| Pointer Gonzo
Gonzo stammt, wie sein diesjähriger Vorgänger Nero, aus Spanien, von wo er leider als Folge einer Verletzung eine verstümmelte Vorderpfote mitgebracht hatte. Letztes Jahr war ich sprachlos, wie souverän der hübsche Kerl sein Handicap kompensierte und mit offensichtlichem Genuss über die Wiesen galoppierte. Dieses Jahr hatte er zwar deutlich mehr Probleme, aber seiner Freude an der Bewegung und seiner Entdeckungslust tat das keinen Abbruch. |

Zu allen Abenteuern bereit.
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Allerdings rief Gonzo bei mir eine Beobachtung aus dem Vorjahr in Erinnerung, von der mir auch schon andere Hundebesitzer erzählt hatten. Gemeint ist die Tatsache, dass keineswegs jeder Vierbeiner fähig ist, seinen Energiehaushalt angemessen selbst zu verwalten.
Anfangs dachte ich das beträfe nur Hunde mit körperlichen Problemen, wie eben Gonzo, oder Gina und Luisa, die einerseits die enorme Jagdpassion und Bewegungsfreude des Pointers im Blut haben, andererseits aber durch im Erwachsenenalter zugezogene Verletzungen bzw. Krankheiten nicht mehr so können wie bisher - was ihnen natürlich nicht wirklich bewusst ist, zumal tägliche Medikamentengabe die Schmerzen und anderen Begleiterscheinungen sehr dämpft. Ergo gilt die Devise: solange es nicht wehtut, weiter rennen!
Für den Besitzer hat dies zur Konsequenz, dass er ein sehr gutes Gespür für die reale Belastbarkeit seines Hundes entwickeln muss, um rechtzeitig abzubremsen und Pausen zu verordnen, ohne dem Tier die Freude am Spielen und Arbeiten zu vermiesen.
So weit, so gut. Was mich nun total erstaunte waren Berichte von Hundebesitzern, deren kerngesunder Vierbeiner sich ohne Rücksicht auf Verluste bis zum Zusammenklappen verausgabte - wohlgemerkt stets im Zusammenhang mit jagdlichen Aktivitäten, sei es der verbotenen Hasenhatz, der erlaubten Verfolgung tief fliegender Schwalben oder ähnlichem. Ich hätte bis dahin geschworen (oh wie gut, dass ich's nie getan hab!), dass ein erwachsener Hund "aus gegebenem Anlass" zwar mal über seine Grenzen gehen kann, sprich: auch die Energiereserven noch anzapft, aber dass er bis zum Kollaps rennt, nee, das hätte ich nie geglaubt.
Frage: Warum tut er das? Antwort: Ich weiss es nicht. Vielleicht Instinktausfall? Vielleicht Mangel an Resistenz durch fehlenden täglichen, wohl dosierten Auslauf? Oder hohe Lufttemperaturen im Sommer? Übersteigerte Beutegier? Keine Ahnung... Ich weiss nur, es gibt Hunde, die haben das ganze Jahr über eine super Kondition, wie Danny,
Nuccia und viele andere Laufhunde, und fangen sich auch nach maximaler Belastung sehr schnell wieder, und es gibt welche, die müssen sich mit wesentlich weniger bescheiden und tun das - meistens - aus eigenem Antrieb. Wenn nicht, müssen Herrchen und Frauchen eben die Kontrollfunktion übernehmen und ihren Hund vor Schaden bewahren.
Das Klügste ist aber allemal,
durch sinnvoll aufgebautes, tägliches Training die Kondition des Hundes allmählich zu verbessern, und wenn er sich zwischendurch hechelnd in den Schatten oder die erstbeste Pfütze wirft, dann ist das eine weise Entscheidung seinerseits und die sollten wir akzeptieren. |

Gonzo beim erfrischenden Bad im Wald..
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Gonzo hatte mit seinem Kollegen Nero nicht nur die spanische Heimat gemeinsam, sondern auch den guten Grundgehorsam, intensive Führerbindung und das vielfältige Interesse. Ob wir auf den Wiesen übten oder Gonzo mit Herrchen durch den Wald wanderte, der Pointer fand offenbar überall spannende Geruchsabenteuer und liess sich von dem ständigen bergauf, bergab ebenso wenig schrecken wie von den "off-road" Expeditionen. Leider übernahm er sich vor allem bei den morgendlichen Wanderungen bisweilen und musste dann nachmittags das (Hunde-)Bett hüten. |

So vergleichsweise wildarm unsere Wälder auch sind, für geübte Hundenasen gibts immer was zu riechen...
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Auf Grund seiner schweren Behinderung konnte Gonzo einige Übungen natürlich nicht so ausführen, wie seine Kumpels. Korrekt an der Leine bei Fuss zu gehen ist für ihn beispielsweise schwierig, weil es rasch zu einem langsamen Humpeln auf drei Läufen wird, was ihn körperlich weit mehr belastet, als unangeleint und relativ flüssig und flink vor seinem Besitzer zu gehen.
Selbst eine sanfte Version des "Down" oder ein "Platz-Bleib" kommt für ihn kaum in Frage, da das prompte Hinlegen und zügige Wiederaufstehen mit nur drei gesunden Beinen kein Vergnügen für ihn wäre. Er durfte sich stattdessen einfach setzen und in dieser Haltung abwarten. |

"Indianerspiel", statt Down oder Platz-Bleib brauchte Gonzo nur sitzen zu bleiben.
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Ich mag mich irren, aber ein klein wenig hatte ich das Gefühl, dass Gonzo seines Meisters Tolleranz auch ausnutzte und wie selbstverständlich sein Recht auf stark reduzierte Disziplin einforderte. Aber da er andererseits einen guten Allgemeingehorsam zeigte und seinem Herrn zweifelsfrei sehr zugetan ist, beweist das nur einmal mehr, dass man nicht alle Hunde über einen Kamm scheren darf. Was letztenendes zählt, ist, dass der Hund und sein Mensch harmonieren, sich beieinander wohlfühlen, nicht dass sie genau festgelegte Leistungen erbringen.
Eine Übung für die der Pointer geradezu geschaffen ist, ist die Quersuche. Der Meinung war auch Gonzo und schraubte sich in rasantem Tempo die schmale Wiese hinauf, die, wie erinnerlich, an den Rändern diverse Geruchsüberraschungen bereit hielt.
Hat ein Hund diese Aufgabenstellung erst einmal begriffen, kann man daraus eine ungemein beglückende Lektion für ihn machen, denn welcher Vierbeiner geniesst es nicht, so schnell die Läufe tragen frei und in Erwartung einer "Beute" vorwärts zu eilen?!
Na ja, die zwei Pointer Damen letztes Jahr fanden die Aufgabe blöd, aber, gottlob, sind sie mittlerweile die Minderheit... |
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Quersuche - rasant und ohne Kompromisse.

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Eine hundliche Reaktion die mich wiederum sehr überraschte, geschah am Saugatter. Als die vier Wildschweinchen sich endlich herbei liessen, zum Zaun zu kommen, machte Gonzo nämlich einen so schnellen und so entsetzten Hopser vom Zaun weg, dass ich ihn nicht einmal mit der Videokamera festzuhalten schaffte. Da stand der stolze Pointer, in sicherem Abstand von den neugierigen Borstentieren, und dachte fieberhaft nach (nehme ich jedenfalls an), und kaum hatte er seine Gedanken gesammelt und sortiert, preschte er plötzlich vor und bellte den unbeeindruckten Schwarzkitteln mächtig ins Gesicht. Das störte die Schweinchen zwar nicht, machte aber Lola Mut, die prompt mit einstimmte. Danny stand ziemlich unentschlossen zwischen den beiden Helden, öffnete das Maul, behielt aber ihre Meinung für sich. Sehr diplomatisch, auch wenn ich befürchte, dass das keine Absicht war. |

Oh,oh...Schweinerei im Anmarsch...!
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Obwohl ihn die leibhaftigen Sauen in Aufregung versetzten und er Schwarte und Schalen bei der Suche durchaus annahm, fand Gonzo die Schweissfährte mit Wildschweinblut absolut uncool und war für nichts auf der Welt zu bewegen, seinen erlesenen Schnüffel erdwärts zu wenden.
Anders die Problematik des Apportierens. Gonzo nahm ohne Bedenken alles mögliche ins Maul, flauschige Hasenfelle inbegriffen, nur sah er nicht ein, wieso er die attraktive Beute beim Chef abliefern sollte. Letzterer beichtete schliesslich, dass zuhause ein Hasenfell als Spiel- und Zerrobjekt benutzt wurde; klar, dass der Pointer dem vertraute Schema folgte, statt plötzlich mir nichts, dir nichts Herrchens Oberhoheit zu akzeptieren und die Beute abzuliefern.
So ganz einverstanden war Gonzo zunächst auch nicht mit der neuen Regel, dass er, wie alle übrigen Hunde-Teilnehmer auch, brav an seinem Platz warten musste, wenn ich etwas erklärte oder ein anderer Hund es gerade ausprobierte. Was mich in der Vermutung bestärkte, dass er sein Handicap durchaus auszunutzen gewöhnt war; sicher nicht bewusst, sondern einfach als Ergebnis der Erfahrung, dass Herrchen ihm eine Menge - auch ungerechtfertigterweise - durchgehen liess.
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Auch geduldig Warten will gelernt sein.
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So ähnlich war die Lage auch mit anderen Rüden, denn obwohl kastriert, fühlte sich Gonzo hier und da berufen, den Macho herauszukehren, was bei seinen unkastrierten Geschlechtsgenossen natürlich einige Verwirrung stiften muss.
"Platzhirsch" Julian jedenfalls schaute immer nur ziemlich verständnislos drein, wenn Gonzo sich mit typischem Dominanzgehabe vor ihm aufbaute.
Für den Bracco Italiano Jüngling war und ist das ganze Kursgeschehen begreiflicherweise eine höchst ungewöhnliche Erfahrung, doch dazu später mehr.
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Julian und Gonzo - wer ist hier der Boss??
Fotos 2-5, 8,10: Sabine Middelhaufe; Fotos 1, 6, 7: F. Keymer, Foto 9: B. Jendretzki.
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