Jagdhund ohne Jagdschein?
Der Sommerkurs zum Buch

Kurs Frühjahr 2011
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Der Schnupper-Parcours

Der Schnupper-Parcours ist die erste Gruppenübung und soll zeigen, ob ein Hund Vorlieben für bestimmte Gerüche und/oder Objekte hat.
Um das herauszufinden gehen die Gespanne der Reihe nach eine vorbestimmte Strecke ab, an deren Rändern - und möglichst nicht sofort sichtbar - die verschiedensten Dinge liegen, zum Beispiel Felle, Läufe und Schalen vom Wild, Abwurfstangen, getrocknetes Federwild, Entenflügel, frische Losung vom Reh und Hasen und dergleichen.
Der
frei oder an der Leine laufende Vierbeiner begleitet also seinen Menschen und strebt er plötzlich zu einer bestimmten Stelle, folgt der Zweibeiner ihm stante pede und beobachtet, was der Hund mit dem gefundenen Objekt tut.
Beriecht er es nur? Nimmt er es in den Fang? Will er es mitnehmen? Signalisiert er starkes oder mildes Interesse? Funde, die den Hund ganz offensichtlich fesseln, darf der Halter in seinen "Beutebeutel" stecken und mitnehmen.


BGS Hündin Sophi auf dem Schnupper-Parcours. Sie kann problemlos frei laufen, was für guten Grundgehorsam und gute Bindung spricht. Titelfoto: Die Gruppenübung beginnt. (Foto: S. Fritsch)

Hat der Hund auf dem Hinweg nur zwei, drei Objekte gewittert, kann er auf dem Rückweg sein Glück noch mal versuchen, ggf. vom Halter zum Suchen aufgefordert.
Wichtig ist, dass er mit allen Gerüchen konfrontiert wird und zeigen kann, was er am anziehendsten findet. Es kann gut sein, dass er im Laufe der nächsten Tage noch andere, eingangs ignorierte Objekte in seine Favoritenliste aufnimmt, aber das Ding, das er beim Schnupper-Parcours als "Special" auserkoren hat, bleibt in der Regel für die gesamte Kurszeit sein Lieblingsobjekt und genau damit ziehen wir ihm die erste Schleppe.


Epagneul Francais Cyro, bereit zum schnuppern. (Foto: H. Zweifel)

Die Schleppe

Eine Schleppe zu legen ist sehr einfach, solange man das Schleppobjekt nur geradlinig und ein paar Dutzend Schritte hinter sich her ziehen und dabei Anfang und Ende mit dem Fähnchen markieren muss.
Auch für den Hund ist die Sache simpel, denn selbst wenn man vorm Ansetzen 20-30 Minuten verstreichen lässt, findet der Hund noch eine regelrechte Geruchsautobahn vor, bestehend aus dem Duft des Objektes, der noch mehr oder weniger starken Witterung des Schleppenlegers und der Geruchskomponente, die durch die Verletzung von Vegetation und Boden entsteht.
Erheblich komplizierter wird die Angelegenheit, sobald die menschliche Witterung und die Bodenverletzung weitgehend fehlen.
Das erreicht man, indem zwei Personen im Abstand von gut 20 m parallel zu einander gehend das Schleppobjekt zwischen sich her ziehen. Nun ist der menschliche Individualgeruch weit von der eigentlichen Schleppspur entfernt und das Objekt, Fell, Vogel etc., hinterlässt natürlich viel weniger zertretene, umgeknickte Pflänzchen und Halme als der Schuh.
Der Vierbeiner muss sich von Anfang an ernsthaft konzentrieren, um dem richtigen Geruch gewissermaßen durch dick und dünn folgen zu können. Die einzige Hilfestellung am Ansatz schaffen wir durch mehrfaches, kräftiges Reiben des Schleppobjektes am Boden und Ausrupfen und Ablegen einiger Haarbüschel oder Federn.
Spätestens wenn solche Schleppen länger werden und Richtungswechsel enthalten, wird der Schleppenleger zum wichtigsten Helfer des suchenden Hundes und Führers, und sein Geschick beeinflusst ganz wesentlich, wie befriedigend und erfolgreich die Arbeit des (noch unerfahrenen) Vierbeiners ausfällt.


Hilfsmittel für die Schleppe: eine 20 m Leine, das Schleppobjekt und Fähnchen zum Markieren. (Foto: R. Kuessel)

Bevor das Leger-Paar überhaupt starten kann, muss es die Windrichtung prüfen, um später idealerweise mit Rücken- oder leichtem Seitenwind zu schleppen. Sodann ist das Gelände genauestens zu betrachten und vorher festzulegen, wo die Schleppe verlaufen, ihre Richtung wechseln und enden wird.
Markante Punkte im Gelände, etwa ein einzeln stehender Baum, ein Steinhaufen, ein Heuballen o.Ä. sollten als die Stellen gewählt werden, wo die Schleppe einen Bogen oder Winkel erhält, denn andernfalls muss man dort ein Markierungsfähnchen stecken, d.h. ein Schleppenleger
hinterlässt wohl oder übel beim hin und zurück Gehen vom markierten Punkt seine Fährte, was für den Hund eine Verleitung produziert, die wir anfangs besser vermeiden, es sei denn, das Terrain lässt keine andere Möglichkeit zu.
Sind diese Details geklärt, gehen die Schleppenleger zum Ansatz, einer markiert diesen mit Fähnchen und Reiben des Schleppobjektes am Boden, und nun trennen sich die beiden auf volle Leinenlänge und schleppen das Objekt wie vorher besprochen.
Hierbei sollen sie auf wichtige Besonderheiten achten: führt die Schleppe beispielsweise über einen Hügel, durch eine Senke oder längs eines Heckenstreifens, ist es gut, mit dem Windmesser zu prüfen, wie stark die Windverhältnisse dort abweichen. Ebensfalls wichtig: wird zufällig ein Wildwechsel gekreuzt? Liegt nahe der Schleppe frische Losung? Ändert sich hier und dort der Untergrund, so dass sich der Geruch des Schleppobjektes besser oder schlechter halten wird?
Idealerweise lassen die Leger am Ende der Schleppe angelangt einfach die Leine mit dem Objekt fallen, oder markieren den Zielpunkt, gehen noch ein gutes Stück geradeaus und verlassen dann das Schleppgelände, ohne die Schleppe zu überqueren oder ihr nahe zu kommen.


Für gute Nasenarbeit ist Ruhe und Konzentration erforderlich - lernt auch Epagneul Francais Cyro.
(Foto: J. Zweifel)

Nach der erforderlichen Stehzeit wird der erste Hund von seinem Besitzer an der langen Leine in die Nähe des Schleppenanfangs gebracht und angewiesen, hier einen Moment in aller Ruhe abzuwarten.
Die Funktion eines der beiden Schleppenleger besteht nun darin, dem Hundeführer zu assistieren. Seine erste Amsthandlung ist die Kontrolle der Windrichtung- und stärke, denn es ist ja ohne weiteres möglich, dass der Wind inzwischen leicht gedreht hat, stärker oder schwächer geworden ist und das wirkt sich natürlich auf die Suche aus.
Dies getan erhält der Hundeführer die entsprechende Information und wird auf die anfängliche Richtung der Schleppe und die Startmarkierung aufmerksam gemacht, wo er seinen Vierbeiner
ruhig und leise ansetzt. Welches Kommando er dazu verwendet ist letztlich egal, sofern es kurz und für den Hund nicht mit anderen Befehlen zu verwechseln ist.
Zunächst einmal muss der Hund jetzt den geruchlichen roten Faden und dessen Verlaufsrichtung erkennen und, Nase am Boden, deutlich zu verstehen geben, dass er "drauf" ist.
Tut er das sofort, prima. Vielleicht muss er aber auch erst zwei, drei Meter über der eigentlichen Spur nach rechts und links pendeln, um sich zu vergewissern, wo es lang geht. Wichtig ist, ihn nicht einfach kopflos vorwärts preschen zu lassen, selbst wenn er in die korrekte Richtung strebt, denn Nasenarbeit ist kein Hochgeschwindigkeitssport, sondern verlangt ruhiges, konzentriertes Arbeiten. Das erlaubte Tempo muss dem Hundeführer die Möglichkeit geben, seinem Hund im zügigen Schritt zu folgen - nicht wie ein running rabbit über die Wiese zu zischen!
Dem Vierbeiner, der
, Schnüffel am Boden, ganz offensichtlich auf der richtigen Spur ist, darf man ruhig vier, fünf Meter Leine lassen, (später auch mehr), demjenigen, der unsicher herumstochert oder ständig die Nase in die Luft reckt gibt man entsprechend weniger Spielraum.


Pointer Cora auf der Schleppe. (Foto: L. Nielsen)

Selten tun uns die Geruchspartikel den Gefallen, genau auf der Schleppe liegen zu bleiben; oft werden sie ein ganzes Stück weiter transportiert, so dass es kein Fehler ist, wenn der Hund etwas seitlich von der eigentlichen Spur sucht. Spätestens wenn er mehrere Meter vom Kurs abweicht, muss der zehn Schritte hinter dem Hundeführer folgende Schleppenleger allerdings seinen Windmesser konsultieren: rechtfertigt ein stärkerer Seitenwind an dieser Stelle das Suchverhalten des Hundes? Oder kreuzt genau hier der Wildwechsel? Oder ändert sich der Untergrund?
Kommt der Assistent zu dem Schluss, dass der Hund mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht mehr "drauf" ist, ruft er leise "Halt!", der Hundeführer bleibt stehen, wiederholt das für die Schleppenarbeit gewählte Kommando und wartet, ob der Vierbeiner sich allein wieder "einpendelt". Wenn ja, gehts weiter. Wenn nein ruft er den Hund zu sich, weist auf den Boden und gibt erneut das Kommando. Irgendwo in geringer Entfernung muss die Schleppe ja verlaufen und früher oder später findet der Hund den roten Geruchsfaden wieder.
Wichtig bei solchen Unterbrechungen ist, stehen zu bleiben, Informationen und Anweisungen des Schleppenlegers abzuwarten, statt vielleicht ahnungslos auf der Schleppe herum zu trampeln und die Ruhe zu verlieren.
Das zeigt aber auch die Verantwortung des Schleppenlegers, denn ist er plötzlich nicht mehr sicher, obs rechts oder links am Birnbaum vorbei ging, oder nennt er dem Hundeführer für die nächste Etappe einen falschen Orientierungspunkt in der Ferne, wird der möglicherweise spurtreue Hund irrtümlich zurück beordert und an völlig irrelevanter Stelle wieder angesetzt - wo er dann herumbuchstabiert und die Welt nicht mehr versteht. Der Hund wird bei der Nasenarbeit grundsätzlich nur dann korrigiert, wenn man mit Sicherheit weiss, er ist auf dem Holzweg. Das zu entscheiden obliegt dem Schleppenleger, und der kann nur dann zutreffend urteilen, wenn er die Schleppe nicht nachlässig, nicht holterdipolter gezogen hat, weils ja eh nicht sein Hund ist, der sie anschliessend arbeiten muss.


Rhodesian Ridgeback Muti navigiert hoch wedelnd den Winkel. (Foto: M. Merlin)

Ist das Grüppchen wieder auf Kurs, richtet sich die volle Aufmerksamkeit des Hundeführers wie zuvor auf seinen Hund: wie trägt und bewegt er die Rute? Wo stehen die Behänge? Ist die Nase vorwiegend am Boden? Hebt er gelegentlich den Kopf? Geht er hauptsächlich genau geradeaus oder bögelt, pendelt er bisweilen? Wann verändert er sein Tempo? Drückt seine Haltung Konzentration aus, Freude, Interesse, Langweile, Stress? Welche Körpersignale ändern sich häufig, welche fast nie?
Solche Beobachtungen helfen im Laufe der Zeit, den inneren Zustand des Hundes richtig zu interpretieren, zu erkennen, ob er getreulich auf der Schleppe läuft oder einer Verleitung folgt, ob er dem Schleppobjekt bereits nahe ist oder ob er heute überhaupt keinen Spass an der Arbeit hat.
Etwa zehn Meter vor Erreichen eines Winkels oder Bogens sagt der Schleppenleger dies dem Hundeführer an. Nun müssen beide genau darauf achten, wie der Hund mit dem Problem des unverhofften Richtungswechsels umgeht. In der Regel läuft er erst einmal ein paar Schritte in die nun falsche Richtung, bemerkt das Fehlen des roten Fadens, schlägt einen Bogen, findet die Spur wieder und folgt ihr gelassen in die neue Richtung. In jedem Falle ist es ratsam, dem Hund vier, fünf Meter vor dem Winkel oder Bogen die volle Leinenlänge (8-10 m) zu lassen und selbst stehen zu bleiben, so dass er allein und ungestört die Lösung finden kann. Erst dann folgt der Führer ihm wieder.
Kommen Mensch und Hund zu guter Letzt zum Schleppobjekt, wird an Lob natürlich nicht gespart, der Vierbeiner darf das Objekt aufnehmen und zum Schleppenanfang zurück tragen, wo er es abgeben muss und noch einmal ganz herzlich gelobt wird.


Irish Red and White Setter
Ash trägt stolz den geschleppten Fasan zurück.

Während ein Gespann arbeitet, schauen die übrigen Teilnehmer in gebührendem Abstand zu, ohne zu stören oder den suchenden Hund sonstwie abzulenken. Letzteres sollten auch die abwartenden Vierbeiner lernen, denn ständiges Gekläffe im Hintergrund ist dem gerade aktiven Duo gegenüber einfach unfair.

Fotos wenn nicht anders angegeben : Sabine Middelhaufe. Text (c) 2011
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