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Italienische
Hunde zur Vivisektion nach Deutschland?
Von
Sabine Middelhaufe
In den italienischen Medien kursieren seit Jahren immer wieder Gerüchte
über Hunde, die zwecks Vi-visektion und ähnlichem Missbrauch
nach Deutschland gebracht werden.
Alles nur böse Zungen? Vorurteile? Nein, so simpel ist die
Sache leider nicht und verdient aufmerk-same Betrachtung. Wie entwickeln
sich derartige Nachrichten? Auf welchen Informationen beruhen sie?
Welche Reaktionen bewirken sie?
Beginnen wir mit einem Artikel aus der landesweiten italienischen
Tageszeitung Corriere della Sera vom 5.7.2006, der - wieder
einmal - den Stein ins Rollen brachte:
(Alle hier zitierten Beiträge aus der italienischen
Presse sind sinngemäß und nicht in voller Länge
übersetzt.)
Illegaler
Handel mit herrenlosen italienischen Hunden
Illegaler Handel mit Tierheim-Hunden, die als Versuchstiere für
"chirurgische oder pharmazeutische Experimente in Deutschland
enden".
Was für
Tierschützer jahrelang bloß ein Verdacht war, wird nun
in den Akten zweier Untersuchungen Gewissheit, die die Magistraturen
in Brescia und Bozen einleiteten. Ermittelt wurde gegen 10 Person-en,
darunter die Verantwortlichen von Vereinen die mehrere Tierheime
betreiben sowie gegen zwei Tierärzte. Die Anschuldigungen lauten
auf Vereinigung mit verbrecherischer Fälschungsabsicht, schwe
-rem Betrug zur Erlangung öffentlicher Gelder und Misshandlung
von Tieren.
Die Untersuchung begann schon im Oktober 2004 als eine Streife der
Spezialeinheit Nas (Nucleo antisofisticazione) auf
der Autobahn A4 im Raum Brescia zwei LKWs und den Personenwagen
eines Tierheims in der Lombardei [Norditalien] anhielt. In den Fahrzeugen
befanden sich dicht gedrängt 50 Hunde. "Sie werden in
Deutschland adoptiert," erklärten die Fahrer. Als die
Sondereinheit im be-treffenden Tierheim und anderen mit ihm verbundenen
Institutionen die Dokumente kontrollierten, stießen sie allerdings
auf verdächtige Ungereimtheiten. Z.B. unkorrekte Zahlangaben
über Tiere, die offiziell an Privatpersonen vermittelt worden
waren. Die Verantwortlichen rechtfertigten sich mit "formalen
Ungenauigkeiten". Nach Ansicht der untersuchenden Polizisten
hingegen waren dies erste Beweise für einen Betrug auf Kosten
der Gemeinden, Betrug, der einen internationalen Hundehandel verstecken
könnte. Denn im allgemeinen bezahlen die Gemeinden die Betreiber
von Tierheimen entwe-der für die Haltung der herrenlosen Tiere
(einige Euro pro Tag und Hund) oder für jeden regulär
ver -mittelten Hund (in der Lombardei 40 Euro pro Tier). Jemand
könnte deshalb,so der starke Verdacht, mit den Zahlen gespielt
haben, um mehr Geld von den Gemeinden zu erhalten.
In Schwierigkeiten gerieten auch zwei Tierärzte wegen vermutlich
falschen Impfbescheinigungen, die für die Ausstellung des Europäischen
Gesundheitspasses erforderlich sind, ohne den die Tiere nicht ins
Ausland reisen können.
Ein Jahr später, 2005, wurde dann zufällig ein anderer
LKW am Brenner angehalten, Bestimmungsort: Deutschland. Drinnen
ein Dutzend Hunde, die ohne Wasser und Futter reisen mussten, in
engen Käfig-en eingesperrt oder frei, so dass sie sich gegenseitig
angreifen konnten. Der Fahrer, der in Verbind-ung zu einem der anfangs
untersuchten Vereine stand, wurde bei der Staatsanwaltschaft von
Bozen wegen Tierquälerei angezeigt. Aus den Gerichtsunterlagen
geht hervor, dass die Hunde in Deutschland für 200 - 300 Euro
hätten verkauft werden können, und man hypothetisiert,
dass sie in der deutschen Vivisektion geendet wären, oder für
Experimente chirurgischer Techniken und Pharmaka bestimmt waren.
"Seit 20 Jahren spricht man diese Verdächtigungen gegen
Deutschland aus. Beweise wurden nie ge-funden, nur ein Ausreiseverkehr,
der wegen der enormen Zahl der betroffenen Hunde verdächtig
ist, und der in keinem Verhältnis zu den Aufnahmemöglichkeiten
Deutschlands steht," klagte Gianluca Fe-licetti, Präsident
der Lega Antivivisezione (LAV). Er erinnerte auch daran,
dass jemand, der in der BRD einen Hund rechtmäßig adoptieren
will, der Institution, die das Tier bisher unterhielt bis zu 350
Euro Unkosten erstatten muss. Eine Einnahme, die mit Hilfe italienischer
Komplizen zu Spekula-tionen verführen könnte. "Wir
sind gegen jede Form der Vivisektion, wissen aber auch, dass die
legal autorisierten Experimente nur mit genau ausgewählten
und kodifizierten und zu diesem Zwecke ge-züchteten Tieren
durchgeführt werden, ganz gewiss nicht mit Streunern. Diese
armen Hunde könnten in völlig illegalen Experimenten niedrigen
Ranges enden."
In Italien gehen jährlich 500 Millionen Euro öffentlicher
Gelder an die fast 1000 Tierheime des Lan-des. Eine Struktur, die
1000 Hunde beherbergt kann bis zu 2,5 Millionen Euro pro Jahr erhalten,
denn außer der Grundfinanzierung bezahlen die Gemeinden in
deren Territorium sich das Heim befin-det, wie bereits erwähnt
pro Tag und Hund mindestens 2 Euro oder 40 Euro pro vermitteltem
Hund.
Was die Carabinieri aufgedeckt haben, dürfte nur die Spitze
des Eisberges sein, sollte jedoch keinen ungerechtfertigten Schatten
auf die Arbeit tausender Freiwilliger werfen, die sich mit echtem
Ein-satz und viel Liebe gratis um herrenlose Tiere kümmern.
Soweit der Corriere della Sera. (Quelle: CORRIERE
DELLA SERA 05/07/06)
Diesen
Zeitungsartikel sollten wir sorgsam verdauen.
Zunächst einmal fand man, wie in allen bisherigen Fällen,
keinerlei Beweise dafür, dass aus Italien aus -geführte
Hunde in Deutschland tatsächlich in Versuchslabors dieser oder
jener Art wandern. Tierschützer die ihr Fach verstehen wissen
ganz genau, dass Bayer & Co. für ihre Versuche keine Streuner
benutzen. Zum einen verbietet es die deutsche Gesetzgebung, zum
anderen müssen die Tiere ganz präzisen Richtlinien entsprechen,
die ein vielleicht mit Leishmaniose oder Filaria infizierter ital
-ienischer Tierheimhund dubioser Herkunft sicherlich nicht erfüllt.
Aber selbst seriöse Organisationen wie etwa die Lega Antivivisezione
fragen sich: wo bleiben die Un-mengen von Hunden, die jährlich
nach Deutschland exportiert werden?
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| Einige
Streuner gelangen in Tierheime und von dort vielleicht nach
Deutschland - in liebevolle Hände oder illegale Versuchslabors?
Foto: Cova |
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Einverstanden,
die Deutschen sind
Hundenarren und so mancher hält gleich zwei oder drei Tiere.
Doch irgendwann ist auch das "Fassungsvermögen" der
BRD erschöpft, die überdies Bestimmungsort nicht nur
italienischer, sondern auch spanischer, griech-ischer, osteuropäischer
Vierbeiner ist. Und da kommt eben auch den wohlmeinenden Tierschützern
ein Zweifel: Experimente mit "Straßenhunden" sind
gesetzlich verboten, nur: wie steht es mit den Kon-trollen? Was
geschieht
mit den Tausenden von il-legal nach Deutschland eingeführten
Hunden aus Südeuropa und der Türkei? Verschwinden sie
mög-licherweise
unbemerkt und auf Nimmerwiedersehen in illegalen Labors? |
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Eine dringende
Frage, die ohne Antwort bleibt. Was hingegen offensichtlich wird,
ist, dass in Italien ein offizielles Tierheim
zu betreiben unter Umständen eine einfache Rechenaufgabe
wird: je mehr Hunde man unterbringt und je mehr man offiziell
vermittelt,
desto mehr Geld gibt es von Vater Staat, der einem zuvor das Gelände
besorgt und den Bau der äußeren Struktur finanziert
hat.
Nach Angaben des italienischen Gesundheitsministeriums lebten im
Januar 2007 insgesamt 5.350.000 registrierte Haushunde im Lande
(Zahl der nicht registrierten Tiere unbekannt) sowie 690.000 er-fasste
Streuner (laut nationalen Tierschutzorganisationen wie etwa der
LAV sind es weit über 1 Mil-lion), von denen rund 230.000 in
Tierheimen untergebracht waren. Das könnte, wie die polizeilichen
Ermittler vermuten, durchaus Anlaß für Spekulationen
bieten.
Einen Tag nach
Erscheinen des oben zitierten Artikels im Corriere della Sera,
meldete sich im Cor-riere dell'Alto Adige in Bozen Ester
Valzolgher von der Lega Antivivisezione zu Worte:" Der
illegale Tierhandel blüht bedauerlicherweise und muss gestoppt
werden."
Die Bozener Zeitung fährt fort:
Einige illegale Ladungen mit Hunden zu deutschen Labors aufgedeckt.
Der illegale Hundehandel ins Ausland weckt neuerlich die Aufmerksamkeit
nicht nur der Tierschützer sondern auch der öffentlichen
Meinung. Die von der Magistratur Brescia und Bozen eröffneten
Unter -suchungen rufen lebhafte Reaktionen auch bei uns hervor.
Der illegale Handel mit Hunden, die in Ita-lien herrenlos aufgegriffen
wurden und die in Deutschland als Versuchstiere für chirurgische
Experi-mente enden ist leider eine brutale Wirklichkeit, die mit
allen Mitteln bekämpft werden muss. Der stellvertretende Prokurator
von Bozen, Markus Mayr, wies allerdings auch darauf hin, dass ein
nach Deutschland reisender Welpentransport, der einige Monate zuvor
mit dem Verdacht angehalten wor-den war, Tiere für die Vivisektion
nach Deutschland zu bringen, sich nach genauen Untersuchungen als
legal und harmlos herausgestellt hatte. Keineswegs alle ins Ausland
gebrachten Hunde enden in Labors. Es gibt auch Organisationen, die
wirkliche Adoptionen durchführen. Aber jetzt ist es die Magistratur
in Brescia, die Klarheit über den Verkehr auf der Brenner-Route
schaffen will. Und Ester Valzolgher erinnert: "Es existieren
sehr geschickte Organisationen und wir müssen auf der Hut bleiben."
(Quelle:
Corriere dell'Alto Adige)
Leider bleibt
auch die Bozener Tagespresse ihren Lesern den Beweis schuldig, dass
Hunde wirklich in deutschen Labors ihr Leben lassen. Es mag der
Tatbestand illegalen Tierhandels vorliegen, nur schein-en diese
ans Licht tretenden Probleme vor allem in Italien selbst zu liegen.
Und so erfährt der Leser in Merate online am 16.8.2006
unter dem Stichwort Tagesgeschehen folgendes:
Hundehandel
für die Vivisektion, Betrug und Einschüchterung: Im Visier
der Staatsanwalt-schaften von Mailand, Brescia und Bozen sogar das
Tierheim von Merate für verdächtige Unregelmäßigkeiten
zwischen 2003 und 2004.
Zehn Verdächtige und drei ermittelnde Staatsanwaltschaften
rund um den illegalen Handel mit Tier-en, die in Deutschland scheinbar
als Versuchstiere verwendet werden, ein Handel der sich um einige
Tierheime in der Provinz Brescia zu drehen scheint, darunter das
Tierheim von Merate.
In den Unterlagen der Staatsanwaltschaft erscheinen die Namen von
zehn Personen, auch die dreier Organisationen von Freiwilligen,
die die Tierheime Orzinuovi und Merate leiten sowie zweier Tierärzte.
Die Anschuldigungen sind äußerst ernst und würden
die Furcht bestätigen, die seit langem von diversen Tierschutzvereinen
ausgesprochen wird, dass nämlich das starke Interesse am Tier
bei einigen bloß Frage finanzieller Gewinne ist. Für
zwei der Freiwilligen geht es außerdem um Einschüch-terung
von Kollegen, die ihren Verdacht der Magistratur mitgeteilt hatten.
Laut Ermittlung handelt es sich nicht nur um Tierquälerei und
die Misshandlungen, die die oft unter unmenschlichen Bedingungen
nach Deutschland transportierten Hunde erdulden mussten, auch die
versprochenen Adoptionen sind scheinbar bloße Fiktion.
Ferner wurden falsche Angaben über die angeblichen Kosten der
Tierheimbetreibung gemacht, so dass die Verantwortlichen ganz erheblich
von den Kostenrückerstattungen profitiert hätten, die
die lokal-en Gesundheitsbehörden für den Unterhalt der
Tiere garantieren. Man spricht von Umsätzen in Höhe einiger
100.000 Euro für verschwundene Hunde, die dann in der Vivisektion
endeten.
In den Dokumenten des "Tierheims der Brianza" fand die
Staatsanwaltschaft in der Tat die Namen nicht existenter Personen
als angeblicher Adoptanten. Für die Zeit zwischen Oktober 2003
und Mai 2004 entdeckten die Ermittler außerdem einen sehr
suspekten Tiertausch zwischen dem Heim in Mer-ate und zwei anderen
im Brescianer Raum bei dem allein 30 Hunde verschwanden. (Quelle:
Merate
online)
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Fest steht
demnach, dass in manchem seriös erscheinenden, mit öffentlichen
Mitteln finanziertem Tierheim keineswegs alles mit rechten Dingen
zugeht. Als Leser nördlich der Al-pen fragt man sich natürlich
spätestens an diesem Punkt, wieso die Schlagzeilen nicht lauten:
"Vermeintliche Tier-schützer verschachern ihre Schützlinge
ins Ausland und bestehlen obendrein die Steuerzahler!"
Wenn die bisher aufgedeckten Betrügereien zum alleinigen finanziellen
Vorteil der Täter nur die Spitze des Eisbergs sind, wie vielerorts
vermutet wird, sollten auch wir adop-tierwilligen Hundefans unsere
Position einmal überdenken. Speziell angesichts einer Argumentation
wie der folgenden
In Il Messaggero vom 7.7.06 war zu lesen:
Tortoreto. Streuner auf illegale Weise in die Schweiz und BRD exportiert.
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| Was geschieht
wirklich in Tierheimen? Foto: Coppola |
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In Val Vibrata
gibt es scheinbar einen illegalen Export von herrenlosen Hunden,
die zu ungesetzlichen Zwecken nach Deutschland und in die Schweiz
gebracht werden. Ein assistierender Polizeichef aus Tortoreto hat
in seiner Anzeige an die Staatsanwaltschaft von Teramo ausdrücklich
Bezug auf ein Tierheim der Val Vibrata genommen, das ehemalige Streuner
betreut. "Dem Schreibenden ist bekannt geworden," heißt
es in der Anzeige," dass periodisch eine unbestimmte Zahl von
Hunden verladen und vom genannten Tierheim ins Ausland, nämlich
Deutschland und Schweiz, transportiert wird." Seiner Ansicht
nach handelt es sich hier um eine regelrechte Deportation herrenloser
Hunde. "Es entsteht der Verdacht eines unklaren Tierhandels.
Ein Verdacht, der sich noch dadurch verstärkt, dass die Hun
-de durch deutsche Mittelsmänner ins Ausland geschafft werden."
Überdies seien die Hunde meistens Bastarde von großer
Statur und in fortgeschrittenem Alter, weshalb "man nicht versteht,
wie derart-ige Tiere von deutschen Familien adoptiert werden könnten
ohne dass diese sie zuvor überhaupt in Augenschein genommen
haben." (Quelle: Il
Messaggero)
Tja, ist es
dem braven assistierenden Polizeichef also höchst suspekt,
dass jemand einem alten Bastard noch ein paar schöne, letzte
Lebensjahre schenken möchte?
Doch nicht
nur in Norditalien gerät die Tierschutzszene zunehmend ins
Zwielicht. Am 10.2. 2007 be-richtet die Zeitung Il Golfo:
Diesmal zu Lasten einer bekannten Tierschutzorganisation:
Geschäft mit Hunden. Weitere Haussuchungen.
Ischia. Die Untersuchung über den Hundehandel weitet sich
immer mehr aus. Mittlerweile beschäftig-en sich drei Magistraturen
mit dem Fall, der heute zur Haussuchung bei der Vorsitzenden und
der Schatzmeisterin des Vereins führte, um die noch hypothetischen
Unregelmäßigkeiren in der Verwalt-ung der Organisation
zu kontrollieren, die der Mißhandlung von Tieren verdächtigt
wird. Unter den beschlagnahmten Dokumenten befindet sich auch das
Buch, in dem die Spenden aufgeführt sind, dank derer sich der
Verein erhält. Polizei und Veterinäre der Gesundheitsbehörde
suchen seit Wochen Hin-weise dafür, welches Ende die ehemaligen
Straßenhunde, die dem Tierheim des Vereins anvertraut wor
-den waren, wirklich genommen haben, nachdem die Polizisten schon
vor Weihnachten etliche Hunde unter denkbar schlechten Haltungsbedingungen
vorgefunden hatten. Offensichtlich gab es eine Verein -barung zwischen
der Gemeindeverwaltung von Ischia und der genannten Organisation,
im Bedarfsfal-le streunende Hunde von den Straßen zu holen
und im Tierheim angemessen zu betreuen, eine Pflicht, die bei diversen
Gelegenheiten scheinbar nicht erfüllt wurde. Es muß nun
eindeutig geklärt werden, ob die Tiere wie behauptet vermittelt
wurden, oder ob jemand sie zu gesetzeswidrigen Zwecken benutzt hat
um eigene finanzielle Vorteile zu erlangen. (Quelle:
Il
Golfo)
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| Er wurde
in Brescia ausgesetzt, sicher nach Deutschland ge-bracht und
dort liebevoll adoptiert. Foto: Dorsch-Rieger |
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Nur
einen Tag später, am 11.2.2007, eine neue Schreckensmeldung,
diesmal aus Chiasso, dem Grenzstädtchen nördlich von Mailand.
Il Caffé berichtet:
Blitzeinsatz
in Sachen Hundehandel in Chiasso, aber...
Untersuchungen der Polizei und des Kantons-tierarztes.
Chiasso. Wiskey, Luna, Pablo, lauter herren-lose Hunde auf der
Suche nach einem neuen Zuhause. Ein Klick auf www.aiutocani.ch
ge-nügt,
um sie zu sehen, ein Anruf bei Nadine im Raum Bellinzona, um ein
Treffen und die Übergabe des Hundes zu organisieren:für
ca.
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| 400
Franken. Dieser Handel mit Tieren hat den Kantonsveterinär
Tullio Vanzetti bewogen, mit seinen Inspektoren und einigen
Polizisten
in Chiasso einen Blitzeinsatz durchzuführen. Doch von den
gesuch-ten Hunden, ihren Verkäufern und Abnehmern keine
Spur. Vielleicht hatten sie einen Tipp bekommen, vielleicht
einfach
ihr Programm geändert. Der Tierarzt läßt sich
nicht entmutigen, denn "der Handel dieser Organisation
ist nicht legal. Um Tiere verkaufen zu können braucht
man eine Genehmigung, die in meinem Büro ausgestellt
wird und die Modalitäten festlegt." Aiutocani ist
nur ein Arm des natio-nalen Vereins www.hundehilfe.ch ausTurgovia,
der
auch den örtlichen Behörden wegen des Verkaufs eines
Hundes in schlechtem Gesundheitszustand Kopfzerbrechen bereitet.
Der Besitzer sollte 450 Franken für das Tier bezahlen.
Stattdessen hat er den Fall zur Anzeige gebracht. Auch im Tessin
fehlen die Beschwerden nicht und man arbeitet mit den anderen
Kantonen zusammen. Der Verkauf der Hunde, von denen einige
auf
noch unklarem Wege aus Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich
in die Schweiz gelangen, wird mittels eines Netzwerks von Privatpersonen
abgewickelt, die der Initia-tive angehören und Räumlichkeiten
zur Verfügung stellen. Schwer, Klarheit in die Sache zu
bringen, sagt der Kantonsveterinär, der des ungeachtet
entschlossen ist, diesen Hundehandel aufzu decken, der nun
auch im Tessin
Fuß faßt. (Quelle: Il
Caffé) In
Bergamo kam es im Februar 2007 ebenfalls knüppeldick. Il
Giorno berichtet:
"Pro Woche 30 Hunde nach Deutschland verkauft: sie werden
als Versuchstiere benutzt." Ein Tierschützer erstattet
Anzeige, die Spezialeinheit der Polizei untersucht.
Bergamo. "Mindestens 30 Hunde verschwinden wöchentlich
aus der Lombardei. Man bezahlt bis zu 300 Euro pro Tier. Sie reisen
Richtung Deutschland. Mit falschen Dokumenten. Sie enden als Ver-suchstiere."
Bruno Boffelli, Bergamasker Tierschützer hat gemeinsam mit
der ENPA, der Nationalen Tierschutzorganisation, Anzeige erstattet
und wurde von der Sondereinheit Nas befragt, die bereits
auf Betreiben fünf anderer Staatsanwaltschaften in der Lombardei
den Hundehandel untersucht.
Boffelli: "Es erschien mir seltsam, dass soviele Adoptionsgesuche
aus Deutschland kommen sollten, vor allem für Welpen. Man
erklärte mir, dass einige Besitzer von Bauernhöfen auch
40 Hunde auf einmal abnähmen, und ich fragte mich, wie sie
die Tiere wohl halten, die immerhin kosten: Transport, Versich-erung,
Futter, tierärztliche Behandlungen. Also habe ich angefangen,
die Sache genauer zu untersu-chen und im Netzwerk der vielen Tierfreunde
in der Lombardei nach Informationen zu fischen." Heraus kam
u.a., dass "nach einem nur 24 stündigen Aufenthalt im
Tierheim, die Bescheinigung für die Tollwutimpfung, die 40
Tage vor Ausreise erfolgen müßte, bereits parat lag.
Sie mußte also zwangs-läufig gefälscht sein."
(Quelle: Il
Giorno) |
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Man könnte
noch unzählige weitere Medienberichte die -ser Art anführen,
doch die Struktur ist immer gleich: auffallend große
Mengen von Hunden werden nach Deutschland exportiert, die
Transportbedingungen
für die Tiere erweisen sich - zumindest in Fällen, da
die Polizei eingegriffen hat - oftmals als mangelhaft, die Dokumente
der Hunde sind zweifelhaft. Obwohl man hier und dort offen Namen
nennt, findet sich nirgends ein Hinweis auf den konkreten, deutschen
Bestimmungs -ort, mögliche deutsche Vereine, die am Transport
be-teiligt sind und die Adoptionen übernehmen bzw. kon-trollieren.
Aber auch nirgends ein Indiz, dass Hunde von irgendeinem Doktor
Frankenstein nördlich der Alpen mißhandelt werden.
Verdächtigungen,
Zweifel, Furcht, ja, aber keine harten Fakten.
Damit sei nicht gesagt, dass solche dubiosen Machen-schaften nicht
geschehen. Ganz im Gegenteil steht zu befürchten, dass gut
organisierte Hundehändler hervor -ragende Geschäfte
machen, weil gerade sie nicht so naiv sind, ihre Ware auffällig
von einem Ort zum ande-ren
zu transportieren.
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| In Norditalien
nicht mehr erwünscht, in Deutschland glücklich im
neuen Zuhause. Foto: Dorsch-Rieger |
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Im
Lichte einer solchen Berichterstattung, die die Italiener ja
auch
beim Mittagessen vorm Fernseher erreicht, kann es nicht verwundern,
wenn die sogenannte öffentliche Meinung in puncto Fernadoption
von Hunden nach Deutschland eher negativ ausfällt.
Was die ohnehin schon vertrackte Situation noch weiter verkompliziert
ist die Uneinigkeit im Lager der italienischen Tierschützer
selbst. Viele Vereine lehnen Auslandsvermittlungen rigoros ab. Sie
wol-len wissen, wo ihre Schützlinge bleiben, selbst kontrollieren,
selbst nachschauen können, was aus ihnen wird. Andere sehen
im massiven Export heimischer Hunde nicht die Lösung des grundlegenden
Prob-lems, denn schließlich wird in Italien in den Urlaubsmonaten
Juni, Juli und August statistisch gesehen nach wie vor alle zwei
Minuten ein Hund ausgesetzt. Die Überlebenden dieser menschlichen
Verant-wortungslosigkeit dann einfach gen Nordon zu entsorgen wird
gleichgültige Hundebesitzer eher ermut -igen im nächsten
Sommer wieder dasselbe zu tun.
Welchen Sinn, überlegen andere, hat das Verschieben von Hunden
etwa aus Osteuropa nach Italien, wo die eigenen Streuner genügend
Probleme aufwerfen und die Tierheime überquellen?
Mit welchem Recht maßen sich Tierfreunde aus Nordeuropa, speziell
Deutschland an, tausendfach ko-pierte e-mails an italienische Ministerien
oder Staatsanwaltschaften zu schicken, mit Urlaubs-Boykotten zu
drohen oder die Situation der Tiere in Italien an den Pranger zu
stellen, als seien die Italiener ein unmündiges Volk und in
Deutschland gäbe es keine überfüllten Tierheime,
Kettenhunde, Tiermißhandlungen- und aussetzungen?
Ganz unrecht haben sie sicherlich nicht.
Mir scheint, dass dieser kleine Exkurs nach Italien eines in jedem
Falle deutlich macht: wer einen Hund aus Italien (oder irgendeinem
anderen Land) adoptieren möchte, sollte seine Entscheidung
nicht vom traurigen Gesicht eines Hundes im Internet abhängig
machen. Solange es Menschen gibt, die nur daran interessiert sind,
aus dem Elend der Tiere und dem Mitleid ihrer Zeitgenossen finanziellen
Ge-winn zu ziehen, ist das die denkbar schlechteste Motivation.
Natürlich gibt es wirklich seriöse Ver-eine und ehrliche,
engagierte Tierschützer in Italien, aber die erkennt man nicht
unbedingt am sym-pathischen Internetauftritt.
Klar dürfte ebenfalls sein, dass es sehr wichtig ist, auch
im Ausland deutlich zu zeigen, was aus "ex-portierten"
Hunden wird. Ich möchte Sie deshalb bitten, zur Aufklärung
beizutragen. Falls Sie einen Hund aus Italien oder,
um einen Vergleich herstellen zu können, aus Spanien
adoptiert haben, dann schreiben Sie bitte an: info(at)sabinemiddelhaufeshundundnatur(dot)net
Sie erhalten einen kurzen Fragebogen, der Ihnen ermöglicht,
Ihren Hund vorzustellen, den oder die Vereine, die an seiner Ver-mittlung
beteiligt waren, ggf. Kritik an der Abwicklung der Adoption, dem
Zustand des Hundes zu üb-en oder umgekehrt zu loben, und Ihre
Meinung zum Thema Auslandsadoptionen vorzutragen. Die Aus-wertung
aller Fragebögen wird hier unter dem Thema "Tierschutz"
veröffentlicht, aber gleichzeitig auch auf der italienischen
Seite dieser Website unter "Protezione degli animali"
übersetzt. Wenn Sie teilnehmen, aber nicht namentlich genannt
werden möchten, erscheinen selbstverständlich nur Ihre
Initialen. Dass weder Ihre e-mail Adresse, noch Ihr Fragebogen an
Dritte weitergegeben wird, ver-steht sich von selbst.
Wozu das alles? Wenn das Pro-Adoptionslager den Skeptikern in Italien
oder Griechenland und Span -ien vorschlägt, ihnen in Deutschland
die "ausgeführten" Hunde in natura zu zeigen, gesund
und glück-lich in ihre neuen Familien integriert, läßt
das die Kontra-Partei völlig kalt, denn, so argumentiert sie,
nichts ist einfacher, als 10 oder auch 100 "gute Beispiele"
vorzuführen, die aber keineswegs beweis-en, was aus den Tausenden
anderer Hunde geworden ist. Wohl wahr.
Es geht mir deshalb nicht darum, nachzuweisen, dass es Pippo, Fido
und Birba in der BRD gut geht, sondern Transparenz in den Adoptionsprozess
selbst zu bringen. Viele, wenn nicht gar die meisten Hundefans
in Deutschland wissen nicht, dass die Ausfuhr von Vierbeinern
aus dem
Süden in ihren Hei-matländern zum Teil äußerst
kritisch gesehen wird, dass das negative Bild, das wir von der
Situation
der Hunde im Mittelmeerraum zeichnen oft als völlig übertrieben
und beleidigend empfunden wird, zumal wir einen rein deutschen
Maßstab
anlegen. Ebenso wissen Besucher dieser Website, die noch nie einen
Hund aus dem Ausland aufgenommen haben, nicht, wie das genau abläuft:
wie bekommt man über-haupt Kontakt zu diesen Tieren, wer
bringt sie wie ins Land, und wer entscheidet und auf der Grund-lage
welcher
Kriterien, mit wem Pippo schließlich nachhause gehen darf?
Und trifft die Behauptung zu, dass der Adoptant für einen
Hund aus dem ausländischen Tierschutz bis zu 350 Euro bezahlen
muß?
Mit welcher Begründung? Stimmt es, dass südliche Hunde
in der Regel sehr sozialverträglich, unkompliziert und einfach
zu halten sind? Wie steht's mit der Kontrolle auf die gefürchteten
Mittel-meerkrankheiten? Solche Aspekte offen darzulegen hilft
nicht
nur künftigen deutschen Adoptanten, sondern zeigt auch und
vor allem den ausländischen Skeptikern was wirklich hinter
den Kulissen ge-schieht. Wenn sich herausstellen sollte, dass
zwischen
der Aussetzung eines Hundes im Süden und seiner Aufnahme in
ein deutsches Heim vielleicht auch mal etwas schiefgeht, dann
ziehe
ich persönlich solche begründeten Vorwürfe allemal
dem Verdacht vor, tausende von Hunden endeten jedes Jahr in Deutschland
als Labortiere.
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