Wieso wird frau Jägerin in Deutschland?
Von Sabine Middelhaufe

Ob jemand nun für oder gegen die Jagd ist oder keine Meinung zum Thema hat, ein allgemeines Bild vom Jäger haben wir alle: grün gekleidet und eher ältlich ist er, dem männlichen Geschlecht gehört er an, tendenziell denken wir ihn uns autoritär und unsentimental und mit deutlicher Neigung zum Einzel- gängertum (sonst würde er ja nicht so viel Zeit allein im Wald verbringen, gell?). Ob er seine Ehefrau wirklich down pfeift und seinem Hund bisweilen was vom Zielwasser abgibt wissen wir nicht.
Die weibliche Vertreterin der Spezies Jäger stellen wir uns im Allgemeinen gar nicht vor, denn viele von uns wissen überhaupt nicht, dass es sie gibt. Wie mag sie sein, die neue deutsche Jägerin? So eine Art formidabler Walküre mit Oberlippenbart? Oder eine ätherische Diana im wallenden Gore-tex Gewand? Und wer bereitet bei ihr daheim den Rehrücken zu - der Ehemann?
Spaß beiseite. Immer mehr Frauen entdecken neuerdings die Faszination des Waidhandwerkes, erwer-ben den Jagdschein, gehen auf die Pirsch, bilden ihren Jagdhund aus. Was bewegt sie dazu? Welche Einstellung haben sie zu Jagd, Hund, Tierschutz?

Hier die Antworten in einem Interview mit fünf Jägerinnen aus verschiedenen deutschen Bundesländern.
Anke Lange ist 43 Jahre alt, von Beruf Kauffrau und seit 6 Jahren Jägerin.
Sandra Jung, eine 35 jährige Konditorin, geht seit 2 Jahren zur Jagd.
Christa Bodarwe, Fachinformatikerin, 39 Jahre alt, wird ihre Jägerprüfung Ende April 2007 machen.
Sabine Hochhäuser, 45 Jahre, Vertriebsbeauftragte bei ei-nem amerikanischen Computer Hersteller, jetzt ehrenamtlich für Krambambulli Jagdhundhilfe e.V. tätig und seit 2003 Jägerin.
Michaela Kuntzsch, 27, schreibt als Forststudentin gerade an ihrer Abschlussarbeit und hat den Jagdschein vor 2 Jahren erworben.

Wieso bist du Jägerin geworden?
Anke: Als Kind schon von meinem Großvater mit der Natur vertraut gemacht und auf Wald, Natur und Tiere geprägt, bin ich durch den ersten Jagdhund meines Mannes und meine Cocker Spaniel-Hündin zur Jagdhundausbildung und Jägerei gekommen
Anke Lange mit einer ihrer English Springer Spanielhündinnen. 

mit dem Wunsch mehr über Natur, Wild , Jäger und Jagdhunde zu lernen.
Sandra: Durch meinen Freund. Er war schon Jäger als wir uns kennenlernten. Er zeigte mir die Fas-zination dieses Hobbys. Vor allem die Nähe zur Natur und zu den Tieren hat mich sehr beeindruckt.
Christa: Bereits als Jugendliche zog mich das Verständnis von Natur, das Erleben, die Traditionen, das Unberechenbare an - sowie die Ehrfurcht vor dem Leben und der Stolz, den Lohn der Hege zu ernten. Das ist etwas anderes als ein Schnitzel im Supermarkt zu kaufen. Desweiteren fasziniert mich die Arbeit mit den Hunden, das Zusammenspiel, die Freude über den hart erarbeiteten Erfolg.
Den letzten Ausschlag gab letztes Jahr mein Hund Rocky, ein Kurzhaar aus dem Tierschutz. Er ist bereits bejagt und einer der Hunde, die sich ohne den jagdlichen Ausgleich, den er ja bereits kennt, schwer tun würden. Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit ihm.
Sabine: Meine Faible für die Natur, Reiterei und die Liebe zu den Jagdhunden hatte ich bereits in frühester Jugend. Meine Familie ist zwar ausgesprochen naturverbunden jedoch geht keiner der Jagd -ausübung nach. Nach meinem aktiven Berufleben habe ich mich bewusst für einen Jagdhund ent-schieden. Und durch die Arbeit mit und am Jagdhund, lag es nahe, den Jagdschein zu machen, zumal auch der Zeitfaktor es jetzt ermöglichte. Eine Entscheidung die ich bis heute nicht bereut habe. Denn die komplexen Kenntnisse um das Zusammenspiel und Abläufe in unserer heimischen Natur machen den Aufenthalt in Wald und Feld um einiges spannender, es schärft den Blick fürs Wild und man weiß um die Zusammenhänge und die Verantwortung.
Michaela: Die Jagd gehört zur Berufsaufgabe bzw.- pflicht des Försterberufes.


Sandra Jung.
Frauen als Jägerinnen sind ja doch etwas relativ Neues in deutschen Revieren. Wie reagierten die Herren der Schöpfung, als ihr beim Jagdkurs aufgetaucht seid?
Anke: In meinem Jagdausbildungskurs waren 1/3 des Kurses Frauen und auch unsere Ausbilder waren sehr aufgeschlossen und haben uns gleich-wertig akzeptiert.
Sandra: Ich habe noch keinen schlechten Erfahrungen gemacht.
Christa: Alle reagierten erfreut über weiblichen Zuwachs. Selbst Jäger, die mich nur flüchtig oder "virtuell" über ein Forum kennen, waren bereit, mir bei der Ausbildung des Hundes sowie meiner eigenen zu helfen.
Sabine: In unseren Kurs gab es keinerlei Probleme.
Michaela: Bei uns im Studium ist das Geschlechterverhältnis schon sehr

ausgewogen gewesen (in etwas 50 : 50), schon da spielt es keine Rolle ob Mann oder Frau den Beruf ausübt. Im Jägerkurs waren wir Frauen zwar etwas weniger als die Männer vertreten, aber dort wurde nicht besonders auf das Geschlecht geachtet.

Wurdet ihr bei der Jägerprüfung anders behandelt, als die männlichen Teilnehmer?
Anke: Ich wurde gleich behandelt und mit ebenso schweren Aufgaben geprüft.
Sandra: Nein, kann ich nicht sagen. Wir waren zwei Frauen im Kurs.
Christa: Die Prüfung steht mir ja noch bevor. Als Frau werde ich dort allerdings ein wenig bevorzugt, was z.B. die Handhabung schwergängiger Waffen angeht. Bei der Ausbildung werden wir genauso behandelt - eher sogar noch einen Tick zuvorkommender. Zudem geben sich die Schiesslehrer besonde-re Mühe, für die meist nicht so starken Frauen passende Übungswaffen zu empfehlen.
Sabine: Nein, warum auch?
Michaela: Unsere Schiessausbilder wiesen uns nur, aufgrund ihrer Erfahrungen, darauf hin, dass es Frauen beim Tontaubenschiessen schwieriger fällt ihren Kopf auszuschalten (man muss dabei reagieren und nicht nachdenken um gute Ergebnisse zu erzielen) als Männer. Aber das war auch schon alles und nie wertend gedacht. Jeder wurde gleich behandelt und nach seinen Leistungen beurteilt.

Gibt es bei Gesellschaftsjagden Probleme oder Vor-urteile von Seiten der Herren?
Anke: Ich habe nie Probleme gehabt oder Vorurteile ge-spürt. Im Gegenteil, ich wurde immer herzlich aufgenom-men, und über die Hunde kommt man sehr gut ins Gespräch Sicher schaut zu Beginn der Jagd vereinzelt mal jemand kritisch, aber dies ist ganz selten.
Sandra: Ist mir noch nicht aufgefallen.
Christa: Bislang lief ich da nur als Treiber, Helfer etc. mit. Daher ist meine Erfahrung wenig aussagekräftig, aber ich wurde bislang nur freundlich und zuvorkommend behandelt.

Michaela Kuntzsch und ihre beiden Setter.

Sabine: Nein, ich habe nie Probleme gehabt.
Michaela: Sind mir noch nicht begegnet. Man(n) geht sehr kollegial miteinander um - das gemeinsame Erlebnis und Ergebnis zählt.


Und beim "Schüsseltreiben" oder dem obligaten Schnaps an kalten Jagdtagen - fühlt Frau Jägerin sich da fehl am Platze?
Anke: Einen Schnaps trinke ich immer mit; damit hat es sich dann. Generell wird es mit dem Alkohol während der Jagdausübung nicht übertrieben. Beim Schüsseltreiben ist die Gemeinschaft herzlich und fröhlich, und es ist immer so gewesen, dass man voll aufgenommen wurde. Sicher sind es in der Regel wenig Jägerinnen, aber Unterschiede habe ich noch nicht erfahren. Da ich immer Autofahrerin bin, ist es mit dem Trinken eh kein Thema für mich.
Sandra: Nein.
Christa: Dem Schnaps bin ich bislang nicht begegnet - auf den Gesellschaftsjagden wurde der erst hinterher freigegeben. Von den Schüsseltreiben habe ich nur den gemütlichen Teil erlebt - vielleicht musste ich zu früh heim?
Sabine: Nein.
Michaela: Nein, im Gegenteil. Ich liebe diese Atmosphäre, das gemeinsame Klönen hinterher, die Tra-dition des ehrfürchtigen Streckelegens und Verblasens, die warme Suppe und den Glühwein...

Gibt es deiner Ansicht nach grundlegende Unterschiede zwischen Jägerinnen und Jägern, in dem Sinne, dass Frauen vielleicht weniger Zeit für die praktische Ausüb-ung haben, weniger trophäensüchtig sind, sich vernünft-iger oder sensibler zeigen und dergleichen?
Anke: Ein bisschen weniger Zeit haben wir wohl schon für die Jagdausübung, aber dafür geniesse ich die Jagdeinlad-ungen umsomehr. Ich nehme mir die Zeit für die praktische Jagdausübung im Revier und Hundeausbildung; dafür bleibt im Haushalt mal etwas liegen. Meiner Meinung nach sind Frauen nicht so trophäensüchtig bzw. reden nicht ständig darüber. Da man aber bei den Gesprächen mitreden kann ist man wohl auch akzeptiert. Ich finde uns nicht sensibler, und viele Jäger freuen sich über die Gesellschaft von Jägerin-nen, da sie sich dann lt. eigener Aussage etwas anständiger
Sabine Hochhäuser bei der Hundeausbildung.
benehmen als nur unter "rauhen" Männern. Und wir verstehen ja auch Spaß und Witze.
Sandra: Ich denke das ist verschieden. Es gibt solche und solche, egal ob Mann oder Frau.
Christa: Ich glaube, so ein ganz klein wenig "seltsam" muss/darf man sein, um jagen zu wollen. Dieser Virus, so er einen infiziert, befällt Männer wie Frauen. Die Jägerinnen, die ich kenne, haben meist mehr Zeit, weil sie oft nicht oder nur Teilzeit arbeiten. Ich erlebe mehr Frauen als Männer, die über die Hunde zum Jagdschein kamen. Und noch einen kleinen Unterschied konnte ich feststellen: Frauen schos-sen auf den Gesellschaftsjagden "mutiger" bei verletzten Tieren. So waren nur bestimmte Tiere zum Abschuss freigegeben, dem zum Trotz wurden zwei dennoch von Jägerinnen geschossen, weil der jeweil-igen Frau das "unrunde" Gangbild auffiel - tatsächlich hatten diese Tiere Verletzungen unklarer Her-kunft und hätten darunter weiter gelitten - das war also ein erlaubter Hegeabschuss. Auch hatte keine Schützin einen "schlechten" (= nicht sofort tödlichen) Schuss abgegeben. Ob Frauen aber genauer hin-schauen oder es eben 100%iger machen wollen, möchte ich aus der wenigen Erfahrung nicht ableiten.
Sabine: Jäger sein wird für mich nicht am Geschlecht einer Person festgemacht, sondern an ihrem Kön-nen und ihrem Handeln. Einen 150 kg Keiler zieht auch ein Mann nicht allein aus der Brombeerhecke! Einen Vorteil der Frauen sehe ich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit für die Jagd, gerade auch bzw. über den Bereich des Hundewesens.
Michaela: Kann ich gar nicht so beurteilen - es gibt ja auch Männer die nicht trophäensüchtig sind, wenige Zeit für die Jagd haben und vernünftig und sensibel handeln und eben das krasse Gegenteil.
Christa Bodarwe mit Deutsch Kurzhaar
Hast du die Erfahrung gemacht, dass Fami-lienmitglieder, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn deine Entscheidung, Jägerin zu werden, unverständlich oder falsch fanden, oder dich dafür sogar offen angriffen?
Anke: Generell herrscht immer große Über-raschung, dass man Jägerin ist. Nach anfängli-cher Unsicherheit kommen dann Fragen zu Natur und Tieren. Viele trauen es einem nicht zu, aber angegriffen worden bin ich noch nicht. Diskus-sionen hat es natürlich auch vereinzelt gegeben.
Sandra: Ja,vor allem Freunde konnten es nicht verstehen warum ich als so tierlieber Mensch nun zur Jagd gehe. Meine Familie fand es O.K.

Christa: JA! Ganz dickes Ja! Unverständnis mag ja noch angehen, aber zum Teil wurde ich doch sehr angegriffen - von Jäger seien alles A...löcher bis hin zu Mördern... da habe ich einen schweren Stand.
Wer ein wenig jagdlichen familiären Hintergrund hat, tut sich da wesentlich leichter. Einige Wenige, darunter glücklicherweise auch meine Familie, liessen sich meine Gründe erklären und konnten sie nach-vollziehen, auch wenn deren Entscheidung eine andere gewesen wäre.
Sabine: Auf ein gewisses Unverständnis bin ich zwar gestoßen, habe aber auch auf viel Zustimmung er-fahren. Einige Zweifler konnte ich mit einem leckeren Rehrücken überzeugen.
Michaela: Nein nie. Im Gegenteil, ich werde dabei von allen unterstützt und nichts ist schöner als den Wildbraten zu Weihnachten zusammen mit der ganzen Familie geniessen zu dürfen.

Wieviele Jägerinnen gibt es deines Wissens oder deiner Schätzung nach derzeit in der BRD?
Anke: Ich kann nur schätzen: 15% aller Jäger sind Frauen?
Sandra: Das weiß ich nicht. Mehrere Hundert würd ich sagen.
Christa: Insgesamt gibt es fast 350.000 Inhaber des Jagdscheines in Deutschland. Den genauen An-teil an Frauen weiss ich nicht, habe aber mehrfach gelesen und gehört, dass dieser Anteil von Kurs zu Kurs größer wird - in unserem Kurs gut ein Drittel. Auch soll das Durchschnittsalter immer jünger wer-den - das Bild vom alten bärtigen Jägersmann wird irgendwann wohl überholt sein.
Sabine: Ich kenne eine ganze Menge Jägerinnen; sonst habe ich keine Idee...
Michaela: Keine Ahnung, aber ich schätze dass der Frauenanteil bei ca. 1/4tel bis 1/3tel liegt.

Mit Hunden welcher Rasse/n bist du bisher jagen gegangen?
Anke: English Springer und Cocker Spaniel.
Sandra: Deutsch Kurzhaar Mischling.
Christa: Ich möchte meinen Deutsch Kurz-haar (evtl. mit einem Schuss Labrador) jagd-lich führen. Evtl. lernt mein Weimaraner mal das Handwerk für Nachsuchen, das ist aber kein Muss. Wenn ich mal groß und erwachsen bin, träume ich von einem Deutsch Drahthaar.
Sabine: Weimaraner und Deutsch Kurzhaar
Michaela: Englisch Setter, Gordon Setter, Deutsch Kurzhaar.

Anke Lange mit English Springer Spaniel beim Fuchsapport.
Hast du deinen Jagdhund immer beim Züchter erworben, oder auch schon mal einen Hund aus dem Tierschutz aufgenommen und ihn zum Jagdgefährten ausgebildet?
Anke: Nein, ich hatte bisher keinen Hund aus dem Tierschutz.
Sandra: Unser Ayko ist ein Tierschutzhund und kommt aus Spanien. Er ist ein Dts. Kurzhaar-Wind-hund Mix. Er war 4 Monate alt als wir ihn bekamen. Da er Leishmaniose hat wurde er jagdlich nie voll eingesetzt. Er hat aber mehrere Nachsuchen erfolgreich gemeistert. Außerdem kann er vorstehen und hat Wasserpassion
Christa: Alle meine Hunde kamen vom Tierschutz, und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Mein
Rocky hat bereits etwas Jagd- und ganz viel Lebenserfahrung mitgebracht, auch wenn es so aussehen mag als würde ich ihn ausbilden - er ist mein Lehrmeister! Anfangs sehr ängstlich, hat er sich nach wen-igen Monaten sicher gefühlt und mir seine Definition von Leben erklärt: Freilauf ist Jagd, Katzen sind Fressen und wer sich in den Weg stellt, bekommt den Arm blau angemalt und die Finger getackert. Da sich diese Definition nicht ganz mit meiner deckte, suchte ich Hilfe - und fand sie bei Jägern, die be-reit waren, sich den Hund mal anzusehen. Einer entdeckte den Rohdiamanten in ihm und zeigte mir, wie ich mit ihm arbeiten, ihn anfangs stark unterordnen und dann mehr und mehr in Arbeit einbinden konn-te. Ich erlerne jeden Ausbildungsschritt erst selber. Mein Weimaraner ist der Kontrast dazu; zwar krank, aber ohne schlechte Erfahrung, kann ich ihn ganz anders anfassen und lenken.
Gestatten: Marti.
Sabine: Ich habe beides, eine Weimaraner Hündin vom Züchter als Rettungshund sowie auch jagdlich ausgebildet. Zwei Rüden aus dem Tierschutz: Marti, ein Dts. Kurzhaar Rüde aus Deutschland, aufgenommen im Alter von 8 Jahr-en. Marti ist heute im 13. Jahr und hat einen Altersruhe-platz bei uns gefunden. Er ist übrigens wildrein! Ayk, Weimaraner Rüde aus Slowenien, kam im Oktober 2006 fast verhungert bei uns an. Erst jetzt im März 2007 sind seine Magen- und Darmbakterien wieder hergestellt. Ayk ist hyperaktiv und zeigt extreme Panikattacken und Ver-lassensängste. Z.B. schreit er wie am Spieß wenn er im Auto mit fährt, er schreit wenn ich unbemerkt das Zim-mer verlassen habe. Anscheinend hat man versucht ihn jagdlich auszubilden, was wohl in die Hose gegangen ist, denn wenn er z. B. den Oberländer Apportierbock sieht schmeißt er sich ins Down. Bisher habe ich mit Ayk nur am Gehorsam gearbeitet und werde jetzt die jagdliche Aus-bildung komplett neu beginnen. Unser Ziel ist die Jagd-eignungsprüfung im Oktober. Ich erwarte, dass mit der Arbeit auch das Selbstvertrauen des Rüden wieder auf-
gebaut werden kann. Immer wieder mal übernehme ich auch einen Pflegehund, da ich als Pflegestelle für Krambambulli aktiv bin. Zwar bilde ich den Hund nicht bis zur Prüfung aus, sondern je nach dem was für Anlagen der Hund hat, entscheidet sich die Ausbildung. Mal hat man einen fast rohen Hund, mal ein-en der bereits ausgebildet ist und mal einen der vermurkst worden ist.
Michaela: Ich habe einen Jagdhund aus dem Tierschutz übernommen und jagdlich ausgebildet: unser Englisch Setter, ursprünglich aus Rumänien, kam über den Tierschutz im Alter von 2,5 Jahren zu uns und hat seine jagdliche Eignungsprüfung mit 5,5 Jahren bestanden. Mitgebrachte Probleme waren: Do-minanz (hat bereits gebissen), konnte nicht allein zu Hause bleiben, hoher Jagdtrieb! Jetzt sind alle Probleme behoben, er ist zuverlässig im Jagdbetrieb und ein guter Familienhund - Mein 2. Hund ist ein regulär vom Züchter geholter Welpe.

JägerInnen brauchen Hunde, die vollkommen verlässlich "funktionieren"; besteht da nicht die Gefahr, dass der Hund zum bloßen Instrument wird, wie etwa das Gewehr?

Anke: Durch die Ausbildung und das freudige Zu-sammenarbeiten mit dem Führer und die Erfolgser-lebnisse, wie z.B. den Apport und die Nachsuche, hat man einen Kameraden an seiner Seite, der seine Aufgabe mit Freude macht und für mich ist er nicht ein Instrument, wie ein Gewehr, sondern ein Helf-er.
Sandra: Nein, er wird zum Begleiter! Der es auch nachts, wenn er mit auf dem Hochsitz ist, sehr viel schöner macht.
Christa: Die bisherige Arbeit schweisst uns zusammen. Und was er schon kann, lässt mich vor Stolz strahlen. Vor allem zu sehen, wie der Hund mit seiner Auf-gabe aufblüht, sicher wird. Ein Hund allein "funktioniert" nicht, erst das Team Mensch-Hund zusammen.
Sabine: Nein, ich jage mit meinen Team-gefährten. Die Zuverlässigkeit und Leistungsbereitschaft meiner Hunde erreiche ich nur über eine absolute Bindung und Vertrauensbasis.
Sandra Jungs Ayko beim Apport.
Michaela: Nein, im Gegenteil: er wird zum Partner, zum Freund - nur gemeinsam schafft man die Er-folge bei der Jagd. In Deutschland sagt man: "Jagd ohne Hund ist Schund" und erkennt damit die Leistungsfähigkeit seines Partners auf der Jagd hoch an.

Betrachten JägerInnen den Hund nicht doch irgendwie als Untergebenen im Sinne eines reinen Befehlsempfängers?
Anke: Nein, er ist kein reiner Befehlsempfänger sondern ein freudig arbeitender Jagdkamerad, wenn die Ausbildung dementsprechend aufgebaut wurde. Anders würde mir dies keine Freude bereiten. Ich bedauere schwanzklemmende, kriechende "Jagdbegleiter" und Hundeführer ohne kameradschaftliches Verhältnis zum Hund. Der Vierbeiner sollte ein Partner sein.
Sandra: Nein! Er ist Partner, mit dem gemeinsam man sich freut, weil er Spaß an dem hat, was er tut!
Christa: Das würde gar nicht klappen - nur die Zusammenarbeit, das Zusammenwachsen, die gemeinsam durchlaufene Ausbildung (auch für den Menschen bei jedem Hund individuell anders) schweissen zu-sammen, und nur auf der Basis von Gehorsam UND beiderseitigem Vertrauen kann dieser Drahtseilakt des auf der Jagd gehorsamen Hundes funktionieren.
Sabine: Wer Kadavergehorsam möchte sollte sich einen Schäferhund oder den Sony "Robo Dog" an-schaffen. In der Jagdausübung ist eine gewisse Selbständigkeit des Hundes erwünscht.
Michaela: Nein, sonst könnte man sich die Eigenschaften eines Jagdhundes nicht zunutze machen. Der Jagdhund besitzt Fähigkeiten (Schnelligkeit, Nasenleistung, Wildschärfe) die wir als Menschen nicht haben. Man ist oft auf die selbstständige Arbeit seines Jagdhelfers angewiesen. In Deutschland sagt man zum Beispiel bei der Schweißarbeit: "Der Hund hat immer Recht", weil die Nase des Hundes sehr viel mehr Informationen aufnehmen und deuten kann als unser armseliges Gesichtsfeld.
Gemeinsame Urlaubsfreuden? Klar!
Kann der Jagdhund also trotz seiner "Berufsausübung" für JägerInnen auch Freund und Lebensgefährte sein?
Anke: Meine Hunde waren bisher immer Freund und Lebensgefährte und sind während des ganzen Tages mit mir zusammen und gerade Konsequenz in der Ausbildung, aber auch dieses Vertrauensverhältnis durch gemeinsame Erfolgserlebnisse stärken die Verbundenheit und das Vertrauen.
Sandra: Natürlich kann er. Unsere drei leben alle mit im Haus und schlafen sogar teilweise im Bett!
Christa: Ja! Denn nur durch die Nähe zu meinem Hund, die viele Ar-beit und Zeit miteinander, lerne ich ihn "lesen", und umgekehrt be-kommt so mein Hund auch die Bindung, aufgrund derer er "für mich arbeitet".
Sabine: Natürlich, unsere Hunde sind Familienmitglieder, sie gehören zu unserem Rudel.
Michaela: Meines Erachtens bringt der Jagdhund erst dann gute Leistung wenn er zum Partner und Freund geworden ist.

Muss der Jagdhund, um so zuverlässig zu arbeiten, wie es die Jagdpraxis erfordert zwangsläufig mit Härte und extremer Strenge ausgebildet werden, wie viele Laien das vermuten?
Anke: Nein.

Sandra: Nein! Nur mit Konsequenz!
Christa:
Schwierige Frage! Erstmal: zwangsläufig - nein, nicht zwangsläufig. Das kommt auf den je-weiligen Hund an, auf die individuelle Hund-Mensch-Kombination, auf das Aufgabenfeld, etc. Härte - was ist damit gemeint? Es gibt im jagdlichen Alltag je nach Einsatzgebiet Dinge, die der Hund auf je-den Fall tun MUSS (z.B. eine verletzte Ente aus dem Wasser holen, damit sie schnell erlöst werden kann) oder auf keinen Fall DARF (z.B. einen in die Sasse geduckten Junghasen greifen). Hier kann manchmal Härte im Sinne unangenehmer Konsequenz nötig sein - dies richtet sich aber nach dem jewei-ligen Hund und gilt immer nach dem Grundsatz "soviel wie nötig, so wenig wie möglich". Extreme Stren-ge - da weiss ich nicht, was gemeint ist. Strenge im Sinne von Konsequenz - ja. Extrem nur im Sinne von IMMER. Der Befehl "Down" z.B. ist ein Lebensretter-Kommando und muss IMMER befolgt werden. Hier wären Nachlässigkeiten dem Hund gegenüber unfair.
Sabine: Nein, aber mit Konsequenz.
Michaela: Nein, ein Jagdhund muss vor allem mit Konsequenz ausgebildet werden.

Früher war es durchaus Sitte, dass der Hund vom Alltag des Jägers getrennt z.B. allein im Zwinger gehalten wurde. Hältst du das für sinnvoll oder notwendig?
Anke: Nein - Ein weggesperrter Hund hat nicht so eine Sozialisierung und ob das Vertrauensverhält-nis und die Verbundenheit zwischen Hund und Jäger so intensiv werden können….?
Sandra: Nein! Wie gesagt unsere Hunde leben alle mit uns im Haus!

Christa: Nein, allerdings halte ich es - manchmal - für sinnvoll, die Hunde abzulegen oder in eine Ecke zu "ver-bannen", wenn ich arbeite oder mich nicht auf sie konzentrieren kann. Wenn ich mit ihnen dann arbeite, spiele, etc. dann aber ganz konzen-triert und richtig.
Sabine: Nein überhaupt nicht, der Hund gehört zu seinem Rudel.
Michaela: So ein Quark!

Früher meinte man auch, dass der Vierbeiner, um ein "ernster" Jagdhund werden zu können von Artgenossen ferngehalten und vor

Von wegen Einzelhaft im Zwinger...!

allem das Spiel mit ihnen unterbunden werden müsse. Wie siehst du das?
Anke:
Der Kontakt und das Spielen mit Artgenossen ist wichtig für die Hunde und verweichlicht sie natürlich nicht, sondern lässt sie Situationen viel besser einschätzen, und sie sind mit anderen Hunden umgänglich.
Sandra: Nein! Ich treffe mich regelmäßig mit anderen Hundehaltern. Bei diesen Treffen dürfen die Hunde spielen wie sie möchten. Da ich drei habe, spielen auch die täglich mehrmals.
Christa: Hunde sind Rudeltiere und brauchen die Kommunikation untereinander. Zudem sollen sie sich ja auf der Jagd auch mit den anderen Hunden verstehen können, daher sind Kontakte oder gleich Grup-penhaltung wichtig.
Sabine: Das sollte mittlerweile eine überholte Einstellung sein. Nichts ist für die Entwicklung der Hun-de wichtiger als Sozialkontakte mit Artgenossen aller Art: Welpenprägetage/-spiel, Junghundegruppe etc.
Michaela: Das ist Unsinn!

Auf welchen Grundsätzen sollte deiner Ansicht nach eine gerechte Ausbildungsmethode für durchschnittlich veranlagte Jagdhunde beruhen?
Anke:
Gute Prägung, Frühzeitiges Lernen des Grundgehorsams ohne Überforderung, ruhige, geduldige und konsequente Ausbildung, kurze Lerneinheiten im Junghundalter, zwischendurch Freilauf im Revier und Erkundungsgänge, regelmäßiges Üben,
Sandra: Ruhe, Liebe, Konsequenz ohne Gewalt!

Gerechte Ausbildung richtet sich nach dem Individuum.
Christa: Ein alter Jägersmann hat es mal so zusam-mengefasst: Der Hund gibt den Weg vor! Also immer dem Hund angepasst, und möglichst auch zu seinem Besten. Das bedeutet für mich z.B., einem Tier-schutzhund möglichst schnell Freilauf gewähren zu können, ihn - lebenswichtig - mit einem Signal stop-pen zu können. Wenn ich dies mit mehr Strenge schneller erreiche und ihn damit schneller artgerecht halten kann, so gehe ich eben diesen Weg.
Habe ich einen Welpen, den ich auf mich prägen kann, so habe ich viel mehr Zeit und Möglichkeiten, den Hund dort hineinwachsen zu lassen.
Sabine: Ich denke man muss individuell auf das Al-ter, das Wesen und den Charakter des Hund eingeh-en, und schauen mit welcher Methode ich beim Hund weiterkomme und welche Methode ich als Hundfüh-rer korrekt und konsequent umsetzen kann. Hunde sind so unterschiedlich wie ihre Führer, der eine ar-

beitet gern mit und bietet sich an, der andere ist übereifrig, wieder andere gleichen einer Schlaftab-lette. Der eine braucht Druck, bei einem anderen ist ein fehlendes Lob die größte Strafe. An die Aus-bildung von jungen Hunden gehe ich anders heran als an ältere, vielleicht bereits ausgebildete Hunde. Mit viel Gefühl, immer positiver Verstärkung und je nach Entwicklungsphase des Hundes auch mal einen Schritt zurück, als einen zu schnell weiter. Wichtig ist das Einfühlungsvermögen, den Hund lesen zu können und entsprechend angemessen zu handeln.
Michaela: Es gibt in der Jagdhundeausbildungsliteratur vorgegebene Wege die sich nach dem Alter, dem Lernstand des Hundes und seinen Anlagen richten. Härte, Zwang, Strenge richten sich immer nach dem Hund, seinem Alter und seinem Lernstand - dem gegenüber sollte immer überschwängliches Lob und der gemeinsame Erfolg stehen. Ein "alter Hase in der Jagdhundeausbildung" sagt uns immer wieder: "Der Hund lernt durch Erfolg - und nichts anderes!" Viele Jäger in Deutschland sind gut darüber in-formiert, wie ein Hund lernt (Klassische, Operante Konditionierung usw.). Neue, wissenschaftlich be-gründete Erkenntnisse und Methoden fließen in die bewährten Ausbildungsmethoden mit ein.
Meine Meinung: es gibt nicht DIE Ausbildungsmethode für den Jagdhund - denn jeder Hund ist anders, lernt anders, bringt einen anderen Charakter und anders ausgeprägte Anlagen mit.

Wo ziehst du persönlich die Grenze zwischen erforderlicher und übertriebener Strenge und Härte bei der Ausbildung des Jagdgebrauchshundes?
Anke: Erforderliche Strenge kann ich mit konsequentem Führen des Hundes umsetzen, dies ist bei ei-nem guten, konsequenten Führer aber wohl nicht nötig, da dieser eh die Umsetzung der Kommandos in vorzüglicher Art und Weise beachtet. Erforderliche Härte käme bei mir nur in Frage, wenn der Hund bereits Begriffenes (z.B. beim Apport ) nicht umsetzt und den Führer testet. Bei den Wasserfächern würde ich grundsätzlich keine Strenge oder Härte anwenden. Härte ist meiner Meinung nach keine Grundlage für eine Hundeausbildung; wenn es denn aber sein muss, dann muss sofort nach der Negativ-einwirkung das Lob bei richtiger Ausführung folgen!!! Dann begreift der Hund dies und lernt seine Übung sehr schnell. Wichtig ist hierbei die richtige Dosierung und dieses Einfühlungsvermögen zu haben ist nicht so vielen Ausbildern mitgegeben. Alles Übertriebene kann nur schaden und Schläge sind keine Ausbildungsmethode.

Sandra: Ein Hund, der mal ein guter Jagdhund werden soll, braucht na-türlich eine starke Hand! Aber Prü- gel, Stachelhalsbänder und Teletakt lehne ich ab!
Christa: Der Hund muss der Aufgabe gewachsen sein, er muss sie begriffen haben, ich muss sie kleinschrittig ge-nug aufgebaut haben. Es muss viele, viele, viele Wiederholungen gegeben haben. Der Hund muss wissen, was ich will, und das dies auch belohnt wird. Für besondere Leistungen oder noch wenig Geübtes darf es auch die große Party mit Spiel, Spaß und Würstchen sein. Erst dann kann ich auch zurecht-weisen, wenn er es nicht ausführt, und das eben immer dem Hund angemessen.
Pointer Nele macht down.
Durch meine Erfahrungen mit Rocky lehne ich nicht mehr bestimmte Hilfsmittel oder Methoden ab - so habe ich einige Dinge mit dem breiten Stachelhalsband abgesichert und tue es, wenn auch selten, noch heute. Selbstverständlich sind alle "Prügelinstrumente", Hilfmittel zum Zufügen starker Schmerzen (z.B. ein extra eng gestellter oder zu spitzer Stachler) ebenso tabu wie z.B. Tritte.
Sabine: Individuell bei jeden Hund neu. Kann man eine Grenze überhaupt ziehen?
Michaela: Der Hund bestimmt das Maß der Härte. Ein Jagdhundeausbilder braucht dazu eine sehr gute Beobachtungs-, Einschätzungs- und Analysegabe. Wenn Härte eingesetzt werden muss, dann nie emotio-nal und nie ungerecht. Es muss immer einen Ausweg - ein "ich weiß warum" für den Hund geben, wenn ein "schwarz" angewendet werden muss. Hier mal eine Erläuterung zum Thema Zwang:
1. Def.: Zwang ist die Beeinflussung der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit durch verschiedene Ein-flüsse. sprich alleine wenn ich einen Hund an der Leine führe übe ich Zwang aus, denn er kann nicht selbst entscheiden wo er gerade hinlaufen möchte.
2. "Zwang" muss auch immer gerecht sein - wenn Zwangsmaßnahmen ungerecht ausgeübt wurde, sind die Hunde durch diese verunsichert. Wenn sie sich aber sicher fühlen und merken dass es bei einem "Falsch" auch ein "Richtig" gibt wofür es Lob & Sicherheit gibt, reagieren sie NICHT verunsichert oder gar ängstlich sondern sicher und sogar erleichtert.
3. Die Stärke der Zwangsmaßnahmen richtet sich immer nach dem Hund - und sollte nicht emotional ausgeführt werden. Dann geschieht sie auch nicht über die Maßen.
Und Thomas Baumann, ein bekannter deutscher Diensthundeausbilder schreibt:
Deutsch Kurzhaar Lutz
1. Zwang steht in der Verhaltens-steuerung an letzter Stelle.
2. Zwang darf nie als Strafe, son-dern ausschließlich als Verhaltens-korrektur angesehen werden.
3. Schläge, Tritte, Stöße sind keine Zwangseinwirkungen, sondern primi-tive und schädliche Brutalitäten (sozialer Vertrauensbruch).
4. Zwang darf nur vorübergehend eingesetzt werden. Wird Zwang zu einer Dauermaßnahme, verfehlt er sein Ziel und sollte eingestellt wer-den.
5. Zwang muss in seiner Art und

Weise individuell auf das Nervensystem des betroffenen Hundes abgestimmt sein (nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen).
6. Zwang darf niemals unter emotionalen Gesichtspunkten geschehen (Wut, Zorn), sonst kommt es schnell zur Überdosis.
7. Zwang muss im Ergebnis die Lebensqualität des Hundes verbessern können (Bsp. mehr Freiraum). 8. Zwang muss im Ergebnis zu erwartenden Schaden für den Hund und seiner Umwelt verhindern (Bsp. wildernder Hund im Bereich einer stark befahrenen Straße).
9. Zwangseinwirkungen müssen immer in einem zeitlichen und räumlichen Zusammenhang zum unerwün-schten Verhalten stehen, sonst sind sie nutzlos.
10. Zwang darf nie zur ausschließlichen persönlichen Bereicherung (Bsp. finanzieller oder sportlicher Ehrgeiz) angewendet werden.

Welche Art von Hundeausbildung unter Jägern findest du kritikwürdig und würdest sie selbst nicht anwenden?
Anke: Wenn ich von Stacheldraht höre wird mir ganz schlecht und auch das Teletakt-Gerät würde ich nicht anwenden. Sicher ist auch in diesem Bereich Kompetenz gefragt, denn von kleinem Kribbeln bis starken Stößen ist ja alles drin. Zum Glück brauche ich es bei meiner Rasse nicht. Ohren drehen und Tritte bzw. Schläge lehne ich strikt ab.
Sandra: Wenn es mit übertriebener Härte zugeht! Z.B. Hunde mit einem Stachler an der 4 m Leine festmachen und den Hund hineinrennen lassen ist für mich Tierquälerei! Ein Hund lernt auch anders auf seinem Platz zu bleiben! Außerdem käme bei mir kein Teletakt in Frage!

Christa: Sicher kenne ich da noch nicht sehr viel. Ich würde es an der Emotio-nalität festmachen. Wenn man aus Wunschdenken heraus falsch lobt oder etwas, was später stört, am Welpen noch süß findet oder eben aus Ent-täuschung "draufhaut", anstatt ruhig und überlegt Fehlverhalten zu sank-tionieren - dann läuft was schief.
Der Hund muss alles sehr oft wieder-holt und verstanden haben, bevor ich es einfordern kann.
Sabine: Wenn Menschen auf Grund ei-gener Unfähigkeit brutal, cholerisch, wütend, unkontrolliert mit ihren Tieren agieren, bzw. sich abreagieren, und sich
Sabine Hochhäuser und Weimaraner Afra.

das Tier zum Untertan machen wollen, unabhängig ob sie Jäger, Hundtrainer, Reiter etc. sind.
Michaela: Wenn dem Hund keine Zeit zum lernen gegeben wird und über die Maßen, emotional gesteu-erte Härte und Strenge angewendet wird - vor allem wenn der Hund sie nicht versteht. Jäger die ihre Hunde körperlich quälen, als Instrument und nicht als Partner sehen sind für mich verabscheuenswert.

Lassen sich deiner Ansicht nach Jagd und Tierschutz miteinander vereinbaren?
Anke: Jagd bedeutet ja Bestandsregulierung, Erlösung von kranken und schwachen Tieren und Erhalt-ung der Lebensräume für alle Tierarten. Hege beinhaltet die Erhaltung der Lebensmöglichkeiten für das Wild. Jäger helfen, um ausgemähte Kitze zu vermeiden und klären in der Öffentlichkeit über Tier- und Naturschutz auf.
Sandra: Aber ganz klar! Tierschutz hat für mich auch damit zu tun, einen Hund seinen Anlagen ent-sprechend zu fördern! Ein Jagdhund ist und bleibt ein Jagdhund! Wo also sollte er glücklicher sein als bei einem vernünftigen Jäger!?
Christa: Für mich ist Jagd auch angewandter Tierschutz - zunächst die Hege, das Unterstützen der einen Art, das Regulieren der anderen. Aber auch die Ernte von Wildpret als Lebensmittel - wertvoller und mit weniger Tierqual als das Schnitzel aus der Tiefkühltruhe oder das Hundefutter aus der Dose. Viele Jäger sind der Natur verbunden und engagieren sich sehr für Tier- und Umweltschutz.
Es wäre schön, wenn Tierschützer und Jäger die Gemeinsamkeiten finden und nutzen würden.
Sabine: Ja natürlich! Es geht doch um die ganze Vielfalt die unsere Natur und Tierwelt zu bieten hat. Bei der Jagd geht es um die Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes. Es gibt ge-nügend gemeinsame Aktionen; Fledermäuse brauchen Nistmöglichkeiten. Feuchtbiotope bilden die Le-bensgrundlage für Amphibien. Remisen bieten Brut- und Aufzuchtmöglichkeiten für Singvögel um nur einiges zu nennen. In diesem Bereich liegen viele Chancen brach. Es gibt auf jeder Seite immer solche und solche. Man bedenke nur einmal das Animal Hoarding Phänomen, das krankhafte Horten von in Not befindlicher Tiere und die damit einhergehende Verwahrlosung.

Sandra Jungs "Tierschutzhund" Ayko als Welpe frisch von der spanischen Müllkippe.
Michaela: Der Tierschutz verkennt momentan die Chance mit "guten" Jäger zusammenzuarbeiten um partnerschaftlich an einem Strang zu ziehen. Es darf nicht vergessen werden dass die Jäger nun mal das Know-how im Umgang mit Jagdhunden besitzen. Sie können das Verhalten von Jagdhunden ein-schätzen und in die richtige Richtung lenken. Sie kennen sich mit der Ausbildung und Verhaltenslenkung aus, wo das Wis-sen von "normalen Menschen" oft versagt. "Gute Jäger" können -von Jagdkollege zu Jagdkollege- "schlechten Jäg-ern" besser Ratschläge zur Verhaltensänderung geben als "verhärtete", zu Jagdgegnern erklärte "Tierschützer" - denn das Problem sollte begonnen werden an der Wurzel zu verbessern. Dass Tierschutz mit Jagd vereinbart werden kann zeigen viele gute Beispiele: als lobenswerten Verein möchte ich Krambambulli e.V. und Jagdhunde in Not e.V. nennen. Was nicht vergessen werden sollte, ist, dass es für Jagdhunde nun mal Lebenssinn und Passion ist zu jagen. Dem-

nach sollten an Geist und Seele gesunde Jagdhunde aus dem Tierschutz auch wieder jagdlich geführt werden dürfen. Denn nur dort können sie wirklich art- bzw. rassegerecht ausgelastet werden. Die Aug-en eines Jagdhundes der als Partner mit seinem gerechten Jäger zusammen jagen darf sind unvergess-lich - es ist das Höchste ihres Lebens!

Kritiker sehen in der Jagd nutzloses Töten von Wildtieren zum Vergnügen des Jägers. Was meinst du dazu?
Anke: Nutzloses Töten und abschussgeile Jäger haben bei der Jagd nichts verloren. Wenn man hört wie viele Füchse und Wildschweine ( Schwarzwild ) es jetzt schon in die Städte zieht denken sicher auch die Jagdgegner um, denn das Schwarzwild richtet erheblichen Schaden in den Gärten an bzw. die Füchse als Belagerer der Mülltonnen und Hühnerdiebe sind z.B. in Großstadtrandlagen von Hamburg und Berlin schon eine echte Plage. Jagdkritiker sehen wohl oft nur das Streckelegen von Drückjagden und nicht die anderen Tätigkeiten der Jägerschaft. Und was wäre mit dem Verkehrsfallwild? - ohne eine Nachsuche würde es länger leiden bis zur Erlösung.
Sandra: Das ist Quatsch. Jagd ist in erster Linie Hege und Pflege! Man ist viel in der Natur und man kommt Wildtieren so nah wie sonst niemand! Meist erfüllt man seinen Abschußplan mit kranken oder verletztem Wild das sonst elendig zugrunde gegangen wäre!
Christa: Das Töten der Tiere ist nicht nutzlos - es dient der Gesunderhaltung eines Bestandes, der Vorbeugung von Krankheiten und Stress durch Überpolulation, dem Schutz eines Beutetieres, und nicht zuletzt der Gewinnung von hochwertigem Fleisch. Zwar esse ich selber kein Fleisch, respektiere aber, dass viele Menschen, meine eigene Familie und nicht zuletzt meine Hunde dies tun. Dann lieber ein er-legtes/erlöstes Tier auch nutzen, statt Qual in Massenzucht und Schlachthof.

Sabine: Wer aus Vergnügen am Töten jagt, sollte sich neu überdenken. Das gezielte Er-legen des Wildes ist nur der kleinste Bestand-teil der Jagd und dient zur Nahrungsbeschaff-ung. Mein erlegtes Wild landet in der Regel bei uns im Kochtopf. Zur Jagd gehört viel mehr die Hege des Wildbestandes und quasi das Man-agement des Jagdreviers. Wer sich ein Bild von der Jagd machen möchte, kann einen Jäger ins Revier begleiten und sich persönlich ein Bild über die Aufgaben und Arbeit machen. Dort kann man dann auch die Jagdhunde bei ihrer eigentlichen Bestimmung beobachten.
Michaela: Ich bin zuerst Försterin und es ist
Wildtiere am Stadtrand können zur Plage und Gefahr werden.

erwiesen dass ein nachhaltiger, ökologischer und ökonomischer Waldbau ohne die Jagd nicht möglich ist. Auch die Raubwildbejagung hat ihre Berechtigung - wissenschaftliche Studien haben erwiesen dass z.B. dadurch schützenswerte Bodenbrüter sich durch eine intensive Raubwildbejagung wieder ansiedeln und die Population sich dadurch stabilisieren konnte. Der Jäger nimmt auch andere wichtige Funktionen war: von der Biotoppflege bis zur ökologischen Landschaftsgestaltung, er hilft bei der Suche und tier-schutzgerechten Versorgung von Unfallwild, er achtet auf den Gesundheitszustand des Wildes und hilft dadurch Seuchen vorzubeugen. In Deutschland ist die Jagd zum Beispiel durch Abschusspläne regle-mentiert: diese richten sich nach dem Gesundheitszustand des Wildes und den Wildschäden in Wald und Flur. Es sei auch genannt das Wildfleisch nun mal ökologisch, frei von Zusätzen (Hormonen, Antibiotika, Zusatzstoffen,) und dadurch sehr gesund ist. Wild wird relativ stressfrei an Ort und Stelle erlegt - nicht erst hunderte von Kilometern halb lebend durch die EU gefahren - und regional vermarktet. Claus Kiefer - der Präsident des DK-Verbandes schrieb: "Wir jagen auch deshalb, weil wir das erlegte Wild der Ernährung zuführen und weil wir es mit großem Appetit, wenn es gut zubereitet ist, auch verspei-sen. Als Jäger respektieren wir Vegetarier, aber wir möchten uns nicht gerne von ihnen missionieren lassen."

Jäger und Hundehalter geraten meist deshalb aneinander, weil der Waidmann im Vierbeiner des anderen eine Bedrohung für das Wild in seinem Revier sieht. Der Hundehalter seinerseits wirft dem Jäger Egoismus, Unverständnis, Feudalherrenverhalten uvm. vor. Wie beurteilst du diesen Konfliktstoff?
Anke: Der Waidmann mag keine streunenden Hunde im Revier, und in manchen Fällen fühlen sich die Jagdpächter genervt von freilaufenden Hunden auf den Äckern in der Nähe der Einstände. Allerdings gibt es ja auch fast keine Freilaufmöglichkeiten für Hunde mehr. Heute wird es sicher verkniffener gesehen. Es ist aber immer von Vorteil wenn der Jäger das Gespräch mit den Hundebesitzern sucht!

Dem Hunde, wenn er wohlerzogen, ist auch der Jägersmann ge-wogen.....
Sandra: Ich denke die Hundhalter sollten sich mal an die eigene Nase fassen. Gott sei Dank gibt es auch vernüftige.
Christa: Angesichts meiner eigenen Hunde und dessen, was ich im Jungjägerkurs lerne, be-greife ich zunehmend, welche verheerende Wirkung/Störung ein ungehorsamer Hund im Revier haben kann. Selbst wenn man meint, der Hund kriegt schon keinen gesunden Hasen, so kann er viel Stress und Unruhe verbreiten und gefährdet zudem ausser dem Wild evtl. auch sich selber oder bei einer Hatz über eine Strasse sogar andere Menschen. Gehe ich mit meinen Hunden wohlgeordnet über den Weg, oder kommen sie auf meinen Zuruf zu mir, so
habe ich bislang nur ein freundliches Grüßen und anerkennendes Nicken geerntet. Umgekehrt - viel-leicht sollten manche Hundehalter mal auf die Jäger zugehen. Nachfragen, wer der Jagdpächter im Revier ist, sich vorstellen und vielleicht auch fragen, an welcher Ecke man lieber garnicht stören sollte oder wo man evtl. mal üben darf. Auch die vielen Kurse von Kreisjägerschaften, wo oft auch nicht-jagd-lich geführte Hunde willkommen sind, sind Teil des dringend nötigen Handschlags.
Sabine: Ein Kriegschauplatz: Egoismus und fehlende Information auf beiden Seiten. Es betrifft ja ei-gentlich alle Natur-und Waldnutzer. Jeder möchte seinem Hobby nachgehen,da kommt man sich zwangs-läufig in die Quere. Beim Erstkontakt im Ton vergriffen, schon sind beide Seiten nicht mehr gesprächs-bereit. Es geht aber auch anders, Aufklärung und Information über die jagdlichen Gegebenheiten im betreffenden Revier mit der Bitte um Einhaltung. Toleranz und Nachdenken auf beiden Seiten und selbst Vorbild sein.
Michaela: Es muss Aufklärung und Verständnis geben. Tierschutz sollte nicht nur für Haustiere gelt-en, Tierschutz heißt auch das Wild, die Tiere in Wald & Flur zu respektieren. Wenn Hunde frei in der Natur laufen gelassen werden ist das eine starke Beunruhigung für das Wild. Für tragende Tiere, füh-rende Tiere, Tiere im Winter bei geschlossener Schneedecke, aber auch brütende, rastende Vögel usw. bedeutet ein freilaufender Hund nicht nur extremen Stress und Beunruhigung, sondern manchmal sogar die Bedrohung des eigenen Lebens oder das des Nachwuchses. Der Jäger sollte darüber aufklären, es verständlich machen und zunächst das Gespräch suchen. Außerdem sollte sich der Hundehalter über die örtlichen Gesetze und Regelungen informiert haben. Der Hundehalter sollte darum bemüht sein, diese
zu respektieren und seinen Hund entsprechend zu führen - viel-leicht kann man sich auf bestimm-te Zeiten oder Orte einigen, wo der Hund mal frei laufen darf. Bevor ein Jäger jedoch einen Hund wegen Wilderei abschießt, sollten andere Mittel und Wege beschritten worden sein (Auf-klärung und Gespräch, Anzeige, Hund einsammeln und ins Tier-heim bringen etc. ). Der Schuss sollte immer der letzte Ausweg bleiben.
Für Wildtiere bedeutet Beunruhigung durch unkontrollierte Hunde Stress.

Der Jäger erklärt einer Dame recht unwirsch, ihr Cocker sei ein Jagdhund und deshalb an die Leine zu nehmen. Winkt sie lächelnd ab: "Mein Hund ist kein Beutegreifer. Er ist bloß ein Schmutzfänger."

Fotos:
Lange 2, 7, 19, 20
Hochhäuser 5, 8, 15
Jung 3, 9, 16
Kuntzsch 1, 4, 6, 12
Hahn 17, 18
Kokemor 10, 11
Kruse 13
Bianca 14

Stöbernder English Springer Spaniel.
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