| Die Gallier kommen!
Von Sabine Middelhaufe
Der im Mittelmeerraum unter Jägern sehr beliebte Epagneul Breton gelangt entsprechend häufig über den Tierschutz nach Deutschland, und so stammten auch die beiden gallischen Teilnehmer ursprünglich aus Spanien - und sorgten für Überraschungen.
Die erste jagdliche Übung unseres Kurses ist immer eine kurze Schleppe, an deren Ende der Hund einen Hasendummy findet, den er aufnehmen kann,
denn hat er erst mal Gefallen an der haarigen Beute gefunden, wird ihn das motivieren, bei den folgenden Übungen umso eifriger zu suchen.
Zwar ist der Epagneul ein Vorstehhund, doch wird er oft nicht so strikt und ausschliesslich für diese Arbeit eingesetzt wie etwa der Pointer - ein klarer Pluspunkt für den Nichtjäger!
Bretone Jordi, 5 Jahre alt, hatte noch nie Schleppen gearbeitet oder Wilddummys apportiert und stutzte zunächst. Der Duftspur am Boden zu folgen fand er ja noch halbwegs interessant, aber das seltsame Ding am Ende ins Maul zu nehmen? Keine Chance - bis es am zweiten Übungstag vor ihm auf und ab zu hüpfen begann, floh und wieder auf ihn los stürmte. Ein toter "Hase" ist öd, aber den "Kampfhasen" wollte Jordi sich denn doch nicht entwischen lassen und erklärte ihn von Stund an zu seinem Lieblingsapportel. |
Breton Jordi im Einsatz.
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Zu beobachten, welche Folgen dieser Sinneswandel hatte, war einfach nur schön. Während Jordi anfangs ziemlich gelangweilt drein schaute und lieber auf eigene Faust durch die Wiesen gerast wäre, statt Dummys zu suchen, verfolgte er nun aufmerksam und fast alarmiert das Geschehen, wenn die anderen Hunde zur Suche starteten. Er wurde regelrecht ungeduldig, selbst wieder an die Reihe zu kommen, und tat sein Missfallen ob des notwendigen Wartens auch sehr laut und unmissverständlich kund. Durfte er schliesslich zum Anfang der Schleppe kommen oder wurde zur freien Suche losgeschickt, konnte kein Zweifel bestehen, dass er "seinen Hasen" um jeden Preis wiederfinden wollte. |

Jordi scheute keine Mühe, sein Bringsel wiederzufinden.
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| Das war nicht immer so einfach und verlangte zunehmend mehr Geschick und "Jagdverstand", aber Jordi hielt es offensichtlich für der Mühe wert. Er eilte ganz geschäftsmäßig und konzentriert durch das Suchgelände, liess sich auch von kurzfristigen Misserfolgen nicht entmutigen, und kam er am Ende mit seinem Bringsel zurück, sah er höchst zufrieden aus. Schön aufgerichtet trabte er auf uns zu, im vollen Bewusstsein seiner eigenen Grossartigkeit, Rute selbstsicher erhoben, im Gesicht der ernste Ausdruck des erfolgsgewohnten Jägers, und wenn er bei der Gruppe anlangte, liess er den Blick einmal in die Runde schweifen, als wollte er sagen: Nur dass das klar ist, der Hase gehört mir ! |
Jordi ganz stolz mit "seinem" Hasen.
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Der zweite Bretone in der Gruppe war genau genommen nur ein halber Epagneul, denn in seiner Ahnenreihe steht sicherlich noch eine andere, nicht bestimmbare Rasse. Bedenkt man, dass der zweijährige Bambino unter einer autoimmunen Anämie leidet, die tägliche Medikamentengabe erfordert und seine Teilnahme noch kurz vor Kursbeginn zweifelhaft war, konnte man nur staunen, wie ausgelassen er die meiste Zeit über die Wiesen sauste.
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Bretonenmischling Bambino.
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Ähnlich wie sein Kumpel Jordi wusste Bambino zunächst mit dem Hasendummy nichts anzufangen, aber dank Frauchens Überzeugungskraft und des guten Beispiels der anderen Mitstreiter kam auch er auf den Geschmack. Interessanterweise bekundeten alle Hunde sehr schnell eine Vorliebe für einen ganz bestimmten Felldummy; Bambinos Favorit war der mit dem wenigsten Haar, während Jordi den grössten Dummy wollte...
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Bambino beim Apport nach der freien Suche.
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Nun sollten die Hunde natürlich nicht auf ein Bringsel fixiert werden, weshalb neben Schleppen, Quersuche und freier Feldsuche die Fährten geübt wurden. Ausnahmslos alle Teilnehmer stimmten zu, keine Futterfährten im eigentlichen Sinne zu machen, denn die Gefahr, den Hund dadurch zum Aufnehmen von Essbarem in der freien Natur zu ermutigen ist einfach zu gross. Stattdessen begannen wir stets mit einer Tropfspur aus Fleischbrühe, an deren Ende die Hunde mit Futter aus der Hand ihres Halters belohnt werden sollten. Einziges Problem: die Vierbeiner fanden so eine Fährte kein bisschen anziehend... Bis auf den Vizsla, der sich ziemlich schnell überreden liess, der Spur zu folgen und die beiden Pointer Ladys, die freilich eine Flüssigkeit vorfanden, die aus ihrem stark verdünnten Lieblingsdosenfutter bestand, konnte sich keiner für diese Tropfspur erwärmen.
Gottlob sind Menschen ja flexibel und wir starteten den zweiten Versuch mit Würstchenwasser. Enthusiamus der Hunde: Null.
Ich schnitt die Würstchen also in Scheiben, tupfte damit eine Fährte und deponierte den Rest ans Fährtenende. Gähnende Langeweile seitens der Hunde.
Die Kunstschweissfährte hatte ich mir bis zum Schluss aufgehoben, denn einerseits war die Idee, den eigenen Hund auf eine Blutspur zu setzen nicht jedem Halter geheuer, andererseits ist Rinderblut nicht überall in Deutschland einfach zu beschaffen, weshalb problemlos herzustellende Flüssigkeiten die simplere Lösung gewesen wären. |

Bambino auf seiner ersten Schweissfährte.
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Nun, die Vierbeiner der ersten Kurse übten bei Würstchenwasser passiven Widerstand, und ergo tropfte ich ihnen gehorsam eine kleine Kunstschweissfährte. Ihre Reaktion war verblüffend: Rinderblut ist ja so viel spannender! Gleich senkten sich die Nasen, die Hunde suchten konzentriert und freudig, und alle kamen ans Ziel. Mit Ausnahme der Pointer. Die fanden Schweissarbeit völlig unter ihrer Würde und nahmen nicht einmal ernstlich Witterung auf. Auch der (einzige) Vizsla war nicht gerade hin und weg und weigerte sich nach der ersten, durchaus erfolgreichen Schweissarbeit die mühsame Aktion zu wiederholen...
Tja, jeder Hund ist eben anders, und was den einen antörnt lässt den anderen völlig kalt.
Für Vorstehhunde, die bisher nicht schlüssig beweisen konnten, wie sie auf die Präsenz von Federwild reagieren bzw. ob sie willens sind, ihre Beute nur vorzustehen, setze ich meine Wachteln in die Wiese und führe den Hund dann erst einmal selbst an der Leine, um zu testen, wie er sich verhält.
Bretonenmix Bambino machte nie die Bekanntschaft meiner hübschen, sanften Vögel, denn seine Halterin versicherte mir sofort, dass Bambinos Antwort garantiert "schnapp und rupf!" sei.
Vollblut Bretone Jordi hingegen durfte eine Wachtel suchen und zeigte die kurioseste Reaktion, die ich je bei einem Vorsteher gesehen habe: kaum hatte er den Vogel registriert, wollte er sich nämlich mit lautem Kläffen auf ihn stürzen. Die Wachtel war darob ziemlich schockiert, und weil der zweite Versuch dasselbe Resultat erbrachte - einen furios bellenden Bretonen, der kräftig an der Leine zerrte und eine sichtlich verwirrte Wachtel - trug ich Letztere eiligst zurück in ihre Voliere und zu ihren Gefährten.
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Not amused - meine Wachteline nach dem Vorsteh-Test.
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Daraus möge nun aber niemand voreilige Schlüsse ziehen! Jordi ist ein äusserst lernwilliger Hund, der, richtig motiviert und geduldig und kontinuierlich an seine Aufgaben herangeführt noch unendlich viel lernen wird! Leider ist eine Woche dafür zu kurz, und darüber sollten sich Teilnehmer des 2010 Kurses schon jetzt Gedanken machen: hier in Italien probieren wir "nur" aus, was dem Hund liegt, wie wir seine Aufmerksamkeit fesseln und ihn für die Kooperation gewinnen können, schauen, was er selbst als Arbeitsangebot oder Pausenspass ersinnt, was er tut, wenn weder Leine noch Rückruf ihn bremsen, prüfen vor allem, wie sehr er eigentlich seinen Radius ausweitet, wenn er darf, (und das ist zur Verblüffung vieler wesentlich geringer, als man vorher befürchtete!) und zuhause geht die Arbeit dann weiter, müssen die neu entdeckten oder bestätigten Lieblingsübungen des Vierbeiners in den Alltag integriert werden, muss Mensch sich erinnern, worin seine Stärken im Umgang mit dem Hund liegen und versuchen, Fehler zu korrigieren. Das kostet anfangs vielleicht ein bisschen Überwindung und obendrein Erfindungsgabe, denn schliesslich müssen wir jedem einzelnen Hund auch daheim das bieten, was er braucht, um seine Talente einzusetzen und seine Bedürfnisse befriedigen zu können.
Liebe Leute, es kann nicht angehen, dass Hundehalter Steuern bezahlen, zig Regeln und Auflagen beachten müssen und dann nicht einmal einen Fuss über den Waldweg hinaus oder auf den Acker setzen dürfen, ohne sofort an den Pranger gestellt zu werden?! Es geht doch gar nicht darum, die grenzenlose Freiheit für den (eigenen) Hund zu fordern, und zum Teufel mit Natur und Wild. Gerade die Jagdhundebesitzer sind sich ihrer Verantwortung oft sehr wohl bewusst, denn der Jagdhund reagiert nun mal intensiver auf die Präsenz von Wildtieren als andere Rassegruppen, und eben deshalb wollen die Halter ihre Hunde gut erziehen. Nur, wie, bitteschön, macht man das, wenn der Hund zum Leinenzwang verdonnert ist, man hier nicht mit ihm spielen darf, dort nicht mit ihm üben kann? Mir kommt bei solchen Überlegungen immer die Horrorvision eines Jagdhundes, der im heimischen Wohnzimmer vorm PC auf dem Laufband steht, verkabelt und verdrahtet, und lernen soll, Wild auf dem Bildschirm vorzustehen oder zu hetzen, ja nach Programm und Aroma, das aus den "Geruchsboxen" des Computers wabert. Sein Besitzer bezahlt dann selbstverständlich keine Hundesteuer mehr, sondern Vergnügungssteuer... |

Bambino und Kumpel Jordi in der realen Natur.
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