Futterstreit
Von Sabine Middelhaufe
Bei Wildhundwelpen kann man Futterstreitigkeiten schon zu
Beginn des dritten Lebensmonats sehen. Meine sämtlichen Setterwürfe
hingegen fraßen mehrmals täglich Kopf an Kopf aus
einem grossen Napf, und es gab nicht einmal scheele Blicke.
Erst im Verlaufe des 4. Monats kam es bisweilen zu kleinen,
harmlosen Rangeleien, die die Lage für alle Beteiligten
rasch und eindeutig klärten.
Nur die Geschwister Rava und David, Welpen eines 9er-Wurfes
Gordon Setter, gerieten sich des Futters wegen an die Köpfe.
Die Situation braute sich zusammen wie ein Gewitter.
Während der ersten Wochen unterschied sich das Futterverhalten
der beiden künftigen Streithähne bereits merklich:
David hüpfte schon aufgeregt um mich herum, ehe ich den
Napf zu Boden gestellt hatte, stürzte sich dann eifrig
wedelnd aufs Futter und fraß schnell und reichlich, wobei
seine senk-recht in die Luft ragende Rute nur noch an der Spitze
sachte pendelte. Stiess ihn beim Fressen eines der Geschwister
an, oder drängte sein Maul ausgerechnet an die Stelle der
Schüssel, wo er gerade fraß, rückte er einfach
ein Stück weiter. |
Sechswöchige
Laufhundwelpen - (noch) kein Stress beim Futtern.
|
Rava
zeigte kaum weniger Erregung beim Erscheinen des Napfes,
wedelte
aber nicht, sondern hielt die Rute nur steil nach oben. Daran änderte
sich auch beim Fressen nichts, was sie ebenfalls zügig
und reichlich tat. Sie neigte allerdings schon früh
dazu, eben genau dort zulangen zu wollen, wo ein anderer
sich
bediente, und ausserdem war sie es, die am Ende den leeren
Napf noch ganz gewissen-haft sauber leckte. Am 69. Lebenstag
inszenierten
die zwei dann ihren ersten, banal wirkenden Streit: Nachdem
ich den Topf zu Boden gestellt hatte, knurrte Rava die anderen
unverzüglich an, doch David begann einfach, an der Rava
gegenüberliegenden Seite der Schüssel zu fres-sen,
ohne ihr Knurren zu erwidern, und damit schien die Sache
erledigt. Erst acht Tage später gab es den nächsten
Zwischenfall: Zum ersten Mal erhielten die Welpen frisch |
-en
Pansen, und weil das neu roch, stürzten alle aufgeregt
zum Napf. Rava knurrte erst gar nicht lange, sondern
schnappte gleich
um sich. Die anderen verzogen sich. David, nicht minder unwirsch
angefahren, blieb ohne irgendetwas zu unternehmen,
in einigem
Abstand vom Napf stehen, bis Rava schliesslich satt war und
ihn fressen liess. Erst jetzt kamen auch die anderen
zurück
und angelten sich ihre Rationen aus dem Napf.
Bis zum Ende der 14. Woche blieb es dabei: hin und wieder
sperrte Rava kurzfristig den Zugang zum Futter, was David
eher ratlos
hinnahm. Dann jedoch begann der Rüde Ravas Knurren mehr
und mehr zu ignorieren und seinerseits zu knurren, wenn sie
Anstalten machte, nach ihm zu schnappen. Angesichts dieser Antwort"
verzichtete Rava darauf, ihn zu zwicken, und die beiden fraßen
Kopf an Kopf und ein jeder leise für sich hin grummelnd.
David versuchte von nun an aber immer deutlicher, selbst
die dominante Rolle zu spielen. Dabei ist vielleicht interessant
zu wissen, daß David in der sozialen Rangordnung die Nummer
5 darstellte, Ra-va die Nummer 4, also keiner der beiden besonders
machtverwöhnt war.
Die Nummer l in allen sonstigen Belangen hielt sich aus den
Futterkämpfen
vollständig heraus, weil sie am Fressen wenig Interesse
hatte, und auch die übrigen, erwachsenen Hunde mischten
sich niemals in die Auseinandersetzungen ums Futter ein, die
folglich ganz und gar auf Rava und David beschränkt
blieben. |
Anfangs
knurrte und schnappte der junge Rüde nur als Reaktion auf
Ravas Provokationen, doch zum Ende des 4. Monats war zu beobachten,
dass er Rava nun mit ihren eigenen Methoden vom Futter fern
zu halten versuchte. Die lautstarken und sehr gefährlich
aussehenden Sekun-denkämpfe, die daraus entstanden, endeten
mal für Rava, mal für David siegreich, und da offenbar
keiner mit dieser Un-Lösung zufrieden war, kam es jetzt
fast bei jeder Fütterung zu Streitigkeiten.
In der Praxis sah das dann so aus: David hatte ein riesiges
Stück Pansen und fraß daran, als Rava, die ihr
eigenes Stück schon verschlungen hatte, heransprang.
Ehe sie bei ihm anlangte, knurrte David schon, fixierte seine
Schwe-ster,
zog die Behänge weit nach vorn-oben und kaute grummelnd
weiter. Rava bremste in etwa einem Meter
Ab- |
Auch eine
Methode, die Geschwister vom Futter fernzuhalten...
|
stand,
Rute, Ohren und Nackenhaar hochgestellt, starrte den Rüden
dreist an und knurrte ebenfalls. Da ihr ganzer Körper
gespannt und in die Höhe gereckt war, wirkten ihre
gelegentlichen Bewegungen sehr steif und verhalten. Sie
wagte ein paar Angriffe, indem
sie mit vorgerecktem Hals nach vorn sprang, mit dem Fang
gegen Davids Kopf zielend, und sich sofort darauf in die
Einmeterdistanz
zurückzog. Doch kam sie dem Pansen nie nahe genug, und
der Rüde knurrte nur zur Antwort und richtete seinerseits
das Nackenhaar auf. Ein paar Minuten ging das so, Ravas
Erregung
nahm zu, Davids Geduld ab und schliesslich unterbrach er
das Mahl. Den Futterrest liess er liegen, ging nun sehr
langsam
und mit allen äusseren Anzeichen von Verteidigungsbereitschaft
rund einen Meter voran und blieb dort stehen. Folglich befand
sich Rava, die er knurrend und mit tief gesenktem Kopf fixier-te,
links neben ihm und der Pansen in derselben Distanz hinter
ihm.
Für Rava sah die Szene ähnlich aus: sie hatte die
verlockende Beute vor sich, den dräuenden Bruder zur
Rechten. Natürlich wollte sie ihr Glück wenigstens
versuchen, doch sobald sie sich rührte, machte David
lauter knurrend einen kleinen Schritt auf sie zu, so dass
sich die Entfernung
zwischen ihnen verringerte. Darauf starrten sich die zwei
wieder knurrend an. Das Unternehmen währte knapp drei
Minuten, bis Rava es nicht mehr aushielt, auf den Pansen
zustürzte,
noch vor dem Erreichen der Beute von David gepackt, deftig
in Hals, Nacken und Ohren gezwackt wurde und unter Verteidigungsschnappen
das Weite suchte. David indes kehrte hoch aufgerichtet zu
seinem Futter zurück, legte sich davor und fraß es
nun unge-stört
und in tiefstem Frieden zu Ende. Rava bezog einen Platz in
beträchtlicher
Entfernung und schaute zu. |
|
|
Ein
vom Baum gefallener Apfel, den David als Erster er-wischte
und
für sich beanspruchte, lieferte die Grundlage für
den nächsten Fight und wieder scheiterte Rava. In der 17.
Woche provozierte ich selbst ganz unbeabsichtigt einen Streit,
als ich David ein ungeeignetes Stück Futter aus dem Fang
nahm. Rava und die anderen standen dicht bei uns, und als der
junge Rüde registrierte, dass ihm die begehrte Beute so
unverhofft entzogen worden war, fuhr er knurrend herum und stürzte
sich auf Rava, die nicht minder sauer darauf reagierte, als
Blitzableiter für die |
brüderliche Wut missbraucht zu werden. Nachdem Rava sich
freilich in die neue Sachlage, nämlich das Initiieren von
Kämpfen durch ihren Bruder, eingefunden hatte, entwickelte
sich am Ende des 5. Monats eine gewisse Balance: Beide Welpen
provozierten etwa gleich häufig die Auseinandersetzung
und teil-ten sich die Siege ziemlich genau. Aber das Streiten
um Futter hat eine bedeutsame soziale Funk-tion", schrieb
Trumler, denn man lernt dabei als Welpe, wie man sein
Recht behauptet, und reagiert überdies eine ganze Menge
Aggression ab. (...) Können die Welpen in ihrer Jugend
dieses Verhalten ausreichend abreagieren - also zu einer Zeit,
in der dabei kein ernsthafter Schaden entstehen kann - dann
werden sie späterhin zu friedlichen Fresskumpanen, die
sich bestenfalls zu überlisten suchen, aber des Futters
wegen nicht gleich totbeissen. (...) Ein Welpe, der es nicht
gelernt hat, in der Gemein -schaft zu fressen, wird zeitlebens
futterneidisch bleiben. .." Meine Antwort darauf lesen
Sie am Schluss meines Berichtes. Futterrangordnung und soziale
Rangordnung sind, obwohl es eine eindeutige Beziehung zwischen
ihnen gibt, nicht identisch, und bei Rava und David war offensichtlich,
dass es allein ums Futter ging. Diejenige Rangordnung, die sich
auf Objekte, inklusive Futter bezog, entwickel -te sich von
voller Dominanz Ravas über kurzfristige Vorherrschaft Davids
im 4. Monat zu einem nahezu gleichen Kräfteverhältnis
am Ende des 5. Monats. Die Auseinandersetzungen hinsichtlich
der sozialen Rangordnung dagegen verliefen ganz anders. Da liess
sich der junge Rüde nämlich von Anfang an erst gar
nicht auf Kämpfe ein. Er kuschte vor seiner Schwester,
die in diesem, dem sozialen Bereich schon mit etwa 4 Monaten
vollständig dominant über ihn war. David besass wohl
keine sozialen Expan-sionsgelüste, aber in Sachen Futter,
nein, da wollte er eben nicht klein beigeben.
Im Alter von sechs Monaten lebten die beiden im besten Einvernehmen
ohne Ansatz von Reibereien oder kritische Augenblicke miteinander;
nur bei den Fütterungen änderte sich das Bild gänzlich.
Es gab nach wie vor einen gigantischen Gemeinschaftsnapf,
dem Rava und David zusammen zustrebten. Normalerweise frassen
sie
einander gegenüberstehend. Nahte der Moment, da jeder sein
übliches Quantum verputzt hatte und folglich satt war,
wurde es kritisch, denn sie fixierten sich nun über den
Schüsselrand hinweg, jeder deutlich darauf wartend, dass
der andere sich als Erster zurückziehe. In der Regel zog
auch einer ab, und da sie sich in dieser Rolle abwechselten,
schien es mehr ein Ritual zu sein. Nur selten musste der starre
Blick dessen, der diesmal den Vorrang beanspruchte, durch ein
leises Knurren ergänzt werden. Einer entfernte sich. Ende
des Aktes. Frieden. Aber wehe, irgendet-was störte dieses
nicht sehr stabile Gleichgewicht! Die Präsenz von Besuchshunden,
von Gästen, ein veränderter Futterplatz, neues Futter,
starke optische oder akustische Reize im Haus oder Grund-stück.
Zwar zog sich auch in diesem Falle einer der beiden zurück,
einen Schritt weit oder zwei, aber deutlich provokant statt
leicht unterlegen. |
Rava
etwa stand nun hoch aufgerichtet, Rute senkrecht und steif,
Behänge maximal vorn-oben, Kopf nur knapp über
Rück-enlinie
und fixierte David aus deutlich verengten Lidschlitzen. In
diesem Falle war also er am Futter geblieben und stand
nun ebenfalls
aufgerichtet, Rute nicht mehr wedelnd, Ohren hoch -gezogen,
Kopf weit unter Rückenhöhe gesenkt und starrte
Rava aus gleichfalls verengten Lidern an. David begann
zu knurren.
Rava antwortete. David stellte die Haare vom Nacken bis hinab
zum Rutenansatz auf, und Rava tat das Gleiche. Davids
Knurren
wurde lauter und tiefer, Ravas ebenso. Und dann trat plötzlich
ein wesentlicher Unterschied ein: Während David anfing,
immer heftiger zu zittern, wurde Rava immer |
%20Eine%20von%20Giadas%20bevorzugten%20Besch%E4ftigungen%20fo.jpg)
Kopf
an Kopf fressen - kein Problem |
ruhiger.
Ihr Knurren nahm an Lautstärke ab, bis es ein leises,tiefes
Grummeln war. Davids Knurren dagegen nahm mit dem Zittern an
Lautstärke zu und vermischte sich schliesslich
mit einem Laut, der eher an Fiepen oder das Schreien eines Welpen
erinnerte. So standen sie sich nun einen langen Moment gegenüber,
und der Rüde war derart erregt, dass man selbst als Beobachter
die Spannung mitempfand und förmlich darauf wartete, dass
endlich etwas passierte. Das tat es auch, denn David sprang
plötz-lich mit einem lauten Knurr-Schrei auf Rava, die
das längst vorausgesehen hatte. Die Hündin biss jetzt
ganz gezielt und nicht eben sanft in Hals und Nacken ihres Bruders,
wohingegen er ziemlich desorien-tiert um sich schnappte und
knurrte, aber wenig damit erreichte. Es ergab sich ein sekundenlanger
Hochkampf, bei dem beide Hunde auf den Hinterläufen stehend
und die Vorderläufe gegen Brust oder Schultern des Gegners
gestemmt nach dem Kontrahenten schnappten, und während
Rava flink und ohne zu zögern auch in Pfoten, Behänge
und Halsseite biss, war David sichtlich gehemmt und zwackte
seine Schwester nur in die Ohren. Kamen die beiden nach der
Hochkampfeinlage nebeneinander zu stehen, Schulter an Schulter,
versuchte jeder das nächstgelegene Ohr, Rava jedoch auch
eine Lefze zu erwi-schen. Immer endeten diese Kämpfe zu
Ravas Gunsten und man gewann fast den Eindruck, dass sie sich
in Wahrheit freiwillig vom Napf zurückzog, um David die
Illusion von Sicherheit oder vielmehr Über-legenheit zu
geben und dann listig über ihn herzufallen. Jedenfalls
liess sie nun von ihm ab, trabte hoch aufgerichtet zur Schüssel,
und David humpelte leicht geduckt und noch immer äusserst
aufgeregt von dannen. Rava genoss für einen Augenblick
ihren Sieg und trollte sich dann, um die anderen fressen
zu
lassen.
Die Dominanz am Futter, die er für kurze Zeit erkämpft
hatte, ging David folglich sehr rasch wieder verloren. Was Rava
den Erfolg sicherte, waren ihre guten Nerven. Was David zum
Verhängnis wurde, war umgekehrt die Unfähigkeit, seine
rasch auftretende, starke Aufregung im Zaum zu halten. Wie gesagt,
unter normalen Umständen entfernte sich einfach einer vom
Futter, überliess dem anderen die Siegerposition und es
geschah gar nichts. Die Rollen wurden mit schöner Regelmässigkeit
getauscht und David blieb gelassen wie seine Schwester. Sobald
der Rüde aber aufgrund der genannten äusseren Veränderungen
(Gäste, Lärm usw.) sein inneres Gleichgewicht verlor,
witterte Rava ihre grosse Chance und kämpfte um den Sieg.
Möglicherweise waren die veränderten äusseren
Umstände aber auch das Signal für Rava, die aussergewöhnliche
Situation zu nutzen und David durch ihr provokantes Verhalten
erst recht zu verunsichern.
Wie dem auch sei, bis sich die Lebenswege der beiden mit
9 Monaten trennten, hatte sich keine ein-deutige, stabile
Futterrangordnung
zwischen ihnen entwickelt. Und das ist ungewöhnlich und
wohl nur damit zu erklären, dass der an sich ambitionslose,
doch extrem fressfreudige David beim Futter nie-mals ganz die
Waffen strecken konnte, während die ansonsten ja über
ihn voll dominante Rava nie die Bemühungen aufgab, ihm
gegenüber auch beim Fressen eindeutig und endgültig
die erste Geige zu spielen.
Wenn Wurfgeschwister oder befreundete Junghunde ums Futter
rangeln, darf man das durchaus als normal betrachten. Sie
kämpfen
um eine objektbezogene Rangordnung, die die Lage in dieser bestimm-ten,
befristeten Situation klärt. In jedem Falle wird sehr bald
einer als überlegen, einer als unterleg-en aus den Streitereien
hervorgehen. Wenn nicht, sollte man als ZüchterIn allerdings
ein sorgsames Auge auf die Angelegenheit halten und nach Ursachen
forschen. Ist der Kampf ums Futter zum Bei-spiel Teil eines
allgemeinen Streitens um die Vorherrschaft? Sind die Welpen
sowohl körperlich als auch psychisch gesund? Zeigt einer
oder beide Rivalen übersteigerte Fressgier? Kommt man zu
dem wohlbegründeten Schluss, dass bestimmte Faktoren eine
aussergewöhnliche Situation geschaffen haben, sollte man
als Mensch möglicherweise eingreifen.
Im Falle der beiden Gordon Setter Rava und David wäre es
letztlich das Vernünftigste gewesen, sie ab dem 6. Monat,
als nämlich klar wurde, dass sie sich wahrscheinlich nie
einigen würden, separat zu füttern und ihnen als menschlicher
Boss ganz streng zu vermitteln, dass jegliche Reiberei um Futter
und Knochen absolut unerwünscht war, und zwar für
beide Parteien.
Obwohl Futterstreit bei vielen Junghunden entweder gar nicht
auftritt oder in völlig harmlosen, fast spielerischen Bahnen
verläuft, kann sich daraus eben unter bestimmten Umständen
doch ein Dauer-problem ergeben, sofern man als menschliche/r
Betreuer/in nicht die ersten ernsthaften Gefahren-zeichen
korrekt
erkennt und sinnvoll darauf reagiert. Nicht zuletzt auch
bei der Auswahl der Zucht-hunde. |
Vater
werden ist nicht schwer...Vater sein dagegen sehr!
Von Sabine Middelhaufe
Wird ein Wildhundrüde Vater, steht ihm eine turbulente
Zeit bevor. Freilich hat ihn die Natur mit all den erforderlichen
Instinkten ausgestattet, die garantieren, dass er zur rechten
Zeit das Rechte tut. Haben Haushundeväter es da schwerer,
oder wissen" auch sie ganz genau, wie sie sich den
Hunde-knirpsen gegenüber verhalten müssen? |
%20Mit%20Tochter%20Jacqueline.jpg)
Laufhund Jonas mit Tochter Jacqueline
|
Schauen
wir einmal einige Beispiele an.
Obschon der Wildhundvater (oder der, dem diese Rolle zufällt)
am Lager der Saugwel-pen auch mal den Babysitter spielt, tritt
er normalerweise erst beim ersten Lagerver-lassen der Welpen
merklich in ihr Leben. Altmeister Trumler beschreibt das so:
Der Rüde springt unter allen Anzeichen höchst-er
Freude umher und versucht, mit den Welpen zu spielen. Das
geschieht
allerdings nicht gerade rücksichtsvoll. Er stupst sie
mit der
Nase umher, wirft die noch
recht |
|
unbeholfen
laufenden Kinder mit den Pfoten um oder packt sie gar
mit den Zähnen und
wirft sie met-erweit durch die Gegend. Wenn man das zum ersten
Mal sieht, hat man den Eindruck, der Rüde setzt
alles daran, die Welpen umzubringen."
Was das derbe Spiel mit den dreiwöchigen Welpen
bedeutet, wissen wir auch schon: Es wird getestet, ob die
wichtigste Grundlage ihres Sozialverhaltens, nämlich
sich vor einem älteren Artgenossen auf den Rücken
zu werfen, vorhanden ist, und ob ein Welpe, der dann in
Ruhe
gelassen wird, sobald er dies demonstriert hat, auch schnell
genug wieder in das Wurflager zurückfindet. Welpen,
die die eine oder andere oder gar beide Verhaltensweisen
nicht
zeigen, haben keine Uberlebenschancen - sie haben ihr kurzes
Erdendasein verwirkt" (Trumler, 1974 und 1984).
Damit endet die Aufgabe des Rüden dann aber auch erst
einmal wieder, sofern er nicht zeitweise bei der Versorgung
der Kleinen mithilft, indem er ihnen Futter vorwürgt.
Ein Haushund, der das Glück hat, Haus und Lager mit seiner
Auserkorenen zu teilen, mag auch bisweil - en Babysitter spielen.
Dass er den Welpen Nahrung vorwürgt, dürfte indes
selten sein, und dass er ihre Unterwerfungsbereitschaft testet,
ist sicherlich die Ausnahme. Nun hätte der Rüde
es damit aber auch schwer, verlassen Haushundewelpen doch
zum Teil schon mit 9-10 Tagen erstmals die Wurfkiste, um ausserhalb
zu koten. Würde der Rüde sich nun erdreisten einzugreifen,
würde ihn die besorgte Mutter sicherlich kräftig
verprügeln! Überdies beginnen seine Sprösslinge
je nach individuellem Reife -grad schon in der 2. Woche den
das Wurflager umgebenden Raum zu erkunden und treten nicht
am 21. Tag als Gruppe gemeinsam hinaus in die grosse, weite
Welt. Selbst wenn sein Instinkt dem Rüden also sagte,
dass er beim ersten Lagerverlassen der Kleinen eine bestimmte
Reaktion zeigen muss, ver-eiteln die Frühreife der Welpen
und die noch sehr ausgeprägte Wachsamkeit der Hündin
derartige Absichten.
Erst ab der 5. Woche erlaubt" auch Mutter Wildhund,
nach ab-ìsolviertem Welpentest, ihrem Gatten wieder,
sich intensiver mit den Knirpsen vertraut zu machen. Er darf
nun anwesend sein, wenn die Kleinen miteinander oder mit der
Hündin spielen. Mutter hält allerdings weiterhin
ein sorgsames Auge darauf, dass es beim Zuschauen bleibt.
Den Welpen gesteht sie zwar das Recht zu, ihren Erzeuger anzuspielen",
zu untersuchen, alle erreichbaren Teile seiner Person anzuknabbern,
zu belecken oder zu berupfen, doch wehe dem Papa, wenn er
die Besitzer der nadelspitzen Zähnchen anknurrt -
dann wird er selbst von seiner Gattin angeraunzt und vom
Spielplatz
verbannt!
Settervater Paul
Solch ungerechter Behandlung ungeachtet (denn seine holde
Gattin verhielt sich in dieser Hinsicht nicht anders als
eine
Wildhundmutter) fand English Setter Paul seine Sprösslinge
unwiderstehlich. Paul, erst knapp 2 Jahre alt und mit so kleinen
Welpen wohl gänzlich unerfahren, war zwar anfangs peinlich
bemüht, den Zwergen aus dem Wege zu gehen, wenn sie
sich aus
der Wurfkiste
ins Wohnzim- |
Setter
Paul mit Tochter Banshee
|
mer
verteilten, doch am Ende siegte doch stets seine Neugier.
So
beobachtete er die zweiwöch -igen Welpen zunächst
ganz gespannt aus sich-erer Ferne und schlich dann mit weit
vorge-recktem Hals ganz langsam und leise hinter ein-em von
ihnen her, um ihn beim Einholen zu be-schnuppern. Drehte sich
der Kleine daraufhin um, zuckten Vater und Sohn gleichermassen
voreinander zurück, beide ganz offensichtlich unsicher,
was man wohl als Nächstes tun solle. Im Laufe der folgenden
Wochen trat Paul indes immer selbstverständlicher in
ihre Mitte und |
musste
feststellen, dass die Kleinen es sehr ergötzlich
fanden, ihm an die lange Rute zu springen, sich in den weichen
Ohren festzubeissen und nun kräftig zu zerren oder an seinen
Pfoten zu nagen. Mutter Sukis tiefes Knurren belehrte ihn schon
beim ersten Versuch, dass er sein Missbehagen ob solcher Behandlung
gefälligst herunterzuschlucken hätte - Kinder in diesem
zarten Alter zu ohrfeigen" war ihrer Ansicht nach
absolut tabu. Notfalls konnte der malträtierte Vater ja
wieder verschwinden, meinte sie wohl. Er tat das auch des öfteren;
Welpenzähnchen sind nun mal schmerzhaft. Aber er kam halt
doch immer wieder zurück und nutzte Sukis gelegentliche
Abwesenheit auch bald schlau dazu aus, seine Nachkommen mit
offenem Rachen mörderisch anzudrohen, falls sie ihn
wirklich zu schamlos zu zerrupfen drohten.
Laufhundvater Jonas
Ganz anders sah das Benehmen des damals dreijährigen Laufhundes
Jonas aus, als seine "7 Zwerge" in der 3. Woche das
Wohnzimmer zu erforschen begannen. Um seinen, für die Welpen
unerreichbaren Stammplatz zu beziehen oder zu verlassen, schlug
er prinzipiell eine Route ein, die den noch kleinen Aktionsradius
der Welpen nicht einmal berührte. Als eine Woche später
solche Berührung unausweichlich wurde, löste er das
Problem meist, indem er einfach über die Kleinen hinwegsprang
- |
sie
registrierten seinen Flug" gar nicht. Sicher, er
beroch schliesslich seine Nachkommen mal flüchtig, aber
sonstiges Interesse an ihnen zeigte er nicht.
Das änderte sich ein wenig, als die Kleinen nun fähig
waren, Vorderpfötchen hochgereckt, den ruhenden Vater auf
sein-em Hundesofa zu stören. Nicht lange freilich - sein
schreckeinflössendes Knurren und Scheinschnappen ver-scheuchte
die vorwitzigen Kleinen nämlich sehr schnell. Sein Interesse
bestand praktisch nur in einem: von den Welpen absolut in
Frieden
gelassen zu werden. |
|
Wildhundvater
- Haushundvater
Wie Paul, so stellen sich auch welpenunerfahrene Wildhundväter
in den ersten Tagen etwas verhalten an, bis sie eben durchschauen,
dass ein gewisses, beherrscht vorgebrachtes Mass an Selbstverteidig-ung
gegenüber den lieben Kindern von der Gattin schliesslich
toleriert wird. Die Kleinen müssen ja lernen, dass selbst
Vaters Geduld nicht endlos ist. Durch das übertriebene
Drohen mit weit geöffnet-em Fang, und indem er übermütige
Knirpse des Öfteren mal in Rückenlage befördert,
steckt er ihrer Narrenfreiheit also gelegentlich Grenzen.
Eine Geste, mit der Papa hingegen sein Wohlwollen ausdrückt,
besteht darin, das Köpfchen des Welpen ganz sanft in den
Fang zu nehmen. Das ist weder Drohung noch Strafe, sondern eine
gegenseitige Ver-trauensbekundung, die man zwischen Haushundvätern
und ihren Nachkommen indes nur sehr selten zu sehen bekommt.
Alles in allem bleibt die Beziehung zwischen dem Rüden
und den Welpen bis etwa zur 7. Woche relativ locker. Noch bestimmt
die Hündin das Leben ihrer Kinder, versorgt sie, spielt
mit ihnen. Im Laufe der 8. Woche verliert der Rüde seine
Rolle als Statist allerdings sehr plötzlich. Die Wildhundmutter
beginnt jetzt nämlich, die Kleinen immer seltener zu säugen,
und strebt ganz offen-sichtlich danach, sich die Plagegeister
vom Hals zu schaffen. Um stattdessen den Vater als Kindermäd-chen
einzuspannen, tut sie dasselbe, was auch Settermutter Suki eines
Tages vorführte:
Ihre Welpen waren fast 8 Wochen alt, als sie den darüber
hocherfreuten Paul im Garten plötzlich zum Spiel aufforderte.
Paul nahm natürlich begeistert an, denn seit der letzten
Phase der Trächtig-keit hatte es keine der herrlichen Renn-
und Kampfspiele mehr zwischen ihnen gegeben. Die beiden fegten
also durch das Grundstück, verfolgten einander mit übermütigem
Kläffen, balgten sich als Son-dereinlage und genossen das
Ganze masslos. Die sechs Welpen betrachteten das Spektakel zunächst
etwas verunsichert von ihrem Ruheplatz auf der Wiese. Aber Suki
sorgte geschickt dafür, dass ihr ausgelassenes Jagdspiel
mit Paul sie beide immer näher an den Kleinen vorbeiführte.
Die tapfersten Welpen standen denn auch bald auf und versuchten,
der vorbeisausenden Mutter nachzusetzen. Verfolgungsspiele mit
ihr kannten sie ja durchaus schon. Kaum folgten die Beherztesten
den Eltern, wollten natürlich auch die Übrigen mit
von der Partie sein, und da rannte plötzlich die ganze
Hundefa-milie in weiten Achterschleifen durch den Garten! Suki
und die Welpen verfolgten also Vater Paul, der wonnevoll den
Flüchtling mimte, bis Suki ihn durch geschicktes Manövrieren
abfing und in ein kurzes Kampfspiel verwickelte. Die Welpen,
hellwach und aufgeregt, halfen ihr nach Kräften, den Rüden
zu besiegen, was ihnen freilich nicht vollständig gelang,
denn Paul befreite sich mit einem schlauen Trick und machte
sich neuerlich auf die Flucht. Diesmal jedoch nur von den 6
Welpen verfolgt. Suki ver-drückte sich nämlich klammheimlich
ins Haus. Sie hatte ihr Ziel ja nun erreicht: Paul spielte draussen
vollkommen gelockert mit seinen Kindern weiter und liess sich
am Ende der Jagd sogar grossmütig von ihnen einholen und
überwältigen.
Dieses
erste echte gemeinsame Spiel ändert das Verhältnis
zwischen Vater und Welpen grundlegend, ganz gleich, ob es
Wild-oder
Haushunde sind. |
%20Hallo_%20Papa!.jpg) |
Von
diesem Tage an fühlt sich der Rüde nun nämlich
dafür verantwortlich, die Kleinen täglich, jeweils
morgens und nachmittags, durch Kampf-, Jagd- und Beutespieie
zu nütz -lichen Gehilfen für die künftige, gemeinschaftliche
Jagd und zu anständigen Familienmitgliedern zu erziehen.
Natürlich schliesst sich die Mutter dabei nicht vollends
aus, aber sie sichert (und geniesst) ihre wiedergewonnene Freiheit
und die Ruhe vor der Rasselbande zweifellos. Vorausgesetzt,
der Mensch schafft die räumlichen Beding-ungen und die
Hündin kennt noch instinktiv den richtigen Trick",
kann man, wie Trumler es ausdrückte, direkt von einer Übergabe
der Welpen an den Rüden sprechen, der nun zum Lehrer seiner
Sprösslinge wird. Und
vorausgesetzt natürlich, der Rüde fühlt sich
dazu berufen. |
|
Annäherungsversuch
|
Ganz
im Gegensatz zum braven Paul zeigt etwa Jonas überhaupt
keine Ambitionen in dieser Richtung. Ein Jahr zuvor hatte
er
mit Bravour den Vater und Ausbilder einer Ziehtochter gespielt,
die eigenen Welpen dagegen waren ihm vollkommen schnuppe.
Der Wildhundrüde jedenfalls wird zur zentralen Figur im
Dasein der Welpen, denn er führt von nun an alle gemeinsamen
Aktivitäten an, stellt die Regeln auf, sorgt für Disziplin
und verschafft den Jün-geren ihre so wichtigen Erfolgserlebnisse.
Je höher das Prestige, das ein Welpe unter seinen Geschwi-stern
geniesst, desto wichtiger ist für ihn der Vater auch in
anderer Hinsicht. Der Ranghöchste sucht mehr die
Gesellschaft des Vaters, der natürlich keinen besonderen
Wert darauf legt, körpernahen Kontakt mit ihm zu haben.
Das wäre unter seiner Würde, die er als Vorbild und
Erzieher zu wahren hat. So begnügt sich der Sohn, sich
möglichst nahe bei ihm aufzuhalten, und verdrängt
womöglich sogar seine Geschwister von seinem Vorzugsplatz.
Er sonnt sich gewisserrnassen in der Bedeutung seines Vorbildes.
Später einmal wird er noch weiter gehen, um das Verhalten
des grossen Chefs nachzuahmen, und er wird auch an seiner Seite
sein, wenn der sich um die Erziehung der nächsten Generation
be-müht." [Trumler, 1984).
Die Hohe Kunst des Jagens
Was die Ausbildung anbelangt, so erwies sich auch Setter
Paul als verantwortungsvoller Vater. Mit System, Geduld und
echter
Begeisterung führte er seine Zöglinge in die hohe
Kunst des Jagens ein. Und das trug deutliche Früchte, als
die in der Familie verbliebenen Junghunde schliesslich mit hinaus
ins elterliche Revier kamen. Obwohl angemerkt werden muss, dass
es bei genau diesen Gelegenheiten vor allem wieder Mutter Suki
war, die die Kommandos gab, denn sie hielt ihren Gatten daheim
und bei der Arbeit im Revier ganz schön unter dem sprichwörtlichen
Pantoffel und war keineswegs gewillt, sich nur der Kinder
wegen" zurückzuhalten. An der Verehrung der Jungen
für ihren Vater änderte das jedoch gar nichts. Er
war und blieb ihr Idol, bis es nach einem Jahr schliesslich
endgültig Ab-schied nehmen hiess. |
Interessanterweise
verehrten auch die vier verbliebenen Jonas-Kinder ihren
sie
so sträflich vernachlässigenden Pa-pa ungemein. Mit
dem Revier gleich vor der Haustür durf-ten sie ihm ab der
13. Woche täglich folgen und bemühten sich mit Feuereifer,
ihm nachzurennen, sobald er nach Brackenmanier im gestreckten
Galopp das Weite oder viel -mehr die Füchse suchte. Gewiss,
ihre Bemühungen waren vergeblich, so flink sie auch schon
sein mochten, aber das änderte eben nichts an der Tatsache,
dass ihre Aufmerk-samkeit ihm gehörte und nicht etwa der
Hündin, die getreu -lich bei ihnen blieb dort draussen,
sie bewachte und mit lustvollen Spielen beschäftigte. Die
Junghunde überschlug |
%20Daniel_%20Jacqueline_%20Alice%20und%20Geoffrey%20zehnw%F6chig%20auf%20Vat.jpg)
Auf Vaters Fährte
|
-en
sich regelrecht in ihrem Bestreben, den nach einer Weile
zurückkehrenden
Vater zu begrüssen, der das nach viel mürrischem
Geknurre in den ersten Tagen dann stoisch über sich ergehen
liess. Ob er es je genoss, von vier aufgeregten Kindern beleckt,
an
die Mundwinkel gestupst, in die Ohren gebohrt, wild ange-sprungen
und dabei ziemlich lautstark umkläfft zu werden, darf
man bezweifeln. Immerhin gewöhnte er sich aber an, sie
alle in unregelmässigen Abständen mit genau gezieltem
Spritzharnen zu markieren, wenn sie sich nach der Begrüssung
wieder beruhigt hatten. Vielleicht war das seine etwas eigenwillige
Art, ihnen sein Wohlwollen zu bekunden, denn sie zu belecken
oder sich sonstwie um sie zu kümmern, das tat er nie.
Die Meute
Vielleicht setzen Laufhunde aufgrund ihrer Jagdweise da
andere Massstäbe, denn auch Jonas wurde, wie Paul, aber ohne erkennbaren
Einsatz, der anerkannte Führer seiner Sprösslinge.
Im 4. Monat folg-ten sie ihm, ungebeten versteht sich, immer
weiter in den Wald und lernten dadurch schnell, sich in |
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Meutetraining
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fremdem
Gelände zu orientieren. Im 5. Monat wussten sie
schon, was zu tun ist, um die Fährte, im Zweifelsfalle
zumin -dest die ihres Vaters, für beträchtliche Strecken
zu halt-en, und zogen im 6. Monat recht entschlossen mit ihm
jagen. Als die Junghunde 8 Monate zählten, bildeten sie
folglich eine verblüffend wohlfunktionierende Meute, und
es war nur noch eine Frage der Zeit und Übung, diese Zusammen-arbeit
unter Vaters unangefochtener Leitung zu perfek-tionieren. Irgendwie
bildete also auch der Laufhundrüde seine Kinder aus
- nur das Wie blieb sein Geheimnis. |
Das
Kontaktliegen
Was Paul trotz aller Zuneigung zu seinen Welpen nie ertrug,
war das Kontaktliegen mit ihnen. Von An-fang an wahrte er
Abstand,
indem er sich auf einen welpensicheren" Ruheplatz
flüchtete oder, später indem er Anlehnung suchende
Kinder ziemlich unwirsch vertrieb. |
Mochten
sie sich in seine Nähe legen, aber sein Stammplatz im Haus
und jede direkte Berührung mit ihm beim Ruhen waren
tabu.
Auch Jonas verteidigte seinen Lieblingsplatz zunächst
wild entschlossen und es gab manches Geschrei seitens
der Welpen,
die trotzdem versuch-ten, sich ausgerechnet dort oder gar
dort neben ihn zu legen. Auf die Dauer nützte es
indes überhaupt
nichts. Die Kleinen erkannten bald, daß Papa ja nur
so tat, als ob, und gar nicht richtig schnappte, und so einigte
man sich am Ende auf einen Kompromiss: Vorausgesetzt sie
störten ihn nicht beim Ruhen,
durften sie nun bei, neben und notfalls sogar auf ihm schlafen;
er seufzte nur einmal tief dazu. Seiner Würde und
seinem An-sehen schadete das keine Spur.
Die
Fütterung
Wildhundewelpen geniessen bis zum Ende des 3. Monats Vorrecht am
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Jonas
und Sohn Daniel
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Futter,
und selbstverständlich gesteht auch der Rüde
es ihnen zu. Sowohl Paul als auch Jonas erhielten ihre
Mahlzeiten
in Gegenwart ihrer Welpen, die nach eiligem Verzehr der eigenen,
grossen Gemein-schaftsportion natürlich sofort zum
väterlichen
Napf strebten. Beide Rüden reagierten in gleicher Weise
darauf: im ersten Moment wurde missmutig geknurrt, und die
Welpen schreckten zurück. Die besonders gierigen Knirpse
wagten sich dann aber trotzdem wieder heran und stellten
beglückt
fest, dass Vater nun höflich zur Seite trat, um sie
fressen zu lassen. Paul zog sich schliesslich schon ergeb-en
zurück,
sobald bloss ein Welpe auf ihn zusteuerte, und behielt diese
Gewohnheit bis Mitte des 3. Monats bei. Zu dieser Zeit begann
er ja im Spiel mit der Disziplinierung der Kleinen und gewöhnte
sie schnell daran, seinen Vorrang auch in puncto Futter
zu
akzeptieren. Dabei genügte es völlig, dass er entschlossen
an seinem Napf stehen blieb, ein bisschen finster grollte
und die verfressenen Knirpse streng fixierte. Sie wussten
ja inzwischen, was das bedeutete, und liessen ihn nach
ein
paar Wieder-holungen der Lektion in Frieden speisen. Jonas,
obwohl eigentlich nicht besonders fressfreudig, be-mühte
sich zwar, so viel von seiner Portion zu vertilgen, wie
es
ihm beliebte, überliess den Kleinen je-doch, vom kurzem,
halbherzigen Knurren abgesehen, widerstandslos die Reste
seiner
Mahlzeit, sofern sie wirklich darauf bestanden".
Seine Toleranz nahm ab, als die Welpen im 4. Monat draussen
zuseh-ends öfter und weiter in seinem Kielwasser folgten.
Das stellte für ihn vielleicht das Signal dar, dass
seine Sprösslinge nun kein Recht mehr hatten, als
hilflose kleine Welpen behandelt zu werden, und so steckte
jetzt auch
er das Maul entschlossen in den Napf und schaute dabei giftig
über den Rand, wenn ihm ein Junghund zu nahe kam. Nur
einer seiner Söhne fand diese neue Regelung indiskutabel.
Der dicke Daniel", nicht zufällig so genannt,
entwickelte sich rasch zur Plage. Kaum war der grosse
Wel-pentopf
geleert, rannte er zur Hündin, die, falls sie noch frass,
ihm ohne viel Federlesen eine deftige Ohrfeige"
verpasste, sobald er auch nur nahe genug herankam. Also sauste
er laut schreiend, viel-leicht ob der Strafe, vielleicht
um
seinen Vater zu verwirren, zu seinem noch geruhsam speisenden
Er-zeuger, drängte sich auf die denkbar unverschämteste
Weise unter dessen Hals hinweg zum Napf, steckte einfach
seinen
Kopf hinein und verschlang, was es da zu verschlingen gab
- von einem zunächst absolut ratlosen Jonas beobachtet.
In Zukunft griff Vater also energischer durch. Vergeblich.
Daniel war mittlerweile 5 Monate alt, sehr gross und kräftig
und von unbeschreiblicher Futtergier. Er leerte seinen eigenen
Napf in Rekordzeit und raste anschliessend sofort mit hörbarem
Schlachtruf (auch ohne vorherige Ohrfeige, denn bei der
Hündin
versuchte er gar nicht mehr zu klauen) zu Papa, der so grantig
wurde, wie ihm sein Instinkt das erlaubte. Erst mit der
Erkenntnis,
ernstlich Prügel zu bezieh-en, fand Daniel sich damit
ab, den Vater ungestört fressen zu lassen. Meistens,
nicht immer ... Vater werden ist nicht schwer, Vater sein
dagegen sehr - wohl wahr!
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Unerfahrene Rüden reagieren meist recht unsicher auf
die Annäherung eines Welpen.
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Andere
Hundeväter mögen in anderen Bereichen Tabus setzen
und in puncto Stammplatz die Toleranz in Per-son sein.
Auch
in welchem Umfange sie sich um die eige
-nen oder vermeintlich eigenen Kinder kümmern, wird variieren.
Ausserdem hängt der Inhalt und Zweck der väterlichen
Erziehung selbstverständlich vom eigenen Beruf"
dieses Vaters ab. Wichtig hingegen ist, dass der Rüde prinzipiell
korrektes Verhalten gegenüber den Kleinen zeigt. Wie Trumler
sagte: Ein instinktsi-cherer, normaler Rüde wird
zu jedem fremden Welpen freundlich sein ...( )". Er ist
Welpen gegenüber stets so aufgeschlossen, als wären
es seine eigenen." Denn begreiflicherweise besitzt ein
Hund kein Bewusstsein |
von
seiner Vaterschaft. Deshalb hat ihn die Natur mit einem
verallgemeinerten Pflegebedürfnis ausge-stattet, das ihm
verbietet, echt aggressiv auf Welpen zu reagieren oder sie gar
zu töten. Kurz: ein an-ständiger Rüde ist zwar
nicht immer nur der liebe, süsse Papa, aber den Kleinen
körperlichen Schaden zufügen, das wird er ganz
gewiss nicht tun. |
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