Nuccia oder: was ein Segugio alles lernen kann

Natürlich war ich auf Nuccia ganz besonders gespannt, denn erstens kannte ich ihre Vorgeschichte aus Herrchens köstlicher Erzählung, zweitens hatten in den vorangegangenen Monaten diverse italienische Segugio Spezialisten anhand ihrer (also Nuccias) "Baby Fotos" und Beschreibungen versucht, Licht ins Dunkel ihrer Abstammung und die Möglichkeiten ihres künftigen Einsatzes zu bringen, und drittens... na ja, drittens bin ich nun mal Laufhunde Fan, was weitere Erklärungen wohl überflüssig macht.
Den ersten Augenöffner bescherte Nuccia mir gleich beim Kennenlernen: sie fegte nämlich unangeleint über die Wiesen um die Pernice Rossa, begrüsste Julian stürmisch und begrüsste mich ebenso stürmisch - keine Spur der Schüchternheit, die man beim Segugio durchaus antreffen kann.
Der zweite Augenöffner kam bei der langen Expedition am nächsten Tag. Nuccia, natürlich frei laufend, stürzte plötzlich zielstrebig in eine mit dichten Hundsrosenbüschen überwucherte, ehemalige Heuwiese und kam mit einem Objekt im Maul rasch wieder hervor. Ich traute meinen Augen nicht - sie hatte eine Abwurfstange gewittert, geholt und brachte sie nach obligater Angeberei vor Julian zu ihrem Chef. Wow! (Sie fand am folgenden Tag übrigens noch zwei weitere Abwurfstangen, doch dann kam Robbi an und rettete meine "Bestände", denn nun beschäftigten sich die Hunde damit, um Stöckchen zu kämpfen.)


Oben: Nuccia hat ihre erste Abwurfstange gefunden...
unten: ....und bringt sie brav zu Herrchen! (Foto: Sabine Middelhaufe)


Was mich ja mordsmäßig beeindruckte, war die Zuverlässigkeit, mit der Nuccia frei durch die Landschaft galoppierte ohne sich in der Regel zu weit ausser Sichtweite zu entfernen, und das obwohl ihr Herr und Meister nur sparsam und im Bedarfsfalle zum Rückzug pfiff.
Ausserdem zeigte sie schon bei diesen ersten gemeinsamen Expeditionen die löbliche Gewohnheit, beim erlaubten Suchen in einem relativ engen Kreis um ihren Herrn herum zu arbeiten und anschliessend freiwillig zum "Boxenstopp" zu ihm zurückzukehren. Ganz anders als die Hunde, die "von Hölzchen auf Stöckchen kommen", sprich, sich im fünften Gang geradlinig von ihrem Menschen entfernen, weil sie meinetwegen eine frische Fuchsspur gewittert haben, dann über die frischere Witterung eines Hasen stolpern und dieser folgen, nur um 1 Kilometer weiter, fasziniert vom süssen Duft der Rehe, noch ein paar Kilometer hinter denen her zu rennen....
Nuccia war zweifellos an den Wohlgerüchen unserer Wiesen und Wälder interessiert, stiess auch ganz offensichtlich mal auf Fährten, die eine nähere Inspektion verdienten, nur tat sie das alles in einem (für Laufhunde) sehr manierlichen Radius und vor allem: sie kam nach getaner Tat stante pede zu ihrem Chef zurück.
Als "Lohn" für ihr gutes Benehmen führten wir sie während unserer Expedition in die Nähe eines Saugatters.
Ich leinte Julian an, um Nuccias erste Begegnung mit dem Schwarzwild nicht zu beeinträchtigen, und natürlich witterte sie die Schweine schon aus der Entfernung. Leider, muss man fast sagen, sind die jungen Borstentiere kein bisschen scheu und erst recht nicht bösartig, sondern kommen sobald sie einen Menschen sehen begeistert an den Zaun gerannt. Für den nichtsahnenden Hund ist es trotzdem eine kleine Mutprobe, wenn ihm unverhofft ein Schlamm verschmierter Rüssel entgegen gestreckt wird, und Nuccia verbellte ihn nach kurzem Zögern denn auch gehörig.


Am Saugatter. (Foto: Engelbert Braun)

Wenn der Jäger mit seinem Hund einen Reviergang macht, hat der Vierbeiner natürlich auch die Funktion, ihn auf wichtige Entdeckungen hinzuweisen. Wild wird ja nicht nur durch einen Fehlschuss verletzt, sondern kann auch Opfer eines Verkehrsunfalles werden; Jungtiere sterben aus vielerlei Gründen und liegen dann verendet in einer Dickung; auch wird der Revierinhaber unter Umständen dankbar sein, wenn der Hund ihm zeigt, wo Dachs oder Fuchs einen neuen Bau gegraben, wo Rehböcke vor wenigen Stunden gefegt oder Hasen geruht haben.
Der Jagdhund muss also lernen, dass bestimmte Informationen, die seine Nase ihm verschaffen, vom Menschen unbedingt erwünscht und geschätzt sind, und je deutlicher er ihre Quelle anzeigt, desto besser.
Julian hatte etwa zwei Wochen vor Kursbeginn einen Dachsbau verwiesen, dessen Bewohner mit heiligem Eifer Heu in sein neues Apartment getragen und umfassende Grabearbeiten ausgeführt hatte.
Ungefähr 200 m vor dem Bau durften Nuccia und Herrchen nun allein vorangehen - und liefen prompt an Meister Grimbarts Wohnsitz vorbei. Entweder roch es dort gerade nicht intensiv genug oder Nuccia hatte einfach kein Interesse an Dachsen (was ich eher bezweifle).
Sehr viel erfolgreicher zeigte sie sich, als es darum ging, im Terrain verteilte "Funde" zu entdecken. Die (nicht mehr ganz frische) Losung diverser Wildarten fand sie zwar langweilig (es sei denn zum Fressen oder sich drin Wälzen, was jedoch erfahrungsgemäss beim Boss nicht gut ankommt), aber Blutflecken, Borsten und Hasenwolle, Schwarzwildschalen und den Hasenbalg, da konnte auch die sardische Signorina nicht widerstehen und hätte gern alles mitgenommen.


Auf der Suche nach verlorenen "Schätzen". (Foto: Sabine Middelhaufe)

Im Vergleich zu solcher Detektivarbeit sind Schleppen dann natürlich ein echtes Geduldsspiel, denn sehr zu Nuccias Missfallen musste sie dort erst einmal abliegen und brav warten, bis Herrchen den Anfang der Schleppe untersucht hatte und sie anschliessend zum "Ansatz" führte. Und selbst dort durfte sie nun nicht über die Piste sausen, sondern sollte in einem flotten, aber nicht rasanten Tempo der Geruchsspur getreulich über Bögen und Winkel bis zum Ende folgen, wo das Schleppobjekt sie erwartete.
Bei den ersten Versuchen fand Nuccia das Gebot, allein an ihrem Platz zu warten entschieden unter ihrer Würde, doch im Laufe der Tage nahm die Bereitschaft, sich vor dem Ansetzen "zu sammeln" ganz deutlich zu, bis sie am Ende auf "Platz und bleib!" ohne Lamento oder den Versuch, unbemerkt ein bisschen näher an den Ansatz zu robben,
getreulich liegen blieb.
Dieselbe Entwicklung zeigte sich auch bei der Nasenarbeit selbst. Kaum hatte sie dank der ersten Schleppe durchschaut worum es ging, wollte sie bei den nächsten Übungen meist mit fliegenden Ohren vorwärts stürmen, was, das muss man ihr unbedingt zugute halten, ja auch ihrem Laufhundnaturell entspricht. Umso löblicher war es daher, dass sie in der zweiten Woche
trotzdem akzeptierte, in einer Gangart zu suchen, die es dem Menschen ermöglicht, in zumutbarer Geschwindigkeit zu folgen.


Platz und bleib!


Ansetzen am Beginn der Schleppe.


Suche.


Gefunden!


Apport. (Fotos: Sabine Middelhaufe)

Sehr interessant war übrigens, dass Nuccia keinen Moment daran zweifelte, was sie mit der Beute am Ende der Geruchsspur tun müsse: aufnehmen, deftig beuteln, zunehmend williger ein Stück tragen und schliesslich auslassen.
Der letzte Schritt fällt eigentlich allen Hunden zunächst sehr schwer. So gleichgültig sie normale Dummys bisweilen links liegen lassen, so brav sie Bälle, Jutesäckchen & Co. wieder hergeben, so sonnenklar ist ihnen, dass ein Hasenbalg, die Wildschweinschalen oder das Kaninchenfell echte Beute sind, und deren Besitz bedeutet nun mal Prestige, weshalb der Mensch am anderen Ende der Leine gern mehrfach "gefragt" wird, ob er allen Ernstes darauf besteht, ihnen das herrliche Ding abzunehmen. Leider tut er das, und für skeptische Vierbeiner schiebt man dann am besten eine Extraübung ein, in der sie lernen, auf "Nimm!" die heissgeliebte Beute aus der Hand des Menschen aufzunehmen und auf "Aus!" ebenso widerspruchslos wieder abzutreten.
Die Schweissarbeit war für Nuccia nicht völlig neu, denn sie hatte daheim schon mal geübt, allerdings liess sie es sich hier bei uns nicht nehmen, ihre Fährten ein bisschen zu "verzieren". Dieses schmückende Beiwerk bestand aus kurzen, vorzugsweise unbemerkten Abstechern in eigener Sache.
Ich war ehrlich gesagt etwas erstaunt, dass sie sogar auf einer simplen, fast geradlinigen Fährte immer mal wieder abbog, obwohl sie eben noch getreulich in die korrekte Richtung gegangen war.
Bei genauerer Beobachtung fiel endlich der Groschen: Nuccia lief artig auf der Schweissfährte, zog plötzlich in die Büsche, wo sich eindeutig erkennbar ein Wildwechsel befand, vernahm Herrchens "Such verwundt!" und nahm ohne eine Sekunde des Zögerns wieder die gewünschte Suche auf. 200 m weiter dasselbe Spiel. Mir dämmerte, und genaues Hinschauen bestätigte, dass sie keineswegs Zweifel am Verlauf der Schweissfährte hatte; sie versuchte einfach, getreu der Devise "Man kann alles tun, man darf sich nur nicht erwischen lassen", Herrchen auf eine Lebendfährte zu führen.


Oben: Ansatz auf der Schweissfährte.
Unten: Da Nuccia ihre zunächst unerreichbar abgelegte Beute nicht verbellen wollte, durfte sie das Stück Wildschwein -schwarte apportieren. Ansonsten gehört das Bringen natürlich nicht zur Schweissarbeit, da der Hund am Ende der Fährte ja ein vollständiges Reh oder Wildschwein findet! (Fotos: Sabine Middelhaufe)

Dass Nuccia uns mit ihren "Abschweifungen" nur zum Narren hielt zeigte sich ganz deutlich in der zweiten Woche, als das Kapitel Verleitfährten an die Reihe kam. Kein einziges Mal versuchte sie an der Kreuzung von alter, "erlaubter" Fährte und frischerer Verleitfährte der letzteren zu folgen, nein, sie tat keinen Schritt in die falsche Richtung - was sie in Versuchung führte, waren eindeutig die Gesundfährten. Wenn man bedenkt, dass der Segugio Italiano definitiv für die selbständige Verfolgung von (gesundem) Hasen, Fuchs und Sau gezüchtet wird, und ein Segugio Kenner mir ausdrücklich sagte, dass sich die Rasse nicht für die Schweissarbeit eignet, muss man es schon als beachtliche Leistung von Nuccia und ihrem Meister betrachten, dass sie sich überhaupt "für so was" erwärmen kann!
Im Zusammenhang mit den Verleitungen ereignete sich übrigens noch ein sehr Segugio-typischer Zwischenfall. Ich hatte eine Schleppe nebst Verleitung gezogen, und am späten Nachmittag trafen wir uns auf einem Wiesenstück, das sich ungefähr 500 m vom Schleppengelände entfernt befand und durch diverse Hecken und ein winziges Wäldchen davon getrennt war. Julian und Nuccia tobten miteinander und wir dachten auch nichts Böses, als Nuccia plötzlich beschleunigte und zwischen den Wacholderbüschen entschwand. Erst nach einer Weile wurde uns klar, dass sie sich allein abgesetzt hatte, denn Julian kam solo zu uns zurück. Die Minuten verstrichen, kein Spurlaut, kein Klingeln des Laufhundeglöckchens das sie trug und natürlich keine Reaktion auf Herrchens Rufe und Pfiffe.
Wir gingen in die Richtung, in der wir sie zuletzt gesehen hatten, näherten uns mehr und mehr dem Terrain, wo ich im Schweisse meines Angesichtes die Schleppen gelegt hatte, und so unverhofft sie verschwunden war, tauchte Nuccia wieder auf. Mit hängender Zunge, aber sehr zufrieden. Ein paar Schritte weiter fand ich das Kaninchenfell, das von Rechts wegen am Ende der Verleitschleppe hätte harren sollen, ungefähr 400 m entfernt und etliche Hecken jenseits...


Glückliche Nuccia auf dem Rückweg von ihrer selbständigen Inspektion meiner Schleppe. (Foto: Sabine Middelhaufe)

Wenn Sie Besitzer eines Laufhundes sind, ob nun reinrassig oder gemixt, müssen Sie mit solchen Erlebnissen rechnen. Ständig. Denn ganz anders als meinetwegen der Vorsteher gibt sich der Laufhund nicht mit der olfaktorischen Inspektion im Nahbereich zufrieden. Das wäre eine Beleidigung für seine phantastische Nase, ein Leugnen seiner nach Raum, nach Ferne begehrenden Gene!
Ausserdem dürfen Sie nie folgern, dass Ihr Hund, weil er gerade mit einem Artgenossen spielt, nicht durch faszinierendere Reize abgelenkt werden kann. Das wäre ein fataler Irrtum! Ein Laufhund kann problemlos toben (oder gehorsam an Ihrer Seite gehen), mit einem Mal Wind vom Hasen oder Reh bekommen und sich so schnell in Richtung Wild entfernen, dass Sie an eine optische Täuschung glauben, wenn der Hund plötzlich nicht mehr präsent ist. Die Suche nach seinem Kondensstreifen ungefähr in Höhe Ihres Knies wäre freilich sinnvoller.
Spass bei Seite, aber Laufhunde sind nun mal anders. Man kann sie weder an einem Deutsch Drahthaar messen, noch wie einen erziehen. Sie wurden nie auch nur ansatzweise für Drill und strengen Gehorsam selektiert, sondern sollen mit viel Eigeninitiative, Selbstvertrauen, einer phänomenalen Riechfähigkeit und schwer zu übertreffender Ausdauer ihr Wild verfolgen - und das seit Jahrhunderten.
Ein Vorstehhund, der 500 m hinterm Hasen her rennt ist wahrscheinlich ungehorsam oder unerzogen. Ein Laufhund, der dasselbe tut, erfüllt nicht nur seine Pflicht, sondern läuft sich gerade mal warm...


Der Laufhund kann in Sekundenbruchteilen von Spiel auf Jagd umschalten. (Foto: Hans Wecker)

Ich bin ein erklärter Anhänger der These, dass man einem Hund erst mal die Chance geben soll, zu zeigen, was in ihm steckt, bevor man anfängt, an ihm herumzuerziehen, sprich: ihn zu bremsen.
Folglich durfte auch Nuccia mal auf einer frischen Wildfährte laufen und überzeugte uns sehr schnell, dass sie ein echter Segugio ist, denn aus 5 Minuten spurlauter Verfolgung wurden bald 15 Minuten, und obwohl sie in den zwei Wochen bei uns nie über dieses Limit hinausging (und ausserdem nach beendeter "Jagd" stets zu ihrem Chef zurückkehrte!) war doch klar, dass sie erst auf der Lebendfährte so richtig in ihrem Element ist und mit etwas mehr Übung und Erfahrung höchst begeistert länger suchen würde.
Was sie also, wohl oder übel möchte man sagen, für den künftigen Einsatz im deutschen Revier lernen muss, ist ihr Temperament zu zügeln.
Nuccia und ihr Chef bekamen also die Aufgabe gestellt, unsere vielen winzigen, durch hohe Hecken und Baumreihen deutlich voneinander getrennten Wiesen abzusuchen. Für Nuccia hiess das, erst einmal frei bei Fuss neben ihrem Meister zu gehen, bis der sie mit "Such!" vorausschickte und nach einer kurzen Zeitspanne mit "Hier!" wieder zurück beorderte. Nach einem Stück Wegs bei Fuss durfte sie dann wieder suchen, und so ging das im stetigen Wechsel von Wiese zu Wiese.
Nuccia ist, wie erwähnt, ein ziemlicher Zappelphilipp, der sich (noch) arg von spannenden Reizen ablenken lässt, aber die beiden aus der Ferne zu beobachten, wie sie in ungestörter Zweisamkeit ruhig und in stetem Austausch miteinander ein Terrain absuchten, Freunde, das war ein echter Genuss!
Da wurde mir freilich auch wieder klar, wieso die Haltung eines Laufhundes (ausserhalb seines traditionellen Einsatzes) eine ständige Gratwanderung ist, weil man nämlich dem Hund einerseits genügend Arbeit bieten muss, die ihn - Kopf, Nase und Körper - auch wirklich rassegerecht fordert, und andererseits nie die Zügel schleifen lassen darf, denn sonst ist er weg, verbotenes Wild (be-) suchen, und das kann sich nicht mal der Jäger erlauben, geschweige denn der Laie.


Ruhige und disziplinierte Suche - mit dem Chef allein funktionierte das auch freilaufend prima. (Foto: Sabine Middelhaufe)

Wahrscheinlich fragt sich jeder, der einen nicht reinrassigen Hund besitzt gelegentlich, was für eine Mischung sein Vierbeiner wohl ist. So auch Nuccias Herrchen.
Auf der Suche nach Antworten besuchten wir mit ihr Mario Villa, der seit Mitte der 60er Jahre kurz- und rauhaarige Segugio Italiano züchtet und als Leistungsrichter im Laufe der Jahrzehnte ein scharfes Auge für die Besonderheiten der verschiedenen Laufhunderassen entwickelt hat.
Dass Nuccia einen Grossteil ihrer DNA dem Rauhaar Segugio verdankt, stand für Mario schon nach wenigen Momenten fest. Aber wer hatte noch mitgemischt?
Er studierte ihren Kopf, die Behänge, Rute und Kruppe, das Fell, die Körperproportionen und kam zu dem Schluss, dass ein Jura Laufhund in ihrer Ahnenreihe stünde.
Tatsächlich bestätigte Herrchen, dass Nuccias Onkel kurzhaarig und Schwarzmarken ist und Nuccia selbst als Welpe, von vereinzelten Locken abgesehen, kürzeres Fell hatte.


Oben Nuccia
(Foto: Hans Wecker) , unten der sehr typische Kopf einer reinrassigen Segugio Hündin. (Foto: Sabine Middelhaufe)
Trotz der etwas unterschiedlichen Perspektiven erkennt man, dass Schädel und Schnauze anders geformt sind und bei Nuccia die typische Faltung der Behänge fehlt, die ausserdem für den Segugio zu breit und auch in entspannter Haltung zu hoch angesetzt wären.


Oben wieder Nuccia (Foto: Hans Wecker) , unten eine reinrassige Segugio Hündin, die ich leider aus einer denkbar schlechten Perspektive aufgenommen hatte, und ganz unten ein Jura Laufhund. ( Foto: Loris Brunacci)

Mario gab sich viel Mühe, uns an verschiedenen seiner Segugi im Kennel die besonderen Merkmale der Rasse zu zeigen und ausführlich zu erklären. Wie zum Beispiel die Behänge gefaltet und geformt sind, nämlich schmal und in einer Spitze auslaufend, nicht breit und unten abgerundet wie beim Jura Laufhund (und bei Nuccia); wo sie korrekt angesetzt sind, nämlich in Höhe der Augenwinkel, und wann sie die erwünschte Länge haben, nämlich wenn beide Behangspitzen ohne zu ziehen die Nase erreichen. (In diesem Punkt hat Nuccia sicher keine schweizer Gene, denn der Jura Laufhund könnte sich mit seinen überlangen Ohren die Nase putzen, während Nuccia Mühe hat, mit ihren das vorwitzige Näschen zu erreichen.) Ferner erfuhren wir, dass die Schädel-Schnauzen-Linie beim Segugio divergent verlaufen und in einem fast keilförmigen Fang mit kurzen Lippen enden muss, statt eine fast parallele Linie zu bilden, mit eher quadratischem Fang und entsprechend tiefen Lefzen, wie etwa beim Jura (und tendenziell auch bei Nuccia). Er zeigte uns, was die erwünschte trockene Bemuskelung von zu robuster und übertriebener Bemuskelung unterscheidet; wie das korrekte runde, dunkle Auge aussieht und im Vergleich das mandelförmige und helle Auge; welche Rute gut angesetzt, proportioniert und getragen ist und welche nicht. Und natürlich steht der Segugio im Quadrat, nicht im Rechteck, wie der Jura und Nuccia, die beide etwas länger als hoch sind.
Sogar die Entwicklung des Rauhaars in diversen Phasen konnte Mario uns zeigen, da er mehrere Würfe im Kennel hatte.
Nuccias Fell wurde übrigens als für die Jagdpraxis perfekt gelobt, ebenso ihre fröhliche, selbstbewusste Rutenhaltung, der gute Rutenansatz, Rutenstärke und -länge sowie ihre Kruppe.
Das Thema Ausbildung ist leider wenig geeignet es zu besprechen, bevor man nicht die Praxis miterlebt hat. Der italienischen Variante konnten wir dummerweise nicht beiwohnen, doch
Mario staunte nicht schlecht, als ich ihm von Nuccias Großtaten auf Schweissfährte und Schleppe erzählte. Aber was ihn wirklich beeindruckte, war Nuccias Herrchen. Dass ein Jäger seinem Hund so viel Zeit und Energie widmet, sich begeistert auf alles stürzt, was irgendwie mit der Rasse zu tun hat und auch nicht die Mühe scheut, dafür bis ins ferne Italien zu reisen, das fand er einfach grandios und bot prompt an, Nuccia einen reinrassigen Kumpel zu schenken. Den hatte sie freilich, zumindest hier bei uns schon, denn da war ja Robbi, der Gebirgsschweisshund...

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