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Donald
- die Reiherente
Ich war auf dem Nachhauseweg von der Arbeit und überlegte,
welchen Weg ich zum täglichen Abend-spaziergang mit
meinen Hunden wählen sollte. Ich bog in eine Straße
ein, die ich sehr selten fahre - eine geteerte Verbindungsstraße
zwischen zwei Ortschaften. Als ich auf Höhe des letzten
Gartenzaunes ankam, flitzte ein kleines, braunschwarzes
Etwas am Zaun entlang. Ich hielt an und sah, daß es
ein kleines Entenküken war. Als ich ausstieg, raste
die kleine Ente wie wild davon. Ich hatte mir beim Aussteigen
eine Decke gegriffen, die jetzt nützlich wurde: bevor
das Küken das Ende des Zaunes erreichen konnte, warf
ich die Decke und verhinderte so seine weitere Flucht.
Vorsichtig
nahm ich dann das Bündel auf und befreite die Kleine
aus der Decke. Nun konnte ich mich endlich in Ruhe nach
möglichen
Artgenossen umsehen. Im Garten des zum Zaun gehörigen
Hauses gab es schon mal einen Teich. Doch meine aufsteigende
Freude wurde jäh gestoppt, als ich dort weder Geschwister,
noch andere erwachsene Enten entdecken konnte. Das einzige
Tier, das mich aus schmalen Augenschlitzen wütend anblickte,
war eine große schwarze Katze. Ich suchte auch in
den anderen Richtungen nach irgendwelchen Artgenossen
der kleinen
Ente - vergeblich. Da ich sie nicht hier allein zurücklassen
wollte, nahm ich sie kurzentschlossen mit nachhause. Die
Katze
mußte sich nach einem neuen Opfer umsehen.
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Es
war klar, daß es sich weder um eine Haus- noch eine Stockente
handelte, sondern um eine Wildente, und nach Sichtung der heimischen
Lektüre stand fest: ich hatte eine Reiherente gefunden.
Von nun an fuhr das Entlein jeden Tag mit mir zur Ar-beit
und erfreute dort das gesamte Personal. Junge Enten sind
sehr
anhänglich
und folgen ihren Müttern normalerweise auf Schritt und
Tritt. Vorerst war es allerdings in einer großen Kiste
untergebracht und durfte nur zwischendurch einmal hinter
mir
her wat-scheln. Da Entenküken von Anfang an selbständig
Nahrung aufnehmen und sich hauptsächlich von Insek- |
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ten ernähren,
mußte das Futter in einer flachen Schale in Wasser eingeweicht
angeboten werden. Ge-trocknete Insekten, die im Zoofachhandel
teuer angeboten werden, bildeten in der ersten Zeit die Nahrungsgrundlage.
Die junge Reiherente wurde Donald getauft und schwamm in meinen
Arbeitspausen in einem großen Waschbecken. Reiherenten
gehören zu den Tauchenten und können schon im Alter
von wenigen Tagen flink und wendig unter der Wasseroberfläche
nach Nahrung suchen. Donald bekam also ein Wasser-becken,
in dem das Futter "versenkt" wurde und er seine
Fertigkeiten im Tauchen weiterentwickeln konnte.
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Er
wuchs sehr schnell und zog zuhause schließlich in
ein Freigehege mit zwei anderen Enten, die sich mittler-weile
eingefunden hatten. Den ganzen Tag war das Trio damit beschäftigt
mit den Schnäbeln in der Erde her-umzustochern, das
Wasser durchzufiltern, zu schwimmen und zu tauchen.
Unterdessen war Donald die Reiherente durchgefiedert und
ich erwartete jeden Tag, daß aus den Flugversuchen ein Start
in sein neues Leben werden würde.
Eines Morgens war es dann so weit. Donald flatterte wie wild
mit seinen kleinen Schwingen, hob ab und flog davon.
Das Jugendgefieder von Erpeln ähnelt dem der weibli-chen
Tiere sehr und wechselt erst mit der ersten Maus-er. Ich habe
Donald nie wieder gesehen und weiß daher bis heute
nicht, ob er wirklich ein Donald war... |
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