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Bellini

 

 

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Bellini
von H.T. Brennig

Wie kam Bellini in mein Leben, oder fragen wir, wie kam ich in Bellini's Leben?
Der erste Kontakt zu Bellini war im Internet über eine Tiervermittlungsseite. Ich war auf der Suche nach einem Klon meines Schäferhund-Collie-Mixes Flax, sehr dumme Idee sage ich heute. Aber Bellini's Bild hatte große Ähnlichkeit, wie er da so am Tor stand. Also griff ich im September 2005 zum Telefon.
Am 11. September fuhr ich dann nach Essen in die HundeAauffangSTation, sprich HAST des Vereins AgTiere und sah Bellini zum ersten Mal "Auge in Auge". Vom Bild hatte ich mich täuschen lassen, er war viel kleiner. Mein Standardspruch, ein Hund fängt da an wo man sich nicht bücken muss zum Streicheln passte nicht mehr. Eine Mitarbeiterin, Frau Seegel, hatte mir die Enttäuschung auch angesehen. Gut, nachdem er sich direkt "auf mich schmiss" gingen wir eine Runde spazieren. Irgendwie zog er mich in seinen Bann und nach dem Spaziergang war ich "überredet".
Da ich zu der Zeit aus beruflichen und gesund-
heitlichen Gründen keine Möglichkeit hatte Bellini direkt zu übernehmen, vereinbarten wir ein zeit-liches Übergangsmodell bis zum Jahresende. So trafen wir uns jeden Samstag und Sonntag zu einem ausgedehnten Spaziergang in der Hast. Nach sehr kurzer Zeit lief er allein mit mir und ich konnte ihn bei freier Sicht auch mal ableinen. Ab Anfang November fuhr er dann jeweils Freitags mit mir in den "Wochenendurlaub". Die Autofahrten waren allerdings nicht so sein Ding, meistens musste er danach erbrechen.
In der Zwischenzeit bemühte ich mich, Bellini's Vorleben zu erforschen. Ein paar eMail's nach Italien; nicht alle wurden beantwortet. Aber es gab eine sehr hilfreiche Person, jetzt fällt mir auf, dass ich nie gefragt habe welche Na-tionalität sie hat. Also, diese Person hat für mich den italienischen Schriftverkehr erledigt, da meine Kenntnisse der italienischen Sprache als nicht vorhanden bezeichnet werden können. Ich bin ihr sehr dankbar für ihre Arbeit mit der Erfüllung meiner Wünsche. Sie hat folgen-des ermittelt: Bellini alias Tommy wurde im September 2003 am Strand in der Nähe der
Stadt Lecce (Region Puglia/Hauptstadt Bari - der so genannte Stiefelabsatz Italiens) von einem jung-en Freundespaar im Urlaub gefunden. Während ihres Aufenthaltes sorgten sie für Futter und tauften ihn Tommy. Er gewöhnte sich an sie und wurde sehr anhänglich. Während der Urlaubszeit meldete sich niemand als Besitzer von Tommy und da sie ihn nicht im Touristendorf zurücklassen wollten, haben sie ihn nach Ende der Ferien mit nach Mailand genommen. Dort aber begannen die Probleme mit der Unter-bringung von Tommy. Zuhause bei den jugendlichen Tierschützern gab es bereits drei Rüden, und des-
halb musste eine vorübergehende Unterkunft für Tommy gefunden werden. Er wurde also in einer Hundepension untergebracht, bei ein-em Herrn Cosimo. Fast ein Jahr lang haben die beiden jungen Men-schen die Unterkunftskosten für Tommy bezahlt. Aber dann schaff-ten sie es finanziell nicht mehr. Herr Cosimo hat dann Tommy an eine Tierschutzorganisation weitergegeben. Die beiden jungen Tierschüt-zer haben sich sehr um Tommy gekümmert und haben ihn jeden Sam-stag besucht und sind mit ihm spazieren gegangen. Aus der Zeit in Italien gibt es noch dieses Foto aus dem Jahr 2004. Irgendwie ein
bisschen unglücklich wirkt er doch. Im April kam Tommy dann mit dem Auto nach Deutschland, und mehr habe ich bis heute leider nicht erfahren können. Ich hätte gerne mit den beiden Kontakt aufge-ommen. Aber zurück in die Gegenwart....
In Düsseldorf war Bellini erst mal ein ganz ver -änderter Hund, der allerdings sofort seine Be -sitzansprüche wie Bett, Kofferraum und Fut-terplatz vehement verteidigte. In mühevoller gemeinsamer Arbeit lösten wir dieses Problem ganz langsam auf;heute existiert es nicht mehr. Der Kontakt mit anderen Hunden, z. B. meiner ehemaligen Hundegruppe, war sehr souverän. Als ich ihn am zweiten Weihnachtstag noch ein-mal für eine Woche in die Hast bringen musste, zeigte er zum ersten Mal eine Gefühlsregung. Bei der Besprechung der Übernahme saß er in seinem Körbchen und junkste leise.
Ab dem 01. Januar zog er dann zu mir. Eine Mitarbeiterin des Vereins, Frau Seegel, kam montags bis freitags im Laufe des Tages zu einem Spaziergang mit ihm vorbei. Diese Regelung, meine geplante Her-abstufung auf 20 Stunden Arbeitszeit/Woche war zu 01. März beschlossen, half uns die ersten zwei Monate zu überbrücken. Wie sich zeigte, war das auch eine sehr gute Lösung. Da Bellini uns beide kannte, gab es erst einmal keine neue Person zum Austesten für ihn. Nach kurzer Zeit piselte er nicht mehr auf die Terrasse, sondern zeigte, dass er ein Bedürfnis zu einem Spaziergang hatte. Er lebte sich dann richtig ein und seine Jagdleidenschaft auf Jogger und Mountainbiker kam voll zum Ausbruch. Die Teilnahme in einer Hundeschule in Langenfeld war uns leider nicht lange möglich. Nach diesen Tagen hatte er jeweils zwei bis drei Tage fürchterliche Magenprobleme. Ob der Stress nun durch die Fahrt, die Hundeschule oder beides erzeugt wurde, wir wissen es nicht.
Um nun doch seiner Jagdleidenschaft auf die Objekte seiner Begierde Einhalt zu gebieten, beschloss ich noch in Verbindung mit der Hun- detrainerin, ihn nicht mehr von der Leine zu lassen. Laufleine war nicht möglich, da mir die Abbremsung für Bellini aus folgenden Gründen zu abrupt war: Bellini war Anfang Januar bei der Tierärztin, Frau Dr. Herrmann, zu einer "Sportuntersuchung". Ich dachte, wenn ich schon so einen Quirl habe, sollten wir Dog-Frisbee spielen. Bei den Röntgenaufnahmen des Rückens zeigte sich in einem Segment eine schwere Spondylose, also Schluss mit Lustig,
sprich Dog-Frisbee. Darum nahm ich dann auch eine 8 Meter lange Flexileine, an der er nun bis zum Ende des Jahres läuft. Wenn wir größere Freiflächen erreichen, darf er auch von der Leine. Dann ent-wickelt er einen wahren Tobeanfall vor Begeisterung. Das sind dann die Momente, in denen ich mehr als froh bin Bellini genommen zu haben.
Leider passierte dann Anfang Mai wieder ein Unglück. Bellini rammte sich, wie immer er das auch ge-macht hat, ein Stöckchen zwischen die Hinterbeine in den Bauch. Allein schon die Vorstellung, einfach grauenhaft, aber nun war es Ernst. In der Tierklinik wurde er dann zweimal operiert. Verweildauer:
eine Woche. Na ja, meine Hände, in die er mich gebissen hatte brauchten auch zwei Wochen. Also, wir litten zusammen und wurden auch zu-sammen wieder gesund. Wie schrieb die Vorsit-zende des Vereins, Frau Becker, "es ist eben eine echte Männerfreundschaft".
Das Glück im Unglück war die Festigung unse-rer Beziehung. Er erlebte mehrfach, dass ich ihm nur gut tat. Wenn ich zum Beispiel seinen Bauch und die Operationsnarben mit Salbe ein-rieb, kühlte es angenehm.
Leider gab es auch Negatives. Zum Beispiel, die Hundebesitzer, die ihren Hund ohne Kommen-
tar auf meine Bitte ihn zurück zu halten, nun doch auf Bellini zustürmen ließen. Er mit seinem Trichter um den Hals und ohnehin der schlechten Verfassung war anfangs total geschockt und wurde dann leider mit zunehmender Gesundheit immer giftiger. Die Leinen-Behandlung hatte zwar schon geholfen seine Jagdleidenschaft auf Jogger und Radfahrer abzuschwächen, aber die Trichtertragezeit verstärkte leider seine Aversionen gegen verschiedene Hunderassen. Nun, mit diesem Unfall hatte er auch unser letztes "freies" Geld verschleudert, so dass wir im Urlaub nur die nähere Umgebung unsicher machen
konnten. Aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Bellini zeigte mir dann eines Tages am Rhein, dass er keine Angst vor Wasser hat und gut schwimmen kann. Dann kam die Zeit der großen Hitze; vielleicht hab-en Sie das Gleiche wie wir gemacht, viel ge-trunken und geschwitzt. Selbst unserem Itali-ener Bellini, war es zu warm. Doch wie alles im Leben, die Hitze ging vorbei und wir konnten wieder normal leben. Bellini vertrug wieder im-mer längere Phasen ohne Leine, selbstverständ-lich nur wo ich das Terrain gut überschauen konnte. Gleichzeitig kam er immer mehr aus
sich heraus. Die Angewohnheit, wenn er nicht bespielt wurde, sich direkt in sein Hundebett zu verzieh-en und dann stundenlang dort reglos zu verharren, löste sich etwas auf. Er legte sich öfter mittags auf die Terrasse und genoss die letzten Sonnenstrahlen. Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, entdeckte er zum ersten Mal selbstständig ein Spielzeug. Mir fiel beim Packen eines Wichtelpaketes für einen anderen Hund ein kleiner roter Gummihund auf den Boden und quietschte leise. Bellini war blitzschnell da und nahm ihn vorsichtig auf. Seitdem trägt er ihn mindestens einmal pro Tag woanders hin, leckt ihn an und lässt ihn dann da liegen. Als nächste Ziele haben wir nun Weihnachten, den Übergang ins Neue Jahr und seinen Geburtstag am 27. Februar vor uns. Ich denke, es geht weiter und seine schlechten Erfahr-

ungen tauschen sich langsam aber beständig ge-gen gute aus. Und getreu dem Motto, das Leben geht vorwärts, verlassen wir Sie nun. Wir wün-schen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins nächste Jahr. Falls es Sie dann mal interessiert wie's weitergeht oder Sie diese Kurzfassung vertiefen wollen, gibt es hier einen Tipp: Sie sind gerne gesehen auf www.aedilius.de, dort gibt es den Bereich des Großen Bellini, aber haben Sie Verständnis, wir arbeiten auch noch dran.
Herbert & Bellini

Alle Fotos: H.T. Brennig

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