Giorgio Mele -Bracco Italiano
Von Sabine Middelhaufe

Giorgio Mele, geboren 1956 in der norditalienischen Stadt Alessandria, ist Psychologe von Beruf und erwarb den ersten Jagdschein 1972. Er begann sein Jägerleben zunächst mit zwei Pointern, doch als 1985 die letzte der beiden Hündinnen starb, zog, als Geschenk seines Nachbarn, die hübsche Braunschimmel Bracco Hündin Diva bei ihm ein.
Seine Begeisterung für den Bracco Italiano brachte Giorgio schliesslich zur Zucht; zunächst arbeitete er mit seinem bereits erfahrenen Freund Gian Carlo Perani (Zwinger delle Terre Alliane) zusammen, und die beiden erzielten beachtliche Erfolge. Sehr bekannt in Italien sind unter den Hunden, die während der Teamarbeit geboren wurden der Arbeitschampion Xeres delle Terre Alliane (Wurfjahr 2003) und Caio delle Terre Alliane.


Startfoto: Bolo.
Hier oben: Giorgio Mele mit Bolo, genannt Julian und Bruder Berio (M: Regina delle Terre Alliane,V: Pavone di Montetricorno) und Cousin Atos (M: Beba delle Terre Alliane, V: Pilade) alle 12 Monate alt.
Fotos: Sabine Middelhaufe.

Seit Gian Carlo 2006 nach Süditalien zog, arbeitet Giorgio als unabhängiger Privatzüchter mit dem Ziel, die charakteristische Typologie der früheren Hunde zu bewahren.
2007 wurden drei Würfe von ihm in das Zuchtbuch der ENCI (Verband für das Ital. Hundewesen) eingetragen; einer der Braunschimmel Rüden, Bolo, sollte mein erster Bracco werden.
Als ich im Frühjahr 2008 nach Viarigi, einem kleinen Ort in der Provinz Alessandria fuhr, hatte ich natürlich keine Ahnung, was mich erwartet. Allerdings erinnerte ich mich noch sehr gut an den Züch-ter meines Deutsch Kurzhaar, der am Telefon auch sehr nett geklungen hatte, sich später jedoch als sehr unzuverlässig erwies. Dr. Mele war mir zwar empfohlen worden, aber...
Ich war noch gar nicht ganz im Hof, als aus dem Zwinger vielstimmiges Gebell anhob und da stand sie, die ganze, beeindruckende Bracco Mannschaft. Jeder wollte gestreichelt werden, alle schoben sie ihre Köpfe vor, leckten mir die Hände, nahmen spielerisch meine Finger in den Fang.
Die Wahl meines Italienisch Kurzhaar 2008 war das genaue Gegenteil der Erfahrung mit dem Deutsch Kurzhaar Züchter 2006, denn Giorgio Mele nahm sich alle Zeit dieser Welt, um mir die einzelnen Hunde vorzustellen, erzählte mir die Lebensgeschichten der Mütter, Tanten und Väter, während diese im Hof herumwuselten oder Streicheleinheiten forderten. Schliesslich schauten wir beim Kaffee die Fotos berühmter Vorfahren an, der Würfe aus den Vorjahren oder der Exemplare, die in kynologischen Zeitschriften beschrieben worden waren. Die Stunden vergingen, ich erfuhr eine Menge über Zucht, Einsatz, Prüfungen und Ausstellungen und wollte nun zur definitiven Wahl meines künftigen Gefährten schreiten.


Vor der Haustür versammelt: Raissa delle Terre Alliane, Mara, Regina delle Terre Alliane und Welpe Brunello delle Terre Alliane. Foto: Giorgio Mele

Dass es ein Braunschimmel Rüde sein sollte, war zwar klar, aber es gab derer mehrere, und Dr. Mele schlug vor, einfach jeden einzelnen in den Hof zu rufen, damit ich noch mal in Ruhe Kontakt mit ihnen auf-nehmen könnte. Mein heimlicher Fa-vorit hiess Bolo, aber ich wollte den Hund ja nicht nur wegen seines hüb-schen Äußeren nehmen, sondern si-cher sein, dass wir auch charakter-lich zusammenpassen würden. Gott-lob hatte ich diesmal mit einem Züchter zu tun, der seine Hunde wirklich kennt, und nachdem er mir Bolo's Besonderheiten erklärt und mich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er der sensibelste unter den Rüden sei,brauchten seine Brü-

der gar nicht mehr vorgeführt werden. Bolo sollte es sein und Bolo wurde es. Jäger mögen darüber die Nasen rümpfen, aber so gern Giorgio Mele es sieht, wenn seine Hunde an aktive Waidwerker gehen, hat er doch keine Probleme damit, Welpen an Nicht-Jäger abzugeben, sofern ihnen ein Leben mit viel Auslauf, Bewegung und sinnvoller Beschäftigung bevorsteht.
Bolo bekam von seinem Herrchen zum Abschied noch einen Schmatzer auf die Stirn, wurde angewies-en, ein anständiger Hund zu bleiben und fuhr mit mir in ein neues Dasein.
Freilich endete der Kontakt damit nicht. Wann immer ich Fragen hatte (oder habe), den in Julian um-getauften Bolo oder den Bracco Italiano im allgemeinen betreffend, Giorgio Mele ist immer für uns da - und auch das zeichnet für mich den guten, verantwortungsvollen Züchter aus.
Bevor wir nun einen Blick in Giorgio's Kennel-Book werfen, hier vielleicht ein paar allgemeine Notizen zum Thema Hundezucht in Italien. Anders als in Deutschland ist es hier nicht der Rasseklub, der Wurfkontrollen macht, Ahnentafeln ausstellt und dergleichen, sondern das Zentralorgan ENCI. Wer in Italien einen Hund kauft, muss deshalb unter Umständen ein ganzes Jahr auf den Pedigree warten; das liegt also nicht am Züchter oder rassebetreuenden Verein.


Julian mit Wurfgeschwistern und den gleichaltrigen Cousins des A-Wurfs. Foto: Giorgio Mele

Ebenfalls ganz anders als in Deutschland genügt in Italien für die Ausstellung der Ahnentafel der Nachweis, dass es sich bei den Elterntieren um eingetragene Rassevertreter handelt. D.h. man muss nicht zwangsläufig einen Zwingernamen registrieren lassen; ganz im Gegenteil gibt es viele Privat-züchter, die das gar nicht wollen, denn ein offizieller Zwinger verpflichtet zur Haltung mehrerer Zuchthündinnen, man muss vorab schon einige Würfe gemacht haben, der bürokratische Teil kostet eine Menge Geld und letztlich geht es ja auch ohne "Familiennamen" für die Welpen. Ob man mit einem "Bolo" zur Prüfung oder Ausstellung erscheint, oder mit "Bolo dei Prati di Carrobiolo" macht

keinen Unterschied. Was ich damit sagen will, ist nur, dass Sie die Wahl eines Hundes in Italien nicht vom Vorhandensein eines Zwingernamens abhängig machen sollten.

Aber nun zum Zwingerbuch...

 

 

 

 

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