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Deutsch Drahthaar Luna (Teil 2)
Von Sabine Middelhaufe
Sehr viel faszinierender fand Luna da die Entdeckungen auf dem Abendspaziergang, denn als wir Nachbars Stall passierten, meditierten gerade deren drei Enten auf dem Zaun. Der Welpe blickte ganz gebannt zu den Vögeln, die sich kein bisschen stören liessen, und versuchte löblicherweise auch nicht, sie aufzuscheuchen.
Anders sah die Sache bei den Hühnern aus, die in typischer, hysterischer Flucht lautstark das Weite suchten. Ich denke, da wären beide, Julian ebenso wie Luna, gern mal hinterher gegangen...
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Die Abendrunde auf den Heuwiesen bestätigte sehr eindeutig, wie selbstverständlich sich die kleine Hündin längst an ihrem vierbeinigen Vorbild orientierte. Rannte Julian in den Klee, wetzte Luna garantiert hinterher. Überquerte er den schmalen Acker, folgte sie auf dem Fusse, obwohl bereits die morgendliche Erfahrung sie gelehrt hatte, wie anstrengend das ist. Kam er zu mir und setzte sich, plumpste Luna prompt neben ihm aufs Hinterteil. Sogar in eine tiefe Senke im Bach lief sie ihm nach und war keine Spur geschockt, dass sie im Gegensatz zu ihm im kühlen Nass nicht mehr stehen konnte...Logisch, dass sich die beiden auch im Duett kratzten, gähnten, tranken - und Ruhepause hielten. |
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Diese Bereitschaft und Fähigkeit des Welpen, nach der Aktivphase auch ganz selbstverständlich abzuschalten und in entspannten Tiefschlaf zu fallen, fand ich (und ich nehme an auch Julian) sehr angenehm. Draussen flitzte die Kleine zwar durch die Gegend, tobte, schnüffelte, untersuchte, zeigte eine Menge Schneid und Abenteuerlust und auch eine amüsante Dosis Eigensinn, aber kaum optierte Julian im Freien für einen "Boxenstopp" an meiner Seite, war auch Luna sofort bereit, sich herunter zu bremsen, und entsprechendes galt zuhause. Heimgekehrt wurde getrunken, vielleicht der Quietsche-Pluto noch mal bekaut oder die Elchdecke im Körbchen vehement totgeschüttelt, doch ehe ich es recht merkte, schlief Luna schon auf ihrem momentanen Lieblingsplatz. |


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Sicher, wenn sie wieder erwachte wollte sie action, suchte sich dafür indes (und vielleicht aus Gewohnheit) Objekte, statt ihre Mitgeschöpfe zu terrorisieren. So konfiszierte sie zum Beispiel einen alten Kauknochen aus der Fensterbank, schleppte etliche Stücke Feuerholz an, die neben dem Ofen in einem grossen Korb auf den Herbst warten, traktierte Julians Quietschknochen, beutelte die Elchdecke, beäugte mit eindeutig kriminellen Absichten das PC Kabel (Einspruch meinerseits) und buddelte auch mal in der Sofaecke nach imaginären Füchsen. Allerdings, wer je einen wirklich unruhigen, unausgeglichenen Welpen im Haus hatte, weiss, dass Lunas Grosstaten nichts sind im Vergleich zum Flurschaden (von den Schäden am menschlichen Nervenkostüm ganz zu schweigen!) die ein vierbeiniger Hooligan binnen einer halben Stunde anrichtet.
Für meinen Geschmack jedenfalls war Luna ein erfreulich aufgeweckter, unternehmungslustiger Welpe, dem Mutter Natur darüber hinaus eine zuverlässige innere Bremsanlage mitgegeben hatte, von der das kleine Hundetier willig Gebrauch machte.
Das galt auch bei den Erkundungsgängen draussen. Luna war höchst begeistert, alles genau unter die Lupe zu nehmen und selbst auszuprobieren, nur sagte ihr irgendeine innere Stimme im rechten Augenblick, wann sie ihre vorwitzige kleine Nase weit genug vor gewagt hatte, und dann zog Luna sich samt Nase ganz instinktiv zurück. Überhaupt keine Konkurrenz für manche meiner früheren Gordon Setter, die echte Katastrophenhunde waren, weil sie Distanzen, Tiefen, natürliche Umweltgefahren einfach nicht abzuschätzen wussten (oder die innere Alarmanlage ignorierten). Luna ging, was immer sie tat, selbstbewusst und zielstrebig an, aber ohne sich in die Sache zu sehr hinein zu steigern. So fand sie auch auf der Wiese nach Mäusen zu buddeln eine dankenswerte Ablenkung, nur fühlte sie sich nicht berufen, non-stop zum Mittelpunkt der Erde zu graben, wie andere Welpen das gern mal versuchen. Die einzige Aktivität, bei der sie wirklich aus dem Häuschen geriet und trotzdem lenkbar blieb, war die Suche nach dem berühmten Hasenfell. Ich war schon sehr gespannt, wie sie am nächsten Tag auf die Bekanntschaft mit meinen Wachteln reagieren würde. Dummerweise machte uns das Schicksal einen Strich durch die Rechnung... |
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Alle Fotos: Sabine Middelhaufe
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