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Deutsch
Kurzhaar Jens oder: Scheitern einer Beziehung
Von Sabine
Middelhaufe
Mein braver
Laufhund Jonas, der die ersten 13 Jahre seines Lebens nur zwecks
Impfung und Versorg-ung leichter
Verletzungen zum Tierarzt gegangen war, hatte nach dem Tod seiner
lebenslangen Ge-fährtin angefangen zu kränkeln und
außerdem
so eindeutig zu verstehen gegeben, dass ihm hundliche Gesellschaft
fehlte, dass ich also beschloss, ihm wieder einen Artgenossen
zur Seite zu stellen. Sicher waren seine bis dahin sehr unklaren
Symptome
nicht nur psychosomatischer Natur, aber die Erfahrung zeigt,
dass die Veränderung der Lebensumstände auch bei Vierbeinern
Wunder wirken kann...
Über die Rasse des künftigen Neulings gab es wenig Zweifel:
ein Deutsch Kurzhaar sollte es sein, denn ich erinnerte mich
sehr gut an all die ruhigen, ausgeglichenen und führigen Vertreter,
die ich in Deutschland kennen gelernt hatte. Auch das Geschlecht
stand fest: männlich nämlich, um das Chaos ein-er läufigen
Hündin unter der Nase meines Großvaters Jonas zu vermeiden.
Sogar bei der Suche nach einem geeigneten Züchter hatte ich
Glück: in meiner Heimatprovinz Pavia, nur eine gute Autostunde
von uns entfernt, bot ein wichtiger Mann des Italienischen DK Klubs
mit sehr gutem Ruf, der überdies Tierarzt und Jäger
war, Welpen an.
Als der Wurf 40 Tage alt war, konnte ich zum ersten Mal kommen,
um mir die Kleinen anzuschauen.
Klar, alle Hunde waren in einer Zwingeranlage untergebracht,
aber was ich da im Auslauf sah, waren ruhige, freundliche erwachsene
Kurzhaar, die auf das Erscheinen von Fremden in ihrer Mitte völlig
ge-lassen reagierten. Außerdem hielt der Züchter nur
wenige Tiere, und auch das beruhigte mich. Keine Massenhaltung.
Keine
Massenvermehrung. Dass die Welpen heute, am 40. Lebenstag, zum
ersten Mal aus dem Zwinger in den weiten, begrasten Auslauf kamen
fand ich zwar nicht optimal, doch auch in Deutschland begleiten
keineswegs alle Züchter ihre Welpen täglich auf den
Abenteuerspielplatz…
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Bis
auf einen Rüden, der schlapp und quengelnd im Abseits blieb
(weil er seine Wurmpaste gestern er-brochen und deshalb noch
Würmer
im Bauch hatte, wie der tierärztliche Besitzer erklärte,
und er be-hielt recht) waren alle Welpen munter, aufgeschlos-sen
und spielbereit. Sie untersuchten mich und mein-en Begleiter
ohne die geringste Scheu, jeder wollte gestreichelt werden,
einer klaute sogar hurtig meine Umhängetasche
und zog triumphierend mit der Beute ab. Sämtliche Wurfgeschwister
zeigten einen kräft-igen, wohlproportionierten Körperbau, sauberes,
glänzendes Fell, saubere Behänge und klare, strahlen -de Augen.
An keinem der vier offensichtlich gesunden Rüden war etwas
zu beanstanden, und so entschied ich
mich für den dunkelsten. |
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„Sie
müssen
ihn vorm Wochenende abholen," tat der Doktor kund, "denn am Sonntag
kommen meine Jagdkollegen, und wenn
dann noch
Welpen hier sind, kann ich für nichts garantieren…“ Und
schien da-mit anzudeuten, dass seine lieben Freunde eher einen
Welpen entführen,
als mit leeren Händen heim-fahren würden.
Ich fand die ganze Eile einfach typisch italienisch. Sicher,
einen sechseinhalb Wochen alten Welpen schon von der Familie
zu trennen ist alles andere als perfekt.
Andererseits würde Jens ja in Jonas ein -en freundlichen, toleranten Artgenossen
vorfinden, und außerdem wäre die
Alternative
gewesen, einen anderen Züchter ausfindig zu machen und dann eine
mitfühlende Seele zu beknieen, mich einen Tag lang durch Norditalien zu
kutschieren. Angesichts der wenigen mitfühlenden Seelen, die Zeit hatten,
für mich den Taxifahrer zu mimen, war diese Alternative höchst unrealistisch. |
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Freitags
drauf zog der 45 Tage alte Jens bei uns ein. "Opa Jonas" nahm
den Winzling sofort und wil-lig unter seine Fittiche, und Jens
fand den Grossen einfach toll. Jonas fühlte sich in den
ersten Wochen sogar verpflichtet, wie eine Furie gegen alle Vier-beiner
zu drohen, die sich, völlig ahnungslos und in den meisten
Fällen mit den freundlichsten Absichten, "seinem" Welpen
näherten.
So lästig Jens’ Kuschelbedürfnis auch bisweilen
sein mochte, irgendwie genoss es der Senior durchaus, wieder "jemanden
zu haben". Sogar sein Gesundheits |
| -zustand
verbesserte sich deutlich, wie die tierärztlichen Untersuchungen
bewiesen.
Allerdings konnte Jonas Eigenarten des Welpen ignorieren,
mit denen ich mich auseinandersetzen musste. Allen voran seine
Kaufreude. Natürlich, junge Hunde nehmen alles ins Maul,
beknabbern und bekauen was immer sie in Reichweite finden;
nichts könnte normaler sein. Nur brachte Jens schon die
Gewohnheit mit, Objekte auch zu verschlucken. Ich möchte
lieber keine Vermutungen darüber anstel-len, wie viele
Steinchen, mit denen der gesamte Platz vorm Haus bedeckt war,
und Holzstückchen
von den Scheiten, die neben der Hauswand aufgestapelt standen
er im Laufe der ersten Wochen fraß.
Ich weiß nur,
dass er solche Fremdkörper täglich erbrach oder mit
dem Kot wieder herausbeförderte.
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| Dagegen
waren kleine Bissen von Hundedecken und Handtüchern,
Papier und Karton, Schuhen und Sok-ken
eine Lappalie.
Diese
extrem ausgeprägte „orale Phase“ beunruhigte
mich sehr, zumal weder Tabuisierung, geeignetes Spielzeug,
noch gezielte Beschäftigung mit Objekten Abhilfe schafften.
Jens musste einfach ständig et-was im
Maul haben, und war es schon mal dort, waren Zerkauen und
Herunterschlucken nicht mehr fern.
In weiser Voraussicht
präsentierte sich mein Heim erster Ordnung bei Jens' Einzug
schon recht kahl.
48 Stunden danach räumte ich wirklich alles, was nicht
der bloßen Funktionalität einer
menschlichen Behausung dient auch noch außer Reichweite. |
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Die
zweite Sorge bereitete mir seine Unruhe. Er schien
schon nach den ersten, etwas schüchternen Stunden der
Eingewöhnung
bei uns mehr und mehr wie ein aufgedrehtes Spielzeug ohne Stopptaste,
das erst anhält, wenn die Batterien wirklich komplett
leer sind.
Wenn Welpen durch ständige Aktionsvorschläge seitens
des Menschen, Reizüberflutung und körper-liche Überanstrengung
nicht zur Ruhe kommen können, obwohl Körper und Geist
danach verlangen, drehen sie regelrecht durch: man erkennt
das ganz eindeutig an ihrem Verhalten, das ungehemmt, völlig übertrieben
und wie zwanghaft wirkt. Klar erkennbar ist auch, dass es dem
Hund keineswegs mehr Freude bereitet – er kann aber nicht
abschalten, ist erschöpft und steht unter Stress.
Leider schien genau dieser Zustand bei Jens die Norm zu sein,
und das, obgleich weder Opa Jonas noch ich ihn bedrängten
und permanent auf Touren hielten. Ganz im Gegenteil ging die
Initiative vom Welpen selbst aus: beendete ich zum Beispiel eine
ausreichend lange gemeinsame Aktivität, steuerte Jens sofort
gegen und versuchte vehement, das Spiel zu verlängern. Da
das nicht fruchtete, stürzte er sich auf Jonas, zwickte
ihn, rupfte an Rute und Behängen, bezog eine Ohrfeige und
begann frustriert, erreichbare Gegenstände zu zerfetzen
oder zerrte an meinen Hosenbeinen und Schuhen. Bei alledem schien
es nicht um Unmut über den Abbruch dieses bestimmten Spiels
zu gehen. Der eigentliche Punkt war eher Jens’ grundsätzliche
Unfähigkeit,
zu entspannen. Sogar wenn er am Ende erschöpft zusam-menklappte,
drehte er den Kopf garantiert Richtung Zimmerwand, um dort noch
rastlos mit den Schneidezähnen den Putz abzuschaben.
Entsprechend schwierig gestaltete sich ein geordneter Tagesablauf.
Da Jens nicht gewillt war, Ruhe-phasen einzulegen, wenn ich sie
für angemessen hielt, war das offene Hundebett keine Lösung.
Ich staffierte also eilends einen Karton bequem aus und setzte
den Welpen eben dort hinein. Über die Wände des Kartons
steigen konnte er zwar nicht, dafür zerlegte er ihn mit
Krallen und Zähnchen sehr schnell in seine Bestandteile.
Da nützte kein beruhigendes Zureden, kein Tadeln, kein Aufstellen
des Kartons neben meinem Schreibtisch und auch nicht im Gästezimmer.
Solange Jens nicht ruhen wollte, ruhte er nicht.
Ein drittes Problem brachte seine Entschlossenheit, mir nicht
von der Seite zu weichen (es sei denn, er amüsierte sich
mit tabuisierten Kauobjekten seiner Wahl).
Es ist völlig in Ordnung, wenn ein Welpe, der mit nur 45
Tagen von Mutter und Geschwistern getrennt wurde, zunächst
viel Tuchfühlung mit dem neuen Bezugspartner sucht. Im Laufe
der Wochen lernt der Welpe aber ohne viel Stress, dass es
kein Drama ist, den Zweibeiner mal für zwei Minuten allein
ins Badezimmer, zum Blumen gießen auf den Balkon oder in
den Garten gehen zu lassen. Für Jens schien
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der
Umstand, kurzfristig durch eine Tür von mir ge-trennt
zu sein auch kein Drama. Eher eine Motiva-tion. Er heulte und
lamentierte
nicht lange. Er be-gann einfach zielstrebig an den Türen
zu kratzen oder, falls ich ahnungslos im Gemüsebeet werkelte,
derweil das Haus zu verwüsten. Fand er bei solchen Gelegenheiten
eine Tür einmal nur angelehnt, und entdeckte mich nebenan,
kam er nicht etwa beglückt auf mich zugesteuert,
weil er das „verlorene Frau-chen“ wiedergefunden
hatte. Ich erntete nur einen Seitenblick,
während er anhob, erreichbare Gegen- |
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stände
wie Handtücher, Stuhlkissen, Handfeger, Gartenhandschuhe, Stromkabel
und dergleichen zu zerfleddern. Ich
hatte die ersten unübersehbaren Spuren hundlicher Entschlossenheit
an drei Türen
zugespachtelt und wieder lackiert und auch den abgekratzten
Putz an diversen
Wänden erneuert, mehrere zerfetzte Hundedecken und
sonstige ruinierte Textilien, eine angekaute Klobrille, die
Reste der Klobürste,
einen zerstörten Sessel und zwei um ihr Innenleben beraubte
Hundebetten entsorgt, als Jens eben 3 Monate alt war.
Im Rahmen meiner Arbeit über die Jugendentwicklung beim Haushund
habe ich viele Welpen von der Geburt bis zur Pubertät gehalten,
und darunter gab es einige arg „durchgeknallte“ Gordon
Setter. Diese Tiere waren, gerade bei der Gruppenhaltung, der reine
Alptraum. Sie stellten die Geduld und pädagogischen Fähigkeiten
der erwachsenen Hunde auf eine Zerreißprobe, terrorisierten
ihre Geschwi -ster, verbreiteten Unruhe auf jeder Ebene des Rudellebens
und warfen nur wenig in die andere Waag -schale: einige ließen
sich verblüffend gut und verlässlich von mir ausbilden,
aber besondere Leistung-en zeigte keiner. Genie und Wahnsinn
lagen zumindest bei ihnen nicht dicht bei einander. Hunde mögen,
im Gegensatz zu manchen Menschen, solche überdrehten
Egozentriker nicht. Dort, wo die Natur die Selektion bestimmt,
wie etwa in Wildhundfamilien, hätten sie keine lange Lebenserwartung.
Ich selbst habe nur zwei solcher „ruhelosen Geister“ je
bis ins Erwachsenenalter hinein behalten. Die Nummer eins musste
mit fast 2 Jahren dann doch ins Exil, weil sie echt aggressiv auf
Welpen jeden Alters reagierte und mehrere Beißunfälle
mit den älteren, dominanten Geschlechtsgenossinnen der Gruppe,
in der sie aufgewachsen war, provozierte. Der andere rastlose Störenfried
erlitt noch während der Pubertät den ersten schweren epileptischen
Anfall, weitere folgten in immer kürzeren Abständen, und das Tier
mußte dreijährig
eingeschläfert werden.
Man sollte also schon gut unterscheiden zwischen einem aufgeweckten,
aktiven Welpen, der natürlich auch mal über die Stränge
schlägt, oder einem Hund, der durch menschliches Fehlverhalten
nervös ge-macht wurde und schließlich jenem, der seine
Ruhelosigkeit schon mit ins Erdenleben bringt. Schlechte Nerven
sind nie ein Vorzug, auch nicht beim Jagdhund, der später
nur mit seinem Herrn allein arbeiten soll und nicht in einer Gruppe
von Artgenossen lebt.
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Von Überforderung,
die seinen gesunden Tagesrhyth- mus störte, konnte
bei Jens nicht die Rede sein. War er möglicherweise unterfordert,
langweilte er sich? So vital und bewegungsfreudig Welpen
in der 7.Wo- che auch sein mögen, ihr Gehirn ist zu
diesem Zeit-punkt noch
gar
nicht
in der Lage, zu viele, zu kom-plexe Informationen zu
verarbeiten. Jeder erfahre-ne Züchter, der seine Würfe
angemessen betreut und aufmerksam beobachtet
weiß, dass die Kleinen zum Ende des 2. Monats ein deutlich
gesteigertes Interesse an allem zeigen,
was ihre Umwelt bietet |
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und
die Ausflüge auf ihren "Abenteuerspielplatz" mit Elan nutzen.
Er weiss allerdings
auch, dass ein Zuviel an Reizen, beispielsweise durch unvorhergesehene
Ereignisse, bei den meisten von ihnen kurz-fristige Verhaltensauffälligkeiten,
Schlafstörungen u.ä. hervorrufen. Welpen brauchen Stimuli,
doch sie brauchen auch viel, viel Schlaf und Entspannung für
ihre gesunde Entwicklung.
Jens stand ein ausgeglichener
Altrüde zwecks innerartlichen Austausches zur Verfügung , abwechs-lungsreiche,
wohldosierte Spieleinheiten mit dem Menschen, geeignete Objekte
zur selbständigen Be-schäftigung, mit Haus und Garten eine
interessante Umwelt und allzeit die Möglichkeit,
auszuruhen. Diesen Welpen als unterfordert und deshalb
aktivitätssüchtig einzustufen, halte ich persönlich für völlig
falsch. Ebenso den "Rat" eines Border Collie Besitzers, Jens
systematisch "müde zu spielen". Ich glaube nämlich nicht, dass
das nicht-aufhören-Wollen bei einem siebenwöchigen Hund Ausdruck
von Charakterstärke und Dominanzgebaren ist, das der Mensch noch
übertrumpfen muss, indem er zeigt: "Wenn du drei Stunden non-stop
toben kannst, zwinge ich dir noch eine halbe Stunde mehr auf,
denn ich bin der Boss mit dem längeren Atem." Ich sehe in der
Unfähigkeit abzuschalten keinen Willen zur Macht, sondern eindeutige
Ohnmacht gegenüber dem eigenen, defekten Nervenkostüm.
Der
kleine Jens stand ja ständig
unter Hochdruck, immer irgendwie getrieben, immer
bemüht, um jeden Preis
auf Trab zu bleiben. All die wunderbaren kleinen Spiele,
die man mit Welpen durchführt, damit sie genüß-lich
vom fünften in den ersten Gang herunterschalten
sozusagen, um dann müde und zufrieden einzu-schlummern,
wurden von Jens kategorisch abgelehnt. Entweder rennen und
wild herumhüpfen
oder die Fetzen fliegen lassen, war wohl seine Idee von Leben.
Ein Konzept, das weitere Schwierigkeiten nach sich zog.
Als nämlich ein Sommergast mit Piru-Piru, seinem etwa einjährigen
Hund ins Dorf kam, erklärte ich mich sofort bereit, den Kleinen
mehrmals täglich mit Jens und Jonas gemeinsam auf die Wiese
zu nehm -en, damit die Jünglinge miteinander spielen könnten.
Zunächst funktionierte das auch prächtig. Die beiden
Kleinen tollten, kämpften, verfolgten sich im Galopp und fanden
die Spielstunden grandios. Piru-Piru erwies sich als freundlich
und tolerant und sah dem Welpen seine Grobheiten nach. Anfangs.
Aber im Laufe der Zeit fühlte er sich immer öfter genötigt,
Jens für den rücksichtslosen Gebrauch seiner spitzen
Zähnchen zu rügen, worauf Jens nur umso wüster auf
ihn losging. Piru-Piru wurde merk-lich zögernder bei seiner
Entscheidung, uns zu begleiten. Und Jens schien jeden Tag einen
Zentimeter zu wachsen und 100 Gramm Rücksichtslosigkeit zuzulegen.
Kam er beim Kampfspiel unter Piru-Piru zu liegen, biss und schnappte
er einfach deftig weiter nach dem Älteren; behielt er selbst
die Oberhand, ging es dem anderen erst recht ans Leder. Und gemahnte
ihn sein Sparring Partner streng an die guten Sitten, wurde Jens
echt sauer. So sauer, dass Piru-Piru sich schließlich von
unserem Grundstück fern hielt und bei Sichtung des Welpen
zügig in die andere Richtung trabte.
Die Gewohnheit, seine Zeitgenossen scheinbar zu etwas zwingen
zu wollen, erlebten auch meine Nach-barn wenig begeistert am
eigenen
Leibe. Jens lief ja draußen nicht nur hocherfreut auf jeden
Mensch-en zu, sprang ihn wedelnd an und verlangte nach Aufmerksamkeit,
nein, er verschaffte sich die gewün-schte Beachtung auch ganz
selbständig, indem er die Leute nun nämlich an Schuhen,
nackten Fersen und Hosenbeinen packte, kräftig zubiss und
dann eifrig totschüttelte. Und je mehr der Mensch sich wehr-te,
desto fester packte Jens zu und riss und rupfte. Und wer ihn nun
am Nackenfell packte und seiner -seits schüttelte, hatte augenblicklich
einen knurrenden, wie besessen um sich schnappenden, mit allen
Läufen rudernden und tretenden Welpen in der Hand.
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Ein
wahres Vergnügen aber war es, mit ihm in die umliegen-den
Heuwiesen zu gehen. Plötzlich war er in seinem Element,
der Zappelphilipp verwandelte sich in einen konzentrierten,
aufmerksamen, ruhigen
Hund, der sich völlig problemlos an-eignete auf meine
Richtungswechsel, Handzeichen, leisen Pfiffe zu achten, das
Näschen arbeitete
auf Hochtouren, und das Näschen fand! Im Haus, Garten
und Wald war er eine Nervensäge, immer unzufrieden, immer
Provokateur, doch da draußen in den Wiesen war er ein
Genuss, wir zwei auf einmal ein Team bei dem alles stimmte.
So gewiss Jens mit sofortiger
Opposition auf ein „Tu dies nicht“ reagierte,
so gewiss führte er ein „Tu das“ getreulich
aus. Die üblich-en Grundgehorsamsübungen begriff er im
Handumdrehen und befolgte schon bald sehr manierlich das „Hier“, „Sitz“, „Bleib“, „Bring“ „Sitz
vor/Gib aus“ und „Steh“. Platz und Down war nicht
so sein Ding, aber immerhin
hatte er das |
Prinzip
schon verstanden. Und auch da war Jens erst 3 Monate alt.
In Italien werden Jagdhunderassen in aller Regel für den praktischen
Einsatz gezüchtet. Ob sie auch für den Aufenthalt in
Haus oder Wohnung geeignet sind ist keine Frage, denn sie leben
im Zwinger. Was der Jäger von ihnen erwartet ist schnelle
Ausbildbarkeit, die Fähigkeit, an irgendeinem Feldrand aus
der Box im Geländewagen entlassen sofort die Galoppsuche zu
beginnen, einige Stunden in Höchst-geschwindigkeit zu arbeiten
und sich dann wieder in den Zwinger sperren zu lassen, den sie
gewiss nicht an jedem der 55 Jagdtage des italienischen Jagdkalenders
verlassen. Und Hunde, die nie etwas anderes kennen lernen, fügen
sich meist sehr bald in dieses Schicksal. Wäre Jens, wie seine
Geschwi-ster, zu einem Jäger gekommen, hätte es all das,
was mir Kopfschmerzen verschaffte nie gegeben, denn in einem Zwinger
mit Betonboden, Maschendraht und einer Holzpritsche, ohne Kontakt
zu fremden Menschen und anderen Hunden kann ein Welpe seinem Besitzer
wenig Verdruss bereiten. Da wäre nie die Rede gewesen von
Unrast, Zerstörungswut, Hyperaktivität und so weiter,
und so fort. Vermutlich hätte sich der Jäger sogar zum
Kauf dieses Hundes beglückwünscht, der, zum ersten mal
in einem Feld, sofort auf Arbeitsmodus schaltet, führig,
lenkbar und schnell ist…
Wie gesagt, lernte Jens ein „Tu dies“ schnell und
willig. Was war also nahe liegender, als Konfliktmo-mente nicht
durch Verbote
zur Eskalation zu bringen, sondern durch Gebote in die gewünschte
Richt-ung zu kanalisieren? Klingt logisch. Der Haken ist die praktische
Umsetzung bei einem Hund, der min-destens 18 von 24 Stunden aktiv
sein will, wobei er etwa 75% dieser Aktivzeit mit Handlungen aus-füllt,
die gefährlich, schädlich für ihn oder sonst wie
unangemessen sind. Ich weiß, das klingt ein biß-chen wie
der Stoff, aus dem die Comics sind. In Wahrheit ist es überhaupt
nicht komisch. Es bedeutet nämlich, den Welpen nie, wirklich
nie aus den Augen lassen zu können, jeden der unzähligen
Ansätze zu
einer unerwünschten Tat sofort mit einem attraktiven Gegenangebot
aufzufangen. Der eigene Geist wird zum Prozessor neuer Spielideen,
denn natürlich verliert ein bestimmtes Angebot schnell an
Wirk |
-samkeit,
wenn es ständig wiederholt wird. Darüber hinaus
gibt man dem Tierchen letztlich genau das, was es so unge-bärdig
und zwanghaft fordert: permanente Aufmerksam-keit und rock
around the clock.
Ich entsinne mich des Besuches bei einer Gruppe deutscher
Jäger
und professioneller Hundeausbilder, deren Vierbein-er damals oft
in Fernsehserien auftraten. In ihrem großen, wunderschönen
Gelände gab es Bereiche für alle möglichen Ausbildungsziele,
und was mir die Hunde freudig und zwang -los vorführten, war
wirklich beeindruckend. Stutzig mach-ten mich die Zwinger.
Einer der Herren erklärte folgendes: „Hunde, mit
denen man ernsthaft arbeitet, brauchen einen klar strukturierten
Tagesablauf, der ihnen hinreichende Ruhepausen erlaubt, in
denen sie dann auch
wirklich entspan -nen. Manche Rassen, wie etwa der Border Collie,
haben damit echte Probleme. Wenn
es nach ihnen ginge, würden sie |
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bis
zum Umfallen arbeiten. Das mag für den
Schäfer, der den ganzen Tag eine große Herde bewegen
muss sehr schön sein, aber für unsere Arbeit und
für den Privatmann, der sich nur einige Stunden am Tag gezielt
mit seinem
Hund beschäftigt, ist das sehr ungünstig. Nun
kann man ein Tier nicht zu Ruhe und Entspannung zwingen.
Der Border und der Deutsch Drahthaar, die Sie hier im Zwinger
sehen,
ler-nen durch Reizminimierung nach den Trainingseinheiten
abzuschalten. Ließen wir sie mit den anderen Hunden
zusammen frei laufen, bei der Ausbildung der Kollegen zuschauen
oder nähmen
sie mit ins Haus, würden sie nur die anderen beunruhigen
und selbst in permanenter Alarmbereitschaft bleiben. Der
stundenweise Aufenthalt im Zwinger hingegen erlaubt ihnen,
sich in Ermangelung
an Stimuli allmäh -lich zu sammeln. Für Hunde,
die körperlich
und geistig ständig in Bewegung sein wollen, ist der
Zwing-er anfangs kein Vergnügen. Aber nach ein paar
Wochen merkt man dann, dass sie fast froh sind, nach Training
oder
Einsatz
dort hinein gebracht zu werden. Vielleicht kann man sie mit
einem menschlichen workaholic vergleichen, der sich zwanghaft
in
seine Arbeit stürzt und einfach nicht aufhören
kann, solange seine Energie reicht, obwohl er genau weiß,
dass er sich die Gesundheit damit kaputtmacht. Andererseits
ist so
ein Mensch
auch dankbar, wenn ihn mal jemand mit sanfter Gewalt für
ein paar Stunden aus der Tretmühle holt. Ich denke, übermäßig
aktive Hunde sind genauso. Man kann sie, die sowieso nicht
im Gleichgewicht sind, diesen inneren Zwang nicht einfach
unkontrolliert ausleben lassen. Von den Konsequenzen für
ihren privaten Führer mal ganz zu schweigen. Vorausgesetzt,
man wechselt bei diesen Hunden ab dem Welpenalter normale
Aktivphasen mit rigorosen Ruhephasen ab, hat man
mit etwas Glück im 2. oder 3. Lebensjahr einen Hund
an der Seite, der sein Problem so weit in den Griff bekommt,
dass
er für
das ungeübte Auge ganz normal und ausgeglichen erscheint.“
Durch Jens kam ich zu dem Schluss, dass ein Zwinger in bestimmten
Situationen vielleicht gar keine so schlechte Sache ist. Leider
hatte ich keinen Zwinger und auch nicht die Möglichkeit,
einen bauen zu lassen.
Also rief ich den Züchter an, um ihm meine Schwierigkeiten
und Zweifel zu erklären. Der Herr Dok-tor winkte ab. Ja,
die Welpen dieses Wurfes seien alle etwas zu lebhaft, aber das
würde sich
viel-leicht noch legen. Ich könnte im nächsten Frühjahr
ja einen weiteren Kurzhaar von ihm nehmen, aus einer etwas ruhigeren
Verbindung, damit Jens Gesellschaft und damit mehr Möglichkeiten
zum Dampf ablassen hätte.
Das Beunruhigende an dieser Auskunft war, dass selbst die Jäger,
die Jens' Geschwister übernommen hatten
und sie im Zwinger hielten (Information des Doktors), die übertriebene
Lebhaftigkeit, Hyper- aktivität, Nervosität oder wie man es
nun nennen will überhaupt bemerkten. So ein "kleiner Makel"
kann
einem bei der landesüblichen Jagdhundehaltung, wie vorhin schon
erwähnt, durchaus entgehen. Auch die Tatsache, dass offensichtlich
der gesamte Wurf des "unruhigen", freilich bei Prüfungen
sehr erfolgreichen Elternpaares auffällig war, verhieß
nichts gutes.
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Tatsächlich legte
sich Jens’ „Lebhaftigkeit“ nicht wunderbarerweise
von allein. Die Ei-genschaften und Anlagen, die er mit 45
Tag-en von daheim schon
mitgebracht hatte, ent-falteten sich im Laufe der nächsten
Monate systematisch, wie ein Programm, dessen Code
niemand knacken konnte.
Sein Verhältnis zu anderen Hunden, deren Gesellschaft er unbedingt
suchte, wurde im-mer unerfreulicher, da der Spaß für
ihn ganz klar darin bestand, sie alle niederzu-machen – nicht
bösartig, aber eben mit voll-kommener Rücksichtslosigkeit.
Sie alle kapi- |
tulierten
früher oder später. Oder mieden ihn.
Unglücklicherweise traf Jens auch niemals auf einen Artgenossen,
der ihm kräftig eins auf den Deckel gab. Jonas, der den
mittlerweile gleichgroßen Jung-hund keine Spur mehr unterhaltsam
fand, und leider auch gesundheitlich wieder auf Talfahrt war,
zog sich einfach in sich selbst zurück. Ein Umstand der
zum Auslöser wurde, einen neuen Besitzer für
Jens zu suchen.
Seine Fähigkeiten bei der Zerstörung des Hauses erreichten
mit wachsender Rückenhöhe, Körperkraft und Ausbildung
starker neuer Zähne ungeahnte Ausmaße. Nicht aus Langeweile.
Denn sogar wenn wir von einem langen Ausgang mit viel Freilauf, Suchen
und Gehorsamsübungen heimkamen, rollte er sich auf dem Hundebett
auf die Seite, und begann rastlos zentimetertiefe Löcher zwischen
die großen Na-tursteine der Zimmerwand zu graben. Und am Ende
griff ich zu einem Mittel, das ich bis dahin nicht einmal gekannt
hatte: ich borgte mir den Zimmerkäfig des Border Collie Besitzers,
dessen Hund die ersten zwei Jahre des Lebens im Heim seines Herrn
darin verbracht hatte; aus denselben Gründen übrigens,
aus denen Jens einzog, sobald ich Verwüstungen der Wohnung
nicht direkt unterbinden konnte.
Sein Zerstörungspotential kam natürlich auch zum Zuge,
wenn ich ihn meiner Gegenwart beraubte. Oder er nicht die volle Aufmerksamkeit
erhielt, die er von Besuchern im Haus forderte. Dabei schien es ihm
nie wirklich um die Person selbst zu gehen. Eher, glaube ich, waren
wir allesamt belebte Objek-te, die seine unstillbare Sucht nach Aktivität
stimulierten und befriedigen sollten. Klar, dass die mei-sten Gäste
dankend ablehnten. Doch selbst wenn jemand sich mal darauf einließ,
war das Resultat dürf -tig, weil Jens ihm genauso wie
mir das frustrierende Signal sendete: es ist nicht genug, und
es ist
nicht
das Richtige und überhaupt, ich bin nicht zufrieden…
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Genau
genommen war das Richtige für ihn nur eines: auf offenen, weiten
Wiesen Vögel zu suchen. Fatal-erweise kann man das
nicht rund um die Uhr tun. Überdies fand Jens es mit zunehmendem
Alter lang-weilig nur irgendwelche kleinen Vögelchen und
kaum echtes Federwild zu finden, und der Suche im Wald, wo es
nur Sauen, Füchse und ein paar Dachse gab, konnte
er nie etwas abgewinnen.
Mittlerweile am Ende mit meinem Latein, hatte ich deutsche
Kurzhaarbesitzer kontaktiert, um deren Erfahrungen kennen
zu lernen. |
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Ihre
Aussagen und Ideen waren sehr interessant, aber
zum Teil auch widersprüchlich.
Klar, man kann schließlich nicht alle Vertreter einer Rasse über einen
Kamm
scheren. Auch müssen ähnlich erscheinen-de Symptome nicht dieselbe
Ursache
haben, und folglich muss die Medizin, die beim einen wirkt, nicht zwangsläufig
auch den anderen kurieren.
Jens steuerte derweil auf seine Pubertät zu. Er war nun sieben Monate alt
und schaltete bisweilen längere Phasen der relativen Ruhe ein, so dass
unser
Leben oft über etliche Tage normal verlief. Keine Randale, kein Stress,
nur ein sehr temperamentvoller doch gehorsamer Junghund, der nichts zerstörte
und draußen tat, wie ihm geheißen wurde.
In einer solchen Periode besuchte uns ein italienischer Freund und Jäger,
den ich gebeten hatte, Jens einmal unter die Lupe zu nehmen. Er war von dessen
Gehorsam und Arbeitseifer entzückt, doch fest stand auch: Jens brauchte
unbedingt einen Jäger als neuen Besitzer. Die beiden großen
Pluspunkte des jungen Kurzhaar waren von Anfang an seine gute Ausbildbarkeit
und seine Passion für die Suche in Wiesen und Feldern gewesen, und nur ein
Jäger würde ihn dort angemessen ausbilden und einsetzen können.
Adieu, Idee von Jens dem Jagdbegleithund – nein, er war kein Hund für
die Jagdsimulation, er brauchte echte Arbeit.
Einen Hund, den man von klein auf bei sich hat, sei er auch noch so problematisch,
tatsächlich abzu-geben, fällt schwer. Während ich in Deutschland
nach einem geeigneten neuen Meister für ihn suchte, hielt ich deshalb trotzdem
noch an der Hoffnung fest, Jens könne nach der Pubertät ein bisschen
ruh-iger werden und bei uns bleiben, denn die gelegentlichen stressfreien Perioden
wiesen
ja
in
diese
Richtung. |
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Dann überstürzten
sich plötzlich die Ereignisse. Jo-nas ging es auf einmal
so schlecht, dass das Einschläf -ern für den nächsten
Tag anstand. Zeitgleich drehte Jens mal wieder so richtig
auf. Jonas erwachte zwar rechtzeitig vorm Tierarzttermin wieder
von
den Sterbenden und erholte sich, dafür begann der kürz
-lich gefundene Setter Senior Jules Blut zu urinier-en und verlangte
dringend nach tierärztlicher Hilfe. Und dann klappte ich zusammen.
Ruhe, null Stress oder Krankenhaus, urteilte der Doktor. Krankenhaus,
und die Hunde bleiben allein daheim? Wohl kaum. |
Der
Tierschutz erklärte sich bereit, Jules nach Deutschland
zu bringen. Michaela, eine Jungjägerin und angehende Försterin
aus Deutschland holte Jens als Geschenk aber auf eigene Reisekosten
mit dem Flugzeug ab, und so leid es mir tat, die beiden ziehen
zu sehen, so erleichtert war ich, mich in den letz -ten Monaten,
die meinem 14 jährigen Jonas noch bleiben würden,
ganz und gar und ohne jede Hektik um ihn kümmern zu können.
Für Jens brachen harte Zeiten an. Wegen organisatorischer
Pannen auf italienischer Seite musste er zunächst zwei
Wochen in Jules’ Gesellschaft in einer Hundepension auf
seine Ausreise warten. Der Aufenthalt im Zwinger, wenig äußere
Reize und die komplette Veränderung seiner Lebensumstände
ga-ben ihm vermutlich den ersten Dämpfer seines Lebens,
gegen den er nicht aufbegehren konnte. Von der kurzen, für
ihn aber wohl recht traumatischen Flugreise erholte er sich
erst
allmählich.
Und dann trat er, gewissermaßen noch unter Schock, in einen
Haushalt ein, in dem zwei erwachsene Setter regierten,
die ihm
von Stund an demonstrierten,
dass er hier nichts, aber auch rein gar nicht zu sagen hatte.
Hunde, die sich nicht von ihm herumschubsen ließen, sehr entschlossen
ihre eigenen Dominanzansprüche durchsetzten, noch dazu mit
voller Unterstützung der Gruppe, denn die neuen Besitzer waren
ja
genau -estens über
Jens' Gewohnheiten und Strategien informiert worden, Jens allein
gegen den Rest der fremden, strengen neuen Welt. Krasser könnte
die Talfahrt zum Underdog wohl schwerlich ausfallen… |
English
Setter Sancho nahm Jens gleich mehrmals ordentlich in die Mangel,
und gemeinsam
mit Gordon Hündin Feli, der Nummer zwei im Haus, machte
er dem Neuling auch sofort klar, dass Gegenstände mitnichten
dazu bestimmt waren, von ihm bekaut, zerrissen und gefressen
zu
werden, es sei
denn, sie wurden ihm von den menschlichen Chefs ausdrücklich
zugeteilt.
Um häuslicher Verwüstung vorzu-beugen, kam Jens trotz
der vierbeinigen Wachhabenden nachts und teilweise auch tagsüber,
wieder in einen Zimmerkäfig. |
Jäger,
die einen Hund für den praktischen Einsatz brauchen,
müssen
bei der Ausbildung auf Verläss-lichkeit hinarbeiten,
und einer der vielen Wege zum Ziel führt über absolute
Disziplin, Strenge, einen genau strukturierten Tagesablauf
und die
Mittel und Bedingungen, um all dies durchzusetzen.
Den
neuen Besitzern nützte die gute allgemeine Vorbildung
des Kurzhaar zunächst
recht wenig, da Jens ihnen keine Gehorsamspflicht schuldete.
Zu unterstreichen ist natürlich auch, dass der Kurzhaar
bei
mir "nur" eine Ausbildung zum Jagdbegleithund begonnen
hatte. |
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Michaela
wagte nur sechs Wochen nach Jens’ Über-nahme trotzdem
die Prüfung für
die Kurzhaarjugend mit ihm, und er bestand mit Durchschnittsnoten.
Traurigerweise folgte dieser frohen Kunde auch so-fort
eine Hiobsbotschaft. Auch Michaela bezweifel-te bereits,
dass
Jens Charakter sie überzeugen
könn -te, ihn für den Rest seines Lebens zu behalten.
Da wir uns darüber einig waren, dass es für den
Men - schen, der mit Jens leben und jagen wollte, wichtig
sei, ihm
auf dem
Wege des gemeinsamen Fortschritts bei der Ausbildung näher
zu kommen, hätte ich an diesem Punkt der Geschichte
gern sofort ein neues Zuhause für ihn gesucht, nur
lag das nicht mehr in meiner Entscheidungsgewalt. Ich musste
Schritte dieser Art nun seinem Frauchen in Deutschland üb-erlassen.
So blieb Jens fast 10 Monate bei ihr, machte Fort-schritte
bei seiner nicht
immer leichten Ausbildung, erlebte den Auszug von Gordon Feli mit, die sich als |
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für die
Jagdpraxis erwiesen hatte, den Einzug eines Irish Setter Welpen
aus jagdlicher Zucht und kam mit Unterstützung
aller Vier- und Zweibeiner
der Familie allmählich zur Ruhe. Im Herbst seines zweiten Lebensjahres
bestand er die Eignungsprüfung als zuverlässiger Jagdgebrauchs- hund.
Nur änderte
das alles sein Wesen nicht genug, um ihm einen sicheren Platz im Setter Haushalt
einzubringen. Ende Dezember 2007, kurz nach Jonas Tod, schrieb Jens’ Frauchen
mir, dass ein neuer Besitzer mit passendem Niederwildrevier den Deutsch Kurzhaar übernommen
hatte.
Ich hoffe sehr, dass dieser Jäger Jens nicht nur führig und
jagdlich brauchbar findet, sondern auch liebenswert, und ihm genügend Stabilität
verschafft, damit dieser glücklose Hund endlich in seinem eigenen
inneren Zuhause ankommen kann. |
Fotos: 1-10 Sabine Middelhaufe; 11-14 Michaele Kuntzsch
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