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Vom
Welpen zum "naturkundlichen" Assistenten
Die
Ausbildung zum Jagdbegleithund ist eine sehr individuelle
Angelegenheit, weil sie von zumindest drei Faktoren abhängt:
den besonderen Anlagen und Interessen Ihres Hundes, den
Möglichkeiten und Begrenzungen Ihres gemeinsamen Expeditionsgebietes
sowie Ihren persönlichen Vorlieben etwa für eine
bestimmte Wildart, eine bestimmte Landschaft und darinnen
eine bestimmte Aktivität.
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Des
ungeachtet muß natürlich jeder Jagdbegleithund
zu-nächst seine Grundschule absol-vieren, sprich
die Weisungen Hier oder Komm, Sitz, Fuß, Platz,
Steh oder Halt sowie Down auf verbale Aufforder-ung,
Pfiff
und Handzeichen be-folgen; später auch auf einige
Entfernung.
Aber - der Wald ist kein Ka-sernenhof, und der Jagdbe-gleithund
braucht nicht eines Tages auf Gehorsamsprüfungen
zu glänzen. Sein Job ist es, Ihnen Tiere und ihre
Spuren im
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im
weitesten Sinne anzuzeigen, lebendes Wild nicht zu belästigen, und es gehört zu Ihren Aufgaben,
ihm durch Jagdersatzübungen trotzdem zur Befriedigung
seines Beutetriebes zu verhelfen.
Gemäß meines Konzeptes ist der klassische Gehorsam
nur in einem einzigen Zusammenhang erforderlich: da nämlich,
wo es um Wohl und Leben von Hund und Wild geht. In diesem
Falle heißt es "Down!" Oder mit anderen Worten:
wirf dich auf den Bauch, augenblicklich, und rühr dich
nicht mehr! Ansonsten er-mutige ich den jungen Vierbeiner
eher "mitzudenken", Zusammenhänge zu durchschauen,
so gut er das eben kann, und mit einer gewissen Selbständigkeit
zu handeln. Oh nein, das führt nicht zu Ungehorsam. |
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Der wird
von etwas ganz anderem provoziert: der "Erkenntnis" des
Vierbeiners nämlich,
daß
sein Mensch auch nicht das allergeringste Interesse an
seiner, des Hundes, Erlebniswelt hat. Denn wandert der
Zweibeiner
ins Gespräch mit Seinesgleichen vertieft durch die
Landschaft und bekommt nicht einmal mit, was sein Hund
unterdessen alles
entdeckt, beschnüffelt, verweist, ist die Botschaft
für
den Hund nach wenigen Wiederholungen ziemlich klar.
Wie völlig
anders ist dagegen die Beziehung Hund-Mensch, |
wenn
letzterer von Anfang an am Erleben und Erfahren des Welpen
teilnimmt. Der Knirps achtet von ganz allein
auf Bewegungen,
Gesten und Blicke seines zweibeinigen Begleiters, signalisiert
seinerseits durch charakteristische Haltung und intensiven
Blickkontakt "Komm her, ich hab was gefunden!" und
erwartet - natürlicherweise - eine hundegemäße
Reaktion. Und was ist leichter, als das entdeckte Mau-seloch,
das Eichhörnchen in der Astgabel oder den wegfliegenden
Vogel mit ihm gemeinsam gebührend zu "bewundern"?
Wo echte, natürliche Interessensgemeinschaft besteht,
muß der Terminus "Gehorsam" eigentlich
durch
"freudige, sinnvolle Kooperation" ersetzt werden,
und um sie zu erreichen braucht man weder Drill, noch Stachelhalsband
oder Teletaktgerät
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Was
den ahnungslosen Betrachter oft verblüfft, ist die
Selbstver-ständlichkeit
mit der das Team Hund-Mensch auf dieser Grund-lage schon
sehr rasch agiert. Bei Wanderungen mit den Spaniels Jessica
und
Jana z.B. erschien es den gelegentlichen, zweibeinigen Begleitern
so, als ließe ich die Hündinnen einfach tun
was ihnen beliebt. In Wahrheit kommuni-zierten wir
bloß
ohne Worte. Blieben die beiden etwa an einer Weggabelung
stehen, sagte ihnen der kaum merkliche Fingerzeig: "Dort
lang!", ein Nicken: "Okay,
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geht
ruhig weiter!", die hochgezogenen Brauen "Daß
sich niemand in dem Kuhfladen wälzt!", ein kurzes
Heben der Hand:"Alle anhalten!", was freilich
nur deshalb funktionierte, weil die beiden ihrerseits "vor
wesentlichen Entscheidungen" Blickkontakt zu mir aufnahmen
und offensichtlich keinen Sinn darin sahen, sich zu weit
zu
entfernen. Nicht verschweigen will ich allerdings, daß
es diese gelegentlichen, zweibeinigen Begleiter extrem irritierte,
wenn ich sie mitten im Gespräch stehen ließ,
um begeistert nachzuschauen, was Jana oder Jessica ein
Stück
voraus Interessantes anzeigten. Merke: bei Expediti-onen
mit Ihrem Jagdbegleithund nehmen Sie nur einen Menschen
mit,
der
garantiert nicht stört..!
Aber noch mal zurück zur Selbständigkeit. Lassen
Sie mich das anhand einiger Beispiele erklären.
Der Hund lernt, daß "Platz", also das freie
Ablegen, vom ihm verlangt, u.U. auch mal für eine Viertel-stunde
am angewiesenen Ort zu warten, während ich in einiger
Entfernung die Fuchswelpen vor ihrem Bau beobachte. Nun finde
ich es völlig in Ordnung, sollte er nach einer Weile
meinetwegen vom Schat-ten in ein Sonnenfleckchen "umziehen"
und vice versa, oder stillvergnügt ein Loch buddeln,
oder am |
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Bach
trinken gehen, sofern dieser sich im durch Übung
festgelegten Radius von ein paar Metern um den "Platz"
befindet,an dem ich ihn ursprüng- lich abgelegt habe.
Wichtig ist nur die Gewißheit: der Hund folgt mir
nicht verbotenermaßen, bleibt innerhalb des bestimmten
Umkreises und benimmt sich dort angemessen. Mein Rucksack
oder zumin-dest Leine und Halsband am "Platz" helfen
übrig-ens nicht nur dem Vierbeiner, sondern sagen auch
ahnungslosen Spaziergängern, daß der "arme
Hund" nicht etwa verlorengegangen ist.
Der Welpe hat ebenfalls gelernt, daß "Fuß" be-deutet,
neben mir zu gehen. Die Erfahrung auf |
schmalen
Bergpfaden, die mit dornigem Gestrüpp begrenzt sind,
hat ihn jedoch auch gelehrt, daß es die Variante "Fuß hinter"
gibt, wobei er dicht hinter statt neben mir folgt. Nun geht
es aber manchen Tem-peramenten furchtbar auf die Nerven
ihre
Sicht blockiert zu finden, und also führe ich auch die
Ver-sion "Fuß vor" ein. Schmale Pfade eignen
sich zum Üben; Gassen im hohen Schnee erst recht.
Wichtig ist, daß der Vierbeiner dahinterkommt: nicht
sklavisches Kleben am linken Knie ist gefragt, sondern
kluge Anpassung
an die jeweiligen örtlichen Bedingungen.
Bei der Suche
nach natürlichen "Fundsachen" oder (künstlichen)
Bringseln sieht man deutlich, daß es |
ohne
hundischen "Verstand" und Selbständigkeit
gar nicht geht, denn obschon ich den Vierbeiner mit Handzeichen
in die vier Himmelsrichtungen dirigieren kann, habe ich doch
nicht die leiseste Ahnung wieweit er nach rechts oder links
gehen muß, um Wittrung aufzunehmen und dergestalt
zum Objekt zu gelangen. Das muß er durch Übung
ganz allein herausfinden; ich kann ihn mit Vertrauen und
Geduld
nur dabei ermutigen.
Daß der "fertige" Jagdbegleithund Ihnen alle
möglichen |
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riech-
und sichtbaren Vorkommnisse verläßlich anzeigt,
der Hauptjob Ihres Scouts, hat mit Ausbildung im klassischen
Sinne wenig zu tun. Noch mal sei's gesagt: für den Jagdhundwelpen
ist es natürlich, Sie als den Anführer zu informieren,
"daß da was ist". Sie brauchen diese Gewohnheit
nur durch Interesse, Anerkennung und Lob zu verstärken.
Mit der gleichen Selbstverständlichkeit "fragt"
der Welpe Sie beim ersten Kontakt mit Wild, was denn nun
zu geschehen hat. Zeigen Sie ihm, daß stilles Verharren
und aufmerksame Beobachtung die korrekte Antwort ist,
und
er wird es sich merken.
Um seinen Drang, Beute zu suchen, zu finden und zu apportieren
trotzdem hinreichend zu befriedigen, offerieren Sie ihm
ja
schon im zarten Alter Schleppen, Kunstfährten und versteckte
Bringsel. Solche "Denksportaufgaben" für
seine Nase werden im Laufe der Zeit natürlich immer
schwieriger, doch wenn Sie sein über alle Maßen
zufriedenes Gesicht anschauen, nachdem er eine 1-2 km lange
Kunstfährte
gearbeitet und dort am Ende das Kaninchenfell, die Rehdecke
o.ä. angezeigt und gebracht hat, wissen Sie auch,
daß
die Mühe des Fährtenlegens lohnt!
Und daß
solche "ernste" Nasenarbeit dem Vierbeiner ein
echtes Bedürfnis ist!
Die Ausbildung und Arbeit mit dem Jagdbegleithund ist ein
spannendes und ungemein erfreuliches Thema, weshalb ich
an
anderer Stelle ganz detailliert darauf zurückkommen
werde. |

Fotos: 1 Yvonne Hüer: Podenco Andaluz
Mischling Azunela; 2 Stefanie Dorsch-Rieger: Gordon
Setter Keno; 3 Anja Pietsch: Vizsla Caillou;
4 Cornelia Bögli: Kleiner Münsterländer Basco;
5 Irish Red Setter Welpe "Spirit of Red Hawk";
6 Trixi Gollwitzer: Weimaraner Nico; 7 Cornelia
Bögli: Kleiner Münsterländer Basco;
8 Ulrich Treckmann: Beagle Rocco.
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