| Rocky
- das Wildkaninchen im Musikrausch
In Nürnberg
findet alljährlich im Frühjahr ein großes
Musikevent statt, dass sich über mehrere Tage ausdehnt.
Es nennt sich Rock im Park und ist ein Open air Konzert,
bei
dem sich Tausende von Musik-begeisterten zusammenfinden.
Die meisten von ihnen zelten auf dem Veranstaltungsgelände
und ver-bringen die Tage zwischen Musikberieselung
und Alkoholkonsum.
Im Jahr 2006 fanden Besucher dieser Veranstaltung ein junges
Wildkaninchen, das wahrscheinlich durch den plötzlichen
Ansturm von Tausenden von Menschen von seiner Familie getrennt
worden war.
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Es
war in einem sehr schlechten Zustand, und so brachten
sie es
zu dem dort befindlichen Sani-tätszelt des Deutschen Roten
Kreuzes. Einer der Sanitäter nahm sich des kleinen Tieres
an, nahm es nach dem Dienst mit nach Hause und päppelte
es so gut er konnte auf.Doch der Zustand ver-schlechterte
sich
und nachdem der Mann sich nicht mehr zu helfen wusste, kam
der Findling zu mir.
Es war ein jämmerlicher Anblick und ich konnte dem Sanitäter
nicht viel Hoffnung machen, dass das junge Kaninchen überleben
würde.
Der Kleine war etwa 3 Wochen alt.
In
diesem Alter verlassen junge Kaninchen
zum
ersten Mal
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ihren
sicheren Bau, um Ausflüge zu unternehmen. Da Kaninchen
in Kolonien leben finden sich immer meh-rere "Babysitter",
die die Aufsicht übernehmen und bei drohender Gefahr
warnend mit den Hinter-läufen klopfen. Daraufhin
verschwinden die Jungtiere blitzschnell in ihren Bauten.
Dieser Kleine hatte jedoch den Anschluß verloren und
war wohl ohne Nahrung einige Zeit lang herumge-irrt. Er
war
sehr schwach und hatte die ihm angebotene Milch auch nicht
angenommen.
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Jungtiere
kühlen sehr schnell aus und so setzte ich das Kaninchen
in eine abgedun-kelte Box mit einer Wärmelampe.
Mehrmals am Tag bot ich ihm vorsichtig mit einer Plastikspritze
eine
spezielle Milch an, bis er schließlich auf den Ge-schmack
kam und langsam anfing, sie auf-zuschlecken.
Es dauerte einige Tage bis der kleine Findling richtig
an der Spritze nuckelte und die aufgenommene Menge größer
wur de. Mit jedem Tag wurde er ein bisschen lebhafter und
ich entschloß mich, dem |
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Überbringer
Bescheid zu geben, dass er es überstanden hatte. Aufgrund
des Fundortes hatten die Kin-der des Mannes das Kaninchen "Rocky" genannt
und so behielt er diesen Namen.
Nach einiger Zeit begann Rocky nun auch an den angebotenen Äpfeln,
Karotten und Gurken zu knab-bern. Er zog in einen großen
Käfig um und nachdem das Wetter langsam besser wurde, wanderte
der Käfig nach draußen in einen überdachten
Freisitz. Hier wuchs das kleine Kaninchen heran, doch die
er-hoffte
Scheu vor Menschen wollte sich nicht so recht einstellen. |
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Das
größte Problem bei der Wildtieraufzucht ist eine
vernünftige Auswilderung. Diese kann nur ge-lingen, indem
man den Kontakt zu den Tieren stetig reduziert, sobald sie selbständig
Nahrung aufnehm-en können. Normalerweise stellt sich die
erwünschte Wildheit dann relativ schnell ein.
Rocky fand diesen Plan allerdings inakzeptabel. So-bald sich
jemand zeigte, um ihm seine Futterration zu bringen, stand
er
am Gitter. Es kostete sehr viel Überwindung, ihn möglichst
wenig zu beachten. Auch bei den angebotenen Freiläufen
suchte er immer den Kontakt zu uns. |
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Schließlich
bekam ich einen zweiten Findling. Es war eine kleine Wildkaninchendame,
die schon etwas größer war als Rocky bei seiner
Ankunft - und sie war relativ scheu. Die beiden gewöhnten
sich sehr schnell aneinander, und endlich orientierte sich
auch Rocky mehr an seiner Kameradin denn an uns.
Als die beiden groß genug waren suchte ich einen schönen
Platz an einem See, an dem sich viele Wild-kaninchen tummeln.
Nicht jedes Gelände ist für Kaninchen geeignet,
da sie weit verzweigte Röhren unt-er der Erde graben. |
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Ich
hatte
überlegt, ihn an seinem Fundort aus-zuwildern, doch
nachdem inzwischen in Nürn-berg die Myxomatose - eine
tückische
Krank-heit, die jedes Mal sehr viele Kaninchen das Leben
kostet - ausgebrochen war, schien mir dies die bessere Lösung.
Als ich den Kennel öffnete, passierte zuerst einmal
gar nichts. Wieso sollte man als Kanin-chen auch die sichere
Höhle verlassen, wenn man nicht weiss, was einen draußen
erwartet?
Schließlich kippte ich die Plastikbox so, dass die beiden
langsam herausrutschten.
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Nachdem
sie sich kurz orientiert hatten, verschwanden sie gemeinsam
im Brombeergestrüpp. Vielleicht haben sie dort einen
neue Familie gegründet...
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