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Aus der
Welt des Bracco Italiano
Interview von Sabine Middelhaufe mit
Flavio Fusetti
Der Kurzhaarige
Italienische Vorstehhund oder Bracco Italiano findet allmählich
auch in Deutschland seine Fans. Leider ist die Sprachbarriere
oft das Hindernis für die Kommunikation mit Züchtern
und Rassekennern im Mutterland. Ein Umstand, der in Italien sehr
bedauert wird, denn gern würde man sich mit Braccohaltern
jenseits der Alpen austauschen. Das folgende Interview mit Flavio
Fusetti, dem Verantwortlichen für Auslandsangelegenheiten
des Bracco Klubs, S.A.B.I., möge deshalb eine kleine Hilfe
auf dem Wege zur Verständigung sein.
Signor Fusetti, der Bracco Italiano, auch wenn er zur Gruppe
der Vorstehhunde gehört,
hat seine ganz eigene Geschichte, da er in Italien unter ganz
bestimmten Bedingungen und für eine ganz be-stimmte Art
der Jagd gezüchtet
wurde. Erzählen Sie uns doch einmal etwas über die
Wurzeln der Rasse.
Zunächst einmal dies: ich meine, jede Rasse hat ihre
eigene Geschichte, denn jede Rasse ist untrennbar mit dem Land
verbunden,
in dem sie entstand und mit der Geschichte des Volkes, das sie
schuf. Was nun unseren Bracco angeht, zitieren einige Autoren Hinweise
auf die Präsenz der Rasse, die aus dem 10./11. Jh. stammen,
und später, 1591, nennt Erasmo da Valvasone den Bracco
namentlich in seinem Traktat über die Jagd. Für uns soll
es hier aber genügen, die Geschichte ab dem Ende des 19. Jh.
zu betrachten. (Der interessierte Leser sei auf die Bücher
von Giuseppe
Colombo Manfroni, “Il bracco italiano”, erschienen
bei Editoriale Olimpia, und Giambattista Benasso, “I
cani da ferma italiani”, Edi-
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Lauro,
Bracco Italiano aus ungar. Zucht. Vater ist der ital. Rüde Omar
(s.unten) Foto:
Andreas Pöttger. Startfoto: Tito. Foto:
Flavio Fusetti
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toriale
De Vecchi, verwiesen.) Zum Ende des 19. Jh. konnte man den Bracco
in zwei ver-schiedenen Typologien finden, die lokal von Adelsfamilien
und/oder Landpächtern selek-tiert wurden. Diese Züchter
von damals be-saßen bereits jene „kynotechnische“ Sensibi-lität,
die sie veranlasste, Hunde zu schaffen, die einerseits das Auge
befriedigten, ande-rerseits aber auch all die jagdlichen Eigen-schaften
aufwiesen, die für das Beutemachen erforderlich sind.
Zu den
berühmtesten Zwingern jener Zeit würde ich „Ranzi“ zählen,
dessen Namen ge-bende Besitzer Landwirte aus der Gegend um Piacenza
waren, und deren Braunschimmel auf |
den
sg. Bracco Lombardo, also den Bracco aus der Lombardei
zurückgehen.
Diese Hunde waren von eher großer Statur, hervorragende Jagdgehilfen
im Flachland und an feuchte Terrains gewöhnt, die ihre Suche
im Trab vollzogen und einen eleganten, raumgreifenden Gang aufwiesen.
Den zweiten Braccotyp, Bracco von Aschieri oder Piemonteser
Bracco genannt, fand man im Gebiet um Alba. Dieser
Schlag hatte sehr viel Weiß im Fell, war vergleichsweise
kleiner, ansonsten dem Lombar-den körperlich aber gleich.
Seine Suche war „unbefangener“,
wurde häufig im Galopp ausgeführt, und er arbeitete vorwiegend
in hügeligen und bergigen Revieren.
Die Standards jener Epoche beschrieben beide Schläge, hoben allerdings hervor,
dass die eigentlichen Unterschiede sich nur auf Widerristhöhe und Gewicht
bezogen. In den 1920er Jahren beschloss man dann, nicht ohne kritische Gegenstimmen,
die beiden Typen in einer einzigen Rasse zu vereinen und die teilweise sehr
ausgeprägte
Variabilität der oben genannten Eigenschaften zu akzeptieren – was
auch heute, im modernen Standard, noch
zum Ausdruck kommt. (Anm.: die Widerristhöhe des Bracco liegt
in der Tat bei 55 - 67 cm, das Gewicht zwischen 25 und 40 kg.)
In dieser Zeit trat ein Mann in die Welt des Bracco ein, der die Geschichte
der Rasse so tiefgreifend beinflusste, dass er sich den Beinamen „Bracco-Papst“ verdiente.
Gemeint ist der Kavaliere Paolo Ci- |
Ungarische
Zuchthündin. Foto:
Andreas Pöttger. |
ceri,
der die Rasse während der finstersten Zeit Italiens zu
erhalten verstand und sie nach dem 2. Weltkrieg wieder aufbaute.
Als grosser
Fachmann der Kynologie vereinte Ci-ceri die Fähigkeit,
herausragende Hunde zu züchten, mit seinem umfassenden
Wissen vom Jagdwesen, und seine
Bracchi „dei Ronchi“, so der Zwingername, bewiesen dies für
lange Zeit. Paolo Ciceri ist es auch zu verdanken, dass der Bracco allmählich
ein mesomorpher Typ wurde, mit trocknen Gliedmaßen, athlet- isch und
natürlich
mit optimalen Jagdanlagen – und das ist er bis heute geblieben.
In
den letzten 30 Jahren hat der Bracco un-ter der Führung
des Rasseklubs S.A.B.I. (Società Amatori Bracco Italiano)
zahlen-mäßig gesehen ein Auf und Ab erlebt; die jährlichen
Welpenzahlen schwankten
zwisch-en 600 und 800, während die Gesundheit der Rasse
und der athletische Körperbau sich eindeutig verbesserten
bzw. durchsetzten. Außerdem hat die SABI immer wieder dar-auf
bestanden, dass die Hunde an lebendem Wild geprüft werden,
um ihre jagdliche Taug |
| -lichkeit
zu sichern,
und dass es nie zur Trennung in Schönheits- und Leistungszucht
käme. Nun, die Ergebnisse sprechen für sich. Der hohe
Anteil an Tieren, - gemessen an der Zahl jährlicher Würfe
- die vorzügliche Formwerte bei erstklassigen Prüfungsergebnissen
erhalten bestätigt die Qualität der Zucht. Die
Geschichte einer Jagdhunderasse ist auch Ausdruck der Geschichte
des
Jagdwesens. Wenn Sie an die Entwicklungen und Veränderungen
der Jagd in Italien während der letzten 30 Jahre denken,
seh-en Sie dann Parallelen zur Entwicklung des Bracco? Oder
anders
ausgedrückt: ist der moderne Brac-co anders als seine
Vorfahren, weil auch die Jagd nicht mehr so ist wie sie früher
einmal war?
Man hört es oft, dass eine Rasse heute angeblich anders
sei als früher, aber ich glaube, dass das nur halb zutrifft,
denn oft sind die abweichenden Eigenschaften nicht an den „Typ“ gebunden,
also nicht an jene Charakteristiken, die eine Hunderasse
deutlich von jeder anderen unterscheiden und deren, sagen
wir: „Markenzeichen“ darstellen.
Ist der Bracco heute anders als gestern? |
Hinsichtlich
der Morpholo-gie
würde ich beinahe sagen, nein, denn der „Typ“ ist
er-halten geblieben. Wenn Sie sich in der
SABI Website www.ilbraccoitaliano.it die
Fotos anschauen, die beim ersten Vereinstreffen im fernen 1949
aufgenommen wurden, werden Sie Hunde sehen, die die Rasse so
re-präsentieren,
wie wir sie auch heute wünschen: typ-ische, schöne
Köpfe,
korrek-te Behänge, bester Ausdruck und eindeutiger Unterschied
der Geschlechter… Es sind |
Diva
in Vorstehhaltung. Foto: Flavio Fusetti |
also
Hunde, die sich auch bei heutigen Veranstaltungen sehr gut machen
würden. Wenn überhaupt, gab es damals
Probleme mit der Konstruktion: hier und da ein nicht lotrechter
Lauf, bisweilen ein Tier am obersten Größenlimit… Ich
meine deshalb, dass die Zucht uns, verglichen mit früher,
eigentlich nur eine quantitative, nicht aber eine qualitative
Verbesserung gebracht hat: es gibt heute einfach sehr viel mehr „schöne“ Bracchi.
Was die Leistung der Hunde angeht sieht man hingegen größere
Unterschiede zu früher. Dass es immer weniger Wild bei uns
gibt verlangt vom heutigen Bracco ein weiträumigeres und
selbständigeres
Handeln, er muss sich vom Jäger lösen und auch weit
außerhalb
des Aktionsbereiches einer Flinte arbeiten. Das bedeutet aber
auch, dass er immer athletischer wird, mehr Mut und Selbstvertrauen
besitzen muss, mehr Schnelligkeit, aber auch das richtige
Verhältnis |
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Delor's
Cesarione. Foto: Lucia Delor |
zwischen
Sinnesleistung und Arbeitstempo, und er muss bombenfest vorstehen.
Die Arbeitsprüfungen haben
diesbezüglich die Hunde mit dem größten Potential
ans Licht gebracht, und diese Tiere waren die „Driver“ bei
der Evolution der Rasse. Allerdings hat die SABI auch darauf
geachtet, dass die Fortentwicklung des Bracco sich immer im Rahmen
des Arbeitsstandards vollzog und vollzieht, dessen Quintessenz
der weiträumige, schnelle und dennoch weiche Trab bei der
Suche ist, die Beweglichkeit von Kopf und Rute, das charakteristische
Suchen und das ausdrucksvolle Vorstehen.
Der
Bracco ist bei deutschen Jägern weitgehend unbekannt. Würden
Sie uns einmal die typische Ar-beit der Rasse erläutern, die
stilistischen Besonderheiten und die Qualitäten, die einen
exzellenten vom mittelmäßigen Bracco unterscheiden?
Zunächst einmal bin ich der Auffassung, dass ein exzellenter
Jagdhund, ganz gleich welcher Rasse er angehört, vom Jäger,
egal woher der kommt, mit Gewissheit erkannt wird. Den Jägern
unter den Les-ern sei es deshalb selbst überlassen, die jagdlichen
Qualitäten eines Hundes zu bestimmen. Wenn wir hingegen vom
Stil sprechen, möchte ich einige Passagen aus dem Standard
zu Hilfe nehmen, der mit der Beschreibung des Trabs beginnt, aber
nicht
irgendeines Trabs: „Die Gangart ist der weiträumige,
schnelle Trab; erlaubt sind kurze Galoppphasen bei der Rückkehr,
auf bereits abgesuchtem Terrain, zu Beginn der Suche oder im Falle äußerer
Ablenkungen.“ Weiträumig soll der Trab also sein, was
be-deutet, dass der Abdruck der Hinterpfote über den der Vorderpfote
hinausgeht und die Hinterhand optimalen Schub überträgt.
Schnell soll er sein im Sinne von häufigem Aufsetzen der Pfoten.
Ein ra-santer Trab folglich, der jedoch auch von längeren
Galoppphasen unterbrochen werden darf. Wichtig sind die Wechsel
der Gangart.
Bei den vorzüglichen Hunden vollziehen sie sich auf natürliche,
ge-
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schmeidige
Art, ohne dass der Hund sein Tem-po dabei wechselt. Der Standard
fährt fort: „Aber die geforderte
Gangart, wenn der Hund auf Wittrung trifft, ist der Trab.“ Das
heißt, sobald der Bracco den Geruch des Wil-des aufnimmt,
muss er von Galopp auf Trab schalten, denn das führt zu
einer „weicheren“ Haltung beim Sichern der Wittrung,
gefolgt vom Annähern, genannt „filata“, und
der Stan-dard unterstreicht, etwas poetisch vielleicht: „Es
ist offensichtlich, dass beim Bracco (wie bei allen Trabern)
die Lösung des Geruchs-rätsels an allererster Stelle
steht, und die Lösung für die verschiedenen Probleme,
die dem Galoppierer beinahe instinktiv und ur- plötzlich
zufallen, verlangt von ihm einen kom
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Omar,
Bes.: Giuseppe Brugnone. Foto:
A. Pöttger. |
plexen
mentalen Prozess, den man eindeutig in seinem schönen „Denkergesicht“ ablesen
kann. (…) Wenn er leichte Wittrung aufnimmt, verlangsamt
er allmählich und wendet sich mit größter Vorsicht
wieder der vermuteten Quelle des Geruchs zu, den Kopf hoch erhoben,
im Schritt jetzt und ohne andere An-zeichen, wenn man die maximal
hochgezogenen Behänge und die leicht herabhängende, unbewegte
Rute einmal ausnimmt.“ Ein weitere Charakteristik des Bracco
sind die Bewegung der Rute und die Haltung des Kopfes während
der Suche. Tatsächlich sagt der Standard: „Die Suche
ist überaus eifrig und wird von einer fast ununterbrochenen
Bewegung der Rute begleitet. Die Haltung ist schön aufgerichtet,
mit leicht vorgestrecktem Hals, um den Kopf gut erhoben zu halten,
während der Nasenrücken zu Boden weist.“
Der Standard bietet auch eine allgemeine Beschreibung:“ Die
Gesamthaltung des Bracco ist edel, kraftvoll, aufmerksam aber
ruhig, gut aufgerichtet und leicht nach vorn gebeugt; der Hals
leicht
ge-schwungen und der Kopf schön erhoben, mit deutlich nach
unten gerichtetem Nasenrücken (etwa 30 Grad unter der Horizontalen).
(…) Wenn er sich plötzlich in unmittelbarer Nähe
des Wildes findet (und nur in diesem Falle) hält er unverzüglich
an, wobei er meist aufgerichtet oder mit leicht einge-knickten
Läufen stehen bleibt und mit dem Kopf nach unten, auf das
Wild weist. Nur ausnahmsweise fällt er in gleichsam verdrehter
Haltung in Vorstehpose.” |
Lauro,
Bracco Italiano aus Ungarn; Pointer und Deutsch Kurzhaar. Foto:
Andreas Pöttger.
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Sie
kennen auch die deutschen Vorsehhunde sehr gut. Was unterscheidet
Ihrer
Erfahrung nach den guten Bracco vom tüchtigen Kurzhaar oder
Drahthaar?
Meiner Ansicht nach, und ohne verallgemeinern zu wollen, messen
die deutschen Jäger der Arbeit des Hundes nach dem
Schuss mehr Bedeutung bei und prüfen
auch die Fähigkeiten und Anlagen des Hundes vor allem in dieser Phase. In
Italien machen wir beinahe das Gegenteil. Wir achten vorwiegend auf die Aktion
des Hundes vor dem Schuss, und deshalb suchen und schätzen wir besonders
die Qualitäten, die in dieser Phase des Jagdgeschehens wichtig sind. Ansonsten
ist klar, dass zwischen den deutschen Vor-stehern und unserem Bracco diverse
Unterschiede
bestehen. Was ich hier aber unterstreichen möchte ist die wesentlichste
Differenz, die meines Erachtens nach in der Psyche der Hunde liegt. Der Bracco
Italiano ist ein sanfter, „nachdenklicher“ Hund. Das soll nicht heißen,
dass der Kurzhaar das nicht auch ist, aber beim Bracco werden diese Eigenschaften
noch durch seine Bewegung hervorgehoben, die tendenziell weiche, geschmeidige
Bewegung des Halses und des Kopfes. Selbst die Wirbelsäule darf während
der Bewegung nicht steif erscheinen, während die Rute, wie der Standard
es verlangt, im Rhythmus mit dem Trab pendelt. Bezüglich der Rute sei noch
angemerkt, dass diese, auch daheim, ver-haltener wedelt als bei anderen Rassen.
Schließlich, und hoffentlich ohne zu romantisch zu klingen, glaube ich,
dass die Aktion, die wir Bracco-Fans am meisten lieben, die „filata“ ist,
also die Suche, die dem Vorstehen vorausgeht, weil man gerade hierbei am besten
die Geschmeidigkeit des Hundes beob-achten kann, vielleicht mit ein paar sanften
Wellenbewegungen im Wind, während sein Kopf von der Wildwittrung angezogen
wird… |
Die
Morphologie und der Charakter des Bracco sind in mancher Hinsicht
einzig-artig unter den Vorsteh-hunden. Wenn eine Rasse ins Ausland
gelangt besteht je-doch immer die Möglichkeit von Veränderungen,
um sie an die neuen Bedingungen anzupassen. Welche Eigen-schaften
sollten ausländi-sche Bracco-Züchter Ihrer Ansicht
unbedingt erhalten und warum?
Was das Warum
angeht, so |
Welpen aus
ungarischer Zucht. Foto:
Andreas Pöttger. |
definiert
der Standard das Modell, und die jagdliche Leistungsfähigkeit
garantiert hinreichende An-lagen für
den Hund als Jäger. Dies gesagt, meine ich, dass die wichtigsten
Eigenschaften in der Sanft-heit des Blickes und der Geschmeidigkeit
der Bewegungen zu suchen und zu erhalten sind. Ich muss gestehen,
dass die SABI in dieser Hinsicht sehr anspruchsvoll war und
ist, und dass es sicherlich nicht leicht fällt, geschmeidige
und gleichzeitig jagdlich äußerst leistungsfähige
Hunde zu züchten.
Bei vielen
Rassen hat die Trennung in Schönheits- und Leistungszucht
Hunde geschaffen, die fast aus-schliesslich für den Ausstellungsring
geeignet sind und viele, wenn nicht gar alle Qualitäten
des Jagd-hundes für den praktischen Einsatz verloren haben.
In seiner Heimat ist der Bracco ein Arbeitshund. Sehen Sie die
Gefahr, dass er im
Ausland vorwiegend zur einer Ausstellungsrasse mutiert? Und wel-che
wären die ersten, zu fürchtenden Anzeichen einer „Entfremdung“ vom
Bracco made in Italy?
Tatsächlich ist der Bracco bei uns ein Jagdgebrauchshund, und
die SABI hat immer gegen die Tendenz gesteuert, zwei „Rassen“ zu
haben, eine für die Prüfungen, eine für den Showring.
Wir haben uns auch immer bemüht, sowohl leistungsstarke als
auch schöne Hunde zu züchten, obwohl klar ist, dass dies
die züchterische Arbeit erschwert. Unsere Veranstaltungen sehen,
wann immer möglich, Pokale für den formschönen und brauchbaren
Bracco vor, und der Anteil dieser absoluten Champions innerhalb der
Gesamtpopulation ist sehr beruhigend. Die Gefahr, die
Sie hier ansprechen liegt durchaus im Rahmen des Wahrscheinlichen,
aber wir vertrauen darein (oder hoffen darauf) dass die neuen Besitzer
eines Bracco auch Jäger sind, obwohl das nicht immer der Fall
sein wird.
Was den zweiten Teil Ihrer Frage betrifft, kann ich jedem
angehenden Züchter nur wärmstens emp-fehlen, sich zunächst
der jagdlichen Brauchbarkeit beider Elterntiere zu versichern.
Wie Sie wissen, |
Garrbo aus
Ungarn. Foto:
Andreas Pöttger.
|
verlangen
heute eigentlich alle Verbände
bestimmte Voraussetzungen, bevor Hun-de für die Zucht zugelassen
werden. Dabei geht es um
die Gesundheit der Tiere, und das ist bestimmt eine gute Sache.
Ich würde mir allerdings wün-schen, dass dieselbe Aufmerksamkeit
auch den jagdlichen Anlagen zukäme. Hat der für die
Zucht eingeplante Hund Nase? Hat er die richtige Vorstehan-lage?
Hat er
Jagdpassion? Zeigt er ein gutes Gangwerk?
Diese Fragen sollte
sich ein Züchter stellen, und nicht allein die Ellbogen und
Hüftgelenke überprüfen lassen. |
Wenden
wir uns für einen Moment vom Bracco zu den anderen italienichen
Rassen, die Anhänger im Ausland gefunden haben, und dies nicht
immer mit erfreulichen Folgen, wie etwa das Beispiel des Cir-neco
dell’Etna zeigt. Was meinen Sie dazu?
Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass die unerfreulichen
Folgen sich auf die Rasse beziehen, nicht ihren einzelnen
Vertreter. Der Fall des Cirneco, den Sie anführen, ist sicher
emblematisch. Wir sprechen hier von einer Rasse, die in einem sehr
begrenzten Gebiet
entstand, nämlich an den Hängen des Ätna, mit einem
trocknen, spröden Terrain voller Lavageröll und Wildkaninchen.
Es kümmerte die Cirneco-Besitzer wenig, ob ihre Hunde satt und
zufrieden lebten, zumal die Leute in dieser Hinsicht selbst so einige
Probleme hatten. Was war das Ergebnis? Eine starke, wenn auch “ätherische” Rasse,
genügsam, mit kleinen Pfoten, die dem harten, schneidenden Geröll
widerstanden. Das sehr heiße Klima tat das Seine und schenkte
uns einen Hund mit großen, aufgerichteten Ohren, einer feinen
Haut usw. So, und jetzt nehmen wir einen hübschen Cirneco und
bringen ihn …sagen wir: nach Amerika, in eine flache, kühle
Gegend mit vielen Weiden und, Tüpfelchen auf dem i, ohne ein
einziges Kaninchen. Päppeln wir ihn mit extra kalorienreichen
Menüs auf. Aber halt, jetzt müssen wir an seine Beschäf-tigung
denken! Was könnten wir mit ihm machen? Von Kaninchen keine
Spur, von Felsen auch nicht. Was tun? Na klar, lassen wir ihn wie
einen Windhund rennen, denn laufen kann nicht schaden. Gut. Nun möge
sich jeder selbst ausmalen, was im Laufe weniger Jahre mit diesem
Cirneco passiert. Ich beeile mich aber hinzuzufügen, dass das
gleiche Prinzip auch für die ausländischen Rassen gilt,
die ihrerseits nach Italien importiert werden. Man braucht nur
die deutschen Vorstehhunde in der BRD mit denen hier bei uns zu
vergleichen… |
| Signor
Fusetti, Sie sind seit Jahrzehnten ein Bracco-Mann und innerhalb
der SABI verant -wortlich für die Beziehungen zum Ausland.
Wie sehen Sie die Zukunft des Bracco außerhalb Italiens?
Was sind Ihre Hoff-nungen und Befürchtungen für den
Bracco Italiano rund um den Globus?
Gute Frage. Wie sehe ich die Zukunft des Bracco ausserhalb Italiens?
Was den quantitativ-en Aspekt angeht, sehe ich sie rosig. Ich
glaube, dass die Er-folge der letzten Jahre bei den Ausstellungen
(aber leider |
Welpen aus ungarischer
Zucht. Foto: Andreas Pöttger. |
nur dort)
der Rasse sehr viel öffentliche Aufmerksamkeit
eingebracht haben. Ob nun aus Neugier oder aus anderen Gründen
haben sich viele Leute dem Bracco genähert und sind seiner
Faszination erlegen. Weniger rosig sehe ich die Zukunft im Ausland
unter dem Aspekt der Qualität. Ich fürchte, dass wir
Probleme mit der Größe der Hunde bekommen werden, da
die Tendenz besteht, sie an das vom Standard erlaubte Höchstmaß zu
bringen. So wird man Hunde schaffen, die schwerlich noch als meso-morph
zu bezeichnen sind, und die ein Jäger als wenig brauchbar
für die Jagd ablehnen würde.
Ich hoffe wirklich sehr,
dass sich ausländische Züchter und/oder Halter auch in
Zukunft, und viel-leicht in wachsendem Maße, mit Fragen an
die SABI wenden werden, aber vor allem, um sich mit denen auszutauschen,
die sich in Italien mit großem Fachwissen um die Zukunft der Rasse
bemühen.
An dieser Stelle noch eine Bemerkung zum Thema Rutenkupieren.
Die SABI vertritt die Auffassung, dass die Rute gekürzt werden
sollte, da dies einerseits die Verletzungsgefahr während der
Jagd ver-mindert und andererseits die im Standard beschriebene
Bewegung begünstigt. Man muss aber auch sagen, dass die ganze
Thematik außerhalb unseres Einflusses und Willens liegt.
Wer aufgrund von Landesgesetzen die Rute nicht kupieren darf, hat
keine Wahl.
Die SABI kann nur raten, Hunde mit tendenziell kurzer Rute aufzuziehen,
die in Rückenlinie oder etwas darunter getragen wird. Uner-wünscht
sind hoch oder hakenförmig getragene Ruten.
Abschließend
möchte ich Sabine Middelhaufe noch für die Möglichkeit
dieses Interviews danken, und würde mich freuen, wenn Interessenten
des Bracco Italiano sich über unsere Website www.ilbraccoita-liano.it mit
uns in Kontakt setzten.
Nun, ich sage meinerseits, danke Flavio Fusetti, und sollten Sie Fragen
zum Bracco haben, wenden Sie sich gern auch an mich.
Übersetzung
des Originaltextes: Sabine Middelhaufe |
Tito steht
den Fasan vor. Foto:
Flavio Fusetti
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