Die Adoption eines Tierheimhundes mit oder ohne Jagderfahrung (2)
Von Dr. Edoardo Colloridi

Index
- Einleitung
- Eigenschaften und Vergangenheit: der Background eines Tierheimhundes
- Hauptgründe für die Abgabe eines Hundes
- Wohlergehen des Hundes im Tierheim
- Auftretende Probleme mit Tierheimhunden
- Jagdhunde
- Korrekte erste Annäherung an den Hund und Vertiefung des Verhältnisses
- Der Hund im Haus. Grundgehorsam und Management der Resourcen: Aufbau der Beziehung
- Kontroll- oder Gehorsamsübungen
- Verhaltensprobleme
- Aktivitäten und Übungen für Jagdhunde
- Literaturnachweis

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Der Hund im Haus. Grundgehorsam und Management der Resourcen: Aufbau der Beziehung

Der Hund hat nun eine Verbindung zu Ihnen, er assoziiert Sie mit etwas Erfreulichem und schenkt Ihnen Aufmerksamkeit. Wenn alles gut gegangen ist, lebt er jetzt also in Ihrem Zuhause.
Wie sollten Sie ihn hier halten und wie ihm zu einer einfachen, klaren Beziehung zu Ihnen, dem verantwortungsvollen Besitzer verschaffen?
Normalerweise braucht ein Hund 2-3 Tage, um sich in eine neue Umwelt einzugewöhnen und rund 2 Wochen um sie, inklusive aller Stimuli die dazu gehören, als sein Territorium aufzufassen
(Fisher, 2004).
Es ist deshalb wichtig, diese beiden Anfangsphasen des Lebens im neuen Heim richtig zu nutzen. Geben Sie dem Hund während der allerersten Tage Gelegenheit, jene Bereiche von Haus, Wohnung und Umgebung die er auch künftig aufsuchen darf, nebst den damit verbundenen Reizen zu erforschen, (z.B. Gerüche, Räume, Lichter, Nachbarn, andere Hunde in der Umgebung).
In den folgenden 2 Wochen werden dann Sie sein Führer. Beginnen Sie deshalb:

  • die Resourcen zu verwalten

  • Übungen zur Kontrollierbarkeit durchzuführen

Beide Aspekte sind wichtig, da sie ein korrektes Verhältnis Hund - Halter bestimmen.

Verwaltung der Resourcen

Dass der Hundehalter über die Nutzung der Resourcen entscheidet hat die Funktion, die Beziehung zum Hund zu verstärken, denn:

Interesse des Hundes für die Resourcen

bei Verwaltung der Resourcen durch den Halter

schafft Interesse des Hundes am Halter

Ausserdem wird die Hierarchie innerhalb der Gruppe festgelegt, denn:

wer die Resourcen verwaltet hat eine höhere Position in der sozialen Hierarchie

da der Halter die Resourcen verwaltet

hat er gegenüber dem Hund einen höheren Rang

Welche Resourcen sind für den Hund von Bedeutung?

  • Aufmerksamkeit

  • Futter

  • Freiraum/Raum

  • Spiel

  • Körperkontakt

  • Möglichkeit zu urinieren/koten

Aufmerksamkeit

Der Hund kann um Ihre Aufmerksamkeit bitten, indem er Körperkontakt sucht (Pfote- oder Kopfauflegen), bellt oder andere Laute abgibt, Teile der Kleidung, die der Besitzer trägt ins Maul nimmt.
So wichtig es ist, dass der Hund Ihnen gegenüber Interesse bekundet, so wichtig ist es andererseits, es auf die angemessene Weise zu beantworten.
Um die Aufmerksamkeit des Hundes am Anfang zu stimulieren:

- halten Sie die Belohnung (z.B. Extra Leckerchen, nur für diese Gelegenheiten bestimmt) so, dass er sie nicht sieht, etwa in der Tasche oder in einer Hand hinterm Rücken.
(Abb.18)


(Foto mit frdl. Genehmigung von www.educazionedelcane.net)

- wenn sich der Hund in Ihrer Nähe aufhält, rufen Sie ihn beim Namen, und sobald er Sie ansieht belohnen Sie ihn mit einem Häppchen, wobei Sie abwechselnd beide Hände benutzen, um ihm die Belohnung zu offerieren.

- Nur ganz am Anfang belohnen Sie auch spontane Bitten um Beachtung seitens des Hundes, sofern er dies auf ruhige und entspannte Weise tut (indem er sich setzt oder hinlegt).

Hat der Hund verstanden, dass übermäßige Forderungen nach Aufmerksamkeit nicht belohnt werden, können Sie einen Befehl hinzufügen, den Sie ihn gelehrt haben:

- sobald der Hund seine Aufmerksamkeit auf Sie richtet, rufen Sie ihn herbei, geben das Kommando (z.B. "Sitz") und belohnen ihn erst bei korrekter Ausführung.

- variieren Sie die Belohnungen: mal gibt es Futter, mal Streicheleinheiten. Spielt er hingegen besonders gern, benutzen Sie nicht ständig dasselbe Spielzeug. Sie sollen für ihn immer interessant sein, ohne ihn aber auf eine Art des Lohns zu fixieren.

- variieren Sie die Zeitspanne der Aufmerksamkeit: anfangs belohnen Sie den Hund unverzüglich, wenn er Ihnen Aufmerksamkeit schenkt oder es auf Ihre Initiative hin tut, später lassen Sie immer mehr Zeit verstreichen zwischen der Bitte um Aufmerksamkeit und deren Belohnung.

Bedenken Sie auch folgendes:

  • Wenn Sie wie beschrieben vorgehen, wird der Name des Hundes von ihm mit Ihrer Forderung nach Aufmerksamkeit assoziiert; rufen Sie den Hund also nie ohne Grund. Entsprechend müssen Sie vermeiden, dass er eine Assoziation zwischen seinem Namen und einer darauf folgenden Bestrafung herstellt, da er andernfalls seine Aufmerksamkeit nicht mehr auf Sie richtet.

  • Die Entscheidung, die Aufmerksamkeit des Hundes zu belohnen,liegt bei Ihnen, nicht beim Hund.

Aufmerksamkeit ist die Voraussetzung für jede Interaktion mit dem Hund, sei es, um ihm einen Befhl zu geben, ihn heran zu rufen oder ihn von einer Gefahr fernzuhalten.

Futter

Die Verabreichung der Mahlzeiten sollte "routinemäßig" erfolgen, d.h. zu festen Zeiten und dies an jedem Tag. Das erlaubt Ihnen, dem Hund zwei sehr wichtige Bezugspunkte zu liefern:
  • die Resource "Futter" hängt von Ihnen ab;

  • die Fütterungszeit ist genau festgelegt, so dass es nutzlos ist, in Erregung zu geraten, um (vorher) Futter zu erhalten.

Dieses Futter Management empfiehlt sich immer,


(Foto Edoardo Colloridi)
aber ganz besonders bei Hunden aus dem Tierheim und/oder solchen, die im Jagdbetrieb eingesetzt wurden. In beiden Fällen wurde die Mahlzeit nämlich zu festgesetzten Zeiten ausgegeben: im Tierheim aus Organisationsgründen, beim Jagdgebrauchshund weil er üblicherweise lange nach bzw. vor der intensiven körperlichen Arbeit fressen soll. Man sollte bei solchen Hunden also keinesfalls diese korrekte Gewohnheit verändern.
Raum

Mit "Raum" sind alle Bereiche im Haus gemeint, zu denen der Hund Zugang hat oder eben nicht. Erlaubte Bereiche müssen Zonen einschliessen, in denen er sich frei bewegen kann und Plätze mit spezieller Funktion (z.B. Hütte/Korb zum Ruhen, Fress- und Trinkplatz, Spielplatz zur Beschäftigung mit dem Halter oder allein). Nicht erlaubte Bereiche können sein: Badezimmer, Bett, Küche u.a., je nach Ihrer Entscheidung und den Wohnbedingungen. Es ist sehr wichtig, vorm Einzug des Hundes festzulegen, wo er hin darf und wo nicht.
Seinen Schlafplatz an einer ruhigen Stelle in der Wohnung aufzustellen und nicht in Durchgangszonen oder nahe des


(Foto mit frdl. Genehmigung von www.seguileorme.com)

Eingangs, kann auch dem Hund dazu verhelfen, sich ruhiger zu fühlen wie die bereits zitierte Untersuchung von Wells und Hepper (2000) belegt.
Hunde aus dem Tierheim und/oder solche aus der Jagdpraxis könnten bisher eine völlig andere Haltungsart erlebt haben. Vielfach kannten sie nur zwei Zonen: den Ruhebereich (Zwinger im Tierheim oder am Ende des Arbeitseinsatzes) sowie Erkundungsbereich (Auslauf im Tierheim, Einsatz während der Jagd.)

Spiel

Es gibt viele Arten mit dem Hund zu spielen. Einige sind mehr, andere weniger für seine Anlagen geeignet und hier können Ihnen die Profis, wie etwa Hundeerzieher helfen.
Zu bedenken ist, abgesehen von der Aktivität an sich, dass das Spiel für den Hund eine wichtige Resource darstellt, die deshalb von Ihnen verwaltet werden sollte, indem Sie entscheiden:

- wann der Hund mit Ihnen spielen kann;

- welche Regeln beim Spiel gelten sollen;


(Foto mit frdl. Genehmigung von www.trovaofferte.net)

- wann der Hund allein spielen kann (indem Sie ihm z.B. ein Kauspielzeug überlassen);

- welche Art des Spiels Sie mit ihm machen wollen;

- wann dem Hund Spielzeug zur Verfügung steht. (Es ist sinnvoll zu vermeiden, dass er es immer haben kann, da er sonst das Interesse verliert.)

Die Interaktion durch das Spiel beeinflusst ausserdem die Aufmerksamkeitsspanne des Hundes Ihnen gegenüber. (Colloridi, 2008)

Körperkontakt

Körperkontakt und die Berührung mit den Händen können starke Wirkung auf den Hund haben (allgemeine Entspannung, ruhigerer Herzschlag).
Vor allem bei Tierheimhunden und/oder solche aus der Jagdpraxis, die in der Vergangenheit vielleicht nur wenig Körperkontakt mit dem Menschen hatten oder ihn mit Bestrafung assoziierten, ist es wichtig, sich durch Streicheln und Schmusen anzunähern, ohne freilich vorauszusetzen, dass dies dem Hund


(Foto Edoardo Colloridi)

sofort gefällt, zumal in allen Körperbereichen und auf intensive Art.
Die Situationen in denen wir Körperteile des Hundes berühren, kann man in angenehm und notwendig (Bürsten, Säubern, tierärztliche Untersuchung) aufteilen. Auch beim zweiten Typ ist es wichtig, herauszufinden, wie man eine körperliche Verbindung mit dem Hund aufbauen kann, die ihm diese Form der Interaktion nicht unangenhem macht.
Jeder Hund hat Körperzonen, an denen er sich gern oder ungern berühren lässt. Wann immer sich die Notwendigkeit ergibt, die zweite Kategorie zu manipulieren, ist es wichtig, die Berührung an einer Stelle zu beginnen, wo sie dem Hund sehr angenehm ist und die Hände von dort langsam zur ungern berührten Zone hin zu bewegen. Wenn er dies nun ruhig und entspannt geschehen lässt, loeben und belohnen Sie ihn mit einem Leckerchen.
Während der gesamten Prozedur kann es hilfreich sein

- ruhig und gelassen mit dem Hund zu sprechen;

- die Hände langsam zu bewegen;

- ihn nicht anzustarren;

- ein Belohnungshäppchen in der Nähe seines Mauls bereit zu legen, ohne ihm allerdings zu erlauben, es vorm Ende der Aktion zu nehmen, so dass seine Aufmerksamkeit auf die Belohnung gerichtet wird, nicht auf die Körperzone, die er ungern berühren lässt.

Durch diese Art der körperlichen Annäherung, vor allem in "Problemzonen", erreicht man, dass der Hund, kurz bevor er tatsächlich dort berührt wird, Signale von Ihnen wahrnimmt, die Ruhe ausdrücken und lernt allmählich, dass Körperkontakt etwas Angenehmes ist.

Möglichkeit zu urinieren/koten

Wie beim Management des Raums, dürfen Sie auch in diesem Punkt nichts als selbstverständlich voraussetzen; der eben eingezogene Hund weiss nicht zwangsläufig wo er sich entleeren darf und wo nicht. Überdies wurde dem Tierheimhund und/oder jenem aus der Jagdpraxis nicht unbedingt gezielt beigebracht, wo in der Umgebung er seine Geschäfte verrichten kann. Sie müssen also wissen, wie Sie den Hund, gleich dem Welpen, in dieser Hinsicht erziehen können.


(Foto Edoardo Colloridi)

Belohnen Sie den Hund stets, wenn er sich an erlaubten Stellen entleert (draussen oder an einem genau bestimmten Platz im Haus) Seinen Lohn muss er erhalten, sobald er mit urinieren/koten fertig ist. Der Erziehung förderlich ist die Nutzung solcher Momente, in denen es für den Hund ein echtes Bedürfnis ist, seine Geschäfte zu erledigen, nämlich:

- nach dem Aufwachen

- nach den Mahlzeiten

- nach dem Spielen

- nach längerem Aufenthalt im Haus.

Um zu verhindern, dass er sich nachts entleeren muss, sollten Sie ihn nicht abends füttern und ausserdem die tägliche Ration auf zwei Mahlzeiten, morgens und nachmittags, verteilen. Wenn Sie die drei Mahlzeiten dennoch beibehalten möchten, sollten Sie ihm die letzte mindestens 4 Stunden vor dem Schlafengehen geben und ihn anschliessend nach draussen bringen.

Wichtig ist:

  • nicht sofort ins Haus zurück zu gehen, sobald der Hund sich entleert hat, da er sonst die Entleerung mit dem Ende der angenhmen Aktivität (Spaziergang) assoziiert;

  • ihn niemals zu bestrafen, erst recht nicht, wenn man ihn nicht auf frischer Tat ertappt. Wenn die Bestrafung auch nur wenige Momente nach seiner Entleerung erfolgt, ist sie vollkommen wirkungslos, weil der Hund jetzt nicht mehr verstehen kann, wofür er bestraft wird;

  • den Hund, wenn man ihn beim entleeren erwischt, sofort nach draussen zu bringen, wo er nach getaner Tat belohnt wird;

  • Flächen, auf denen der Hund seine Geschäfte erledigt hat, gut zu säubern, unter Meidung von ammoniakhaltigen Reinigungsmitteln. Empfehlenswert sind enzymische Mittel oder einfach Wasser und Essig (3-4 Teile Wasser für jeden Teil Essig);

  • nicht in Gegenwart des Hundes zu putzen, sondern ihn während dessen in einem anderen Zimmer zu halten.

Dies erlaubt Ihnen :

1. dem Hund die Zonen zu zeigen, wo er sich entleeren darf und wo nicht;

2. dem Hund zu ermöglichen, sich dort zu lösen, wo es möglich ist.

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Kontroll- oder Gehorsamsübungen

Mit dem Begriff "Kontroll- oder Gehorsamsübungen" sind solche Übungen gemeint, die beim Hund ein Verhalten bewirken, dass Ihnen erlaubt, ihn in jeder Lage gut zu handhaben, ihn aus Risikosituationen zu halten und eine angemessene Beziehung zu Ihnen festzulegen. Im Allgemeinen lehren diese Übungen den Hund

  • sich zu setzen

  • sich zu legen

  • am angewiesenen Platz zu bleiben

  • auf Ruf zu kommen

  • ein Objekt fallenzulassen, das er im Maul hat

  • an der Leine zu gehen

  • sich einen Maulkorb anlegen zu lassen.

Ihnen zu zeigen, wie man diese Verhaltensweisen beim Hund erzielt, auf angemessene Weise festigt und wie Sie Ihre eignenen Fehler korrigieren können ist Aufgabe des professionellen Hundeerziehers, der die nötigen Kenntnisse und Hilfsmittel besitzt, mit Ihnen und Ihrem Hund gemeinsam zu arbeiten. Dennoch ist es lohnenswert einige allgemeine Regeln zu nennen, die Sie beachten sollten, um gute Ergebnisse im Hinblick auf die Durchführung der Übungen und die Beziehung zu Ihrem Hund zu erreichen:

  • Belohnen Sie den Hund nur dann, wenn er korrekt auf Ihr Kommando reagiert. So lernt er, dass nur die Ausführung des Befehls zum Lohn führt.

  • Kurze Übungseinheiten die mit dem Erfolg enden: üben Sie mehrmals für 10 Minuten und machen dann jeweils eine lange Pause. Beenden Sie die Übungen des Tages mit einer korrekten Ausführung. Lieber kurze und erfolgreiche Einheiten als lange Sessions, die mit dem Desinteresse und der Verweigerung des Hundes enden.

  • Den Hund niemals körperlich strafen. Wenn der Hund etwas unerwünschtes tut (z.B. aufmerksamkeitsheischend an Ihren Hosenbeinen zupfen) unterbrechen Sie ihn durch ein plötzliches Geräusch, dessen Ursache er nicht mit Ihnen verbindet (z.B. ein Schlüsselbund etwas entfernt fallen lassen). Sobald der Hund von Ihnen ablässt, um die Ursache des Geräusches zu ermitteln, rufen Sie ihn beim Namen, wiederholen das gewünschte Kommando und belohnen ihn, wenn er korrekt reagiert.

  • Nutzen Sie die gelernten Übungen:

    1. um den Hund in unterschiedlichen Situazionen zu kontrollieren (etwa beim Spaziergang, Tierarztbesuch, Überqueren der Strasse);
    2. vor jeder Interaktion (Fütterung, Vorbereitung zum Spaziergang, Spielbeginn, Schmusen).

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Aktivitäten und Übungen für Jagdhunde

Wie an anderer Stelle schon bemerkt zeigen Jagdhunde Verhaltensweisen, die von ihren Erbanlagen diktiert, durch züchterische Selektion weitergetragen und durch eventuelle Ausbildung seitens des Besitzers verstärkt werden.
Es wäre sicherlich mit Stress verbunden (für den Hund und wie ich meine auch für den neuen Halter) würde man versuchen, das Jagdverhalten zu unterdrücken und verlangen, dass etwa ein erwachsener Laufhund, der einmal für die Jagd ausgebildet und/oder jagdlich eingesetzt wurde nun 4-5 Stunden an einem Stück auf dem Sofa liegt oder perfekte Leinenführigkeit zeigt - das ginge vollkommen gegen seine Eigenschaften.
Nun gibt es aber viele Hunde, die für die Jagdpraxis dennoch ungeeignet sind, weil bei ihnen bestimmte Charakteristiken nicht hinreichend ausgeprägt sind (Bringfreude, Schussgleichgültigkeit, Vorstehanlage, Stöberanlage usw.). Hier stellt sich die Frage, wie man diese Tiere beschäftigen kann.
Eine vernünftige Lösung wäre, mit ihnen eine Aktivität durchzuführen, die zwar nicht Jagd heisst, aber ähnliche Übungen beinhaltet, um

  • jagdliches Verhalten zu befriedigen, das der Hund spontan und korrekt zeigt, ohne ihn andererseits zur Ausführung jener zu zwingen, für die seine Anlagen zu gering sind oder fehlen;

  • die Beziehung zum Hund zu vertiefen, da er seinen Besitzer mit der angenehmen Aktivität assoziiert und ihn als Herrn anerkennt, da dieser die Aktivität leitet und festlegt.

Welche Beschäftigungen käme in Frage? Einige Beispiele:

Mantrailing, und allgemeiner die Suche nach Personen oder bestimmten Substanzen.

Hier wird die natürliche Riechfähigkeit und die eventuelle Bereitschaft des Hundes zur Suche von Personen oder bestimmten Substanzen zielgerichtet eingesetzt, wobei der Hund an der Leine oder frei geführt wird und auf der Suchstrecke Hindernisse überwinden und schliesslich den Fund anzeigen soll.

(Foto mit frdl. Genehmigung von www.wellingtonhounds.com)

Mentale Förderung

Bei dieser Aktivität bemüht sich der Hund eine Belohnung, z.B. ein Leckerchen zu erreichen das in einem oder mehreren Behältern versteckt sein kann, die zu öffnen Geschick und Einsatz von Schnauze und Pfoten verlangt, und so die Such- und Lernfähigkeit des Hundes stimuliert.

(Foto Edoardo Colloridi)

Frisbee

Übungen mit der Frisbeescheibe geben dem Hund die Möglichkeit, einem oder mehreren vom Besitzer geworfenen, sich also bewegenden Objekten nachzujagen, sie zu erreichen und dann zum Besitzer zu bringen. Dabei nutzt der Hund seine körperlichen Fähigkeiten, seine Augen und mitunter den Körper seines Halters als Sprungbrett und den Frisbee in bestimmten Höhen zu erreichen.

(Foto mit frdl. Genehmigung von www.plumtreestudio.com)

Im Allgemeinen nutzen all diese Disziplinen die Freude des Hundes an der Verfolgung sowie seine Nasenleistung, oder seine Suchfreude oder den Beutetrieb. Wichtig ist, dem Hund im Rahmen der Ausbildung Regeln beizubringen, nach denen er seine spontanen, natürlichen Verhaltensweisen anwenden und ausleben darf.

Darüber hinaus möchte ich noch ein Motiv für die Arbeit mit dem Hund nennen, das ich aus persönlicher Erfahrung kenne: die Befriedigung nämlich, den eigenen Vierbeiner aktiv, glücklich und in der Lage zu sehen, ganz neue Verhaltensweisen zu zeigen, ihn dadurch noch besser kennen zu lernen und ihm dank der Zeit und Leidenschaft, die wir ihm widmen, zu seinem Glück zu verhelfen.

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Verhaltensprobleme

Die Ursachen von Verhaltensproblemen mit denen sich die neuen Besitzer eines Tierheimhundes konfrontiert sehen, können von den früheren Lebensbedingungen des Hundes abhängen, von der Erfahrung des Verlassenwerdens, vom Verhalten des Hundes, das zu seiner Abgabe/Aussetzung durch den Vorbesitzer führte, oder von den Lebensumständen im Tierheim.
Die Ursachen können auch körperlicher Natur sein (z.B. neurologisch oder hormonell bedingt).
Oder in der falschen Haltungsweise des Hundes, der falschen Verwaltung der Resourcen oder falscher Erziehung liegen.
Ein Verhaltensproblem kann von Hund zu Hund von ganz unterschiedlicher Typologie, Intensität und Ursache sein. Um es zu identifizieren und angemessen zu behandeln sollte sich der Hundehalter an den kompetenten Tierarzt mit Spezialisierung in Verhaltenskunde wenden und an den professionellen Hundeerzieher. Der Erstgenannte stellt die Diagnose der eventuellen Pathologie (z.B. Verlassensangst, Phobien, Aggression verursacht durch Angst, Dominanz usw.) und entscheidet über den augenblicklichen Therapieplan, der in der Regel Veränderungen in der Haltung des Hundes und im Umgang mit speziellen Verhaltensweisen einbezieht. Der Erzieher zeigt und erklärt dann dem Hundebesitzer wie die Veränderungen in der Praxis richtig umgesetzt werden, wie die Übungen zur Auflösung des unerwünschten Verhaltens durchzuführen sind und hilft dem Halter, wenn er dabei Fehler macht, den Ablauf zu verbessern.
Die Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Hundeerzieher ist ganz wesentlich, verspricht sie dem Hundebesitzer doch umfassende diagnostische und praktische Hilfe und bessere Möglichkeiten der Problemlösung
(Giambanco, 2009).


(Foto Edoardo Colloridi)

(Foto mit frdl. Genehmigung von www.animali.tiscali.it)

(Foto mit frdl. Genehmigung von www.animali.tiscali.it)

Abb. 27 (Edoardo Collorid) Prozentuelle Aufteilung der Fälle ohne Fortschritte (14,4%) und mit Fortschritten (85,6%) bei der Lösung von Verhaltensproblemen dank der Zusammenarbeit des Tierarztes mit Spezialisierung in Verhaltenskunde und dem Hundeerzieher (Giambanco, 2009)

Beim anschliessenden Besuch im Haus des Tierbesitzers, also dem Heimterritorium des Hundes, werden die Praktiken erklärt und angewandt, die zur Problemlösung beitragen sollen. Dazu kann die Verwaltung der Resourcen gehören, richtiger Umgang mit der Aufmerksamkeit des Hundes, angemessene Durchführung von Kontrollübungen und anderes, z.B.:

- Desensibilisierung
- Gegenkonditionierung
- Ersatzreaktion

Um ein Verhaltensproblem zu lösen, werden häufig verschiedene Techniken zusammen eingesetzt, die sich der Hundehalter, wie schon angemerkt, zunächst vom professionellen Erzieher erklären und demonstrieren lassen sollte.

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Danksagung

Für ihre Unterstützung bei der Realisierung dieses Beitrags möchte ich Frau Dr. Marinelli und Herrn Dr. Mongillo von der Abteilung für Experimentelle Veterinärwissenschaften an der Veterinärmedizinischen Fakultät von Padua danken, ebenso Frau Dr. Adamelli, Tierärztin mit Spezialisierung in Verhaltenskunde mit der ich zusammenarbeite sowie meinem Kollegen und Freund Dr. Giambanco.

Literaturnachweis

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Startfoto: Franziska Kokemor.
(c) Text 2010. Übersetzung des Originaltextes: Sabine Middelhaufe

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