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Erfahrungen mit dem


Gordon Setter

 

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Erfahrungen mit dem Gordon Setter
von Anita Bräu

Vor 18 Jahren kaufte ich meinen ersten Gordon Setter. Yeti kam, sah und siegte. Ich war ein absoluter Neuling was das Jagen angeht, den Jagdschein  hatte ich nicht, aber einen passionierten Vorstehhund an der Leine...
Es wurden Bücher über diese Rasse gekauft, nur das umzusetzen, was da stand - niemals! Aber so langsam begriff ich immerhin, was ich da für einen Hund an der Leine hielt.
Ich hatte dann das große Glück, einen Jäger und Züchter der Rasse Epagneul Bleu de Picardie kennen zu lernen. Dieser nette Mensch nahm mich wie ein kleines Kind an die Hand und erklärte mir Schritt für Schritt was ich zu tun hätte. Yeti war brilliant, wenn es ums Hetzen ging. Also Feldleine gekauft und mit ihm Feld auf, Feld ab gelaufen. Stellen Sie sich das nur nicht so einfach vor! Bei 15 m Feldleine hat der Hund noch eine gewaltige Kraft. Da ich Koralle/Stachelhalsband und Teletaktgerät ablehnte war es schon körperliche Arbeit, bis Yeti begriff,  Hase und Reh sind pfui!, da läuft man nicht hinterher.
Dies erreicht, gings im Frühjahr ans Vorstehtraining. Ich hatte über die Wintermonate eine Führerin kennengelernt, die nur Fieldtrials führte. Also wieder ins Feld, Yeti von der Leine gelassen und ab gings. Was mir dieser mittlerweile zweijährige Rüde da zeigte war ein Traum. Er suchte perfekt das Feld ab, blieb in vorzüglicher Manier stehen, um dann noch vorzüglicher - das Huhn zu hetzen..! Ich war dem Zusammenbruch nahe und meine Stimme kurz vor dem Versagen, vor lauter Rufen. Es dauerte Monate, in denen wir jeden Tag an der Feldleine mit Yeti übten. Oft war ich der Verzweiflung nahe.

Yeti (auch Titelfoto) während der Ausbildung.

Doch irgendwann kommt der Tag, da weiss man, ja das war's, jetzt ist der Hund soweit.
Wir meldeten uns zur ersten Prüfung an. Es war eine Katastrophe. Kein Wild vorhanden, gegen Mittag waren die Führer und Hunde am Ende. Es wurde Wachteln ausgesetzt. Na ja, was soll ich lange erzählen, Yeti stand die Wachteln nicht vor, und wir sind mit Bravour durch die Prüfung gefallen. Am 2. Tag das gleiche Bild. Kein Wild. Mittags gaben wir auf.
Wenn einem so etwas als Neuling passiert, ist man eigentlich von Prüfungen geheilt. Meine Freundin Renate sagte: "Geh, ist doch kein Beinbruch! Wir machen die Herbstprüfung." Das sollte allerdings noch ein Jahr dauern, da Yeti in diesem Sommer krank wurde.
Aber erst mal ging es ans Apportieren. Ich hörte mir an, was Renate sagte, machte es auch so, aber nööö, mein Hund wollte diesen Handschuh nicht in den Fang nehmen.
Es begann eine Zeit voller Rückschläge, Zweifel an mir und an dem Hund und auch Tränen, doch eines Tages, als ich schon aufgeben wollte -  NA BITTE!  er nahm den Handschuh und trug ihn stolz neben mir her! Es folgte der Apportierbock, den er anfangs auch nicht mit Begeisterung nahm, aber immerhin, so langsam kamen wir auf den gleichen Nenner.
Yeti beobachtete mich genau, wenn ich ihm etwas zeigte. Wild aufzunehmen war nun kein Problem mehr für ihn: es war nach drei Wochen geschafft, dass er das Stück aufhob. Jetzt musste er allerdings lernen, es auch zu bringen. Da wir zu zweit mit ihm arbeiteten war die Sache einfach: Renate zog die Schleppen, und ich setzte Yeti an. Es war, glaube ich, die schnellste Schleppe, die jemals gelaufen wurde. Er ging mit vollem Dampf los, Nase am Boden, und ich hing in der Leine fest und düste hinterher. Er nahm das Wild schön auf - und warf es mir dann vor die Füsse
.

Yetis Fuchsapport.

Also wieder jeden einzelnen Schritt üben. Es war ein langer, mühsamer Weg, bis wir endlich soweit waren, Enten aus dem Wasser zu holen, doch es war Yetis Lieblingsdisziplin!
Der Sommer war mittlerweile ins Land gezogen, und wir konnten ungestört an einem See üben. (Übrigens: jeder unserer Hunde machte das gerne.) Renate meinte:" Wenn die Ente geschossen wird, dann holt er sie schon, Yeti ist doch schussfest."
Ich schaute sie mit großen Augen an und antwortete:"....Das weiß ich nicht!" Fast verständlislos sah mich Renate an
.
Wir mussten schleunigst jemanden finden, der schoss, während Yeti vorstand oder Wild holen sollte. Ein Jäger erklärte sich bereit.
Die Ente (tot, wohlgemerkt) wurde ins Wasser geworfen, der Jäger schoss, und Yeti war nicht mehr zu halten. Von diesem Tage an war der Knoten geplatzt; auch das hatten wir also geschafft.
Irgendwann kam Yetis Züchterin mit der Frage auf mich zu, ob ich ihn nicht ausstellen wollte. Ja klar, mache ich.  Ähm... nur wie? So fuhr ich öfters zur Züchterin und lernte dort das Austellen und auch das Trimmen des Gordon. Fragen Sie mich lieber nicht, wie wir uns beide angestellt haben. Ilona, die Züchterin, ist mit uns fast verzweifelt. Nach den ersten Misserfolgen (ein Meister ist noch nie vom Himmel gefallen) legte Yeti auch bei den Ausstellungen los...
Doch der Herbst war da. Prüfungszeit. Anfang September fuhr ich mit meinem Mann und unserem Bublinger, wie ich Yeti nannte, zum Prüfungsrevier. Ich schlief die Nacht über nicht, und, natürlich, wie kann es auch anders sein, ließen die Herren der Dame bei der Prüfung den Vortritt. Also ab in ein Rübenfeld. Was mir mein Hund dann zeigte war einfach genial. Ich musste überhaupt nichts tun. Er lief das Feld ab und beim Schuss rührte er sich kein bisschen. Regungslos stand er zunächst vor und zog dann fast 40 m nach. Der Fasan war im Nachbarfeld und der Hund durfte nicht hinterher. Eine 12 im Vorstehen! Ich begriff gar nicht, warum der Prüfer sich so freute. Die Jäger konnten es nicht fassen. Da stand eine Frau in Jeans und Sweat Shirt, keine Jägerin, mit einem Gordon Setter der fantastisch suchte. Das Eis zwischen den Jägern und mir war gebrochen
. Es wurden heftig diskutiert, Ratschläge bekam ich jede Menge.

Magic Ninja's Dark Secret am Übungssee.

Dann die Wasserarbeit.  Ja, es war einfach nur schön Yeti zuzuschauen. Er drückte die Ente aus dem Schilf, trieb sie aufs offene Wasser. Schuss. Yeti nahm die Ente und brachte sie mir. 10 Punkte!
Schliesslich kamen die Schleppen an die Reihe. Es war sagenhaft. Er machte alles alleine. Prüfung im 2. Preis bestanden, da Yeti in seiner Passion nicht immer mit der Nase am Boden blieb bei den Schleppen. Also Punkteabzug. Die Jäger sahen mit offenem Mund zu, was mein Bublinger da leistete. Was ich allerdings bemerkt habe, ist, das unsere Gordon Setter für Schleppen nicht wirklich geeignet sind, (zumindest bei den Prüfungen) weil sie ihrer Rasse entsprechend mit etwas hoher Nase suchen und dann auch mal von der Schleppe abkommen.  
Leider konnte ich Yeti später nicht mehr führen, da in Deutschland das Gesetz herauskam, das den Jagdschein zur Voraussetzung für die Prüfungen machte. Jetzt werden viele denke, na, dann mach doch den Jagdschein. Nö, das will ich nicht. Ich würde niemals auf ein Lebewesen schiessen. Ich weiss, es ist ein Wiederspruch in sich - Jagdhund haben aber nicht schiessen wollen... Wir sind auf Field Trials "ausgewichen", denn da darf ich noch ohne Jagdschein führen. Da muss auch kein Tier für ein Prüfung sterben.
Yeti war wie erwähnt auch im Ausstellungsring sehr erfolgreich. Er holte sich einige große Titel, und wir waren ein super Team. Es machte einfach Spaß mit ihm. Als Yeti mit 10 Jahren über die Regenbogenbrücke ging war ich am Boden zerstört.
Ich hatte irgendwann die Idee: Der Gordon Setter ist mein Leben, und ich möchte, wenn ich die passende Hündin finde, mit ihr züchten. Es war aber nicht leicht, diese passende Hündin zu bekommen. Es sollte fast 6 Jahre dauern... Ich fuhr zu Ausstellungen, sah mir die Hunde an. Und ich wurde immer öfter auf einen bestimmten Zwinger aufmerksam. Aber so richtig wusste ich noch nicht... ich war einfach noch nicht so ganz sicher.
Mein Mann machte meiner Unsicherheit schliesslich ein Ende und setzte mich an meinem Geburtstag ins Auto. Wir fuhren zu einer mir sehr gut bekannten Züchterin. Die setzte mir ein schwarzes Bündel in
den Arm und meinte: " Die Maus gehört dir."
So zog Duffy bei uns ein. Eine Hündin. Uiii, können die kommpliziert sein..! Als  Duffne ein Jahr alt war begann ich mit ihrer Ausbildung. Sie war zwar leichter zu führen als Yeti, aber was den Apport anging... Na ja, typisch weiblich eben: nein, das mag ich nicht, das mach ich nicht.
Das Problem, das wir Nicht-Jäger haben, ist, dass wir unsere Hunde zwar trainieren aber nicht führen können. Schweren Herzens gab ich Duffne zu einem Ausbilder.

Duffne

Ich würde es, ehrlich gesagt, nicht wieder tun. Womit ich nicht sagen will, dass es Duffne bei dem Ausbilder schlecht ging. Aber es war irgendetwas Fremdes zwischen Duffne und mich getreten. Es brauchte einige Zeit um wieder das alte Verhältnis zwischen uns herzustellen. Obwohl Nicht-Jägerin bin ich immer bemüht, meinen Gordons die Jagd möglich zu machen. Ich hatte das Glück, in den vergangenen 18 Jahren einige Jäger kennen zu lernen, die meine Setter mit zur Jagd nehmen.
Duffne etwa wurde die Hündin unseres Revierjägers. Sie ging sehr viel mit ihm auf die Prisch. Im Herbst durfte sie mit zur Treibjagd. 
Leider hat uns unsere große Alte Lady  im Frühjahr für immer verlassen.
Duffnes Tochter Neela geht wie ihre Mutter mit den Jägern auf die Pirsch. Und wenn Duffnes Enkelkind soweit ist, darf auch sie mit zur Jagd.
Man muss sich immmer im Klaren sein, dass ein Setter, egal ob rot, schwarz oder weiß, ein Hund ist, der gefordert werden will. So hat auch der Gordon einen sehr starken Bewegungs- und Arbeitsdrang.
Agility  oder Dummytraining sind nur Ausweichmöglichkeiten, denn was der Gordon wirklich liebt, ist die jagdliche Arbeit...!


Alle Fotos (c) Anita Bräu - Magic Ninja

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