| Mit
dem Hund nach Hiddensee
von Sima
Wir
Havelpflanzen kommen nicht ohne Wasser aus und möglicherweise
gilt dies auch für den Hund, bei dem, - wenn es auch nicht
wirklich nachweisbar ist, mindestens einen Seehund in der Ahnenreihe
zu vermuten ist.
Wir sind bepackt mit Rucksäcken; einen für mich, einen
für Yanca, meine große Weimaranerhündin, und
stehen am Bahnhof Werder. Spatzen und Hitze, es flirrt die Luft
um uns und wir sind froh, als endlich der Zug einfährt.
Klimaanlage, toll- aber kein Platz für meinen Hund. Der
Zug ist voll und nach einigem Suchen finde ich eine Ecke für
uns. Zwischen den Füßen den Hund, dass Gepäck
hinter der Bank, habe ich mich eingeschichtet bis zur nächsten
Station. Dort wieder Getrappel! Viele Füße und noch
weniger Platz. Logisch - und jetzt bitte auch noch die Fahrkarten!
Ich bin genervt und verärgert über meine Idee, mal
ohne Auto in den Urlaub zu fahren. Die Rettung ist eine Fensterbank.
Hopp über meine Sitzbank auf die Gepäckablage am Fenster!
Yanca hat den Platz an der Sonne- mein Rucksack wird schadlos
im Gang überstiegen- und der Hund ist vor Tritten sicher. |
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Ankunft
in Stralsund. Wir sind in Urlaubsstimmung. Der Hund trägt sein
Biwak selbst und an meinem Rücksack schaukeln lustig die Isomatten
neben unseren Wasser-flaschen. Möwen an blitzblauem Himmel.
Eine Altstadt, Stadtmauern und zwei Seen begrüßen uns
und lassen ein-en Auslauf zu. Wir tingeln durch die Stadt zur Fähre
und landen nach vielen kleinen Gässchen endlich am Hafen. "Abfahrt
der Fähre um 18:30, die letzte übrigens und wo wollen
Sie hin" - lautet die Frage aus einem blauen Con-tainer-"
Wir? Nach Hiddensee!" Wir werden von der Kartenverkäuferin
aus rotem Mund und voluminösem, wo-gendem Ausschnitt belehrt,
dass wir nicht ohne Ortsan-gabe und Unterkunftsangabe - transportiert
würden- weil die letzte 18:30 Fähre Tagesgäste nicht
zurück bringen würde. Ich erkläre mein Vorhaben.
Ich wolle eben nicht zelten, nur draußen schlafen und darum
würde ich gerne doch fahren
. Neben mir ertönt eine
dunkle Stimme. "Fahr´n se nach Neuendorf, da ist es ruhig
- gehen sie Richtung Gellen, da ist kein Mensch." "Gut"
sag ich, - "danke für den Tipp" - da bekomme ich
auch schon von einem goldigen Patschhändchen Tickets gereicht. |
"Hin
und zurück 16,50, der Hund die Hälfte, - macht 24,75.
€." Mit einem prüfenden Blick aus dem Kartencontainer
bin ich entlassen. Yanca hat die Gunst der Stunde genutzt. Den Kopf
im Mülleimer einer Grillhütte vergraben, ist sie von Wespen
umschwirrt ein Bild für den Hundefänger.
Als
die Fähre eintrifft, steigen Urlauber mit Fahrrädern aus.
Vorwiegend sind es Tagestouristen, Großeltern mit ihren
Enkelkindern. Ich sehe wenig junge Leute.
Wir nehmen auf Deck unseren Platz ein. Viele Gäste sind nicht
an Bord. Die freundliche Stimme, ein Herr stellt sich vor."
Aha, na gut", ich bin geneigt seine Fragen nach dem Woher und
Wohin zu be-antworten um dafür weitere Informationen über
einsame Strände der Insel zu erhalten. Der Herr ist ein Tenor.
Reinhardt, er wird am Donnerstag in Kloster singen. Der Chor ist
schon da. Während ein Gewitter heranzieht und Blitze die Inselumrisse
erleuchten, ist der Herr Reinhardt bei unserer Ver-abschiedung über
unsere Urlaubsvorstellungen erstaunt, verwundert und begeistert.
Ich bekomme bei unserer Ankunft auf der Insel Hiddensee eine
handgeschriebene
Einladung.
Als wir von der Fahre steigen, liegt uns die Insel wie gewaschen
zu Füßen. Neuendorf. In der Gewit-terschwärze erkenne
ich einige Häuser, Pferde und Kutschen. Ein schwarzer Labrador
beschnüffelt uns am letzten Haus und begleitet uns einige
Schritte.
Das Meer- ein graues Gewoge mit schaumigem Tangteppich ist so
brüllend
laut, dass ich bei seinem Anblick lieber doch ein Zimmer genommen
hätte. |
Wir
sind am Rande eines NSG, sehen den Leuchtturm und werden von seinem
Strahl rhythmisch er-fasst. Alleine, nur der Sand pritzelt mir in
das Gesicht.
Ich
packe aus und freue mich an meiner Ausrüstung. Alles ist regen- und
winddicht, erprobt in Sibi-rien, Norwegen, Afrika - da wird uns
so ein kleines Meer doch nicht ängstlich machen! Na ja, Yancas
Schwänzchen ist nicht im Begeisterungsmodus.
Ich
finde eine windstille Nische hinter den Dünen, und als ich endlich
liege, Yancas Rücken an meinem Bauch spüre, da reißt
die Wolkendecke ein wenig auf und wir liegen unter Sternen.
In der Nacht treiben Regentropfen meinen Hund in die Enge meines
Schlafsackes wie einen Fisch in die Reuse. Eingekeilt zwischen
meinen
Knien und Schlafsack wird es ungemütlich. Der Regen und ein
weiteres Gewitter versetzen Yanca in Aufregung. Ich schimpfe auf
sie, gegen das Wetter, und das Meer trägt meine Stimme in die
Nacht. Am Ende gebe ich nach. Diese regenscheue Weichspülart
gefällt mir an meinen Hund überhaupt nicht - aber ich
will auch nicht so eingeklemmt schlafen. So bleibt mir nicht anderes
übrig. Ich verlasse meine geschützte Position und sortiere
unseren Schlaf-platz um. Ich verbinde die Biwaksäcke miteinander,
schüttle den regennassen Hund in seinen Schlaf-sack. Nass,
müde und verärgert über die nächtliche Ruhestörung
krieche ich in meinen eigenen Schlaf-sack, schiebe 34 kg Hund in
eine Ecke des Biwaks, höre ein wohliges Brummeln und strample
meine nassen Kleider ab, schnappe ein trockenes Nicki und versuche
in eine annehmbare Schlafposition zu kommen. Noch immer tobt
das
Meer und grollt der Himmel.
Wie eine Einleitung zum Gedankenaustausch beginnt der Morgen
mit der Suche nach verborgenen Er-fahrungen. Wenn es so ist,
dass wir
nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist,
- was geschieht mit dem Rest? Von den tausend Erfahrungen die wir
machen, bringen wir höchstens eine zur Sprache, und dies eventuell
bloß zufällig und ohne die Sorgfalt, die sie verdiente.
Unter all den stummen Erfahrungen sind diejenigen verborgen,
die unserem Leben unbemerkt seine Form, seine Färbung und seine
Melodie geben. Der Gegenstand meiner Betrachtung weigert sich still-zustehen,
die Gedanken gleiten am Erlebten ab und am Ende entstehen lauter
Widersprüche. Ist dies ein Mangel, den es zu überwinden
gilt? Heute denke ich, dass die Anerkennung der Verwirrungen der
Königsweg zum Verständnis dieser vertrauten und rätselhaften
Erfahrungen ist. Seit ich die Sache so sehen kann, habe ich das
Gefühl richtig wach und am Leben zu sein.
Der Wind dreht die Richtung und meine Beine und mein Hund werden
von der Sonne zuerst erwärmt. Ich schaue in die Wolken. Gibt
es ein Geheimnis unter der Oberfläche des menschlichen Tuns?
Oder sind wir Menschen ganz und gar so, wie unsre Handlungen, die
offen zutage liegen, es anzeigen? Es ist im höchsten Grade
merkwürdig, aber die Antworten wechseln in mir mit dem Licht,
das auf diesen Schlafplatz der Insel Hiddensee fällt. Es ist
das verzaubernde Licht eines flirrenden Augusttages, das klare,
scharfkantige Schatten hervorbringt und so erscheint mir der Gedanke
einer verborgenen menschlichen Tiefe absonderlich und wie ein kurioses
Phantasma, einer Luftspiegelung ähnlich, wenn ich zu lange
auf die in jenem Licht aufblitzenden Wellen blicke.
Es
ist fast neun Uhr. Wir haben in der ersten Sonne und mit Hilfe
des Windes
unsere Ausrüstung getrocknet und in den Dünen versteckt.
Mit kleinem Gepäck beginnen wir mit der Eroberung der Insel.
Die Sonne scheint. Hasen sitzen in der Heide und in weiter Ferne
sehe ich Schafe weiden. Erste Fahrradtouristen radeln an uns
vorbei
und fragen uns nach dem Weg zum Leuchtturm. Wir wiederum fragen
nach einem Einkaufsladen, besten Fischverkäufern, Frühstücksrestaurant
und Fahrplänen von dem einzigen Omnibus auf dieser sonst
Fahrzeug freien Insel.
Wir
kaufen Hundefutter, eine Büchse, und Yanca frisst den Inhalt von einem
Kanalisationsdeckel. Ein uraltes Hotel ist in eine Bildergalerie
umgewandelt worden. Maroder Hotelcharme und Bilder vom Meer, Dünen,
Kiefern, Leuchttürmen und noch mehr Meer. Ich schaue und Yanca
gesellt sich Schnauze leckend zu mir. Wir wandern von Bild zu Bild.
Ich höre jemanden sagen "Schau mal, da ist ja unser Hund
von der Fähre!" und schon wird Yanca begrüßt
und geklopft. Diese Gäste der Insel, so erfahre ich sogleich,
kaufen hier immer Bilder; seit dreißig Jahren fahren sie nunmehr
an diesen Ort und der Platz an den Wänden ihrer Wohnung ist
mit Erinnerungen gespickt. Ich stehe also vor der Gattung "dicktus
Urlaubus Insulanus Hiddensus". Wir gehen ein Stück gemeinsam
zum Hafen. Ich frage mich gleichsam wie man mich wohl beurteilen
würde. Wie fügt sich meine Gestalt in das Gerüst
ihres Gefallens und Missfallens, in die Architektur ihrer Seele.
Was an meiner Erscheinung übertreibt und überhöht
ihren Blick, was lassen sie weg, als wäre es gar nicht vorhanden?
Eigentlich sind wir uns doppelt fremd. Aber wir sind Urlauber und
irgendwie abgestimmt auf flüchtige und freundliche Tage. |
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Wir
landen endlich nach einem ausgiebigen Fischmahl am Meer. Es
ist immer
noch windig, trotzdem gehe ich baden. Yanca schwimmt neben mir.
Am Strand wühlen wir uns in den warmen Ostseesand und
ich fülle jede Seite meines Urlaubsbuches mit Strand.
Bis zum Abend treffen wir unzählige Sonnen-hungrige
und ich habe mein Buch ausgelesen und brauche ein anderes
Buch zum Tausch.
Eine
Familie mit zwei Kindern marschiert an unserem Platz vorbei. Meine
Tauschaktion ist für sie überraschend und ungewöhnlich,
der Hund auch zu groß. Bevor ich meinen Tausch richtig erklären
kann, werde ich wegen des Hundes vom Vater angeranzt. Ich bin
so erstaunt, dass ich der Frau Mama mein Buch als Geschenk in
die Hand drücke und mich wortlos davon mache. Egal, ich kaufe
mir ein neues Buch- dies war ohnehin trivial und zu schwer. -
Nur eine Widmung hätte ich Frau Mama gerne in das Buch geschrieben-
so ungefähr wie: tausch den ranzigen Mann- er ist trivial
und viel zu schwer- na- egal!
Yanca
und ich laufen am Strand mit der letzten Sonne zu unserem Schlafplatz.
Die Ausrüstung liegt unangetastet zwischen wilden Strauchrosen
und ich entdecke andere Verstecke. Habe ich etwa Schlafnachbarn?
Nein, es ist nur eine Strandmuschel und Sonnenburgabsperrungen,
somit bin ich auch diese Nacht mit Sicherheit alleine.
An
diesem Abend erlebe ich einen Sonnenuntergang zu meinen Füßen.
Wein, Brot, Äpfel und einen feinen Käse breite ich
auf einem weißen Tuch aus. Der Wind hat sich gedreht.
Ich genieße
meine gi-gantische Aussicht. In dieser Nacht rücken die
Wolken wie ein Amboss an die Insel heran. Ein Fen-ster über
der Insel bleibt offen. Wieder erhebt sich der Wind. Blitze
erhellen
den Himmel, doch es bleibt trocken und sternenklar über
uns. Nach Mitternacht legen auf meiner Inselseite Segelboote
an
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Mein
kleiner Leuchtturm erfasst fünf Segelboote. Auf der anderen
Seite der Insel türmen sich die Wellen. Ich höre die
Stimmen von den Booten und sehe nasse Segelklamotten. Die Stimmung
in dieser Nacht ist wie eine Theaterkulisse. Ich bin das einzige
Publikum, der Kritiker und Mittelpunkt.
Am Morgen höre ich klagende Rufe - es sind Rauchseeschwalben.
Sie sind so schnell, dass ich sie kaum mit den Augen verfolgen
kann. Die Se-gelboote ziehen davon und ich packe unsere Aus-rüstung
wieder für einen Tag zwischen die Strauchrosen. Wir baden
lange im Meer und neh-men uns eine Erkundung des nächsten
Dorfes vor. Kloster, der Ort, an dem an diesem Abend ein Konzert
stattfinden soll.
Der
Inselbus ist klein und sehr alt. Mit einem Ticket für
2,70 werden wir mitgenommen. Ich darf sogar mein Softeis mitnehmen,
was ich
jedoch spätestens nach dem nächsten Schlagloch bereuen
sollte. Vitte ist wie ein Museum mit mehreren Pen-
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sionen,
Geschäften und
Restaurants, ein Urlauberdorf, wie man es auch von anderen Urlaubsinseln
in Deutschland kennt. Fahrräder sind das Hauptbewegungsinstrument.
Sogar ein Taxiunternehmen radelt seine Gäste von Ort
zu Ort. Der Bus fährt zügig und wir sind die einzigen
Businsassen. Ein Frosch im Mixer muss sich genauso fühlen
denn der Bus ist ungefedert, - kein Sitz ist gepolstert
und Yanca schliddert
in jeder Kurve hilflos wie ein Teppich umher.
Ein
Krankenwagen kommt uns entgegen. Der Busfahrer lehnt sich aus
dem Fenster und brüllt in platt die Straße frei. "Aber
wenn se selber mal auf der Straße liegen, dann kann es nicht
schnell genug gehen!" Er schüttelt den Kopf und mit
einem Blick in den Rückspiegel erwartet er meine Zustimmung.
"Nach Kloster wolln se, zum Konzert, - na ja das ist das
nächste Dorf, - wissen sie schon, wie sie zurückkommen?"
"Nee", gebe ich zur Antwort und versuche vor der nächsten
Kurve den schliddern-den Hund einzufangen. Seine Aufzählung
von Möglichkeiten ist bald beendet - für uns war
nichts da-bei. Wir könnten 18 km zurückwandern,
ich habe nun aber genug Wetter erlebt und weiß, dass
dies nicht die beste Lösung wäre. Fahrradtaxi, pro
km 1,50 an den armen Studenten- ich, in so einem Ding. Fahrrad
ausleihen- bis zu meinem Schlafplatz
schaffen, morgen zurückbringen- och nee,
grüße
an die Haftpflicht. Der Fahrradstrom auf der schmalen Verbindungsstraße
wird immer enger. Blitzende Hel-me, Anhänger mit Fähnchen,
Körbe und Kinderräder- es sieht auf der Straße
aus, wie zum Fahrrad-korso in Berlin, Straße des 17.
Juni. Endlich unsere Einfahrt in Kloster. Ich frage vorsichtshalber,
wann der letzte Bus zurück nach Neuendorf fährt. "Ich
mach jetzt 20 min Pause, dann geht es zu-rück"
Wir steigen aus und stehen mitten in einer großen Traube
von Urlaubern. "Nu mei Lieber, magst mit uns mitgumme?"
Yanca ist etwas orientierungslos, Gerüche - allerfeinster
Art- lassen sie alles vergessen. Sie läuft suchend umher.
Restaurants, Buden, Stände, Essensgerüche. Ich pfeife
sie heran und nehme sie seit langer Zeit mal wieder an die Leine.
Als ich mich in den Strom der Urlauber einreihe, streichen Strandtücher
über meine Haare Nixen, Pferde, die pralle Be Watsch - Lust-
und endlich, stehe ich an einem Wegweiser wo sich die Ströme
verteilen. Eine Pferdekutsche hält. Aussteigen - Einsteigen,
"Kinder Hände rein. Nicht zu dicht an die Pferde gehen.
Eis gibt es gleich" Yanca wird im vorbeigehen gestreichelt.
Ich stehe wie bestellt und nicht abgeholt immer noch an dem Wegweiser.
In einem Trödelladen sehe ich mein Bild in einem Spiegel.
Lang, braun, ungekämmt und mähnig in Jeans mit Hund
und ratlos.
Ich ziehe meine Einladung aus der Gesäßtasche und suche
den Veranstaltungsort des heutigen Konzertes. Neben mir halten
Liegeräder. Man ist Fragen gewöhnt und so wird mir mit
wenigen Worten der Weg zur Kirche im Kloster erklärt. Dort
angekommen sind die Vorkehrungen für den Konzertabend noch
im vollen Gange. Brahms, Bach und Mendelsohn Bartoldie lese ich
auf einem Plakat. Beginn 19:30 Uhr. Wegen der begrenzten Plätze
ist rechtzeitiges Erscheinen u.s.w - u.s.w
- ich bin immer
noch unschlüssig.
Ein
Blick auf die Uhr verrät mir, dass der Bus in 10 min zurückfahren
würde. Ich weiß nicht, mich stört auf einmal alles
in Kloster. Die Gespräche, die Banalität der Worte,
die immer wiederholten Wortwendungen ohne Fantasie- mich stört
meine Begrenztheit. Ich erbitte mir einen Stift und schreibe auf
die Einladung des Herrn Reinhard eine kurze ehrliche Nachricht
und übergebe sie einem der Organisatoren. Die zwei Minuten
bis zur Abfahrt meines Busses nehme ich im Galopp und mit unangeleintem
Hund. Die pralle Handtuchlust fegt über mich hinweg- wir
absolvieren einen Slalom durch die Stände, einen Gruß
an mein besseres Spiegelbild und mit großem Satz springen
wir dem erstaunen Fahrer in den Bus. "Na- dass ging ja schnell!"
-
"Wir wollen jetzt in Vitte aussteigen und werden von dort
aus laufen, das sind nur 8 km bis Neuendorf".
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In Vitte
treffen wir einen Weimaraner. Mich begeistert der Anblick- Yanca
sieht in dem Gleichgesinnten nichts Be-sonderes. Wir Besitzer
stehen vor einem Laden und reden über die Charaktere unserer
Hunde. Das andere Hundege-sicht ist so viel anders als das meines
Hundes. Dieser Hund kommt aus Bremen und ist aus einer Zucht,
wo man bewusst die jagdlichen Fähigkeiten der Hunde vernachlässigt.
Als eine Katze jedoch die Straße über-queren möchte,
ist Luna sofort ganz Jagdhund. Yanca dagegen
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gleicht
einer Gussstatur. Sie liegt und schaut Lunas Ausflug in einen
fremden Garten zu.
Wir
tingeln gemeinsam die Promenade hinunter. Feinste Pensionen, gute
Restaurants und immer wieder Pferdefuhrwerke mit Urlaubern. Ich
gehe mit beiden Luna-Leuten in ein Restaurant und esse so gute
Nudeln mit Shrimps -Knoblauch - Kräuter- Soße wie schon
lange nicht mehr. Beide Hunde liegen wie gemalt in der Sonne vor
der blauen Ostsee, auf weißem Sand.
Wir
verabschieden uns und wandern durch das Dorf Vitte bis zum Deich.
Die Hitze über der Heide ist unerträglich. Eine Radfahrerin
rät uns, den Seeweg zu benutzen. Am Abend, pünktlich
zum Sonnenuntergang langen wir auf unserem einsamen Schlafplatz
an. Der Strand ist leer. Träge schwappen die Wellen und ich
bereite unser Abendbrot auf einem weißen Geschirrtuch auf
den Dünen zu. Fisch - Wein und Pfirsiche- neben wilden blühenden
Rosenbüschen. Bis auf den Wein, ist Yanca von der Menü
und Restaurantauswahl begeistert.
Unser Fernsehprogramm für den letzten Abend: Heimatfilm Teil
drei, -Sonnenuntergang und Mondaufgang- gähn- drei Seiten
noch vom neuen Buch aus Vittes Buchladen lesen- dann ist es 22.30
und dunkel. Schlafsack und Hund- im Licht des kleinen Leuchtturmes,
ich genieße den Sternenhimmel bis zum nächsten und
letzten Tag auf Hiddensee ganz für mich alleine.
Der
Morgen ist mild und Windstill. Das Meer blinzelt still und blau.
Kormorane fischen in großen schwarzen Schwärmen ihr
Frühstück. Wir baden und tauchen in das Glitzern der
Sonne ein. Als die ersten Strandburgenbauer in Sicht kommen, sehen
sie eine Frau mit Rucksack und Hund am Horizont am Meer entlanglaufen.
Alle Fotos:
Silke Byl
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