Der Otterhound
Von Barbara Seibel und Elke Eggert

Rassegeschichte und ursprüngliche Verwendung:
Der Ursprung und die Entstehung dieser englischen Jagdhundrasse liegen in grauer Vorzeit und sind nicht exakt zu recherchieren. Mutmaßlich vereinen sich im Otterhound Blutlinien von Vertretern voll-kommen verschiedener Rassestämme, wie Foxhound, Spaniel, Bulldog etc. Hauptsächlich hat der Otter-hound sich wohl aus dem längst ausgestorbenen Southern Hound und dem Bloodhound, von dem er den schlurfenden Gang, die tiefe Stimme (Geläut) und vor allen Dingen die extrem gute Nase geerbt hat, entwickelt.
Einige charakteristische Merkmale, wie z.B. die langen, fransig behaarten Behänge und die große Vor-liebe des Otterhounds für das Wasser, lassen zudem auch auf Einkreuzungen von Water-Spaniels schließen.
Zu überliefern ist jedenfalls, dass der Otterhound (Hound = engl. Bezeichnung für Meutejagdhund) zu den ältesten uns bekannten Jagdhunderassen gehört und, wie der Name schon sagt, speziell für die Jagd auf den Fischotter gezüchtet wurde.


Fellow und Welpe Biggles. Im Startfenster: Hope
Die Rasse entstand aller Wahrschein-lichkeit nach zwischen 1002 und 1024. Anfangs war das Erscheinungsbild der Otterhound-Meute alles andere als homogen und entsprach sicher nicht unseren heutigen Vorstellungen von dieser Rasse. Es gab gemischte Rudel von lang- und kurzbeinigen, rauh- und glatthaarigen Hunden mit unterschied-lichsten Körperformen und Farben, al-so sämtliche Hundetypen mit nur einer einzigen Gemeinsamkeit: der besonde-ren Fähigkeit, den Otter erfolgreich zu jagen. Dieser genoss als Fischräuber einen schlechten Ruf und hatte bei den Menschen keine Freunde. Im Laufe der Zeit entwickelten sich nur zwei engli-sche Jagdmeuten mit rein gezüchteten
Otterhounds: die „Dumfriesshire-Pack“ und die von „Kendel and District“. Der Otterhound ist berühmt für seine feine Nase und kann unter optimalen Bedingungen auch auf einer bis zu 36 Stunden alten Otterspur noch erfolgreich arbeiten. Diese enorme Riechleistung ist das Erbe seiner Bloodhound-Vorfahren.
Seit 1977 gibt es in ganz Europa ein Verbot für die Jagd auf den Fischotter. Der Otterhound wurde aber deswegen nicht arbeitslos, denn er überzeugt auch auf anderen jagdlichen Gebieten - ob einzeln oder in der Meute - durch hervorragende Leistungen, vor allen Dingen bei der Spür- und Schweiß- arbeit.
Die Otterhound-Zucht, aus der ein Hund hervorging, wie wir ihn heute kennen, gibt es erst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Der Otterhound eignet sich sehr gut als Familienhund, obwohl er, wie üb-rigens auch alle anderen Meutehunde, ein ausgeprägter "Sturkopf' ist, was manchen Hundebesitzer schon zur schieren Verzweiflung getrieben hat; es ist nicht von Nachteil, wenn der eigene Dickschädel größer ist als der des Hundes. In Deutschland war die-se liebenswerte Hunderasse niemals populär, die Anzahl der jetzt hier-zulande lebenden Otterhounds wird auf ungefähr 40 Hunde geschätzt. Eine für diese Rasse über Jahre hin-weg kontinuierlich geführte Linien-zucht existiert in Deutschland nicht, aber im Laufe der Jahre gab und gibt es immer mal wieder einige En-thusiasten, die ab und an einen Wurf wagen. Wegen der extrem engen Zuchtbasis sollte als Voraussetzung hierfür allerdings ein sehr fundier-tes Fachwissen sein.

Merlin
Im benachbarten Ausland ist der Otterhound etwas bekannter als bei uns, aber auch dort sind Züch-ter dieser Rasse sehr dünn gesät. Die meisten der in Deutschland lebenden Otterhounds wurden also importiert.
Wesen und Haltung:
Der Otterhound ist eine imposante und würdevolle Erscheinung mit einer Widerristhöhe von max. 67 cm bei Rüden und ca. 62 cm bei Hündinnen. Ein freundlicher Riese im Zottelfell. Wie die meisten Meu-tehunde haben Otterhounds ein intaktes Sozialverhalten (obwohl es auch hier Exemplare gibt, die noch nichts davon gehört haben). Sie sind fast nie schlecht gelaunt oder aggressiv und ausgesprochen kinder -lieb. Dieser Hund verträgt auch mal einen Knuff, nimmt so leicht nichts übel - kann aber auch ein rech -tes "Sensibelchen" sein, nach dem Motto: Rauhe Schale, weicher Kern. Er ist immer bereit für neue Unternehmungen und an allem interessiert.

Dojan

Für einen Laufhund - der Otterhound gehört als solcher zur FCI-Gruppe 6 - sollte man sich aber nur dann entscheiden, wenn man ihm regelmäßig und viel Auslauf bieten kann. Gemeint ist nicht nur das Hin- und Herlaufen im eigenen Garten, mag er noch so groß sein - die Menschen wollen ja auch nicht jeden Tag die gleiche Zeitung lesen..! Wichtig sind vor allem lange Spaziergänge bei jedem Wind und Wetter, zu jeder Jahreszeit. Auch für uns Menschen soll regelmäßige Bewegung in frischer Luft ja nicht unbe-dingt schädlich sein.Der Otterhound gehört auf gar keinen Fall in den Zwinger. Ein Meutehund wie er bindet sich sehr stark an seine Familie und ist dort inmitten von Kind und Kegel glücklich. Die Intelli-genz, das treue Wesen und der Einfallsreichtum eines Otterhounds sind ganz sicher ein Zugewinn für das Familienleben.

Welpe Biggles

Den bei allen Hounds mehr od-er weniger stark ausgeprägten Eigensinn finden wir auch beim Otterhound, der sich aber mit einer verständnisvollen und konsequenten Erziehung in die richtigen Bahnen lenken lässt. Ein Otterhound fühlt sich in einer Etagenwohnung nicht sehr wohl, selbst wenn man ihm Abwechslung und genügend Auslauf bietet. Er ist eben ein Naturbursche, am liebsten an der frischen Luft. Im Garten liegt er gerne im Schatten und döst, schaut den Vögeln nach
und wälzt sich auf der Wiese. Einem kleinen Nickerchen, (bevorzugt auf Frauchens oder Herrchens Sofa), ist er allerdings auch nicht abgeneigt.
Spurenlesen ist ein Erbe seiner Vorfahren, weshalb man einen frei laufenden Otterhound immer gut im Auge behalten sollte. Hat er eine Witterung aufgenommen, kann er in Sekundenschnelle verschwunden sein und ist für niemanden mehr ansprechbar; er lässt seinen ratlosen Besitzer auf unbestimmte Zeit in Angst und Schrecken zurück. Nach ein paar Stunden kommt er dann (wenn er kann) auf seiner eige-nen Spur zurückgelaufen und schaut seinen Besitzer freudig an, nach dem Motto: Schön, dass du auf mich gewartet hast.
Ein anderes Erbe ist die große Vorliebe für das Wasser, wo er sich geschickt und schnell bewegen kann. Ein typisches Merkmal dieser Rasse, die besonders ausgeprägte Zehenzwischenhaut, findet hier ihren zweckmäßigen Gebrauch, während die kräftige Rute beim Schwimmen als Steuer benutzt wird. Ein Otterhound freut sich über jeden Tümpel, und man sollte ihm diesen Spaß gönnen, wann immer es möglich ist.

Dojan und Hope
Pflege und Betreuung:
Das für den Otterhound so typische Fell wird nicht getrimmt. Laut Standard ist das rauhe, leicht ge-wellte Deckhaar 4 - 8 cm lang und, wie die Unterwolle, etwas ölig. Letzteres verhindert ein Aufweich-en des Hundes bei der Wasserarbeit. Durch die wasserabweisende Struktur des Haarkleides ist die-ser Hund zwar immer bestens "imprägniert", doch bleibt auch ein Otterhound im Regen nicht trocken.
Hausfrauen und -männer sind erfreut, dass dieser Hund so gut wie nicht haart. Zur Fellpflege genügen jährlich ein Vollbad und kräftiges Durchbürsten 1 - 2 mal in der Woche,
Eine regelmäßige Kontrolle und Reinigung des äußeren Gehörganges sowie der Behänge müssen ebenfalls fester Bestandteil im ansonsten wenig aufwändigen Pflegeprogramm dieser Hunderasse sein. Regelmäßige Aufmerksamkeit sollte man auch den Augen schenken.
Im Frühjahr und im Sommer sollte der Hund sorgfältig (was bei dem langen Fell nicht immer einfach ist) auf Zeckenbefall kontrolliert werden.
Die Fütterung eines gesunden Otterhounds bereitet seinem Besitzer normalerweise keine Sorgen, wo-bei die Tagesration für einen erwachsenen Hund am besten auf zwei Mahlzeiten pro Tag verteilt wird. Danach gönnt man seinem Hund eine Ruhephase (bevorzugt wieder auf dem oben erwähnten Sofa), da größere Hunde schon mal eher zu einer Magendrehung neigen.
Alles in allem kann ein Otterhound bei guter Haltung und Pflege ca. 10 - 12 Jahre alt werden.

Hope und Biggles
Alle Fotos: Elke Eggert

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