgaben nach ihren eigenen Vor-stellungen. Wir sind ja ernsthaft erst bei der Grundausbildung, alles weiter Führende machen wir bis-her rein spielerisch, und da zeigt sie schon auch Selbständigkeit und eigene Ideen. Sie ist übrigens sehr leicht ablenkbar, was sowohl positive wie negative Seiten hat. Ist sie gut motiviert, ist durchaus Will to Please vorhanden - nur überlebt er das nächste interessante Umweltereignis nicht. Nach einem etwas zögerlichen Start zeigt sie nun eine stetig wachsende Begeisterung für Dummyarbeit in vielen Varia-tionen.

Welsh Springer gelten als weniger intelligent als English Springer, weil es länger dauert, sie auszu-bilden. Meiner Meinung nach liegt das aber nicht an mangelnder Lernfreude und - fähigkeit, sondern die oben erwähnte Neigung, nichts ohne guten Grund zu tun - wobei Hund und Mensch nicht immer das gleiche unter "gutem Grund" verstehen....! Wenn sie motiviert ist, lernt Rhian sehr schnell und gerne, allerdings sind viele Wiederholungen der gleichen Übung eher kontraproduktiv. Darin ist sie typisch Welshie: sie ist sehr schnell abgelenkt und reagiert auf endlosen Drill mit Verweigerung - erst recht, wenn man dann noch zuviel Druck ausübt. Mit kurzen Lerneinheiten und Abwechslung löst sich der Kno-

ten aber eigentlich schnell. Bis ein Kommando wirklich sitzt, braucht es freilich Geduld und Resistenz gegen charmante Ablenkungsmanöver.
Ich muss sehr aufpassen, dass ich nicht zu viel Druck mache, wenn Rhian einen Befehl "über-hört", weil sie gerade etwas Besseres zu tun hat, denn das kann leicht daneben gehen. Über die Motivationsschiene komme ich da viel bes-ser zum Ziel.
Bei Tricks und Agility ähnlichen Hindernissen schließlich ist Rhian mit Begeisterung dabei und lernt sehr schnell, bietet aber bald auch eigene

Varianten an.
Mein Fazit: Leben mit einem Welsh Springer lässt keine Langeweile aufkommen. Ich bin der Rasse in-zwischen hoffnungslos verfallen und überlege, ob es nicht nett wäre, irgendwann zwei Welshies zu hab-en. Allerdings auch anstrengend, wenn ich an die Aktivitäten denke, die schon einem Exemplar allein in den Sinn kommen....

Alle Bilder zeigen die Welsh Springer Hündin Xella-Lupine vom Ein-horn, genannt Rhian.


Fotos 1, 3, 5 und 6: (c) Susanna Müller; 2 und 4: (c) Monika Leemann

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