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Teckel und Wildschwein
Von Gabriele Rassbach
Unfall am 44. Tag der Trächtigkeit, (natürlich ein Sonntag!) und wie es dazu kam....
Wie schon so manches Mal machten uns unsere vier Rauhaarteckel an jenem Tag einen Strich durch die Rechnung, indem sie mit "jiff, jiff" entwischten, als wir mit ihnen zu einem Ausflug aufbrechen wollten. Die beiden älteren, Wenzel und Branka, kamen schnell zurück - nass und verdreckt. Die Jüngste, Ebba, war irgendwie auf den Spielplatz hinterm Haus geraten. Aber unsere "dicke" Toni war weg!
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Unternehmungslustige Toni. |
Ich bewachte eine Stunde lang die Straße, an der das verwilderte Grundstück liegt, in dem sie verschwunden war. Mein Mann fuhr zum See. Endlich winkte unten an der Straße eine Bekannte und rief, dass da ein Hund von uns läge. So war es dann auch!
Wir brachten Toni in den Garten, wo ich sie wusch und die Wunden desinfizierte. Sie roch stark nach Wild - mit wem war sie zusammen getroffen?
Sie war arg verletzt, ihre Temperatur lag unter 36 Grad. Ich gab ihr als Erste Hilfe sofort Rescue-Tropfen und Arnica und packte sie warm ein. Auch ihr Vater Wenzel legte sich zu ihr und wärmte. Er |
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verstand die Situation ganz und gar. Zur Normalisierung ihres Kreislaufs flößte ich Toni in kürzeren Abständen einen Teelöffel Bohnenkaffee mit Traubenzucker ein. Die um Hilfe gebetenen Tierärzte vor Ort ließen uns im Stich, und so fuhren wir schliesslich zu unseren ehemaligen netten und sehr sorgfältigen Tierärzten nach Potsdam-Babelsberg. Der Doktor kam ins Sprechzimmer und sagte sofort: "Die war am Wildschwein, riechen Sie das?" Anderthalb Stunden wurde sie |
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untersucht und verarztet. Sie hatte diverse Verletzungen:
Drei Schneidezähne fehlten, ein Fangzahn war in den Kiefer gerammt worden und man sah nur noch die Spitze.
In der rechten Lefze klaffte ein tiefes Loch.
Eine Rippe war angebrochen.
Der Mittelfußknochen der rechten Vorderpfote war ebenfalls gebrochen.
Das Gesäuge war geprellt.
Zwei große Löcher an der rechten Körperseite, kleinere unten am Bauch, selbst eine Zitze hatte ein Loch!
Mir wurde Angst und Bange um Toni und die Kleinen.
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Eine Woche lang fuhren wir täglich zum Wunden spülen, und auch weil der Tierarzt sie sehen wollte. Schliesslich meinte er, dass wir nun nur noch abwarten könnten.
Währenddessen gab ich Toni weiter Arnica (wichtig bei Unfällen trächtiger Tiere; soll Abort vermeiden). Dazu bekam sie Traumeel-Tabletten und Traumeel-Salbe auf die Prellungen und Wunden. Ich beriet mich täglich mit einer alten Züchterin, die mir auch noch Spascupreel empfahl, um die Verkrampfungen durch |
die Schmerzen zu lösen, denn Toni hatte Probleme beim Häufchen machen. Da sie sich auch weigerte, ein paar Schritte zu machen, um eben ihre Geschäfte zu erledigen, half ich ihr mit einem unterm Bauch breit durchgezogenem Handtuch und entlastete so ihre Hinterhand. Und siehe: sie fand das sehr angenehm. Ab da klappte auch das Geschäfte Machen.
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Nach ca. zwei Wochen, am 61. Trächtigkeitstag, verlief die Geburt reibungslos von 8 Uhr bis 10.15 Uhr. Es kamen fünf gesunde Welpen zur Welt. Toni machte alles vorbildlich, und es ging ihr schnell richtig gut. Nach über vier Wochen unternahm sie mit uns ihren ersten Spaziergang, und wir dachten, die ganze Sache sei ausgestanden... Doch dann bekam sie, mehr als zwei Monate nach ihrem Unfall, plötzlich eine Nierenentzündung und in der gebrochenen Pfote entdeckten wir eine Granne. Es dauerte leider rund zwei Wochen, bis die Probleme endlich erkannt waren. Ab da hatten wir sie allerdings schnell im Griff. Durch diese zwei schmerzhaften Gesundheitsstörungen lag sie natürlich fast nur. Ihre Hinterkeulen hatten kaum noch Muskeln, und an Spaziergänge war vorerst nicht mehr zu denken. Erst vier Monate nach ihrem Zusammenstoss mit dem Wildschwein war der Tierarzt wirklich zufrieden mit ihr und wir hofften, dass auch |
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die leichte Instabilität in der Hinterhand in den nächsten Wochen noch verschwände.
Wie alles verlief und schliesslich ausheilte, grenzt wirklich an ein Wunder!
Hier für Interessierte noch einmal die Behandlung:
Ich habe Toni Strychninum nitricum und Discus comp. erst täglich, dann so langsam auslaufend gespritzt. Am Anfang - als es so richtig schlimm war und sie auch schrie vor Schmerz - spritzte ich noch Spascupreel zur Entspannung. Zur Heilung - auch der nach einem Viertel Jahr noch nicht geheilten Pfote - bekam sie Arnica C 30 und Traumeel. |
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Da ihr Körper beim Säugen so viel Calcium an die Welpen abgeben musste, fehlte wohl der Kalk für die Bruchheilung und deshalb gab ich ihr Calcium phosphoricum. Die Krallen an dieser Pfote sind nie wieder so kräftig
geworden, wie sie waren - wohl auch eine Folge des Kalkmangels, obwohl sie Frubiase Calcium bekam.
Die Spaziergänge waren erst sehr winzig, wurden dann aber größer und am Ende wieder normal lang. Doch erst acht Monate nach dem Unfall rannte sie das erste Mal so richtig und tobte mit |
den anderen! So haben wir jedenfalls Stück für Stück ihre verloren gegangenen Muskeln wieder aufgebaut und auch der Tierarzt hatte uns ein paar physiotherapeutische Übungen gezeigt.
Als Krönung bekam Toni ein Mal pro Woche das neue Mittel, das Karin Jetter (vom IGH) so netterweise schickte, und täglich Vermiculite D 6.
Natürlich wurde ihr auch der zu 2/3 im Kiefer steckende Fangzahn gezogen, um Entzündungen vorzubeugen.
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Übrigens bestand für uns kein Zweifel mehr, dass es ein Wildschwein war, mit dem Toni aneinander geraten war, denn im Tierpark kniff sie die Rute ein und wollte weg vom Saugatter - das wäre früher nie der Fall gewesen!
Freilich hielt die Scheu vorm Wildgatter nicht lange an - ganz im Gegenteil ist Toni am Ende noch schärfer geworden!
Zwei Jahre nach dem Unfall - und nach langem Beraten mit dem Tierarzt! - hatte sie noch ihren letzten Wurf aus sieben prächtige Welpen.
Nun hoffen wir auf eine gute Zeit mit ihr und noch viele gesunde Jahre für sie.
Toni war natürlich nicht nur unser "Unfallopfer", sie hat auch hart gearbeitet und folgende Prüfungen abgelegt:
sg / BHP 1+2, SFK, Sp, SchwhK, Bhfk 95, Wa.T.
Alle Fotos (c) Gabriele Rassbach - Zwinger von der Ziegelquelle
Text 2009
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