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Erfahrungen mit dem


Beagle

 

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Der Beagle – ein idealer Begleithund?
Von Dr. Dieter Berger

Als Besitzer zweier Beagles, die inzwischen vom Begleithund zum unentbehrlichen Jagdhelfer geworden sind, möchte ich die Eigenschaften dieser faszinierenden Rasse und die damit verbundenen Anforderungen an den Hundehalter näher beleuchten. Ich bin nämlich der Meinung, dass jeder Hundebesitzer die Verpflichtung hat, den Hund entsprechend seiner Veranlagung zu beschäftigen. Wenn sich jemand für eine Hunderasse interessiert, dann spielt meistens das Aussehen die entscheidende Rolle. Man achtet auf die Größe, langes oder kurzes Haar, Farbe und Wesen. In vielen Büchern, die verschiedene Rassen beschreiben, sind mehr oder weniger einheitlich diese vermeintlich so wichtigen Dinge zusammengefasst. Bei typischen Schutz- und Jagdhunden wird auch auf die adäquate Beschäftigung der Tiere hingewiesen. Dem Beagle wird Jagdtrieb und Sturheit zugeschrieben, die besser als der Jagdpassion geschuldete Spurtreue und Spurwille bezeichnet werden sollten. Dies sind nämlich die typischen Eigenschaften, die in rücksichtsloser Leistungszucht über hunderte von Jahren bis ins 20. Jahrhundert vom Beagle verlangt wurden.
Der Beagle gehört zu den Bracken. Dies sind selbstständig jagende Hunde, die spurlaut die warme, also frische Wildfährte verfolgen und im Falle von Hase oder Fuchs, diese zum wartenden Jäger zurücktreiben. Dazu braucht der Hund eine feine Nase, Spurlaut, damit der Jäger weiß, wo die Jagd gerade hingeht, und den Willen, sich durch nichts von der einmal aufgenommenen Spur abbringen zu lassen. Darf man sich da wundern, wenn der Beagle, der sonst nie jagt, eine Fährte aufnimmt, diese verfolgt und sich vom verzweifelten Rufen und Pfeifen seiner Besitzer nicht mehr beeinflussen lässt?

Der Beagle ist ein freundlicher kleiner Kerl, aber durch und durch Jagdhund! Foto: Silvana König

In meinem Elternhaus gab es immer Hunde, Dackel und deutsche Doggen. Selbst hatte ich über 10 Jahre eine Colliehündin. Nach 10 Jahren hundeloser Zeit kam dann ein Beaglerüde, Maxi, ins Haus. Wir, meine Frau und ich, entschieden uns für einen Beagle, weil er so nett aussieht und nicht so groß ist. Mir waren damals der Jagdtrieb und die Verfressenheit als dominierende Eigenschaften bekannt. Mit Jagd hatte ich selbst aber überhaupt nichts am Hut. Auf Anraten der Tierärztin wurde Maxi früh kastriert und ist ein ausgesprochen ruhiger Vertreter seiner Zunft. Er war sehr folgsam, jagte nur selten und kurz, nach 20 Minuten war er meistens wieder da. Am Spurlaut konnte ich mich damals noch nicht so recht erfreuen. Mir fiel aber auf, dass er, wenn er von einem seiner Jagdausflüge zurückkam, richtig glücklich aussah.
Als Spielkamerad zog 2 Jahre später eine Beaglehündin, Kirke, bei uns ein. Diese war und ist sehr temperamentvoll und hat eine unbändige Jagdpassion. Im Gegensatz zum Rüden jagt sie bis zur totalen Erschöpfung und kommt nicht zurück. Dies hatte trotz Begleithundeprüfung und eigentlich gutem Gehorsam über viele Jahre Leinenzwang zur Folge.
Als Kirke und Maxi 4 und 6 Jahre alt waren, präparierte ein Förster und guter Freund eine Schweißfährte für die beiden. Diese wurde mit mir am Riemen nach 20 Stunden gearbeitet. Beide Hunde brachten sie ohne jede Schwierigkeit zu Ende und zeigten eine bisher nicht gekannte Begeisterung. Jetzt fiel für mich die Entscheidung, den Jagdschein zu machen, um den Hunden eine artgerechte Beschäftigung zu bieten.
Ich kaufte Fährtenschuhe und begann, Trittfährten mit Schwarzwildschalen (dies sind die Füße der Wildschweine) zu präparieren. Seit 3 Jahren mache ich dies nun hin und wieder. Dabei zeigt sich der Rüde als hervorragender Fährtenhund. Er arbeitete schon 48 Stunden alte Fährte auf gefrorenem Boden ohne Schweiß über mehr als 600 m erfolgreich. Die Hündin ist ablenkbarer und macht die kalten Fährten nicht ganz so gut. Trotzdem sind die Hunde völlig aus dem Häuschen, wenn der Schweißriemen angelegt wird.

Kirke an der Sau. Foto: Dieter Berger

Nach einem halben Jahr nicht gerade intensiven Trainings, (schließlich musste ich für den Jagdschein lernen) beschoss ich meine erste Sau. Sie raste nach dem Schuss los, brach durchs Unterholz und plötzlich war Ruhe. Am Anschuss war kein Schweiß zu erkennen. Ich vermutete einen Fehlschuss. Sicherheitshalber setzte ich 45 Minuten später am Anschuss aber die Hündin an. Sie nahm die Fährte sofort auf und arbeitete sie mit Temperament, so dass ich in der Dickung kaum folgen konnte. Nach gut 100 Metern wurde der Schweißriemen plötzlich locker und mir war klar, jetzt hat sie die Fährte verloren. Als ich bei ihr war, sah ich einen Meter vor ihr den verendeten Keiler. Ich lobte sie überschwänglich und erst als ich zum Stück ging, kam sie nach. Nach intensivem Schnuppern, biss sie in die Keulen und beutelte sie. Es sieht schon witzig aus, wenn dieser 12-kg schwere Zwerg einen Zentner Schwarzwild versucht zu schütteln.

Kirke versucht, die Sau zu schütteln. Foto: Dieter Berger

Jagdlich gesehen war diese Episode eine einzige Katastrophe. In der Dämmerung eine Nachsuche auf einen Keiler zu starten, ohne auch nur den kleinsten Anhalt zu haben, wo der Schuss sitzt, ist hochgradig gefährlich – für Hund und Jäger! Aber der Abend zeigte, dass der Beagle mit 5 Jahren ohne wirklichen jagdlichen Einsatz instinktiv weiß, was er zu tun hat, wenn es um die Suche nach Haarwild geht.
Seitdem sind viele weitere Nachsuchen gefolgt, die von zwei Ausnahmen abgesehen immer erfolgreich waren und zum toten Stück führten. Einmal rief mich um Mitternacht der Jagdpächter an. Er hatte einen Frischling aus einer Rotte beschossen. Am Anschuss Leberschweiss, der Schütze hatte selbst mehr als 1 Stunde gesucht. Kirke nahm am Anschuss die Fährte auf und zog stürmisch davon. Der Schütze rief noch, es sei die falsche Richtung. 300 m später waren wir am Stück, trotz der vermeintlich falschen Richtung.
Wenige Monate später, die gleiche Zeit, der gleiche Schütze, eine ähnliche Situation. Ein Frischling aus einer Rotte von 12 Sauen war beschossen worden. Eine lange vergebliche Suche durch den Schützen hatte stattgefunden. Kirke nahm wieder am Anschuss, der keinen Schweiss aufwies, die Fährte auf und zog temperamentvoll los. Erneut der Ruf des Schützen, es wäre die falsche Richtung. Nach 100 Metern zog Kirke in eine Dickung. Ich sah rechter Hand in Kniehöhe Schweiss an einem anderen Busch abgestreift. Ich rief Kirke zurück und setzte sie am Schweiss noch mal an. Sie schnupperte lustlos 2 Meter in diesem Bereich, kam wieder zurück und verschwand in die von ihr ursprünglich eingeschlagenen Richtung. Ich verfolgte sie und tatsächlich standen wir nach 10 Metern am Stück. Wie immer wusste es der Hund besser als sein Führer.
Bei beiden Nachsuchen wie bei zahlreichen weiteren fand der Hund das kranke Tier aus der Rotte, die nach dem Schuss in alle Richtungen auseinander gestürmt war. Die erfolglose Sucherei der Schützen verteilt die Witterung großflächig über die ganze Lichtung und sollte eigentlich vermieden werden. Kirke sucht dann zwar am Anfang etwas länger, saugt sich aber doch ganz rasch fest und führt uns zum Stück.
Maxi ist bei diesen Nachsuchen immer ohne Leine mit dabei. Er arbeitet die Fährten konsequent in Schweisshundmanier und bringt sie unter Verweisen des Schweisses genauso zu Ende wie Kirke, er braucht nur länger. Während Kirke auch mal eine Abkürzung nimmt und einen Bogen, den das angeschossene Tier genommen hat, nicht ausläuft, verfolgt Maxi auch die frische Fährte exakt.

Kirke und Maxi nach erfolgreicher Suche (auch Startfoto). Fotos: Dieter Berger

Im letzten Herbst waren wir auf Fasanenjagd. Ein Topinamburfeld sollte durchgestöbert werden. Drei jagdlich geführte Labrador, ein Terrier und die beiden Beagle wurden angesetzt. Während die Labis und der Terrier ziellos herumstöberten, waren die Beagle nach 10 Sekunden spurlaut unterwegs und machten einen Rehbock, der 100 Meter entfernt am anderen Ende des Feldes stand, hoch. Sie verfolgten ihn über 300 Meter, um dann die Jagd erfolglos abzubrechen.
Vor einigen Wochen haben wir den Spurlaut auf der frischen Hasenspur überprüft und festgestellt, dass beide Hunde, obwohl noch nie auf der Hasenspur trainiert, die Aufgabe bestens meisterten.

Diese wenigen Episoden jagdlichen Einsatzes zeigen, welche Passion und welche Instinktsicherheit bei den beiden vorhanden sind. Wenn man die Begeisterung sieht, mit der Beagle jagdliche Aufgaben bewältigen, wird klar, dass Jagd die eigentliche Bestimmung dieses faszinierenden Hundes ist. Wir versuchten es, als die Hunde jung waren, mit Agility. Eine wirkliche Begeisterung konnten wir nicht erkennen. Menschliche Trittfährten waren schon interessanter. Aber nichts kommt an Witterung frischen oder kranken Wildes, bevorzugt Haarwildes, am Entferntesten heran. Seitdem wir, die Hunde und ich, begonnen haben zu jagen, zeigen sie eine deutlich engere Bindung an mich, und Kirke läuft meistens ohne Leine. Sie machen (meistens) “down“ vor einem Reh, was früher nie geklappt hätte. Auch der allgemeine Gehorsam hat sich verbessert.

Der Beagle braucht für sein Wohlbefinden unbedingt jagdliche Aufgaben. Foto: Ullrich Treckmann

Ich habe gelernt, dass der Beagle durch und durch ein Jagdhund ist, der für sein Wohlbefinden jagdliche Betätigung braucht! Es wurde mir auch klar, dass er nicht jagt, um mir zu gefallen. Vermenschlicht gesehen, jagt er aus purem Egoismus. Aus Hundesicht treibt ihn jahrhundertealter Instinkt. Einem Beagle geht der “will to please“ der Labis weitgehend ab. Wenn Frauchen oder Herrchen sich freuen, ist es zwar ganz nett, aber nichts gegen das Gefühl, Beute zu machen und in ein totes Wildschwein oder Reh zu beißen. Darüber sollte man sich im Klaren sein, wenn man daran denkt, sich einen Beagle zuzulegen oder gar schon einen hat. Es wäre auch jammerschade, wenn die Talente dieser Rasse weggezüchtet werden und am Ende schwererziehbare jagdlich unbrauchbare Hunde resultieren, die als reine Begleithunde immer noch nicht taugen! Ich kann jedem Beaglebesitzer nur raten, sich mit der Jagd zu beschäftigen und jedem Jäger im Waldrevier empfehlen, sich mit dem Beagle als möglichen Jagdhelfer zu beschäftigen.


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