| Ausklang und Einstimmung
Etwas, das ich bei den bisherigen Kursen offenbar sehr schlecht erklärt habe ist das Konzept des "Schweigens im Walde", denn manche Zweibeiner berichteten strahlend, dass sie keine Schwierigkeiten hatten, sich zu unterhalten und gleichzeitig den Hund und die Umgebung im Auge zu behalten. Es sei auch kein Problem gewesen, ein Gespräch kurz zu unterbrechen, zum verweisenden Hund zu gehen, ihn für sein Verhalten zu loben, und dann den Faden der Unterhaltung wieder aufzunehmen. Stimmt wohl. Nur geht es um etwas ganz anderes.
Hunde sind extrem empfänglich für Stimmungen, das wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Aber Hunde sind dabei nicht oberflächlich. Sie merken ganz genau, ob wir einfach nur den routinemäßigen Kontrollblick in ihre Richtung werfen und ansonsten unseren eigenen Gedanken nachhängen, oder ob wir innerlich tatsächlich bei ihnen sind. Und genau das wollen wir bei den morgendlichen Expeditionen erreichen. Dem Hund unsere volle, ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Was beäugt er? Wonach lauscht her? Warum schnüffelt er hier am Boden und bleibt dort wie angewurzelt stehen, die Nase witternd in die Höhe gereckt? Wie reagiert er, wenn ihm klar wird, dass Herrchen oder Frauchen seine Signale beachtet, leise und vorsichtig an seine Seite pirscht und mit ihm gemeinsam horcht, schaut, den Boden untersucht? Und wenn sein Mensch sich sogar auf den Boden kniet, den Vierbeiner mit Blickkontakt und Winken ermutigt, zu einer Stelle zu kommen, wo er, der Mensch etwas höchst Interessantes entdeckt hat, vielleicht eine kürzlich benutzte Suhle, ein ganz frisches Trittsiegel oder den schlammfeuchten Malbaum?
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Nur wenn wir innerlich beim Hund sind können wir wirklich mit ihm gemeinsam erleben.

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Vorausgesetzt Ihr Hund ist kein chronischer Ausbüxer, dem es eh wurscht ist, wo Sie sind und was Sie machen, werden Sie bald feststellen, dass er nun aus eigenem Antrieb viel öfter und intensiver mit Ihnen zu kommunizieren versucht und auch auf feine Zeichen Ihrerseits reagiert, die er früher nie beachtet hätte. Dass Sie ihn an den Anfang eines Wildwechsels winken, der nur noch milde nach Reh oder Sau riecht (was Sie natürlich nicht ahnen können) stört den Vierbeiner wenig; was zählt ist, dass Sie etwas jagdtechnisch Relevantes gefunden und die Entdeckung mit ihm geteilt haben; so entsteht Teamarbeit, Verbindung, Vertrauen.
Die Geschichte hat selbstverständlich auch noch eine andere Seite: Sie lernen nämlich die Feinheiten in der Körpersprache des Vierbeiners zu lesen und mit fortschreitender "Zusammenarbeit" erkennen Sie an seinen Reaktionen, ob Wild in der Nähe ist, ob Spuren frisch sind, ein Fuchsbau bewohnt, der Vogel noch in der Wiese sitzt oder nur vor einer Weile dort zwischengelandet war und vieles mehr. Logisch, dass Sie dadurch auch viel besser präventiv eingreifen können.
Das Allerwichtigste aber ist, dass der Hund eben merkt: mein Chef ist wirklich bei mir, macht tatsächlich mit. Und für ausführliche Unterhaltungen zwischen den Zweibeinern ist nach den Expeditionen ja genügend Zeit! |

Erfahrungsaustausch ist wichtig - nach der Expedition.

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Mitunter fragen künftige Teilnehmer, wie sie sich am besten auf den Kurs vorbereiten können. Also, erstens: lernen Sie zu schweigen, wenn Sie mit Ihrem Vierbeiner unterwegs sind!
Und zweitens, beobachten Sie und Ihr menschlicher Partner sich gegenseitig bei der Führung des gemeinsamen Hundes. Überlegen Sie, wieso vielleicht der eine dem Hund mehr Freiheit zugesteht als der andere und welche Entscheidung letztlich mehr Sinn macht; wer in ganz konkreten Grenzsituationen strenger ist oder nachsichtiger und wie das dem Hund bekommt;
ob einer von Ihnen beiden mehr mit Gesten arbeitet als mit Stimme oder Pfeife und ob Ihr Hund da irgendeine Präferenz zeigt; tja, und achten Sie auch darauf, ob Ihr Hund zwei Chefs sieht, oder den Boss und seinen Vize...
Klar, dass jeder bei der Erziehung und Führung seine individuelle Art hat, aber schwierig wirds für den Hund, wenn Herrchen verbietet was Frauchen erlaubt, oder wenn beispielsweise der eine ganz unbewusst eine Geste benutzt, während er den Hund heranpfeift und der andere das gleiche Handzeichen gezielt ausführt, damit sich der Vierbeiner bei Fuss setzt. Solange der Hund nur mit einem seiner Chefs unterwegs ist, mag er sich an den jeweiligen Stil zwar anpassen, aber ist man zu dritt, kann die Sache wirklich verwirrend werden, speziell in unvorhergesehenen oder plötzlichen Stresssituationen, wenn beide Halter gleichzeitig tun, was sie für richtig halten und der Vierbeiner doch verständnislos in die verbotenen Büsche entschwindet.
Am besten übt man so etwas, indem man ganz gezielt zu dritt los zieht und sich darauf einigt, dass jeder Partner den Hund für jeweils 30 Minuten führt, während der andere bewusst zuschaut aber nicht interveniert oder kritisiert. Sie werden wahrscheinlich staunen, wie viele kleine Probleme (oder Rätsel) Sie ohne besondere Mühe lösen können, nur weil Sie mal richtig hingesehen haben. |

Wie sag ich's meinem Hund?!
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Eine weitere sinnvolle Vorbereitung besteht im Bedarfsfalle darin, Ihren Vierbeiner so weit in den Griff zu bekommen, dass er nicht permanent an der Schleppleine laufen muss, denn das Ding behindert nicht nur den Hund beim Spielen mit seinen Artgenossen während der Pausen, sondern ist vor allem eine latente Dauergefahr für andere Hunde und Teilnehmer, die darüber stolpern oder eingewickelt zu Fall gebracht werden.
Überdies flanieren wir kaum je über breite, ebene Waldwege, sondern gehen bei den Expeditionen sehr oft durch enge Trampelpfade, Wildwechsel oder gar quer Beet, wo Sie sich durch Büsche und Stangenholz wursteln müssen, und da ist schon die normale Führleine eine Behinderung (es sei denn sie wird kurzfristig und gezielt eingesetzt), die Schleppleine aber ein absolutes no go.
Ja, und wenn Sie irgend können, schauen Sie sich die Rassekollegen Ihres Vierbeiners mal in natura bei der Arbeit an! Zu sehen, wofür er eigentlich geschaffen ist, hilft Ihnen, sowohl sein Verhalten besser zu verstehen als auch den Sinn der Übungen, die wir hier machen. Mir ist schon klar, dass das nicht immer so einfach zu realisieren ist, nicht alle Jäger wollen schliesslich Zuschauer, aber mit ein bisschen gutem Willen und sozialer Kompetenz kann man das schon hin kriegen, und ausserdem gibt es ja auch Leistungsprüfungen, die Ihnen helfen, in die Arbeitswelt Ihres Hundes hinein zu riechen.
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Vorstehhunde im praktischen Einsatz.
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Ein Thema, das mir zum Ende dieses Kursjahres besonders unter den Nägeln brennt, sind die Laufhunde bzw. Bracken.
Um auch an dieser Stelle noch einmal die Experten zu zitieren:
"Schlussendlich sei jedem Brackenführer auf den Weg gegeben, eine Bracke ist ein äußerst selbständig denkender Jagdhund, der aufgrund seiner Anlagen Entscheidungen im Jagdbetrieb trifft, dies bewirkt, dass eine Bracke niemals „dressiert“ werden kann und darf, sondern vom Besitzer bzw. Führer nur „erzogen“ wird. Bracken sind eher Problemlöser als Befehlsempfänger, wenn man dies bei der Arbeit mit seiner Brandlbracke respektiert, entwickelt sich ein eingespieltes Team zwischen Mensch und Hund!" Sagt Wolfgang Panhölzl, Zuchtwart des ÖBV.
Sein Kollege Dr. Johannes Plenk sieht das ähnlich: "Bracken arbeiten selbstständig und lösen Probleme mit Intelligenz, statt immer auf Befehle zu warten - man sollte also nicht den Appell eines Vorstehhundes oder Retrievers erwarten oder erzwingen wollen!"
Aber vor allem sagt er: "Gib Deiner Bracke die Möglichkeit zu jagen!"
Und was er dann zu seiner Rasse, der Steirischen Rauhaarbracke anmerkt, gilt natürlich genauso für alle anderen Rassen: die Bracke ist nun mal "ein Arbeitshund mit ausgeprägtem Jagdtrieb und enormer Ausdauer - wenn man diesen Hunden keine adäquate Beschäftigung bietet, suchen sie sich selbst eine!" Und dabei denkt Hannes Plenk nicht an Agility und Mantrailing...
In manchen Ländern, wie etwa hier in Italien, gibt es keine klubinternen Regeln, die den Züchtern vorschreiben oder zumindest nahelegen einen Segugio Italiano, Bleu de Gascogne, Istrianer, Luzerner Laufhund oder wie sie auch heissen mögen, nicht an Laien abzugeben, denn kaum ein vernünftiger Mensch käme überhaupt auf die Idee, sich als Nichtjäger so einen Hund anzuschaffen, den nur eines glücklich macht: im Kilometerradius Wild zu suchen, zu verfolgen und zu erbeuten.
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Bracken wollen jagen.
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Einverstanden, es gibt immer die Ausnahme von der Regel, den Laufhund mit minimalem Jagdtrieb, aber es ist ziemlich blauäugig anzunehmen, dass das ausgerechnet Ihrer sein wird, oder?
Und natürlich gibt es eine Handvoll Rassen, die in Mode gekommen und damit für den Normalverbraucher salonfähig gemacht worden sind, wie der "Hush Puppy" Basset, Snoopy der Beagle oder in Skandinavien der handliche kleine Drever. Gut getan hat diesen Rassen ihr Aufstieg zum Publikumsliebling nachweislich nicht, und ob sie wirklich so gut zu händeln sind wie ihre Züchter vielleicht versprechen bleibe dahin gestellt.
Was ich mit alledem sagen will: wenn Sie Besitzer eines Laufhundes, Meutehundes oder einer Bracke sind machen Sie sich auf viel, viel Arbeit gefasst, wenn Sie Ihrem Vierbeiner wenigstens teilweise gerecht werden wollen. Ersparen Sie ihm Hundeschulen, wo er nur aufs Gehorchen gedrillt werden soll, denn dafür ist er - siehe oben - nicht veranlagt.
Womit wir bei der Frage sind, was Ihnen ein Kurs bei uns bringen könnte.
Wenig oder nichts, wenn Sie nicht bereit sind, Ihren Vierbeiner als das anzuerkennen was er ist, nämlich kein Sport,- Spiel,- Schmuse- oder reiner Familienhund, sondern ein arbeitsfreudiger Spezialist, dem Mutter Natur bestimmte Talente schon mit in die Wiege gelegt hat während er gewisse andere Fertigkeiten nie erlernen wird.
Wenn Sie und Ihr Hund sich in dem Punkt einig sind, können wir wahrscheinlich einiges erreichen. Allerdings ausschliesslich ab Mitte August, denn Ihr Freund soll nicht ausgerechnet hier tragende Ricken hetzen, die Ende Mai in Ruhe anfangen möchten, ihre Kitze zu setzen, und erst recht soll er nicht, versehentlich oder aus Grössenwahn, einer Bache und ihren Frischlingen in die Quere kommen, was im April/Mai aber ohne weiteres passieren kann, wenn einen wildscharfen Laufhund der Hafer sticht.
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Ricke kurz vor der Geburt ihrer Kitze.
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Ab Mitte August ist selbst den Jägern das Training mit ihren Laufhunden hier in unserer Gegend erlaubt und folglich darf auch Ihr Vierbeiner mal zeigen, was er kann.
Das heisst nicht (nicht!), dass er hier unkontrolliert durch die Landschaft preschen darf oder gar soll. Nein, wir wollen lediglich unter relativ sicheren Bedingungen herausfinden:
Wie sucht er Spuren - besonnen, systematisch, mit Sinn für die Feinheiten?
Wie lange verfolgt er eine frische Fährte?
In welchem Radius bleibt er dabei?
Welches Wild bevorzugt er?
Kann man an bestimmten Körpersignalen ablesen, ob er eine kalte Fährte, die ihn nur kurz interessieren wird vor der Nase hat oder ob es eine frische Witterung ist, die ihn sicher zur ausgiebigen Verfolgung motiviert?
Wichtig ist auch festzustellen, ob er spurlaut oder sichtlaut ist oder seine Entdeckungen lieber für sich behält.
Und schliesslich versuchen wir gemeinsam die Frage zu beantworten: Mit welchen Übungen und Aktivitäten bei den täglichen Ausgängen daheim können Sie ihn künftig so beschäftigen, dass er halbwegs ausgelastet und deshalb auch folgsamer wird?
Ich sage "halbwegs ausgelastet", weil Ihnen völlig klar sein muss, dass es für einen Hund dieser Kategorie nur ein ärmliches Trostpflaster ist, was Sie als Laie ihm bieten können, selbst wenn es sog. jagdnahe Aufgaben sind.
Was er tatsächlich braucht können Sie vielleicht miterleben wenn wir im Herbst einmal Laufhunde bei der Jagd begleiten.
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Eine Laufhund Meute bei der Jagd zu begleiten ist spannend und lehrreich.

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Foto 1, 8-9 Sabine Middelhaufe; Kirsten Semmel 2-4; Fredi Keymer 5; Marc Semmel 6; Stefan Mähler 7, 10; Engelbert Braun 11.
Text (c) 2010
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