Der English Springer Spaniel im Jagdbetrieb
Von Anke Lange

Der ESS gehört zur Gruppe der Stöberhunde, dass heißt er wird zum Aufstöbern des Wildes in un- übersichtlichem Gelände spurlaut jagend eingesetzt und soll nach dem Schuß das Wild zuverlässig ap-portieren. Sein jagdliches Einsatzgebiet beinhaltet die Aufgabenbereiche Stöbern, Buschieren, Was-serarbeit, Verlorenbringen und Schweissarbeit.
Der leichtführige ESS zeigt eine unermüdliche Jagdfreude und dank seiner ausgezeichneten Nase und seines Apportierwillens wird er sehr erfolgreich auf Niederwild- und Drückjagden geführt und ist ein Allrounder für die jagdliche Arbeit vor und nach dem Schuß. Er kann bedingt durch seine Körper- größe (ca. 51 cm Widerristhöhe) auch größeres Wild apportieren.
Dank des durch Jagdpassion ausgelösten Suchwillens (ererbte Anlage) und durch Übung gewonnener Sicherheit des optimalen Gebrauchs der Nase, was ja beides insbesondere von einem Stöberhund er-wartet wird, arbeitet der ESS sowohl mit hoher, wie mit tiefer Nase. Insbesondere das konzentrier- te Suchen nach Bodenspuren oder Fährten veranlassen ihn zum Finden der Beute. Ob auf der Hasen-spur, die spurlaut gearbeitet wird, oder bei der Schleppenarbeit wird ein Spaniel mit seiner ausge-zeichneten Nase einen ausgeprägten Spurwillen und Spursicherheit sowie Finderwillen zeigen.

Auch bei der Arbeit auf der Schweiß -fährte ist der Spaniel ein Spezialist und wird regelmäßig auf Schweißprüf-ungen geführt.
Obwohl ein Stöberhund, wird er im Jagdbetrieb auch für die Buschierar-beit eingesetzt. Hierbei lässt er sich sehr gut auf Handzeichen und Pfiff dirigieren.
Auf Drückjagden sind die Spaniels gern gesehene Gäste, da sie das Wild nicht hochflüchtig vor die Büchse des Jägers bringen und durch ihren Spurlaut anzeigen, dass Wild kommt. Einige Spaniels sind neben dem Spurlaut auf
Hasen auch auf Fasan oder Fuchs laut.
Auch für die Wasserarbeit ist der wasserfreudige Spaniel sehr gut einzusetzen. Für die Suche im Schilf und das Bringen von Wasserwild werden Sie in ihm einen einsatzfreudigen Gehilfen haben.
Als Stöberhund soll der Spaniel weitausholend in Breite und Tiefe schneidig das Dickungsgelände an-nehmen und Dornenbewuchs soll ihn nicht von seiner anhaltenden, freudigen Suche abhalten. Dafür soll -te der Hund verschiedene Dickungskulturen kennenlernen, auch mal im Maisfeld stöbern und der klu-ge Spaniel wird bald in Erfahrung bringen, dass in einem bestimmten Revierteil ein Hase, Fasan oder Reh steckt.
Er soll in Erwartung des erhofften Erfolges beharrlich suchen und das gefundene Wild mit signalisie-rendem Laut aus der Deckung bringen.
Ein English Springer Spaniel ist ein Jagdhund, von dem erwartet wird dass er viel Eigeninitative bei seiner Arbeit zeigt und sein Führer wird sich gut auf ihn verlassen können. Ausserdem ist er ein sehr intelligenter, führiger, arbeitseifriger Jagdbegleiter mit dem es Freude macht zu arbeiten. Er ist eben ein echter Allrounder für die Arbeit vor und nach dem Schuß und wenn die Jugendzuchtprüfung /Alterszuchtprüfung, die Herbstzuchtprüfung und Gebrauchsprüfung absolviert ist haben Sie einen vielseitigen Jagdkameraden. Es besteht natürlich auch noch die Möglichkeit eine Verbandsschweißprüfung zu absolvieren.
Jagdliche Prüfungen
Der Jagdspaniel-Klub führt im Frühjahr die Jugend- und Alterszuchtprüfung und im Herbst zusätzlich die Herbstzucht-und Gebrauchshundprüfung durch. Die Jugendzuchtprüfung besteht aus den Fächern:
Nasenleistung
Spurlaut
Spurwille
Spursicherheit
Stöberanlage
Führigkeit und
Gehorsam
Ebenso die Alterszuchtprüfung, hier ist nur die Altersbegrenzung aufgehoben. (Die JZP kann bis zum Alter von 18 Monaten abgelegt werden.) Die Herbstzuchtprüfung wird durch folgende Fächer erweit- ert: Freiverlorensuche, Haarwildschleppe, Wasserarbeit a) Verlorensuche aus der Deckung, b) Verlo-renbringen aus der Deckung, Art des Bringens, a) Federwild zu Lande b) Haarwild, c) Wasserwild. Gebrauchs-(GP), Sieger- und CACIT-Prüfungen: Zur GP und Siegerprüfung wird nur ein Hund zugelas -sen, der zweimal eine JZP oder AZP bestanden hat, d.h. dass er den Spurlautnachweis erbracht hat.
Hat der Spaniel diesen bisher noch nicht erbracht, kann er die Herbstprüfung ( HZP ohne Spurlaut-nachweis) absolvieren.

Ergänzungsprüfungen
Die Verbandsschweißprüfung (VSwP), Bringtreueprüfung (Btr) und neuerdings die Verbandsprüfung nach dem Schuß (VPS) berechtigt zur Eintragung als fähiger Jagdhund in die Gebrauchshundliste (GHL) des Jagdgebrauchshundeverbandes.
Für die Vorbereitung auf die jeweiligen Prüfungen studiere man zunächst die Prüfungsordnung, um zu wissen, was auf dieser Prüfung verlangt wird und wie die einzelnen Fächer geprüft werden.

Der ESS besitzt alle Fähigkeiten eines Vor-stehhundes mit Ausnahme des Vorstehens und ist somit ebenbürtig in seiner Leistungsviel-falt. Einige ESS zeigen ebenso wie die Vor-stehhunde das Wild an, verharren und heben dabei ihren Vorderlauf. Zusätzlich betont auch bei ihnen die ganz gerade und stille Ru-tenhaltung das Vorhandensein von Wild in der Nähe.
In der Jägerschaft erfreut sich der ESS in der letzten Zeit zunehmender Beliebtheit und dies ist sehr positiv. Besonders die Fami-lienfreundlichkeit des ESS und die Freude bei

allem mitzumachen was seine Menschen unternehmen und an jedem Spaß teilzuhaben, aber andererseits als ruhiger Hausgenosse unauffällig zu sein, wenn denn sein Arbeits- und Bewegungsbedürfnis gestillt ist, sind seine Vorzüge.
Allerdings herrscht noch viel Unkenntnis über das Leistungsvermögen im jagdlichen Bereich. Viele Jä- ger schwören -trotz der wenigen Aufgaben für einen Vorstehhund mangels schwindendem Niederwild-besatz- auf die ihnen bekannten Vorstehhundrassen, wohl auch, weil sie bisher noch keinen arbeiten-den ESS im Revier erlebt haben.
Wer aber einen Springer Spaniel im Revier oder auf Drückjagden mit seiner unermüdlichen Jagdfreu-de, der ausgezeichneten Nase und dem Apportierwillen hat arbeiten sehen, wird die Gleichwertigkeit und Qualität dieses führigen Jagdbegleiters lieben.
Nun ist aber ein ESS meistens nicht im 1. Feld mit JZP/AZP und HZP fertig ausgebildet; er ist ein Spätentwickler, und Hündinnen sind erst mit 2, Rüden mit 3 Jahren völlig körperlich und geistig ausge-reift. Um an einer JZP/AZP teilzunehmen sollte der ESS übrigens schon einmal Spurlaut gegeben haben. Dieser kann sich allerdings auch erst später festigen. Angemerkt sei, dass nicht jeder ESS spurlaut ist, und auch bei Welpen aus jagdlichen Linien kann der Züchter keine Garantie geben. Je-doch gibt es einige jagdliche Züchter, die sich darum bemühen den Spurlaut zu festigen. Manchmal
tritt der Spurlaut schon im Alter von 6-7 Monaten auf, welches man als früh ansehen kann. In der Regel zeigt der ESS den ersten Spurlaut im Alter von um 1 Jahr.
Hier heißt es für den Hundeführer sich in Geduld zu üb-en, und somit wird ein ESS nicht so eine frühe Prüfungs- karriere wie ein Vorstehhund absolvieren. Nicht jeder ESS-Führer braucht unbedingt einen spurlauten Jagd-hund für sein Revier und wird auch mit einem stummen bzw. sichtlauten Spaniel glücklich. Es kommt eben immer auf das Revier und das Einsatzgebiet an. Arbeitet der ESS in einem Waldrevier und nimmt viel an Drückjaden teil ist der Spurlaut von Vorteil.
Der ESS zeigt teilweise auch Fährtenlaut. Für die Nach -suchen ist der Spaniel prädestiniert und bei der Was-serarbeit zeigt er die Wasserpassion und Bringfreude eines Retrievers.
Die Ausbildung sollte auf das feinfühlige Wesen des
ESS abgestimmt werden, und ein Hundeführer mit Sensibilität und viel Vertrauen in seinen Spaniel wird dann einen brillianten Kameraden an seiner Seite haben. Denn dieser Hund liebt es zu gefallen, lernt sehr schnell und dankt es mit passioniertem Einsatz und hervorragendem "Will to please". Die hohe Arbeitsintelligenz und Leistungsfähigkeit des Springers ist beeindruckend. Rauhe Abrichtungs- methoden nimmt er hingegen sehr übel, doch wie bei allen Hunderassen ist Konsequenz in der Ausbild-ung mit positiver Motivation der beste Lehrmeister.
Alle Fotos: Anke Lange
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