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Das
Thema Jagd ist eine polarisierende Angelegen-heit. Ich persönlich
habe mich für die Jagd ent-schieden, - sie ist eine Passion.
Das für und wider ist in unzähligen Ausführungen
diskutiert und dokumen-tiert worden. Die Jagd ist für
mich - wie für viele Jägerinnen und Jäger auch
- eine Leidenschaft, die mit großer Hingabe, Erfüllung
und Respekt gegen- über und für die Natur ausgeübt
wird.
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Thies
Langmaack beim Schwimmtraining
mit seinem jungen Deutsch Kurzhaar Xaro.
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Ich möchte
hier gerne die Gelegenheit nutzen, die Jagd aus meiner Sicht
Nichtjägern näherzubringen und ein wenig Hintergrundwissen
über die Naturzusammenhänge sowie die Notwendigkeit
der - als auch die Motivation zur - Jagd zu vermitteln.
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Für
mich ganz persönlich ist die Jagd der Einklang mit der
Natur. Der Genuss, Flora und Fauna hautnah erleben zu dürfen.
Wer je als Jäger selbst oder mit einem umsichtigen Jäger
durch Wald und Feld gestrichen ist, wird mir beipflichten. Das
umfas-sende Wissen über die Natur und deren Zusammen-hänge
ist kaum einem Menschen so bewusst, wie dem nach deutschem Jagdrecht
ausgebildeten Jäger (über einjährige intensive
Ausbildung), wenn er über die notwendige Erfahrung
verfügt.
Dass die Jagd unmittelbar auch mit dem Erlegen von Wild zu
tun hat, ist unbestritten und unumgänglich, aber nur ein Teil
der Jagdausübung. Die reine Trophäen-Jagd muss jeder
mit sich selbst aus-machen. Für mich ist die Jagd, neben
der aufgrund unserer in Deutschland gegebenen Kulturlandschaft
erforderlichen Naturpflege, auch eine Nutzung der Wald- und
Feldlandschaften.
Wenn man sich eingehender mit der Jagd beschäf-tigt, so
kann man auch als Nichtjäger einiges im jagdlichen Zusammenhang
besser nachvollziehen und verstehen.
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Hochsitz
im morgendlichen Nebel.
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>
In Deutschland sowie in den meisten entwickelten Ländern
der EU haben wir überwiegend keine Naturlandschaften
mehr, wo es natürliche Feinde, z.B. für Rehwild wie
den Wolf, gäbe. Heute sind die meisten Regionen Kulturlandschaften
um die intensive Landwirtschaft zu betreiben, wie sie heute
ge-fordert und nachgefragt wird. Ein Eingriff in den Naturhaushalt
ist daher notwendig und unumgäng-lich, um einen ausgewogenen
und verträglichen Wildbestand zu erhalten.
> Fehlt der Eingriff in den Naturhaushalt durch die Jagd,
so mündet dies mittelfristig in eine Über-population
des Wildbestandes. Diese führt - gerade in der Winterzeit
- zu einem elendigen Leiden & Hungertod vieler Tiere, da
die Natur für den unverhältnismäßig
hohen Wildbestand keine ausreichen-de Nahrung bereitstellen
kann. |
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>
Eine Überpopulation führt darüber hinaus zu hohen
Verbiss-Schäden in den Wäldern: jüngere Pflanzentriebe
werden durch das Wild (hauptsächlich Rehwild) gefressen;
die Rinde von Bäumen wird regelrecht vom Rotwild (Hirsch)
geschält bzw. abgezogen. Beide Effekte schaden dem Wald,
da eine natürliche Verjüngung des Waldes (Nachwachsen
des Waldes durch Jungtriebe) verhindert bzw. eingeschränkt
wird und gesunde Baumbestände geschädigt werden.
> Eine Überpopulation führt weiter zu Schäden
in der Landwirtschaft. Wild-schweine, die teilweise in ganzen
Rotten auf- |
tauchen,
durchwühlen /brechen die Felder, um an Nahrung
zu gelangen. Zum einen auf frisch bestell-ten Feldern, zum
anderen
auf erntereifen Flächen, wenn z.B. der Mais in voller
Frucht auf dem Acker steht. Alle Schäden an der Landwirtschaft,
die durch (Schwarz-)Wild hervorgerufen werden, müssen
vom Jagdpächter ersetzt werden. Hilft eine Einzäunung
nicht mehr bzw. ist sie nicht zu realisieren, muss intensiv
bejagt werden.
> Um der Überpopulation entgegenzuwirken, wird in alle
Altersklassen - nach einem genauen, von un-terschiedlichen Stellen
und Institutionen festgelegten Abschussplan je Wildart - eingegriffen
und der Populationszuwachs abgeschöpft. So hat das Wildschwein
eine Vermehrungsrate von ca. 300 % , da jede Bache im Schnitt
3 bis 8 Frischlinge wirft. Der Jäger selektiert darüber
hinaus auch bei sei-ner Jagd. Im Fokus stehen zunächst
kranke, infizierte,verletzte und schwache sowie abnorme Stücke.
> Der Jäger übernimmt weitere Aufgaben im Jagdbezirk.
Er sorgt für die Pflege & Hege des Reviers und schafft
so einen optimalen Lebensraum für Wildtiere - auch in Notzeiten.
Dies geschieht z.B. durch das Anlegen von Wildäckern, Äsungsflächen,
Kirrungen und Suhlen. Dadurch wird für eine aus-gewogene
sowie reiche Artenvielfalt bei Flora und Fauna gesorgt.
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>
In einem vorbildlichen Revier wird das Wild genutzt, - als Fleischlieferant
un-ter Beachtung hygienischer Standards. Wildfleisch/Wildpret
zählt mit zu dem gesündesten, was man bekommen
kann und dies ohne lange Transportwege und Massenabfertigung/-zucht
mit Kraft-futter sowie Medikamenten.
Waidmännisch mit den Naturressourcen umzugehen und den
Tieren Respekt zu zollen, darum geht es. Zusätzlich ist
die Jagd aber auch ein Kulturträger. Hier wird Brauchtum
übermittelt, die Jäger-
sprache - welche einen nicht zu vernach- |
lässigenden
Anteil an der deutschen Sprache hat - gepflegt, Wissen vermittelt
und werden die nach-folgenden Generationen an unsere Natur herangeführt.
Für mich persönlich ist die Jagd zudem ein ex-zellenter
Ausgleich zum "trockenen und unnatürlichen" Beruf.
Unwiederbringliche Naturerfahrungen zu erleben erfüllt
einen, wenn z.B. beim Morgenansitz langsam der Tag anbricht,
die Vogelwelt er-wacht, die Morgenröte den Tag ankündigt,
dabei erste Sonnenstrahlen den Frühnebel durchdringen,
während man oben auf dem Hochsitz sitzt und unter einem
der Wildbach rauscht. Dies sind Momente die mich erfreuen; man
muss nicht zum Schuss kommen um Zufriedenheit zu erlangen, sondern
lediglich Natur und Wild in seiner natürlichsten Form genießen. |
Dies
alles macht mich zu einem überzeugten, waidgerecht-en,
traditionellen und doch modernen Jäger. Möchte und
will man die Jagd ausführen - ja ist sie sogar erforderlich
- wie oben beschrieben, so muss dies jedoch in geregelten Formen
stattfinden. Das deutsche (Länder-) Jagdgesetz regelt dies
umfassend. Doch, - es ist mehr von Nöten: Eine friedliche,
verständnisvolle Nutzung der Natur von Jäger und Nichtjäger
im gegenseitigen Respekt unter Beachtung beider Interessen und
den Interessen der Natur sowie des Wildes. Agiert man hier mit
Augenmaß, Erfahrungen, Wis-sen als auch mit der nötigen
Offenheit, so ist ein Zusam-menleben aller Seiten nicht nur
machbar, sondern auch positiv.
Ich möchte dies nur an einem Bespiel verdeutlichen:
Oft gibt es zwischen Jäger und Spaziergängern
mit Hunden Missverständnisse und Ärger. Der Freizeitmensch,
der seinen hetzenden Hund frei in Feldern mit Jungtieren
oder Dickungen
laufen lässt, als auch der Jäger, welcher mit seiner
Büchse sofort auf Hunde zielt und die aggressive Konfrontation
mit dem Besitzer sucht, - beide Seiten rea-
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| Deutsch
Kurzhaar Xaro frei abgelegt unter dem Hochsitz |
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gieren
falsch. Aber warum? Keine Seite hinterfragt warum der Andere
so agiert. Hier gilt es zu erklären und aufzuklären.
Der Hundebesitzer möchte die frische Luft nach einem
Bürotag
genießen und seinem Hund Auslauf und Freude bieten.
Der Jäger möchte hingegen auch die Ruhe genießen,
zu-gleich aber auch das Wild und seinen Lebensraum schützen.
Ein Reh, welches in der Winterzeit von |
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frei
laufenden Hunden unnötig gehetzt wird, verliert Unmengen
an Energie, die es in einem harten Winter mit Nahrungsmangel
zum Überleben benötigt. Ein Rehkitz und so manches
Ausgewachsene hat keine Chance, einem (mittel)großen Hund
zu entkommen und wird im schlimmsten Fall gerissen. Sauen, die
in einer Dickung ihr Lager haben, werden beunruhigt, fahren
auf und wechseln die Einstände. Sie können nicht mehr
an den gewohnten Orten bejagt werden, sorgen woanders für
Wildschäden, vermehren sich noch un-kontrollierter. In
Zeiten, wo wir gerade in den Bal-lungsräumen und der angrenzenden
Natur unweiger- lich zusammenleben, müssen wir einander
verstehen und erklären anstatt zu konfrontieren. Ob, Hunde-besitzer,
Reiter, Mountainbiker oder Jäger, - alle Seiten sind
gefordert!
In diesem Sinne - Viele Grüße und Waidmannsheil,
Dr. Thies Langmaack
www.langmaack.com |
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Halbzeit
- Ein persönlicher Rückblick auf 30 Jahre Jägerleben
Von Stefan Fügner
Es war
der 24.5.1976 , als ich meinen letzten Prüfungsteil vor
der Jägerprüfungskommission ablegte. Am 27.5.1976,
meinem 16.Geburtstag fuhr meine Mutter zum Kreisamt, um mir
meinen ersten Jagd-schein zu lösen, der dann auch mittags,
als ich aus der Schule kam, auf meinem Geburtstagstisch lag.
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| Autor
Stefan Fügner als 16 jähriger mit seinem ersten
Knopfbock. Foto: Fügner |
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Es
ist bis heute mein schönstes Geburtstagsgeschenk ge-blieben,
an das ich mich gut erinnere. Es war 3 Tage später als
ich den von mir selbst ausgemachten Knopfbock schoß.
"30.5.1976 4.10 Uhr, Sausitz, Entfernung 30m aufgebr. 10,5
kg 7X65 R genau Blatt"
Mit einer noch jugendlichen Kinderschrift findet sich diese
Eintragung in meinem Jagdtagebuch einschließlich des Fotos,
daß mein Vater anläßlich dieser Erlegung schoß.
Diese Tage jährten sich nun zum 30. Mal und für mich
ein Grund, eine Art Halbzeitbilanz meines Jägerlebens zu
ziehen. Da sicher jeder begeisterte Jäger in seinen Ju-gendjahren
vom Beruf des Berufjägers träumt, war dies bei mir
nicht anders. Stundenlang saß ich bei Limonade in alten
verrauchten Gasthäusern mit den alten Jägern am Tisch
und lauschte ihren Gesprächen, während meine Altersgenos-sen
an Mofas bastelten oder Discotheken besuchten.
Auch mein Berufswunsch ging, wie bei so vielen, nicht in
Erfüllung.
Aber ich suchte auch damals schon instinktiv den Kontakt zu
Jägern, die wie ich den innigen Kontakt zur Natur pflegten
und für die das Jagen ein Teil ihres Bezug-es zur Natur
darstellte.
In allen meinen Ferien fuhr ich von Düsseldorf in den
badi-schen Odenwald zu meinem Onkel Harry. Anfangs legte
ich |
die
Strecke mit der Eisenbahn zurück. Später, zur
Zeit meiner Maurerlehre, fuhr ich die 350 km mit teilweise
abenteuerlichen
alten Autos. Aber die Neugier auf ereignisreiche Jagdtage
hielten mich nicht davon ab, diese langen Fahrten zu machen.
Der Altersunterschied zwischen meinem Onkel Harry, einem
Jagdfreund meines Vaters und gleichzeit-ig meinem Lehrprinz
betrug über
ein halbes Jahrhundert, was aber der gemeinsamen Bindung zur
Na-tur keinerlei Abbruch tat. Naturverbundenheit und das Jagen
ist nun mal etwas Generationen Über-greifendes. Stundenlang
durchstreifte ich mit ihm sein 700 ha großes Revier, in
dem er bereits seit 1936 jagte, und er brachte mir Natur, Tiere,
Pflanzen und das Jagen näher, als jeder andere Jäger
danach.
In den ersten Sommerferien jenes Jahres, in dem ich meinen
ersten Jagdschein bekam, überreichte er mir einen "SA Wehrsportkarabiner"
Kal.22 Fabrikat Walther, den er, wie alle anderen seiner Waf-fen,
über die Besatzungszeit gerettet hatte und mit dem ich
mehrere Eichelhäher und anderes Raub-zeug erlegte.
Erst ein Jahr später gab er mir einen Knopfbock frei, den
ich dann auch schoß.
Die strengen Auflagen, die er mir bezüglich des Abschusses
machte, haben mich nie gestört. Der Auf-enthalt im Wald
und das Eintauchen in die Natur spielte immer eine viel wichtigere
Rolle.
Auch empfand ich die strenge Führung des Jagdbetriebs durch
den Jagdpächter nie als Last. Es ergab sich dadurch ein
geordneter Jagdablauf. Vor der Besetzung der Hochsitze beispielsweise
wurde bei meinem Onkel im Hof Kriegsrat gehalten, und danach
fand dort auch die Abschlußbesprechung statt, die sich
zum Ärger meiner Tante, die mit dem Essen wartete, immer
ins Endlose erstreckte.
Leider starb mein Onkel viel zu früh und konnte den lebenslang
geträumten Traum, sich als Rentner ausschließlich
der Natur und der Jagd zu widmen, nur wenige Jahre genießen.
Das Revier erlitt das gleiche Schicksal, das viele große
Reviere in den letzten Jahrzehnten ereilte. Diese Reviere unter
der Leitung einer einzelnen Person sind in den letzten Jahren
verschwunden und auch dieser Jagdbogen wurde zerschlagen. Überall
ergeben sich aus ihnen immer kleinere Jagdbögen, die zudem
dann noch von mehreren Jagdpächtern und deren Jagdgästen
bejagt werden. Unkoordiniert jagen dann viele Jäger auf
kleinem Raum, was zum Leid des Wildes zu großer Unruhe
im Revier führt.
Obwohl mir die Möglichkeit immer wieder angeboten wird,
in solchen Revieren mitzujagen, lehne ich dies dankend ab, da
mir die Dauerbesetzung der Hochsitze und der Anblick des ständig
sichernden und schreckhaften Wildes ein Gräul ist.
Wenn ich heutzutage auf Treibjagden von meiner jugendlichen
Passion erzähle, löst dies meist eher er-stauntes
Kopfschütteln aus. Gerne berichte ich von meiner Begeisterung
für Reviergänge im März und April, in der Zeit,
in der die meisten Jäger den im Winter versäumten
familiären Pflichten nachkom-men. Viele wissen gar nicht,
wie vertraut das Wild in diesen Monaten auf den Feldern und
Wiesen die ersten warmen Sonnenstrahlen genießt und gierig
die mineralhaltigen Jungtriebe äst. Durch die be-ginnenden
Einstandskämpfe der Böcke ist es ein leichtes, den
Einstand eines alten Bockes ausfindig zu machen. Mehrere dieser
alten, von mir ausgemachten Böcke wurden von Jagdgästen
später zur Jagd-zeit erlegt, mit dem Satz: "Wenn Du
den nicht so genau beschrieben hättest, hätte ich
nicht erkannt, daß er so alt ist!"
Auch ist durch die Zerschlagung der großen Reviere ein
großer Teil der Verantwortung verlorenge-gangen, die sich
früher alleine beim Pächter befand. Die Teilnahme
an einer Gesellschaftsjagd in sol-chen Revieren mit unklaren
Autoritäten, kann einem durch die daraus resultierende
Desorganisation das Jagen schnell verleiden! Durch die Verpachtung
an mehrere Jäger wird auch die Benennung eines Jagdaufsehers
mit einem brauchbaren Hund oft vernachlässigt. Weder die
Polizei noch irgend ein Einwohner weiß dann, an wen er
sich bei Wildunfällen wenden soll. Auch hier leidet
am Ende das Wild. |
Noch
erstaunlicher ist es, wenn mehrere Jäger ein Revier pach-ten,
aber keiner von ihnen über einen brauchbaren Hund ver-fügt.
Trotz der zunehmenden Freizeit wird es scheinbar im-mer schwieriger,
sich einen Hund zu halten. Was soll man mit dem auch machen,
wenn man im Sommer nach Mallorca fliegt und im Winter den Skiurlaub
genießen will. Es wird jedoch diesen Jägern immer
verborgen bleiben, wie schön es ist, mit einem guten
Vorstehhund eine Niederwildjagd im kleinen Rah-men abzuhalten.
Auch ist
jeder Reviergang mit einem Hund ein doppeltes Erlebnis. |
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Ein
Hund mit einem engen Kontakt zum Führer lernt schnell,
auf die von ihm aufgenommene Witterung hinzuweisen. Wenn meine
Wachtelhündin etwas wahrnahm, blieb sie stehen und wartete,
bis ich ihr Halten bemerkte. Sie führte mich dann zu einer
frischen Fuchsbauröhre oder zu einem verendeten Stück
Wild. Saßen wir zusammen auf einem Holzstoß, einem
Erdsitz, einer Kanzel oder lag sie für mich sichtbar unter
dem Hochsitz, brauchte ich nur zu warten, bis sie anfing, ihren
Fang in den Wind zu halten und die Wittrung gierig aufzunehmem.
Das darauf erscheinende Wild bewies mir immer wie-der, daß
sie sich nie täuschte. Ich möchte die enge Bindung
zu meinen Hunden trotz der Mühen, die ein Hund macht, nie
vermissen, und ich weiß aus der Zeit, in der ich keinen
Hund halten konnte, daß Jagen ohne Hund nur eine halbe
Sache ist.
Als ich vor einigen Jahren einen Studienfreund besuchte,
der vielleicht auch ein wenig durch meine Passion zur Jagd
gefunden
hatte, zeigte er mir stolz seine Trophäen der ersten Jagdjahre.
Der schwächste Bock war ein starker Gabler; einen Knopfbock
suchte ich vergebens. Selbstverständlich gratulierte ich
ihm höflich zu dem zahlreichen Weidmannsheil.
Wie karg wirken da meine Trophäen, die zum größten
Teil aus Knopfböcken und Kümmerlingen be-stehen. Mehrere
kapitale Böcke habe ich aber auch -auf Fotos im Jagdtagebuch.
Als ich auf dem Heimweg an die Trophäen meines Freundes
dachte, bedauerte ich ihn ein wenig. Sicherlich war ihm auf
seinen zahlreichen Ansitzen dieser oder jener Knopfbock über
den Weg gelaufen. Aber sicherlich hat er sie als einzelnes weibliches
Reh angesprochen und ihm keine weitere Beachtung geschenkt.
Auch ich habe meine Knopfböcke erst für weibliche
Stücke gehalten. Minutenlanges Beobachten mit dem Fern-glas,
bis die Augen tränten, und schmerzhafte Verrenkungen auf
dem Sitz waren oft nötig, um zu er-kennen, daß da
etwas mit dem weiblichen Stück nicht stimmt. Immer wieder
war die Freude groß, wenn ich an den kaum 12 kg schweren
Kümmerling trat und die winzigen Knöpfe befühlte.
Die Spannung, er-zeugt durch die Zweifel, doch keinen Pinsel
gesehen zu haben, oder die Brunftkugeln mit dem Gesäuge
verwechselt zu haben, gaben der Erlegung eines Knopfbockes
immer
wieder etwas besonderes.
Wieviele Knopfböcke verdanken eigentlich ihr Leben Jägern,
die Rehe ohne sichtbaren Kopfschmuck gedankenlos dem weiblichen
Geschlecht zuordnen?
Auch hier möchte ich meine schönen Erlebnisse, die
ich erst durch die strengen Abschußvorgaben der Jagdherren
erfuhr, nicht missen.
Zusammenfassend kann ich sagen, daß sich in den letzten
30 Jahren einiges geändert hat und weniges zum Wohl unseres
Wildes. Die hektische und schnellebige Zeit fordert auch hier
ihren Tribut. Auch sind viele Ideale meiner Jugend nüchterner
Betrachtung gewichen. Wesentlich kritischer betrachte ich heute
das jagdliche Geschehen und ordne auch nicht mehr bedingungslos
alle Umstände meinem Wunsch, zur Jagd zu gehen, unter.
Straff geführte Jagdveranstaltungen, an denen ich gern
teilnehme, mit
disziplinierten Jagdgästen und einer großen Zahl
guter Hunde entschädigen einen für manche Jagd |

Foto:
Nadine Buck
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-gelegenheit,
die man aus eigener ethischer Überzeugung heraus nicht
mehr nutzt. Es be-stätigt aber auch, daß es noch
Jäger gibt, die bereit sind, die autoritäre Führung
eines Jagdherrn zu akzeptieren.
Ob die weitere Zerschlagung großer Reviere und die Verteilung
von Verantwortung auf me-hrere Pächter ein Weg in die richtige
Richt-ung ist, wage ich zu bezweifeln. Auch den schnellen Aufstieg
vom Jagdscheinanwärter zum Mitpächter halte ich für
äußerst bedenk -lich.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Jagd in den nächsten
30 Jahren entwickelt. |
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