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Deutsch Drahthaar Luna (Teil 1)
Von Sabine Middelhaufe
Auch Jägerfamilien müssen mal Urlaub machen, und so kam die zweimonatige DD Hündin Luna mit Körbchen, Plüschtier, Quietsche-Pluto und so weiter zu uns. Die erste Begegnung mit ihrem Babysitter, Julian, verlief kurz und entschlossen - Luna sprintete nämlich unverzüglich den Tisch hinauf und schaute von oben ziemlich skeptisch auf den Großen. Das war allerdings das erste und letzte Mal, dass sie entschied, ihn fürchten zu müssen... man kann Rüden ja so herrlich und ungestraft quälen...
Bei DD in Jägerhand, erst recht in Italien, denkt man fast automatisch an Zwingerhaltung.
Na ja, schon Lunas "Reisegepäck" belehrte mich diesbezüglich eines besseren, aber als sie dann anfing, ihr Feriendomizil zu inspizieren war ich doch platt. Nichts brachte sie aus dem Lot. Die schleudernde Waschmaschine wurde mit schief gehaltenem Köpfchen kurz beäugt und damit war das Thema erledigt. Dito der Kühlschrank, der in regelmäßigen Abständen Schüttelfrost hat. Als aus dem PC Hundegebell ertönte war Luna zwar versucht, in den Bildschirm zu springen, aber nur, weil sie nachschauen wollte, wo zum Teufel die Hunde steckten. Selbst die steile Flurtreppe meisterte sie wie ein Profi (musste sich auf der Rückreise allerdings von mir nach unten tragen lassen). Möbel betrachtete Luna keineswegs als Hindernis, ganz im Gegenteil nutzte sie sie geschickt als Zwischenstopp um auf Fensterbänke und Bücherregale, Sofa und Sessel zu gelangen. Sehr zu meines Braccos Leidwesen, der sich um seinen Chefsessel betrogen sah. Allerdings und gottlob nicht um seine Funktion als Anführer, denn wohin er ging, Klein Luna folgte ihm wie ein Schatten.
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Das erleichterte mir die Arbeit des Gassigehens natürlich enorm. Statt einen Welpen, der mich noch nie in seinem kurzen Leben gesehen hatte, irgendwie überreden zu müssen, mich doch bitte in dunkler und stürmischer Nacht an der Leine auf die Wiese zu begleiten, um dort, und nicht schon wieder in der Küche, seine Geschäfte zu erledigen, brauchte ich nur Julian voraus zu schicken und der Welpe trottete willig genug mit. Was wieder mal beweist, wie wichtig und natürlich es für junge Hund ist, einem älteren zu folgen, dem sie vertrauen - ganz ohne Leckerlis und Teufelstanz.
Am Morgen nach der Ankunft "führte" Julian den DD Welpen auf die Heuwiesen hinterm Dorf, und ich zögerte nur eine Sekunde, ehe ich sie von der Leine liess. Es war einfach so offensichtlich, dass sie trotz fremder Umgebung im Kielwasser des Großen mitlaufen und nicht panisch oder verunsichert die paar Meter zur Haustür zurück rennen würde.
Da Luna natürlich noch keine langen Strecken am Stück laufen sollte, hatte ich in weiser Voraussicht einen Dummy eingepackt, um auf den Wiesen mit ihr spielen zu können. Sie fand das Ding auch ganz chic, aber so richtig anziehend wurde es erst, als Julian die Sache in die Hand nahm, und Luna Dummyjagd lehrte. Ich schätze, er sammelte einen dicken Pluspunkt bei der Kleinen, als er ihr den Jutesack am Ende überliess... |
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Das hatte freilich nichts mit gutem Benehmen seinerseits zu tun. Es war der Eröffnungstag der Wildschweinjagd und durchs Tal hallte das Geläut der Laufhundemeuten, der gelegentlichen Gewehrschüsse, und all das findet Julian ja höchst anziehend. Er galoppierte also zielstrebig einen Acker hinauf wo, wie ich erst jetzt mitbekam, ein Schütze in roter Warnweste harrte, blieb stehen, schaute zu Luna und die setzte ohne zu zögern zum Spurt an. Ich wundere mich in solchen Momenten immer, wie einfach Hundeerziehung sein kann: eine deutliche Bewegung, ein auffordernder Blick und der Welpe "gehorcht" - dem erwachsenen Hund.
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Just in dem Moment passierte ein Rothuhn im Tiefflug, und der freundliche Jäger erklärte mir zwei Minuten später, dass Julian die da hinter den Büschen gesucht, vorgestanden, dann aber mit dem berühmten "Schritt zu viel" hochgemacht hatte. Schade. Dabei sah es bei dem Fasan einige Tage vorher ganz so aus, als hätte Julian die Geschichte mit der Distanz endlich begriffen....
Bedauernd erzählte mir der Schütze auch, dass ich wohl keine Chancen hätte, Meute und Wildschweine zu Gesicht zu bekommen, da sich beide Entitäten gerade wieder von uns weg bewegten. Luna kümmerte das wenig; sie verfolgte gerade in eigener Sache ein Geruchsrätsel auf dem Acker. Vielleicht Julians Fährte, vielleicht hatte sie etwas anderes Spannendes entdeckt. Jedenfalls unterbrach sie ihre Spurensicherung für keine Sekunde, als knappe 300 m entfernt ein Gewehrschuss krachte und echote. Das bedeutet zwar noch lange nicht, dass sie schussfest ist, aber manch anderer Welpe, der dieses laute Geräusch nicht kennt, hätte zumindest zweifelnd aufgeblickt. |
Nachmittags lernte Luna dann den ersten Hasendummy ihres jungen Lebens kennen, und wusste, kaum dass das Fell aus dem Rucksack war: das ist Beute!
Selbst unerfahrene erwachsene Hunde betrachten so ein Fell oft mit Skepsis oder finden die weiche Wolle im Fang eher weniger amüsant. Luna hingegen packte ihre Beute sofort und zerrte, schüttelte und rupfte mit Elan. Mir das wunderbare Etwas am Ende überlassen zu müssen gehörte freilich nicht zu ihren Plänen. Sie stob entschlossen mit dem "Hasen" von dannen und kam erst kleinlaut zurück, als ich mich ebenso entschlossen in die entgegengesetzte Richtung von ihr entfernte. Interessanterweise hatte sie mir morgens auch Dummy, Stöckchen und Ball nicht wieder zurück gebracht, sondern sich damit eilig aus dem Staube gemacht. Vielleicht lag es einfach daran, dass sie sich nicht verpflichtet fühlte, Beute mit mir zu teilen. Da Luna aber schon ein Praxis erprobter Müllschlucker ist, kann es natürlich auch sein, dass Herrchen Jäger im Bestreben, dem Welpen ungeeignete "Futtermittel" aus dem Fang zu nehmen da ungünstige Assoziationen in ihrem Köpfchen geschaffen hat.
Der Hase kam jedenfalls an die Leine, und Luna legte sich mächtig ins Zeug, ihn trotzdem abzuschleppen, was natürlich nicht klappte. Die Kraft, mit der ihre Zähnchen die Beute unbeirrt festhielten, als ich sie ihr schliesslich abnahm, war erstaunlich. Fast überflüssig zu sagen, dass sie kein Leckerli als Tauschobejkt annahm. Sie wollte ihren Hasen und sollte doch der Bracco die blöden Markies fressen! |
Aber in meiner Rucksack-Wundertüte steckte ja noch eine weitere Überraschung für Luna: eine Abwurfstange vom Rehbock. Dass die garantiert noch sehr intensiv und verlockend duftete, hatten diverse Hunde bei der Geruchsprobe bewiesen. Ich warf die Stange also hoffnungsvoll vor Lunas Augen in die Wiese, sie setzte hinterher - und rannte glatt daran vorbei. Zweiter Versuch. Null Interesse. Zu guter letzt hielt ich ihr die Stange selbst hin, sie schnüffelte, kaute halbherzig die Stelle mit den Rehhaaren an und spuckte das Ding rasch wieder aus. Definitiv nicht ihr Geschmack. |
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Alle Fotos: Sabine Middelhaufe
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