Der Podenco
Von Yvonne Hüer

Der Podenco gehört mit zu den ältesten Rassen dieser Welt. Schon in den Pyramiden findet man Zeich -nungen von schlanken, stehohrigen Jagdhunden. Man denke vor allem an den Gott Anubis mit dem Hun -dekopf.
Der Podenco wird im spanischen Kulturkreis für die Jagd ohne Gewehr gezüchtet, er ist also nicht Jagdgehilfe, sondern "Jagdwaffe". Daher beherrscht er alle Sequenzen der Jagd.
Normalerweise wird mit einem Rudel gejagt: ein Rüde plus mehrere Hündinnen. Die Jäger lassen die Hunde aus dem Auto oder lösen die Leine, und sofort fangen die Hunde an zu stöbern. Dabei arbeitet das Rudel perfekt zusammen. Wenn ein Hund ein Kaninchen herausdrückt, "ruft" er die anderen; ge-meinsam verfolgen und fangen sie es. Interessant dabei ist, dass es in der Regel keinen Streit um das Beutetier gibt. Sobald es einer im Maul hat, lassen die anderen davon ab. Es ist erwünscht, das die Hunde lebend bringen; der Jäger tötet die Beute selber.
Heute wird auch mit dem Podenco vermehrt mit Gewehr gejagt. Die Meute treibt dabei das Wild vor die Flinte des Jägers, dieser schießt und ein Hund apportiert.

Entsprechend dem Landesteil haben sich verschiedene Podenco-Rassen entwickelt:

Podenco Ibicenco (Ibiza)
Der größte Vertreter. An seinem Äußeren lässt sich gut das Windhundeerbe erkennen. Es wird ver-mutet, dass er vom Schakal abstammt, denn anders als bei anderen Hunderassen und Wölfen besitzt er Nasennebenhöhlen. Das Wesen ist auch eher das eines Windhundes, die Zurückhaltung gegenüber Fremden ist gewollt. Er darf keinerlei schwarze Farbpigmentierung haben, auch nicht auf den Schleim


Podenco Ibicenco Newton (auch im Startfenster) Foto: Yvonne Hüer

-häuten. Die bevorzugten Fellfarben sind weiß und rot; im Regelfall ist der Ibicenco zweifarbig.Gern wird auch ein farbiger Punkt zwischen den Ohren gesehen. Einer Legende nach soll es der Daumenab-druck der Göttin Tanit sein. Hunde die dieses Zeichen tragen, sind von ihr gesegnet. Den Podenco Ibi-cenco gibt es in Kurz-, Lang- und Rauhaar.


Podenco Canario Luna Foto: Yvonne Hüer
Podenco Canario (Gran Canaria)
Der Podenco, der am meisten in Deutschland zu sehen ist. Bevorzugte Farbe ist rot mit weiß, aber auch orange ist gern gesehen. Selten, aber erlaubt, ist schwarz. Den Canario gibt es nur in der Kurzhaarvariante.

Im Gegensatz zum Ibicenco soll der Canario Fremden gegenüber offen und freundlich sein.
Sein ganzer Körper ist perfekt für die Jagd in den Felsen ausge-richtet. Die Zehen lassen sich einzeln bewegen, um eine größt-

mögliche Trittsicherheit in den Felsen zu gewährleisten. In seiner Heimat wird der Canario sehr oft für die kombinierte Jagd mit Frettchen und/oder Iltissen eingesetzt: diese kriechen in die Felsspalt -en und drücken die Kaninchen heraus, während die Hunde draußen wartend bereit stehen.

Podenco Andaluz (Andalusien)
Nicht FCI anerkannt. Ihn gibt es in drei Größen: Pequeño, Medio und Grande und in drei Fellvariant-en: Glatt-, Rauh- und Seidenhaar. Bevorzugte Fellfarbe ist Zimtfarbend.
Während der kleine Andaluz in erster Linie für das Aufstöbern und Herausdrücken der Kaninchen verantwortlich ist, hetzen und stellen der mittlere und der große das Wild. Der kleine Andaluz wird auch zur Wildschweinjagd verwendet, der große auch für die Damwildjagd.


Podengo Portuges Paula. Foto: Denise Cevirgen

Podenco Andaluz Maneto
Der kleinste der Podencos. Auf den ersten Blick sieht er wie eine Mischung zwischen Dackel und Podenco aus. Diese Rasse wurde extra dazu ge-züchtet, die Kaninchen aus den Dornenbüschen heraus zu treiben.

Podengo Portuges (Portugal)
Es gibt ihn in drei Größen und den Fellvariant- en: Kurz- (Glatthaar) und Langhaar (Rauhhaar). Markantestes Zeichen sind seine "Kajalaugen", d.h. die Augen sind schwarz umrandet. Der Po-dengo ist in Portugal auch für seine Wachsam-keit bekannt.

Typisch für alle Podencos sind die Stehohren und die "Hasenpfoten", weiße Strümpfe, weiße Ruten-spitze und das Scherengebiß. Der Nasenschwamm soll stets fleischfarben sein.
Podencos sind ruhige Hunde, bellen selten bis nie, im Haus verschlafen sie den Großteil des Tages (be-vorzugterweise im Bett oder auf der Couch) - erst draußen zeigen sie ihr wahres "Ich".
Als Meutehunde gezüchtet, sind sie generell sozialverträglich gegenüber anderen Hunden. Auffällig ist auch das Fehlen von Aggressivität.
Trotz des starken Jagdtriebes können Podencos mit einer Katze oder anderen Kleintieren zusammen-leben, denn was zum eigenen "Rudel" gehört, wird nicht gejagt - was aber eben nicht bedeutet, daß es Ihr Podenco mit der Katze des Nachbarn genauso sieht!

Podencos sind in erster Linie Jagd- hunde, nebenbei sind sie als Fami-lienhunde gut geeignet, da sie intel- ligent, verschmust und ohne Ag-gressivität sind. Kinder sind im Re-gelfall kein Problem für sie.
ABER: Sie wurden dazu gezüchtet, selbständig zu jagen. Wer also ei-nen 100 %ig gehorsamen Hund sucht, der immer seinem Menschen gefallen will, ist mit einem Podenco schlecht beraten. Der Mensch, der es geschafft hat, das Herz seines Podencos zu erobern, kann stolz auf sich sein.
Podencos wollen arbeiten, sie brau- chen eine Aufgabe. Ob es Dogdanc-ing, Agility, Tricktraining, Frisbee,


Fuchur. Foto: Yvonne Hüer
Rettungshundearbeit, Mantrailing, Fährte, THS o.ä. ist, müssen Sie und Ihr Hund entscheid- en. Wichtig ist außerdem die geistige Auslastung, denn einen gut trainierten, ausgewachsenen und ge-sunden Podenco werden sie niemals nur mit Laufen müde bekommen, wurde die Rasse doch auf Ausdau-er, Finderwillen und Beharrlichkeit gezüchtet..! Trotzdem muss der Hund natürlich, neben der intel-lektuellen Herausforderung, ausreichend Auslauf bekommen.
Auch Podencos lassen sich, anders lautenden Gerüchten zum Trotze, erziehen. Eventuell muss man ein paar Umwege in Kauf nehmen, denn der "will to please" fehlt dieser Rasse vollständig.
Ihr Jagdtrieb lässt sich nur schwer unter Kontrolle bringen, (oft ist dazu jahrelanges Training erfor -derlich) denn der Podenco jagt mit allen Sinnen, er braucht kein sichtiges Wild - allein die Fährten können ausreichen, damit er in Jagdstimmung kommt.

Chico. Foto: Dagmar Ochei
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