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Urlaub mit Hund in Italien?


 

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Urlaub mit Hund in Italien?
Von Sabine Middelhaufe

Die Deutschen sind die reiselustigsten Europäer überhaupt und kommen im globalen Vergleich an zweiter Stelle sofort nach den US-Amerikanern. Zwischen Januar und September 2007 beispielsweise gaben deutsche Touristen 49,4 Milliarden Euro für Auslandsreisen aus, davon rund 4 Milliarden Euro um Ferien in Italien zu machen, das, nach dem grossen Konkurrenten Spanien, noch heute unser liebstes Urlaubsland ist.
Freilich, die Deutschen sind keine so einfachen Gäste, achten sie doch sehr bewusst auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Zu ihren üblichen Gewohnheiten gehört auch, mit dem Auto zum Urlaubsort zu fahren und schon lange vor Reiseantritt zu buchen und zwar 73% von ihnen ein Hotel.
Statistisch ebenfalls erfasst ist eine ganz andere Tatsache über die Deutschen, nämlich dass sich in den Haushalten der Republik gut 5,5 Millionen Hunde tummeln (Stand 2008).
Sara Santini von der Universität Pisa nahm diese Daten zum Anlass, um im Rahmen ihrer Doktorarbeit über den weitgehend unerschlossenen Bereich des „deutschen Hundehalters als Italienreisenden“ Informationsquellen zu analysieren und u.a. eine eigene Umfrage durchzuführen.
Gemäß der Auswertung diverser deutscher Blogs und sonstiger Internetseiten scheinen deutsche Touristen mit Hund die Erfahrung gemacht zu haben, dass die Probleme für Hundehalter grösser werden, je weiter sie in Italiens Süden reisen, wobei die Akzeptanz eines Vierbeiners sehr von seiner Grösse abhängt, das heisst je kleiner er ist, desto besser. Ferner dürfen Hunde vielerorts nicht mit ins Restaurant, Hotel und an den Strand genommen werden.
Die meisten positiven Kommentare deutscher Touristen beziehen sich deshalb auf Nord- und Mittelitalien. Insgesamt aber fällt die Meinung zum Hundeurlaub in Italien eher schlecht aus.

In der Toskana, einer von ausländischen Urlaubern besonders geschätzten Region, hat man daraus bereits erste Konsequenzen gezogen. Seit dem 20.Oktober 2009 gilt dort ein neues Gesetz, das Fabio Roggiolani der Öffentlichkeit mit den Worten vorstellte: “Von nun an dürfen Tiere überall mit hingehen, in den Bus, das Taxi, in öffentliche Gebäude, in die dem Publikum zugänglichen Aussenanlagen und sogar ins Konzert im Stadion. Früher konnten Tiere nur dorthin mitgenommen werden, wo es erlaubt war, jetzt können sie, sofern die Benimmregeln beachtet werden, nur noch dort nicht dabei sei, wo es ausdrücklich verboten ist.“
Mit ihrer eigenen Umfrage wollte Sara nun herausarbeiten, ob deutsche Urlauber überhaupt Wert darauf legen, ihren Vierbeiner mitzunehmen, was sie sich ggf. als Touristen mit Vierbeiner in Italien wünschen und was ihnen überhaupt nicht gefällt oder gefiele.
87% ihrer Interviewpartner waren übrigens schon mindestens einmal mit Hund in den Urlaub gefahren.
Nun, 95% der Befragten erklärten, dass ihr Hund für sie ein Familienmitglied sei, weshalb er selbstverständlich mit in den Urlaub kommen müsse; 3% fanden Hundepensionen einfach zu teuer und 2% sagten, sie würden den Hund niemals allein in einer Pension lassen und ihn darum unbedingt mitnehmen wollen.
Für italienische Tourismusbetriebe ist das schon eine ganz eindeutige Aussage: deutsche Hundehalter verreisen nicht ohne ihren Vierbeiner, und wer ihnen diese Möglichkeit versagt, verliert potenzielle Kunden.
50% der Befragten antworteten, dass sie nicht in Orte und Gegenden fahren würden, wo Maulkorbzwang herrscht.
Allerdings besteht zu diesem Punkt ein extrem hoher Grad an Missinformation die tatsächlichen Orte und Umstände betreffend, die die Nutzung eines Maulkorbs erfordern könnten. Das obligatorische Mitführen des Maulkorbs als landesweit geltendes Gesetz wird vielfach (fälschlich) so dargestellt, als müsse der Hund stets und überall einen Maulkorb tragen. Hier wäre Aufklärung seitens der italienischen Fremdenverkehrsämter, Reiseagenturen usw. sicher notwendig und hilfreich.

Während die Wünsche und Bedürfnisse menschlicher Gäste ständig erfragt und nach Möglichkeit erfüllt werden, ist der deutsche Hund als Gast bisher eine recht unbekannte Größe. Sara befragte deshalb ihre Interviewpartner bezüglich bestimmter Extraserviceleistungen am Urlaubsort:
Die Option, Hundenapf und Futter im Hotel vorzufinden bewerteten 34% mit sehr gut, 17% bezeichneten sie als notwendig, 33% waren gleichgültig, 17% nicht interessiert.
Die Idee eines vom Hotel aufgestellten, speziellen Hundebettes fanden 28% sehr gut, 12% sogar notwendig, 41% erklärten sich als gleichgültig und 17% als nicht interessiert an dieser Möglichkeit.
Zum Zimmerkennel und/oder Hundegitter sagten 31,5 % sehr gut, 37% gleichgültig, 8% notwendig, 4% nicht interessiert und 18% würden bevorzugen, wenn er nicht vorhanden wäre.
Dass bei Bedarf ein Dogsitter ihren Hund hüten könnte fanden 30,5% sehr gut, 3% notwendig, 48% waren gleichgültig, 2% nicht interessiert, 15% würden bevorzugen, dass es diese Option nicht gibt.
Hundefrisör, Hundetrainung u.ä. besondere Dienstleistungen: 16 % fanden die Idee sehr gut, 8% notwendig, 59% waren gleichgültig, 1% nicht interessiert und 16% würden bevorzugen, dass so etwas nicht vorhanden wäre.
Wichtig ist hier aber festzustellen, dass Hundehalter, selbst wenn sie den einen oder anderen Extraservice ganz attraktiv finden, es überhaupt nicht übel nähmen, wenn er fehlte.
Ja, worauf kommt es ihnen denn dann an?
Für sie ist es einfach grundlegend wichtig, ihren Hund überhaupt mit an den Urlaubsort und dort ggf. mit an den Strand nehmen zu können. Für einige ist es ausserdem wesentlich, den Vierbeiner auch mit ins Restaurant bringen zu dürfen, obwohl es sehr viele nur als geringen Nachteil ansehen, wenn das nicht oder nicht immer möglich ist.
Das Meer und die Gastronomie sind die beiden Hauptmotive für deutsche Italienreisende, und welches Ziel sie im Land wählen hängt ganz eindeutig davon ab, ob ihr Hund vor allem im Hotel und am Strand erlaubt und willkommen ist.
Den Hund auszuschliessen, resümiert Sara Santini, ist gleichbedeutend damit, seinen Besitzer und

dessen ganze Familie auszuschliessen.
Nun gibt es freilich mehr deutsche Urlauber ohne Hund, und um herauszufinden, ob die vielleicht ein Argument gegen eine Ausweitung des „Hunde Tourismus“ in Italien sein könnten, interviewte Sara auch reiselustige Deutsche ohne vierbeinigen Anhang.
Das erfreuliche Ergebnis: 95% von ihnen würden ohne weiteres auch dort Urlaub machen, wo Hunde erlaubt sind. Allerdings sehen sie die Präsenz von Vierbeinern in Restaurants mehrheitlich sehr ungern

Für die Tourismusbranche ist die wichtige Erkenntnis freilich die, dass für den hundlosen deutschen Urlauber die (wohlerzogenen) Hunde seiner Miturlauber offensichtlich kein negativer Faktor sind. Das Argument, dass Hunde stören und das Geschäft verderben könnten trifft also keineswegs zu.
Sara Santinis Doktorarbeit hat in Italien bereits einiges Interesse geweckt und es steht zu hoffen, dass eine positive, verständige Einstellung zum Gasthund aus Deutschland auch auf die Einstellung zu den Hunden im eigenen Land abfärben wird.

Text (c) 2010
Foto 1 Alessandro Coppola; 2,3 Sabine Middelhaufe; 4 Simona Cova


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