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Wanderrouten: Roncassi - Montemartino - Carrobiolo - Roncassi
Von Sabine Middelhaufe

Wenn Ihr Feriendomizil die Pernice Rossa in Roncassi ist, bietet sich als erste Wanderung eine Runde im "magischen Dreieck" zwischen Carrobiolo, Montemartino und Roncassi geradezu an.


Karte für die Wanderung Roncassi (Pernice Rossa) - Montemartino - Carrobiolo - Roncassi

Die schmale Asphaltstrasse, die sich durch dichte Mischwälder von Roncassi nach Sala hinunter schlängelt, macht an der Costa Roncassi eine scharfe Kurve, und genau dort verlassen wir sie und folgen dem kleinen Waldweg, der übrigens nur von den Bewohnern der umliegenden Dörfer befahren wird, wenn sie zum Holzfällen oder jagen gehen, Richtung Poggio, einem Gipfel, der einen tollen Blick ins benachbarte Tal, Valle Staffora, erlaubt.


Costa Roncassi

Eine ordentliche Routenbeschreibung sollte eigentlich die anfallenden Kilometer nennen und die ungefähre Zeit, die man braucht, um eine Strecke zurückzulegen. Das Dumme ist, manche Menschen benutzen nur die Hauptwege; andere, so wie ich, müssen jeden Pfad ausprobieren, unterwegs in Pfützen und Bäche spähen, in ausgehöhlte Baumstämme, Dachsbaue und Mauselöcher, und dann halte ich auch noch ständig an, um so richtig zu genießen, was es drumherum zu schauen, riechen, hören und berühren gibt... Aber einmal angenommen, ich würde wild entschlossen und ohne zu trödeln den Hauptwegen folgen, käme ich in etwa 40 Minuten von Roncassi nach Montemartino (da geht's nämlich vorwiegend bergab), in weiteren 70 Minuten von dort nach Carrobiolo

und stünde ungefähr 30 Minuten und 2 steil ansteigende Kilometer Landstrasse später wieder vor der Tür der Pernice Rossa - sehr empfänglich für einen Capuccino oder besser noch einen großen Eisbech-er mit Früchten, Sahne und Waffel obenauf.
Doch wie gesagt, ich gehe nie anders als trödelig spazieren, denn es gibt so viel zu bestaunen...

Der Weg zum Poggio führt uns bald an eine Kreuzung. Rechts hinunter geht's directement Richtung Carrobiolo; links steil hinab nach Sala und geradeaus erklimmt ein schmaler Trampelpfad den Gipfel. Bei klarer Sicht kann man von dort oben die gesamte Alpenkette vom Aostatal bis weit östlich von Bergamo bewundern. Aber selbst wenn der Dunst über der Po-Ebene den Fernblick vereitelt, sind immer noch die kleinen Dörfchen im Staffora-Tal zu sehen, ein jedes nur eine Handvoll Häuser gross und mit einer hübschen Kirche gesegnet.


Blick vom Poggio Richtung Santa Margherita di Staffora
Der Abstieg vom Poggio bringt uns in die Kastanienwälder der Gemeinde Menconico. Im Herbst lassen es sich auch die sehr alten Leute nicht nehmen, wenigstens ein paar Mal hierher zu kommen, um die schmackhaften Esskastanien zu sammeln, die dann im Winter auf dem Holzofen geröstet werden.

Kastanienbäume wachsen zu mächtigen Dimensionen heran und können sehr alt werden, wie die betagten Herrschaften auf den Bildern oben. Um den Stumpf der gefällten Kastanie hier rechts zu umfassen, muss man schon zu zweit sein - und sehr lange Arme haben.
Kastanienwälder haben eine ganz besondere Stimm-ung und sind, allerdings mehr aus ernährungstechni-schen Gründen, bei Wildschweinen, Mäusen, Eichhörn -chen und vielen Vogelarten sehr beliebt.
Wenn man dem Weg Richtung Montemartino immer talwärts folgt, findet man sich schließlich wieder an einer kleinen Kreuzung. Linkerhand erreicht man in wenigen Minuten das Örtchen, rechts ab wandert man durch Wald und Heuwiesen auf Menconico zu. Diesen Teil der Route mag ich besonders gern, weil die Hunde über die Wiesen fegen, in Bächen und Pfüt -zen trinken und suhlen können, während ich, je nach Jahreszeit, Kirschen, Brombeeren, Wildäpfel oder Kräuter sammle oder Blumen und Gräser pflücke.


Auf den Wiesen zwischen Montemartino und Menconico.
Der Treckerpfad, der uns mit einem langen, sanften Abstieg in die Nähe von Menconico bringt, stößt letztlich auf die Asphaltstrasse zum Dorf, doch wir folgen dem hölzernen Wegweiser, der uns schon vorher an einem verlassenen kleinen Stall aus Natursteinen rechts hinauf nach Carrobiolo lotst. Die von Traktoren ausgefahrene Spur bringt uns ziemlich steil ansteigend und fast schnurgerade auf etwa 900 m Höhe zurück, und dort verläuft der, gottlob fast ebene, Verbindungsweg zum Weiler, der nun in

Carrobiolo in Sicht.

Sicht kommt. Durstige Hunde können natürlich zwischendurch in den vielen winzigen Bächen trinken und baden; uns erwartet der Dorfbrunnen, der genau an der Stelle steht, wo unser Weg auf die schmale, einzige Strasse des Örtchens stößt. Übrigens: falls Ihr Hund nicht ganz und gar geflügelfromm und katzenrein ist, nehmen Sie ihn jetzt lieber an die Leine, denn Katzen lungern über-all herum und ein paar freilauf-ende Hühner könnten auch unter-wegs sein... Ein Schluck von dem klaren, frischen Wasser, und weiter geht's zur letzten Etappe:
einfach der Strasse aufwärts folgend, vorbei an den Gemüsegärten und Kartoffelfeldern meiner Nachbarn, klettern wir durch schma-le, mit Hecken voneinander getrennte Heuwie -sen der 1000 m Höhenmarke entgegen.
An der Kreuzung hochoben angelangt wenden wir uns nach rechts und sehen nach wenigen Schritten und vermutlich recht dankbar, die Pernice Rossa, die mit einem Liegestuhl unter dem Sonnenschirm, kühlen Getränken und ei-ner wohl verdienten Mahlzeit winkt.
Ihr Hund wird nach dieser Tour und den un-endlich vielen neuen, aufregenden Eindrücken wahrscheinlich auch sehr froh sein, sich auf einem schattigen Rasenplätzchen ausstrecken zu können, um mit zuckenden Pfoten und leis-em Wuffen im Traum noch mal diesen span-nenden Spaziergang Revue passieren zu las-sen.
Nun, ruhen Sie sich schön aus. Morgen gehen wir in die Buchenwälder des "Dunklen Tals", der Valle Scura, hinter der Pernice Rossa!



Alle Fotos: Sabine Middelhaufe

Strasse von Carrobiolo nach Roncassi
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