| Yukon - Labrador
Yukon war schon deshalb ein mit Spannung erwarteter Teilnehmer, weil ich seine Entwicklung vom mit "blünen" Augen drein schauenden Unschuldslamm zum schon recht selbstbewussten Jüngling dank Herrchens Tagebuch indirekt ja hatte miterleben können. Obwohl er das nicht ahnte, begrüsste mich Yukon gleich beim Kennenlernen mit (fast) umwerfender Begeisterung und feuchtem Nasenstupser. Allerdings erst, nachdem mein "technischer Assistent", sprich Bracco Julian, den flott und frech auf ihn zu stürmenden Jungrüden gebremst, kontrolliert und zu artigem Senken der Rute veranlasst hatte. Mit Julians Segen galoppierte Yukon dann endlich zu mir, um seiner unbändigen Freude darüber Ausdruck zu verleihen, dass es Menschen gibt.
Ein kleines hundeinternes Kuriosum ereignete sich, als Herrchen mit Yukon schliesslich zur ersten Expedition aufbrechen sollte, während sich Frauchen mit mir und Julian anderswo zur Spurensuche anschickte. Natürlich hatten die beiden Hunde inzwischen miteinander getobt und offensichtlich riesigen Spass dabei, aber dass sie sich freiwillig nicht voneinander trennen wollten, kam für uns alle denn doch etwas unerwartet. Jedenfalls rissen beide wiederholt aus, um den neuen Freund wiederzufinden und lamentierten jämmerlich, als wir sie anleinten, damit jeder wohl oder übel seiner Wege gehen konnte. Dass Julian gern den Hundedamen seine Aufwartung macht weiss ich ja, aber einem fast 8 Monate alten Rüden, der bereits verlässlich das Bein hebt - ungelöstes Rätsel... |

Oben: Anlauf für die stürmische Begrüssung.
Unten: Freundschaft auf den ersten Blick?

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Wie von einem anständigen Retriever nicht anders zu erwarten, fand Yukon das Suchen und Aufnehmen von Bringseln jeder Art grandios. Ob Julians Quietscheknochen, das Hasenfell, die Wildschweinfüsse oder was es auch war, er spurtete zum Objekt, nahm es auf - und überlegte dann erst mal scharf, was er mit dem Ding anfangen könnte. So ein Füsschen von der Sau etwa lässt sich genüsslich bekauen, das Hasenfell beuteln und zerfleddern, ebenso die Wildschweinschwarte.
Obwohl er prinzipiell natürlich schon gelernt hatte, dass Apportels so genannt werden, weil ein Hund sie gezielt und zügig zu seinem Menschen apportiert, stach ihn bei den aufregenden neuen Objekten anfangs öfter mal der Hafer, und es war für seine Leute nicht immer einfach, sie ihm wieder abzulisten. In solchen Fällen übt und wiederholt man das gewünschte Bringritual dann am besten an der Leine, im Zusammenhang mit Schleppe und Fährte, damit auch ein pubertierender Halbstarker merkt, wo's lang geht.
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Apportieren? Nö, das Hasenfell ist doch ein schönes Spielzeug, befand Yukon.

Das Schweinefüsschen brav zu bringen war anfangs keine leichte Entscheidung.

Spielzeuge waren kaum eine Versuchung mit ihnen auszubüxen.
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Was bei jungen Hunden (aber nicht nur ihnen) oft auf massiven Widerstand stösst, ist die Forderung, während der Vorbereitung von Übungen bzw. in der Wartezeit, bis sie an die Reihe kommen, geduldig und ohne Zeter und Mordio irgendwo sitzen oder liegen zu bleiben. Der vor Tatendrang und Energie berstende Yukon machte da keine Ausnahme.
In dieser Situation schaffen wir uns selbst ein riesiges Problem, weil wir gewohnheitsgemäß "Sitz-bleib" oder "Platz-bleib" ordern. Setzt sich der abgelegte Hund dann oder steht der abgesetzte Hund auf, missachtet er unseren Befehl, wir müssen zu ihm zurück gehen, ihn wieder in die vorhin geforderte Position bringen, und dieses Hin und her wiederholt sich meist mehrfach, bis uns der Kragen platzt oder wir so tun, als hätten wir seinen Ungehorsam nicht bemerkt, um endlich die Schleppe oder Fährte legen zu können, um deretwillen wir den Hund ja überhaupt ausser Reichweite deponieren mussten.
Die einfachste Lösung für unruhige Hundegeister: sie am nächstgelegenen Baum anbinden, freundlich "Bleib!" sagen und in aller Ruhe die Nasenarbeit vorbereiten, denn sie können derweil nichts anderes tun, als gehorchen, sprich: bleiben. Vielleicht hüpft der eine wild an der Leine herum, der andere jammert herzerweichend, aber nichts von alledem betrifft den Befehl "Bleib".
Klar, dass man sich nach getaner Tat erst dann wieder dem Vierbeiner nähert, um ihn für die Arbeit abzuholen, wenn er seinen Protest gerade unterbrochen oder ganz aufgegeben hat. Wenn man ihn nun mit geheimnisvollem Getue zum Abgang der Schleppe oder Fährte bringt, wo ihn ein neues, spannendes Geruchsrätsel erwartet, lernt er im Laufe der Wiederholungen ziemlich schnell, dass geduldiges, ruhiges abwarten Müssen keine Strafe ist, kein Drama, sondern einfach Teil einer interessanten Unternehmung mit uns.
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Klappt doch prima!
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Zu den nichtsahnenden Kurs-Assistenten gehören auch die fünf Wildschweine im Saugatter eines befreundeten Jägers im Nachbardorf, die sich jeder Hund des Kurses einmal in Ruhe anschauen kann. Wie anderswo schon erwähnt sind die Schweinchen zutraulich und kommen neugierig an den Zaun gerannt, wenn man nur auf sich aufmerksam macht. Das konnte Yukon natürlich nicht ahnen und plusterte sich erst mal gehörig auf, als er sich plötzlich Auge in Auge mit ihnen fand. Den Eindruck, ihnen mit jagdtechnischen Absichten nachstellen zu wollen machte er allerdings ganz und gar nicht.
Entsprechend geschockt war Frauchen denn auch, als Yukon einige Tage später beim Erkundungsgang mit ihr im Wald zwei letztjährige Sauen entdeckte und für einige Minuten ausser Sicht- und Hörweite verfolgte. Eine Weile nach seiner (unversehrten) Rückkehr stürzte er sich in einem anderen Teil des Waldes dann sogar in eine ganze Rotte, zumindest liessen die Geräusche, die Frauchen aus der Tiefe eines Dickichts hörte darauf schliessen.
Warum er fliehende Sauen verfolgte, beim Anblick eines flüchtenden Rehbocks aber einen Schreckensschrei tat - wer weiss? Immerhin zeigte er in den 14 Tagen bei uns ansonsten kein Interesse an Alleingängen, stöberte nicht nach Wild, nahm keine frischen Spuren auf und zeigte auch keine sonstigen Symptome von akutem Jagdfieber.
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Am Saugatter musste Yukon sich ordentlich "aufplustern".
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Eine Gewohnheit von Yukon, die ziemlich schnell auffiel, bestand darin, sich mit schierer Körperkraft gegen Anweisungen aufzulehnen, die ihm gerade nicht in den Kram passten, und einen jungen Herkules wie diesen Labbi in Sitz- oder Platzhaltung zu bringen, oder ihn an der Leine zu bremsen wenn er keine Lust dazu hat, ist recht schweisstreibend.
Die Flausen einfach ignorieren kann man nicht, und lässt man sich dazu verführen, seine "Taktik" zu übernehmen und ebenfalls mit körperlicher Kraft zu reagieren, wird daraus schnell Gewohnheit und man muss ständig Ring- und Rangkämpfe mit dem Hund ausfechten.
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"Ich will aber da hin!"
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Hunde sind einsichtige Zeitgenossen und auch Yukon erkannte bald, dass man überhaupt keine Chance hat, wie wild an der Leine zu zerren, wenn man Herrchen oder Frauchen durch Stangenholz, dichteste Wacholder- und Brombeerbüsche, auf engen Wildwechseln, über Stock und Stein, bergauf und bergab begleitet und sich dabei nicht ständig stechen lassen oder anecken will.
Für die Zweibeiner ist es natürlich eine ziemliche Tortur, den Hund ausgerechnet in Dickichten und wild wuchernden Wäldern an der Leine zu führen, aber in solchen Umweltsituationen lernt er nun mal am besten und einfachsten, dass korrekt neben oder dicht hinter dem Menschen zu gehen tatsächlich Sinn macht. Und wenn der Groschen erst gefallen ist, klappts auch in "normaler" Umgebung immer besser. Was wir in puncto bei Fuss Gehen allerdings nie vergessen dürfen, ist, dass der Hund seine Welt vor allem durch Gerüche kennen lernt und deren Quelle liegt eben oft ausserhalb der Reichweite des bei Fuss trottenden Vierbeiners. Logisch, dass er nach rechts und links zieht, im Eilschritt nach vorne strebt, um eine besonders anziehende Duftquelle möglichst schnell zu erreichen, und wer will's ihm verübeln! Leider können wir das nicht durchgehen lassen, sollten dem Hund aber mit Verständnis für seine Perspektive geduldig klar machen, wo die Grenzen sind.
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...und da muss man durch - angeleint...
Alle Beteiligten sind froh, wenn die Leine erst mal wieder ausgeklinkt werden darf!

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Wie erwähnt liebt Yukon die Menschheit, sein Herrchen und Frauchen aber ganz besonders und so machten ihm die Führerfährten immer riesigen Spass und er war schnell willens, sein Ungestüm zu zügeln.
Ganz allgemein beeindruckte der stattlich Labbi Jüngling
durch seinen enormen Tatendrang, Energie en masse, seine super Nase, folglich deutliche Freude an bestimmten Übungen bei der Nasenarbeit, sehr gute Apportieranlage und Arbeitsfreude. Er war ganz klar interessiert, wenn man ihm Neues zeigte, bereit, auf leise Befehle und Handzeichen zu reagieren. Freilich mochte er, wie viele Hunde, keine Eintönigkeit, keine zu häufigen Wiederholungen. „Hundeplatzkonforme“ Unterordnungsübungen, die Frauchen einmal mit ihm vorführte, machte er zwar, bewegte sich aber viel entspannter und selbstsicherer wenn die selben Übungen in einem realen, sinnvollen Kontext gefordert wurden. Ziemlich uncool fand er nur die Tropffährte mit stark verdünnter Fleischbrühe; die Kunstschweißfährte brachte ihn hingegen in solche Aufregung, dass er gar nicht dazu kam, sich auf die Tropfen zu konzentrieren. Aber, Übung macht den Meister und einem gerade mal 8 Monate alten Apportierhund muss man in solchen Disziplinen sicher ein bisschen Zeit gönnen.
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Dem Herrchen auf der Spur.
Die freie Suche nach einem geworfenen Bringsel machte natürlich auch Spass.

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Foto 3: Ingo Wechsung; alle übrigen: Sabine Middelhaufe
(c) Text 2010
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