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Jules
Von Sabine Middelhaufe
Man stelle sich vor: drei Tage vor Weihnachten stolpere ich abends
im Finstern durch unser kleines, italienisches Bergdorf, und
mir kommt
ein Hund entgegen. Ein English Setter, orange-belton, ohne Hals-band,
abgemagert bis auf die Knochen, ziemlich schwach auf der Hinterhand,
aber total zutraulich. Ich gebe ihm ein paar Hundekuchen, die
ich in der Tasche habe, und er mampft beglückt. Als ich
schließlich |
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vom
Besuch bei meinen Nachbarn zurückgehe, taucht er wieder auf
und läuft mir wedelnd nach. Na gut, denk ich, es ist so bitterkalt
draußen, laß ich ihn mal zu Jens, meinem acht-einhalb
Monate alten Deutsch Kurzhaar ins Hundezimmer, wenn er will.
Und ob er will!
Unser Gast bekommt Futter und Wasser, frißt begeistert, versteht
sich auf Anhieb mit Jens, folgt mir in Hundezimmer und angrenzender
Küche auf Schritt und Tritt, immer mit diesem Kopf unter die
Hand Schieben, damit ich ihn auch fleißig tätschle. Ich
bekucke seine Zähne, oder besser gesagt, das, was noch übrig
ist. Gehört offensichtlich zu den reiferen Semest-ern, der
Herr. So über den Daumen gepeilt würde ich sagen 8-10
Jahre alt. |
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Dann
kommt der große Moment: ich mache das Törchen zwischen
Hunde- und Arbeitszimmer auf, damit Jonas, der 14jährige Laufhund
und Herr des Hauses entscheiden kann, ob er den Neuen dulden will
oder nicht. Er will!
Unser Freund wird mit Rotwein auf den Namen Jules getauft
und dann eine liebe Freundin in Deutsch-land angerufen, die sofort
zusagt, als Pflegestelle zu agieren, falls der Tierschutz Jules
in die BRD holen sollte. Außerdem verspricht sie, die Tierarztrechnung
zu bezahlen, da ich wie üblich komplett pleite bin und Jules
in jedem Falle mal untersucht werden muß auf das Vorhandensein
eines Mikrochips, Zahnentzündung, Blasenentzündung,
Nierenleiden (er trinkt und pinkelt in einem fort), richtige
Ernähr-ung usw.
Eine Stunde später liegen wir alle vier bequem und im besten
Einvernehmen auf dem Sofa im Arbeits-zimmer und kucken Harry Potter! |
Ehrlich,
dieser Hund ist ein Schatz! Ich mußte ihn in der ersten Nacht
ja mehrmals rauslassen, zum pi-schern, und nach 5 Minuten kratzte
er schon dezent an der Tür, um wieder reingelassen zu werden.
Beim Spaziergang am ersten gemeinsamen Morgen lief er dann sofort
allein los, und ich dachte schon, na ja, er sucht wahrscheinlich weiterhin
seinen Herrn. Weit gefehlt! Als ich mit Jens und Jonas von der langen
Runde heimkam, lag Jules schon auf der Fußmatte, hocherfreut,
uns wiederzusehen!
Am folgenden Tag ging er zweimal "richtig" mit uns spazieren
und zeigte auch nicht die mindeste Ab-sicht, seine neue Familie für
mehr als eine Viertelstunde aus dem Auge zu verlieren (er sucht nämlich
ziemlich weiträumig und selbständig, wie das Setter halt
machen, die Felder, Wiesenränder und Wäl-der nach Wild ab,
das es derzeit natürlich nicht mehr gibt). |
Es
war wirklich das denkbar schönste Weih-nachtsgeschenk, zu
wissen, daß zumindest die-ser arme, ausrangierte Hundeopa
nun nicht bei klirrendem Frost nach Müll suchen mußte
und einen sicheren Ort hatte, wo er schlafen konnte.
Dann, am 2. Weihnachtstag, ging Jules ver-loren, und das trug
sich folgendermaßen zu: wir gingen allesamt in den Kastanienwald,
fast an-derthalb Stunden von unserem Dorf entfernt. Und just als
ich
umdrehen wollte, um wieder heimzukehren, fand Jules eine verlockende
Fährte und ward nicht mehr gesehen. Ich rief und wartete.
Nichts. Ich ging mit Jens und Jonas allmählich (auf einem
anderen als dem Hinweg) Richtung Heimat, immer mal rufend, horchend
und wartend.
Nichts. Als Jules dann |
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auch
nicht vor der Haustür lag (na, wie hätte
er auch können?!) war ich wirklich traurig. Und als ich den
beiden anderen Jungs ihr zuvor vorbereitetes Futter gab und Jules
Napf stehen
blieb war ich äußerst traurig. Doch kaum hatten
Jens und Jonas gefressen, kratzte es dezent an der Haustür
und Jules ver-langte Einlaß! Mal im Ernst, wenn er meiner Fährte
folgte, die er erst seit 5 Tagen kannte, wie um alles in der Welt
sollte er dann seinen Herrn verlieren?
Auch als Jagdhund ist er noch "toll drauf". Sobald wir
in die Felder oder den Wald hinterm Dorf kom-men, geht er von ganz
allein
los, sucht sich die beste Ausgangsposition um systematisch gegen
den Wind zu suchen, ganz brav auch die Ränder inspizierend.
Dies getan kommt er zu mir, läßt sich loben und geht
ins nächste
Feld. Und das alles im flotten Trab bis Galopp. Keine Spur von Altersschwäche! |
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Klar,
wenn wir nach gut 2 Stunden heimkom-men, frißt Jules und ruht
erst mal zufrieden aus, aber wieso auch nicht? Er hat seine Be-dürfnisse
für den Moment befriedigt und schläft 'ne Runde. Kluger
Hund!
Nun, gleich nach Weihnachten wurde Jules endlich von unserer Tierärztin
untersucht. Einen Chip hat er nicht, stellte sie fest, und die Täto.
Nr ist nicht mehr vollständig lesbar. Aus dem, was man
lesen kann wissen wir aber immerhin, daß es sich um eine
Tätowierung
der ENCI (ital. Äquivalent des VDH) handelt, er also ein reinrassiger
Setter mit Pedigree ist. Meine Altersschätzung war eher schmeichel-haft,
denn die TA meinte, dem Zustand
der |
Zähne
und v.a. der Kiefer nach zu urteilen, könnte der
Hund auch schon gut über 10 Jahre alt sein... Ansonsten
erfuhren wir noch nicht viel: Jules hat eine massive Otitis, leichte
Bindehautentzündung, jedoch ein gesundes Herz, (sein Husten
ist also wohl altersbedingt) er wiegt bei ca. 57 cm Widerrist-höhe
nur wenig über 20 kg (mein sehr schlanker Laufhund Jonas ist
60 hoch und wiegt fast 30 kg...!) und das war's erst mal. Urin-
und
Kotuntersuchung konnten natürlich nicht gleich während
unserer Präsenz gemacht werden, so daß eine Antwort
auf die Frage seines Dauerdurchfalls und der extrem erhöhten
Flüssigkeitsaufnahme
(und -abgabe) noch aussteht. Vor Jahresende liegt noch die Blutabnahme
für Filaria- und Leishmaniosetest, Analyse der Nierenwerte und
so weiter an. |
Übrigens ist Jules völlig ohne (bisher erkennbare) "Macken".
Im Auto mit-fahren kann er ohne Erbrechen und Chaos. Im Wartezimmer
der TA war es ganz schön voll, was Jules überhaupt nicht
störte. Ganz im Gegenteil suchte er freundlich Kontakt zu
den Hunden und Personen, die rechts und links neben uns saßen,
ließ
sich von allen tätscheln: Männern, Frauen, Kindern. No
problem. Auch zeigte er keine Angst vor der TA.
Hier im Dorf ignoriert er Hühner und Katzen.
Wenn ich mal gewaltig die Stimme er-hebe, um diesen Irrwisch von
einem Deutsch Kurzhaar zur Vernunft zu |
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bringen,
oder den nun leider fast völlig tauben Jonas zu rufen, schaut
Jules zwar eine Spur betroffen, nimmt das Ganze aber keineswegs
persönlich.
Nur ein einziges Mal habe ich ihn bisher deutlich unsicher gesehen,
und zwar am 7. Tag seines Lebens bei uns. Da kam uns nämlich
im Wald ein sehr schlanker, hochgewachsener, in Jäger-Outfit
gekleideter Herr entgegen. In Wahrheit der denkbar liebenswürdigste
Mensch und außerdem nicht Jäger sondern Trüffelsucher,
aber Jules mied es tunlichst - und ganz gegen seine sonstigen
Gewohnheiten
- sich dies-em Mann zu näheren. |
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Nun, ich habe
Jules Fund natürlich ordnungsgemäß beim Gemein-deamt
angezeigt (wo selbstredend noch keine Suchanzeige für ihn vorlag).
Sollte sich sein Besitzer nicht binnen 3 Monaten melden, geht Jules
automatisch in "meinen Besitz" über, und dann kann
er ggf. nach Deutschland ausreisen, falls sich dort ein liebevolles
neues Zuhause für ihn findet.
30.12.06
Am vorletzten Tag des alten Jahres kamen dann die ersten Un-tersuchungsergebnisse
der TA, die ich kaum fassen konnte: Jules leidet nicht an Diabetes,
seine Nieren sind völlig gesund, die Blutwerte sind okay.
Wieso also der Dauerdurchfall und das unmäßige Trinken?
Weil der arme Kerl offensichtlich schon seit langem total verwurmt
ist..!
Einmal die Darmparasiten rausge-worfen, gibt's keinen Durchfall
mehr, ergo kein ständiges Trink-en und Pischern (oh, wie
werde ich den morgendlichen Großputz des Hundezimmers vermissen...)
und Jules kann bei ganz normal- |
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er Ernährung
mühelos ein paar Kilo zulegen. Der Filaria-Test erbrachte
die Diagnose "negativ" fürs Serum, aber "positiv"
a fresco, mit anderen Worten: Jules ist 2006 mit der Filaria
in Kontakt gekom-men und hat Mikrofilarien im Blut. Deshalb muß
er für ein komplettes Jahr, also nicht nur im Sommer, monatlich
seine Prophylaxe-Pille nehmen. Die Leishmaniose-Auswertung wird
erst gegen Ende Januar da sein, doch die TA war sehr optimistisch:
Jules zeigt keinerlei Hautauffälligkeiten oder sonstige
typ-ische Symptome, sein Fell ist gesund und glänzend, die
bisherigen Analysen sind erfreulich ausgefallen - gehen wir also
zuversichtlich
ins neue Jahr! Tabletten für den Parasiten-Kill, Kamille und
Tropfen für die Augen, Tropfen für die Ohren, 7 Tage
Antibiotika und homöopathische Tropfen für den Husten,
und der brave alte Jules sollte wieder aufm Damm sein!
Die guten
Untersuchungswerte
und Jules allgemeine Vitalität brachten noch einmal die Frage
seines ge-schätzten Alters auf. Diesmal meinte die TA: 8
- 10 Jahre. Und der Grund für das völlige Fehlen aller
oberen Schneidezähne und die starke Abnutzung der unteren?
Jahrelanges Beknabbern harter Objek-te - Steine oder metallener
Gitterstäbe
z.B...! Na, wenn ich bedenke, wie Jagdhunde in Italien üblich-erweise
gehalten und untergebracht werden, kann ich mir gut vorstellen,
wie er aus schierer Langeweile Tag für Tag, Jahr für
Jahr seine Zähne wetzte. Armer Jules.... |
| 2.1.07
Wieder einmal frage ich mich: wie konnte je-mand diesen Hund
aussetzen?! Da gehen wir heute durch den Wald, Jens, Jonas
und Jules voran, und plötzlich bleibt Jules nahe des Baches
steh-en, duckt sich, verharrt vollkommen regungslos. Ich schaue.
Nichts.
Jonas trinkt im Bach. Gewiß kein Grund für diese Pose.
Jens rennt zu Jonas. Jules, allein am jenseitigen Bachufer, rührt
sich nicht, fixiert etwas. Ich kucke angestrengt und sehe nichts.
Vielleicht wittert er Mäuse? Gehe weiter, überquere den
Bach, und dann, drei Schritte vor mir, und kaum einen vor Jules
Nase |
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steht eine
Waldschnepfe auf
und flieht! Jules stand bombenfest vor, und ich Idiot hatte nichts
ge-merkt! Natürlich, kaum nahm die Beute Reißaus ging
unser Setter hinterher; mit Jens im Kielwasser, der nun auch
endlich
begriffen hatte, was los war. Was ich sagen will: dieser Hund,
mag er 8 oder 10 Jahre alt sein, arbeitet; ganz selbstverständlich;
bei jedem unserer zwei täglichen Ausgänge; im Feld
genauso wie im Wald; mit Passion und Jagdverstand; es ist ihm
so offensichtlich
Freude, Befriedigung und Bedürfnis, daß mir immer wieder
Zweifel kommen, ob er am Ende nicht doch bloß "abhanden"
ge-kommen ist. Andererseits: er ist kein Hund, der verloren
geht; außerdem hat ihn bisher niemand ge-sucht...Hol's der
Henker.
Jules hat mich in den nur 2 Wochen seines Lebens mit uns schon
auf andere, finstere Gedanken ge-bracht, seine Jagdleidenschaft
betreffend.
Manche Tierschutzorganisationen sind froh, ehemalige Jagdgebrauchshunde
aus dem Süden an Nicht-Jäger zu vermitteln. Bisweilen
bestehen sie sogar dar-auf, daß der neue Besitzer kein
Waidmann ist. So wie ich z.B. Aber was, wenn dem Hund das Jagen
ein Bedürfnis
ist? Klar, es gibt Jagdhunde, die sind froh, ihren Job an den Nagel
zu hängen, weil sie - aus welchen Gründen auch immer
- nie Gefallen daran fanden. Aber es gibt auch andere. Jules
meinetweg-en.
Ein Jäger hätte, da am Bach, sofort erkannt, daß
der Hund vorsteht, die Schnepfe absichtlich hoch-gemacht, geschossen,
und dem braven Setter die enorme Befriedigung verschafft, Beute
gemacht zu haben. Ich hingegen stand nur da wie ein Einfaltspinsel
und hab Jules die ganze Arbeit verdorben. Und wie soll das in
Zukunft
weitergehen? Der Hund sucht, nicht weil er muß, sondern weil
er es will, findet vielleicht - und dann? Bestenfalls kann ich
das
Wild zur Flucht zwingen, aber Jules zeigen: Hey, wir sind ein Team!
Du tust deinen Teil der Arbeit, ich den meinen, und wir freuen
uns
gemeinsam am Ergeb-nis, nämlich der Beute - das werde ich
nie können.
Oh, elendes Dilemma! |
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12.1.07
Womit Jules im wahrsten Sinne des Wortes zu kämpfen hat, das
ist Jens, dieser nichts- nutzige, inzwischen 9 Monate alte Deutsch
Kurzhaar-Hooligan. Im Haus benutzt Jens den gutmütigen Setter
nur als Kopfkissen, Wärmflasche, Fussmatte und dergleichen.
Aber draussen, kaum abgeleint, wird Jules zum Sparring-Partner
umfunktioniert.
Oder besser gesagt zum Sandsack fürs tägliche Training
des Champions. Jens hat nämlich ein äußerst unerquickliches
Konzept: Spiel be-deutet für ihn nicht, mit Jules (oder
Jonas, |
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Piru-Piru,
Lilla, mir, oder sonst wem) etwas ge-meinsam zu unternehmen.
Nein. Spiel heisst für Jens, sich mitsamt seiner
erheblichen Körper-kraft nach Lust und Laune auf andere zu
stürzen,
um sie niederzumachen. Ohne Rücksicht, ohne Sensibilität,
ohne echte Aggression. Für ihn ist es nur lebhaftes, von
den anderen unkontrollierbar-es Spiel. Jonas hat der Spass schon
ein Auge
ge-kostet. Jules geht er bisweilen reichlich auf die Nerven, aber
selten wirft der Setter sich in die Brust und gibt Kontra. Meistens
läßt
er sich "mißhandeln". Denn an Mißhandlung
grenzt es schon, wenn der DK-Flegel den Setter an
der Ru- |
te
packt und kräftig zieht, während der Engländer
versucht, in die entgegengesetzte Richtung zu ent-kommen. Wie im
Comic. Nur nicht wirklich zum lachen. Zumal Jules am Ende unter
Garantie
zu Frauchen strebt, und , bitte, beschützt werden möchte...
Ich versteh wirklich nicht, wieso er dem jungen Graußmaul
nicht unverzüglich die Leviten liest. Im Gegensatz zu Jonas,
der sich von dem kleinen Stinker auch alles gefallen läßt,
kennt Jules den Jens ja nicht seit sein-em 45. Lebenstag und
brauchte eigentlich
keine Skru-pel zu haben, ihn mal ordentlich zu verdreschen. Tut
er aber nicht. Es bleibt bei
einer Ohrfeige alle zwei |
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Tage,
und der Effekt ist dürftig.
Versteh einer die (Hunde-)Welt.
27.1.07
Am Donnerstag hatten wir den ersten (extrem verspäteten) Schnee
und mit ihm eine böse Überrasch- ung. Während Jules
mir zu Füßen das Bein hob, sah ich nämlich plötzlich
rot. Nein, nicht symbolisch. Ganz real. Sein Urin reichte während
des Spazierganges von dunkelorange bis zartrosa, und keine
der Nuancen
versprach Gutes. Also gleich eine Urinprobe nehmen, zum TA bringen
lassen, bange abwarten. Heute das Resultat: Jules hat plötzlich
Bestandteile in seinen Ausscheidungen, die da ganz und gar
nicht
hingehören. Hypothese: Blasenentzündung, Prostataentzündung,
oder, alle guten Geister mögen es vereiteln, ein Tumor. Im
Moment bekommt Jules Antibiotika, aber um sicher zu gehen, steht
für die nächste Woche eine Ultraschalluntersuchung auf
dem Programm. Wollen's Beste hoffen...
17.3.07
Hart sind die Nackenschläge des Schicksals. Und diesmal bekam
auch ich sie zu spüren. Es müßte auf höchster
Ebene unterbunden werden, dass alleinerziehende HundehalterInnen
krank werden. Ich hab eine entsprechende Petition eingereicht,
aber offensichtlich zu spät, denn ich wurde trotzdem krank,
und das bedeutete leider, Jules vorzeitig dem Tierschutz übergeben
zu müssen, da, hol's der Teufel, ausgerechnet zur selben
Zeit auch seine deutsche Patentante aus gesundheitlichen Gründen
schachmatt gesetzt war. So kam Jules Anfang Februar in die Tierunterkunft
einer Mailänder Organisation. Wenige Tage darauf erhielt ich
per e-mail ein Kurz-Video und ein Foto von ihm sowie die Nachricht
der deutschen Schwesterorganisation, dass sich in der BRD bereits
Interessenten für den Setter gefunden hätten. Und dann
- Schweigen in Walde. Ich ersuchte zweimal schriftlich um detaillierte
Auskünfte über Jules' Befinden, denn schließlich
stand die Ultraschalluntersuchung noch aus, die ich nicht mehr
hatte
durchführen lassen können. Nichts. Ich fragte, an welche
Adresse ich das Ergebnis seines Leish-maniose-Tests (das übrigens
zu meiner Erleichterung negativ ausfiel) schicken könne.
Nichts.
Ich hoffe nur, dass der Mensch, der Jules eines Tages adoptiert,
sich bei mir meldet, denn wenn dieser bravste aller Setter auch
nur recht kurz bei uns gelebt hat, möchte ich doch wissen,
wie es ihm geht, ob sein Pischerproblem ernste Gründe hatte,
ob er sich in Deutschland eingelebt hat, kurz: was aus ihm geworden
ist! Und wenn Sie etwas über meinen früheren Adoptivhund
erfahren - informieren Sie mich bitte.....!
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19.1.08
Neuigkeiten von Jules!
von Nicole Neuer
Jules
lebt seit April 2007 bei uns. Lange hatten wir schon überlegt,
ob wir diesem süßen Senior ein Zuhause geben könnten,
denn ich habe mich gleich von Anfang an in ihn verliebt. In seiner
Beschreibung (auf der Vermittlungsseite im Internet) stand aber,
dass er mindestens 3 Stunden täglich
Fährtenarbeit und Nasenarbeit fordert, und das konnten wir
ihm nicht bieten. |
Als
Jules dann zum Notfall erklärt wurde, da er einen Tumor
in der Blase hatte, entschieden wir uns doch
für den Opi . So
kam der süße Kerl im April 2007 zu uns. Er war gleich
Zuhause und wickelte alle Zwei- und Vierbeiner um den Finger.
Im Nu waren die Couch und das Bett erobert. Keala, unsere English
Setter Hündin, verliebte sich sofort in ihn, und auch
unsere kleine Thelma, ein damaliger Pflegehund, war begeistert
von seinem Charme.
Jules lebte sich schnell ein, mußte aber nach kurzer
Zeit schon opertiert werden, denn
er hatte auch einen riesen- |
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großen
Hodentumor, der eigentlich mit dem bloßen Auge schon sichtbar
war. Zum Glück erwies er sich als gutartig. Nach über
einem halben Jahr mußte Jules leider erneut operiert werden,
denn der Tumor, der regelmäßig
per Ultraschall kontrolliert wurde, war gewachsen. |
Er überstand
die doch ziemlich schwere und komplizier-te Operation gut. Übrigens
wurden bei der Gelegenheit auch gleich seine Zähne saniert:
leider hat er drei von ihnen verloren.
Seitdem
genießt er sein neues Leben: ab und zu mal eine Fährte suchen,
Leckerchen im Baumstamm erschnüffeln, sich den Kopf über
die neuen Intelligenzspielzeuge zer-brechen, in Handtücher
eingewickelte Leckerchen aus-packen und, und, und.
Natürlich darf er auch nicht fehlen wenn wir Spenden
zusammenrichten
für die zurückgebliebenen Italiener: |
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er
muß immer kontrollieren,
ob das Futter noch okay ist, und ob die Decken und Hundekörbe
noch ihren Zweck erfüllen.
Wenn
sonst nichts zu tun ist, geht er immer wieder mal eine Fährte
für unsere English Setter Hündin Keala. Jules bevorzugt
die kürzeren Fährten und auch die kleineren Flächen
die er dann absucht.
Alles
in allem, würde ich behaupten, geht es ihm hier richtig
gut. Er hat geistige und körperliche Be-schäftigung
und liegt abends immer glücklich mit im Wohnzimmer und schaut
fern. Das natürlich am liebsten auf dem Schoß - trotz
seiner fast 25 Kilo... |
Update
9.11.08
von Nicole Neuer
Jules ist nun tatsächlich seit einem Jahr und acht Monaten bei uns, gefühlt wie 12 Jahre (sollte er bereits so alt sein). Jules ist ein wahrer Traumhund; wir hatten nun ja schon einige Setter aus Italien, und jeder ist auf seine Seite wunderbar. ABER Jules ist so ein einmaliger, liebenswerter, sturer, zuckersüßer, gereifter Jagdopi.
Dass er früher mal ein Champion war läßt sich nicht leugnen. Er liebt es in Feld, Wald und Wiese Gassi zu gehen, die Nase im Wind oder einer Spur folgend auf dem Boden.
Stur wie die Oldies eben so sind, wird er, wenn's mal nicht so geht wie er das möchte, bockig. (Natürlich bekommt Opi zu 99% seinen Willen.)
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Jules als "Vorkoster"....
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Jules hat so einige Hobbys und Aufgaben, die er Tag für Tag sehr zuverlässig erfüllt. Dazu gehört z.B. die tägliche Fütterung der Meerschweinchen. Bei dieser Gelegenheit werden natürlich die Karotten, Äpfel und auch mal die Leckerchen versucht. Darf er mal nicht mit, bellt er sehr konsequent an der Balkontür bis die Türe geöffnet wird... Nach den drei Gassirunden, die er täglich immer noch sehr genießt, ruht er zuhause auf seinem Hundesofa aus. Bei den Ausgängen bauen wir für unsere drei Jäger übrigens auch immer wieder Futterspiele ein; wir verstecken Leckerlies in alten Baumstämmen, legen Fährten oder lassen unsere Meute eine große Fläche nach den zuvor verteilten Lecker- lies absuchen.
Jules ist immer mit Feuereifer dabei; er genießt es über die Wiesen zu rennen und nach Leckereien zu suchen. |

....und nach getaner Tat.... |

Leckerli gefunden!! Alle Fotos: Nicole Neuer
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Leider findet Jules nicht immer nur ein Leckerli sondern auch mal Hinterlassenschaften von Schafen...
Auf dem Heimweg hält er auch gern Ausschau nach Birnen oder süßen Äpfeln, die er noch während des Spaziergangs vertilgt. Manchmal bis zu drei Birnen am Tag! Sollte er mal genug haben, dann verbuddelt er seine Beute, und kontrolliert täglich, ob das Obst noch da ist. Sollte dieses inzwischen von einer Maus angenagt worden sein, läßt er z.B. den Apfel nicht mehr in seinem Versteck, sondern frißt ihn ganz hurtig auf.
Jules ist unser großer Schatz. Er ist einfach nur goldig und lieb, obwohl er mit anderen Hunden das eine oder andere Mal auch ziemlich sauer wird. |
Wir lieben diesen Sturkopf über alles und möchten ihn nie mehr missen.
Einen Hinweis habe ich noch: in dem Bericht über Jules, als er im Kastanienwald abgehauen ist, da gibt es eine 100 %ige Erklärung. Jules hat sooo zarte Füßchen - er kann auch bei uns nicht oder nur sehr schwer an einem Kastanienbaum vorbeilaufen, denn dieses stachelige Zeugs mag er überhaupt nicht, da geht er wie auf rohen Eiern.
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Update5.07.09
von Sabine Middelhaufe
Liebe Leser, wenn Sie den Bericht über Jules bis hierher verfolgt haben, werden Sie bestimmt verstehen, wieso ich jedes Mal, wenn ich eine Email von Nicole in meinem Postfach finde, einen Moment den Atem anhalte - schliesslich ist "Opa Jules" nicht mehr der Jüngste - und dann mit riesiger Erleichterung und Tränen in den Augen lese und sehe, was er inzwischen wieder alles ausgeheckt hat...
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Was hat Keala denn da entdeckt?

Oops! Da muss Jules doch erst mal genau kucken...

...und dann nix wie hinterher! Von wegen Oldie-Parade: Senior Jules im Galopp! Alle Fotos: Nicole Neuer
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Klar, jeder Hund ist besonders, aber für Nicole und mich ist Jules nun mal besonders besonders.
Er hat uns mit seinem Charme, seiner Liebenswürdigkeit, seinem Einfühlungsvermögen und seiner enormen Lebensbejahung komplett um den Finger gewickelt, und obwohl Nicole nach fast zweieinhalb Jahren mit ihm zweifellos sein wahres Frauchen ist, wird Jules immer einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen haben. Und Nicole ebenso. Denn zu wissen, dass Jules, den in Deutschland ein ganz und gar ungewisses Schicksal erwartete, ausgerechnet bei ihr gelandet ist, wo er Liebe, Respekt, Verständnis und als Draufgabe noch eine betörende Setter Hündin gefunden hat - na, besser kann's doch gar nicht werden!?
Jules ist für mich aber auch ein Symbol für die vielen Jagdhunde im Tierschutz, die wegen ihres fortgeschrittenen Alters eher zögerlich oder überhaupt nicht mehr adoptiert werden. Dabei könnte Nicole Neuer seitenweise davon erzählen, wieviel Freude so ein Senior bereitet! Wieviel Energie in einem "alten" Hund steckt, wieviel hundliche Weisheit, wieviel "feeling" für seinen neuen Menschen!
Leider hat der Oldie Jules einen weiteren Tumor entwickelt, der nicht operabel ist, aber hoffnungsvoll mit Spinnengift behandelt wird. Ich glaube, wenn die guten Wünsche der vielen Menschen, die seine Geschichte mittlerweile kennen und die Liebe seines Frauchens, Nicole, von seiner eigenen Lebensfreude ganz zu schweigen, ihm in dieser misslichen Lage helfen können, hat Jules gute Chancen, der älteste Hund der Geschichte zu werden..!
Update 9.2.2010
von Nicole Neuer
Opi Jules geht es zur Zeit hervorragend. Nachdem wir uns kurz vor Weihnachten wirklich sehr große Sorgen um seine Gesundheit machen mußten, hat er sich in kürzester Zeit wieder so toll und Energie geladen aufgerappelt. Er strotzt nur so vor Tatendrang. Jeden Tag hat er neue Ideen für irgendwelche Streiche auf Lager, sei es mal den Himbeerquark vom Küchenschrank zu probieren, den Orangensaft zu klauen, oder die Spaghetti vom Kühlschrank zu rauben und in "seiner Beutekammer" in Windeseile zu verschlingen.
Gerade heute kam der "junge Mann" vom Keller hoch ins Wohnzimmer - in der Zuckerschnute (man glaubt es eigentlich nicht) hatte er wie ein Profi ein Vogelhaus am Aufhänger hochgetragen und in seine Beutekammer geschleppt, um es abzusabbern... könnten ja noch Reste vom Fettfutter drin sein. Leider war ich zu langsam; das wäre sonst der Schnappschuß des Monats geworden. Natürlich hilft er immer noch wie gewohnt die Meerschweinchen zu füttern, es fällt ja schließlich auch was für ihn ab!
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Oben und alle folgenden: Schneespass für Jules und seine "Meute". Alle Fotos: Nicole Neuer




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Beim Gassi gehen ist er so fit wie schon lange nicht mehr. Er genießt den Schnee, galoppiert wie ein Wilder, selbst durch den tiefen Schnee (50-60 cm hatten wir zeitweise). Er fängt nun auch wieder an, einfach mal auf eigene Faust durch die Prärie zu stöbern. Da er ja fast taub ist, arbeiten wir mit Sichtzeichen, nur wenn er keine Lust hat, wie vergangenes Wochenende, übersieht er das mal ganz elegant und trabt weiter seines Weges. Keala sucht ihn zum Glück, und wenn es klappt, kann sie ihn dazu animieren zurückzukommen.
Gerade schläft der junge Mann tief und fest, zufrieden, voll gefuttert. Sicher träumt er schon von Morgen, mal schauen was er uns dann bieten wird :-)))
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