| Zwischen
Scaparina und Varsaia
Von Sabine Middelhaufe
Die
Provinzstrasse Nummer 89 trifft am Passo Scaparina mit dem Strässchen,
das auf der einen Seite
von
Carrobiolo, auf der anderen von Ceci heraufkommt, zusammen. Ausser
an Sommerwochenenden ist sie allerdings kaum befahren, weshalb
man sie ohne weiteres für die erste Etappe der Wanderung von
der Scaparina / Roncassi nach Varsaia benutzen kann, ohne
Staub und Abgase schlucken zu müssen. |
Karte für
die Wanderung Scaparina - Varsaia. Startfoto:
Monte Penice (1460 m) |
Die
Strada Provinciale 89 windet sich ohne wesentliche
Höhenunterschiede gemächlich längs der westlichen Schulter
des Monte Pe-nice zwischen Heuwiesen
und Wäldern vom Scaparina-Paß bis nach Casa Piazza, wo sie mit
der Staatsstrasse 461 und dem schmalen, asphaltierten Weg
hinunter nach Varsaia eine Kreuzung bildet.
Auf den Wiesen nahe der Scaparina streun-en oft ein paar
Esel, Mulis und Pferde her-um, jedoch ziehen diese Flächen
im Mai, bei gutem Wetter sogar schon Ende April auch die
lokale Bevölkerung magisch an. Dort spriessen nämlich Pilze,
die im örtlichen Dia-lekt "spinajö" heissen und äußerst
beliebt sind. Ihren genauen Standort in den Wiesen erkennt
man angeblich
an den mehr oder we-niger langen Streifen dunkelgrünen
Grases. Und so kann man schon beim ersten Tages-licht Männer
und
Frauen auf den Knien be-hutsam diese deutlich dunkleren
Stellen mit den Händen oder einem Stock durchkämmen sehen,
in der Hoffnung, fündig zu werden.
Wesentlich
beeindruckender
ist allerdings der Blick nicht zu Boden sondern nach Süden |
Passo Scaparina.
Im Hintergrund der Monte
Lesima. |
Dort
erhebt
sich
nämlich der
Monte
Lesima
auf
immerhin
stolze 1724 m. Überhaupt ist der Ausblick von hier oben grandios, und man
bezeichnet die 89 nicht zu Unrecht als Panoramastrasse. Das
gesamte Territorium
der Gemeinden Menconico und Varzi ist sichtbar, Bagnaria,
Ponte Nizza, ja bis nach Tor-tona, Alessandria und Asti im
Nordwesten kann man schauen, und bei klarer Luft
zeichnet sich natür-lich die Silhouette der Alpen gegen den azurblauen
Himmel ab. |
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man Menconicos Gemeindeteil Bardineo mit seiner Handvoll schmucker
Ferienhäuschen hinter sich läßt, erreicht man jedoch erst einmal
wieder Wald
auf beiden Strassenseiten und kann sich der Betrachtung der Flora
zuwenden, die sogar an einem schnöden Strassenrand sehr üppig
und überrasch-end artenreich sein kann. Tritt man an der Kreuzung
der Staatsstrasse dann plötzlich aus dem Wald heraus, eröffnet
sich freilich ein neuer, atemberaubender Ausblick. Von Casa Piazza
überschaut man gen Nordosten die Po-Ebene bis nach Mailand hin. |
Wir
wenden uns an der Kreuzung nach links, folgen ein paar Meter
der Staatsstrasse, die trotz ihrer beeindruckenden Bezeichnung
eigentlich auch nur am
Wochenende maßvoll frequentiert ist, und nehmen die schmale
Asphaltstrasse links hinunter Richtung Varsaia. Steht Ihnen
der Sinn danach, einfach mal über die Dörfer zu gehen? Kein
Problem, folgen Sie einfach dem Asphalt abwärts durch Casa del Lago,
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Riva,
Menconico, wo Sie sich in der Frasca mit Kaffee, Eis oder sonstigen
Stärkungen erfrischen können, hinauf nach Carrobiolo und von dort
weiter zur Scapa-rina oder zur Pernice
Rossa.
Da ich immer in vierbeiniger Be-gleitung spazieren gehe, meide
ich Strassen nach Möglichkeit und schlage mich in Varsaia
ein-fach in
die Büsche, oder vielmehr den Wald.
Es gibt sogar einen schönen, breiten Wanderweg, der Sie vom Ortsrand Varsaias
direkt und schnell nach Carro-biolo bringt. Ihr Hund zieht die spannenden
Waldwege wahr- |
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scheinlich
auch vor... Bis vor gar nicht langer Zeit hielten die Leute
in den kleinen Bergdörfern Kühe und Schafe, die in den warmen
Monaten natürlich zum Grasen auf die Wiesen im weiten Umkreis
um die Ortschaften herum gebracht wurden. Wer in den 60er
Jahren hier auf die Welt kam, kann heute noch mit eher gemischten
Gefühlen erzählen, wie es im Sommer zuging, wenn selbst die
Grundschüler ihre Ferien nicht etwa mit Faulenzen und Spielen
zubrachten, sondern morgens früh das Vieh auf die Weid-en
bringen
und den Tag mutterseelenallein mit ihm verbringen mussten,
denn schließlich besass jeder seine eigenen Stückchen Land
in den Bergen, und nur dort durfte das eigene Vieh auch grasen.
Bei Ge-witter suchten die Hirten Unterschlupf in kleinen
Schutzhütten aus Naturstein, deren Reste Sie längs der Waldpfade
zwischen
Varsaia, Carrobiolo und Scaparina heute noch sehen können. |

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| Ich
habe Ihnen schon während des Spaziergangs im "Dunklen Tal"
erzählt, dass unsere Wälder dank der Holzfällarbeiten mit Pfaden
und Treckerfahrspuren gesegnet sind, denen man getrost folgen
kann. Ebenso gesegnet sind wir freilich mit Bächen, die hier
und da natürlich Bassins gebildet haben und vermutlich für
jeden Hund unwiderstehlich sind, vor allem, wenn er darin auch noch
ganz fasziniert die Kaulquappen beobachten kann. |
Wenn
man sich einfach dem Wegenetz anvertraut, kann man bequem von
Varsaia zurück nach Roncassi bzw.
dem Scaparina-Paß laufen, fast immer im Wald, der erst zum
Paß hin in verwilderte Weiden
und Heuwiesen übergeht. Natürlich können Sie auch den Pfad
nach Menconico hinunter einschlagen und an der Frasca Rast
machen. Oder nur bis Carrobiolo hinab kommen und sich an unserem
Dorfbrunnen aus-ruhen. Sie werden jedenfalls feststellen, dass
Sie auf den unteren Hängen des Monte Penice unzählige kleine
und grosse Wanderungen machen und dabei so richtig schön relaxen
können...
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Carrobiolo
von einem der Wege aus Richtung Varsaia kommend gesehen.
Alle
Fotos: Sabine Middelhaufe
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