Vorbereitung des English Springer Spaniels auf die Jugendzuchtprüfung/Alterszuchtprüfung
Von Anke Lange

Die Jugendzuchtprüfung ist eine Anlagenprüfung, deren Ziel es ist, die jagdliche Veranlagung eines Hundes festzustellen, wobei das Alter des Hundes, sowie Boden- und Witterungsverhältnisse bei allen Prüfungsfächern zu berücksichtigen sind. Benotet werden die Fächer:
Nase
Spurlaut
Spurwille
Spursicherheit
Stöberanlage
Führigkeit
Allgemeiner Gehorsam
Verhalten auf Schuss
Wasser angenommen Ja bzw. Nein

Die Anforderungen und den Ablauf der einzelnen Fächer entnimmt man am besten der Prüfungsord-nung; empfehlenswert ist für den Erstlingsführer vor der eigenen Prüfung der vorherige Besuch einer Prüfung um mit der Korona einen Eindruck zu gewinnen.

Autorin Anke Lange bei der Arbeit mit ihr-em ESS. Foto: Lange
Der English Springer Spaniel kann während seiner Jugend ab einem halben Jahr nun sein volles Bewegungsbedürfnis befrie-digen, vorher sollte man ihn wegen der Wachstumsentwicklung nicht übermäßig fordern. Nun aber kann er die Reviergänge in vollen Zügen genießen und seinen immensen Bewegungsdrang aus-leben.
Lassen Sie ihren Spaniel verschiedenen Bewuchs kennen lernen und nicht nur auf den Wiesen laufen. Er sollte Stoppeläcker, Stilllegungsflächen, Kohlfelder, Maisfelder, Gräben und auch den verschiedenen Waldbewuchs kennen lernen, denn eine Hasenspur verläuft nie geplant und wenn der Bewuchswechsel für den Hund unbekannt ist könnte es ihn in seiner Arbeit irritieren. Auch ver-schiedene Gewässer und deren unterschiedliche Einstiege sollte er kennen lernen, hier aber wird er ja mit dem Alter reifen. Da er ja schon einen gewissen Grundgehorsam gelernt hat und auf das Kommando Hier und das Herankommen auf Doppelpfiff hört, kann er nun einerseits im Revier lernen seinen Gehorsam zu vervoll-kommnen und darf anderseits weite Quersuchen machen und Stöbern gehen. Man sollte den Springer in der Jugend nicht zu
kurz halten, und eine zu scharfe Erziehung wird die Folge haben, dass er an seinem Führer klebt. Da der English Springer Spaniel einen großen "Will to please" zeigt und selbst bei den Quersuchen auto-matisch Führerkontakt hält wird er einem Führer kaum aus der Hand gleiten.
Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass meine sehr führige ESS-Hündin im Alter von 7-8 Mo-naten eher dazu angeregt werden musste, sich von mir zu lösen und ich deshalb weite Quersuchen, also nicht das übliche Buschieren, sondern "Laufen lassen", aber mit Richtungswechsel geübt habe. Durch die Pfeife konnte ich die erlaubte Entfernung bestimmen und jeder Richtungswechsel versprach dann ja auch wieder etwas Interessantes.
Meine zweite ESS-Hündin habe ich dann trotz des absolvierten Grundgehorsams gleich viel weiter geh-en lassen und sie überhaupt nicht gebremst. Sie durfte noch eigenständiger sein, wusste aber was die Pfeife bedeutet. Wenn sie nun ihre Hasenspuren absolvierte, war sie 2-3 km auf der Spur und der Drang und die Passion die angefallene Spur zu verfolgen war sehr groß, verbunden mit ausgesprochenem Spurwillen und Spursicherheit und großem Finderwillen.
Bei dem Üben der Hasenspur ist es von Vorteil einen Begleiter zu haben, welch-er mit Erfahrung den Hasen aus der Sasse stößt, damit er möglichst nicht in die Richtung einer Straße flüchtet.
Da dieses Fach im offenen Gelände ge-prüft wird hat man die sehr gute Mög-lichkeit den Fluchtweg des Hasen zu verfolgen und die Arbeit des Hundes zu beurteilen. Wichtig ist dabei, dass der Hund hinter der Sasse angesetzt wird und jeder Hundeführer sollte das Schnallen des Hundes mit der Schnall-
leine gut üben. Es ist von Vorteil eine solche Leine für die Hasenspur zu wählen, da der Hund auf der Prüfung auch ohne Halsung bei der Hasenspur geschnallt wird. Das Schnallen sollte man üben, damit man den Hund z.B. durch einen Ruck oder Vertüddeln nicht im Ansporn hindert, denn generell irritiert dieses ungewollte Einwirken.
Setzte man den Hund an der Sasse an, würde er sich an ihr "festsaugen" und sich kaum von der Sasse lösen wollen, und jede Zeitverzögerung wirkt sich in der Regel auf den Verlauf der Hasenspur aus.
Nach dem Schnallen auf der warmen Hasenspur wartet und betet der Hundeführer immer insgeheim, ob denn der Hund die Spur mit Passion spurlaut jagend verfolgt.
Die hervorragende Nase eines Spaniels wird den Hund aber meist schon in den ersten 20 Metern laut werden lassen, und Spurwille und Spursicherheit sind in der Regel keine Schwierigkeit. Dieser Moment ist immer wieder spannend, zumal die Witterungsverhältnisse und die Bodenfeuchtigkeit, bzw. Boden-beschaffenheit eine Rolle spielen für den Verlauf und bei jungen und wenig geführten Hunden kann es bei der Prüfung erforderlich sein mehrere Gelegenheiten für die Beurteilung des Spurlautes zu ermög-lichen.
Sticht der Hund auf der Hasenspur einen weiteren Hasen und verfolgt diesen sichtig, erhält er den Vermerk Lautjagender Hund auf der Zensur-entafel.
Jede den Spaniel arbeitende Hasen-spur ist immer wieder spannend, und je nach Hund sollte man mehr oder weniger dafür üben; vor der Prüfung aber sollte er 7-10 Tage vorher in Ruhe gelassen werden damit eine Spannung für die Prüfung gegeben ist. Meine Hündinnen kannte schon immer das Übungsrevier und wußten,
welch schönes Erlebnis sie dort erwartet, und dass dort genügend Hasenbesatz vorhanden ist. Ich habe deshalb vor der Prüfung nur 4 mal geübt und mit jeweils 2-3 Hasenspuren abgeschlossen, denn irgend-wann einmal kann der Zeitpunkt kommen und der Hund weiß, dass er den Hasen nicht einholen kann.
Stöbern ist ein wichtiges Fach für einen Stöberhund, darum sollte man darauf achten, dass der English Springer Spaniel auch eigenständig arbeiten darf und sich vom Führer entfernt.
Das Fach Stöbern wird auf der JZP/AZP im Wald geprüft und der Spaniel soll eine passionierte Be-reitschaft mitbringen sich vom Führer zu lösen und in geschlossene Dickungsflächen einzudringen. Hierbei soll er sie ohne Sichtverbindung zum Führer selbständig nach Wild absuchen und das Gelände schwungvoll und mit Vorwärtsdrang annehmen.
Findet er dabei Wild, so soll er dieses durch anhaltenden Laut anzeigen und durch zähe Verfolgung aus der Dickung sprengen während der Führer dort am Dickungsrand stehen bleibt, wo er den Hund nach Richteranweisung geschnallt hat und die Rückkehr seines Hundes abwartet.
Sicherlich hängt die Bereitschaft viel vom Führervertrauen ab, und ein Spaniel,welcher beim Stöbern auf Wild trifft und Erfolgserlebnisse verzeichnet, wird passioniert nach Wild suchen, wobei man sagen kann, dass die Erfahrung den Hund reifen lässt.
Sicherlich hängt dieses auch von den Revier-größen ab wie weit man seinen Spaniel gehen lassen möchte; hier in Norddeutschland sind keine großen zusammenhängenden Waldflä- chen vorhanden, und ich habe das Stöbern einige Zeit nicht vorangetrieben. Es hängt von den Einsatzmöglichkeiten ab, und viele Jäger befürworten den buschierenden Spaniel.
Für die Prüfung ist das Stöbern aber enorm wichtig und sollte geübt werden damit der Spaniel sehr gut in Tiefe und Breite sucht. Wird das Stöbern gar nicht geübt wird er sich eher kurz zeigen. Das Alter und die Er-fahrung der Hunde und die Einsatzmöglich-
keiten spielen sicher eine Rolle. Hier entscheidet jeder Hundeführer selbst nach seinen Revierbeding-ungen, aber Übung bringt gute Stöberergebnisse. Man freut sich natürlich über einen spurlauten Spaniel, welcher dann im Waldrevier flott stöbert und das Wild spurlaut in Bewegung bringt - für mich ist es immer wieder eine Freude wenn der Hund völlig glücklich nach seiner Aufgabe zurückkehrt!
Dies sind so schöne Momente, wenn der English Springer Spaniel zufrieden nach getaner Arbeit prak-tisch selbstbelohnt mit seiner leuchtenden Warnhalsung dankbar und voller Erwartung des Lobes zum Führer zurückkehrt.

Wenn man nun wirklich hart an diesem Fach üben muss, braucht man nur von der Rückseite der Dickungsfläche Wild auslegen, und der Hund wird, wenn er zum Erfolg kommt, angeleitet immer tiefer zu gehen. Wichtig ist hierbei das Auslegen des Wildes von der hinteren Seite der Dickung, damit der Hund nicht auf der Spur arbeiten kann.
In diesem Fall wird der Hund aus Erfahrung lernen irgendwo in der Tiefe Beute zu machen. Auf jeden Fall muss der Führer stets dort stehen bleiben, wo er seinen Hund geschickt hat, damit der Spaniel das Vertrauen bekommt, dass Herrchen immer dort wartet, wo er geschickt wurde. Keine 10 m nach links oder rechts gehen, um irgendetwas zu verfolgen, sondern haargenau dort stehen bleiben. Dies ist ungemein wichtig für das Führervertrau-en, und pfeifen Sie ihren Spaniel nie ab beim Stöbern und - üben sie sich in Geduld auf den zurückkehrenden Hund zu warten...!

Alle Fotos: Lange

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