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Rutenkupieren
beim Jagdhund - Sinn oder Unsinn?
Von Sandra Schmidt
Ich bin mir
bewusst, dass die Frage, ob man Jagdhunden die Ruten kupieren soll,
eine der umstritten-sten überhaupt ist - und das zu Recht,
denn wo sonst, wenn nicht bei einem so schwerwiegenden Ein-griff,
muss man wirklich absolut sicher prüfen, ob das sein muss,
warum man es macht, ob es wirklich einen Grund gibt, der es rechtfertigt,
einen Hund um ein Teil seines Körpers zu berauben.
Es gibt da nichts zu beschönigen - Kupieren ist ein blutiger
Eingriff, und natürlich empfinden die Wel- pen dabei Schmerzen.
Und dennoch tue ich, was man vor diesem Hintergrund bei erster
Betrachtung eigentlich nicht tun kann - ich stehe dazu, das Kupieren
bei jagdlich
geführten Hunden als notwendig zu erachten, und bin mir
klar, dass die meisten Leser nun davon ausgehen, dass ich mindestens
Tierquälerin, wenn nicht gar Sadi-stin sein muss.
In Wirklichkeit bin ich weder das eine noch das andere. Ich habe
durchaus Gründe, warum ich das Ku-pieren befürworte, habe
diese Gründe tausendmal hinterfragt, immer wieder geprüft,
jedes Mal wenn das Kupieren bei uns anstand, und egal wie und wo
ich überprüft habe, ich fand keine Alternative - obwohl
ich alles in Erwägung zog, was ich gefunden, gelesen, gehört,
gesehen habe.
Ich will deshalb einmal einen Einblick geben, welche Gründe
meiner Meinung nach zwingend für das Kupieren sprechen -
und ja, wenn es denn jemanden gibt, der das widerlegt und mir
aufzeigt,
wie man es vermeiden kann, dann wäre ich glücklich, denn
ich gehöre zu denen, die das Kupieren für unvermeidbar
halten, aber es nicht gerne tun.
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Unkupierter
Vizsla Welpe.
Foto: A. Pietsch
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Der
Hauptgrund, aus dem früher kupiert wur- de, nämlich
Gewohnheit und Vorstellung von Ästhetik, den kann ich
für mich klar
ablehnen. Ich finde einen unkupierten Hund wesentlich schöner,
aussagekräftiger und eleganter.
Unbestritten ist - die meisten Jäger wollen keine unkupierten
Hunde. Gewohnheit ist ein starkes Kriterium.
Aber dann ist da eben ein Aspekt, den man nur bei Jagdhunden findet,
und auch da nur bei den sechs Rassen, bei denen das Kupieren noch
erlaubt ist, namentlich Deutsch Kurzhaar, Deutsch Drahthaar,
Deutsch Stichelhaar, Pu-delpointer, Griffon und Kurzhaar-Weimaran-er.
Es ist die Gefahr einer Schwanzverletzung, die bei diesen Hunden
gravierende Folgen hab-en kann, die dem Tier möglicherweise
jahrelang Leiden bereiten.
Wenn man dieses Argument hört, kommt nicht zu Unrecht der
Einwand, dass die wenigsten nichtjagenden Hundehalter diese
Erfahrung mit ihrem Hund machen, wenn die Rute nicht durch |
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einen
Unfall verletzt wird (in der Tür eingeklemmt, Kind tritt
drauf usw). Das ist eher selten und lässt den Einwand der
Verletzungsgefahr als Grund für das Kupieren paradox
erscheinen.
Aber: bei den betroffenen Rassen ist es keineswegs die Mehrheit
der Tiere, die als Familienhunde ge-halten wird. Sie werden
doch
zu überwiegenden Teilen jagdlich geführt (nach offiziellen
Vereinsricht- linien etwa darf man z.B. Deutsch Drahthaar nur
abgeben,
wenn der Käufer sich zur jagdlichen Führung verpflichtet,
obwohl das nicht durch die Bank weg eingehalten wird).
Außerdem wird ein anderer wesentlicher Faktor außer
acht gelassen - nämlich, dass die meisten Fami-lienjagdhunde
(so sie nicht wildern) in ihrem Leben niemals auch nur annähernd
in die Situationen ge-raten, in der sich die jagdlich geführten
Hunde der genannten Rassen häufig verletzen.
Denn die Verletzungsgefahr für Jagdhunde tritt in erster Linie
bei der Jagd auf, und dort im Unter-holz. Wenn ich einen Jagdhund
habe, der überwiegend in einem Feldrevier oder einem Waldrevier
mit viel Baumbewuchs und wenig Brombeeren geführt wird, werde
ich vermutlich ähnliche Erfahrungen machen wie die meisten
nichtjagenden Hundebesitzer. Ich habe einen langschwänzigen,
gesunden Hund. Allerdings werden die reinen Feldreviere, die eine
solche Jagdweise ermöglichen, immer seltener in Deutschland
und gehen tendenziell eher ganz zurück. Das Niederwild verschwindet
und die meisten Jagdreviere haben ihren Hauptanteil genau in dieser
kritischen Zone, in Bewuchsbeständen, in die ein |
Spaziergänger
mit Hund nie kommt, dort, wohin sich Rehe und Schwarzwild zurückziehen,
weil fast kein Licht eindringt, weil dort abgesehen von Jägern
eb-en praktisch niemand auftaucht, wo der Bewuchs so dicht ist,
dass
man als Mensch teilweise ohne Mach-ete gar nicht oder nur krabbelnd
voran kommt. Genau dort liegt dann auch die Entstehung des Problems
be-graben, und dieser vielen Menschen eher unverständ-liche
Grund, warum manche Jagdhunderassen kupiert werden (Vorsteher)
und andere
nicht (Laufhunde/ Bracken).
Die
Vorsteher, die wir hier in Deutschland führen, |
Jagender Laufhund .
Foto: S. Middelhaufe
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stammen
allesamt vom Englischen Pointer ab, einem reinen Feldhund,
der die
für die Jagd so nützliche Fähigkeit des Suchens
und Vorstehens beherrscht wie kein anderer. Er ist, wenn man so
will,
der "Va-ter aller Vorsteher". (Ich bitte,
diese hier sehr grob vereinfachte Aussage zunächst einmal
so anzunehmen, da sie für die Argumentation zum Thema
Kupieren ausreicht. Eine umfassende, detaillierte Entwicklungsgeschichte
der deutschen Vorstehhunderassen finden Sie hier.)
Allerdings hatte sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts
abgezeichnet, dass ein reiner Feldhund, der nur Feldsuche und
Vorstehen anbietet,
auf Dauer den deutschen Revier- anforderungen nicht gerecht wird.
Man suchte deshalb einen Hund, der nicht nur für die Jagd
auf rei- nem flachen Feld einsetzbar war, sondern der auch
im
Wasser und
im Wald arbeiten konnte; man suchte einen Hund, der nicht nur
das
Wild vor dem Schuss anzeigte sondern auch danach gegebenenfalls
seine Spur verfolgen, es fangen und bringen konnte. Also begannen
die ersten Zuchtversuche, alle auf Grund-lage des Pointers, um
statt des ursprünglich reinen Feldhundes einen vielseitig
einsetzbaren Jagdhund, der dennoch auch noch vorstehen konnte,
zu erzüchten,
und so entstanden eben unsere heutigen Vor-steher.
Diese Hunde haben, wie vor über 100 Jahren geplant, viele
Eigenschaften, die über die des Urvaters, des Pointers, hinausgehen,
doch sie haben immer noch sein Such- und Vorstehverhalten, und
seinen
Kör- perbau, die langen Beine, den eher schlanken Bau, die
hohe Aufrichtung, den eleganten Kopf und die sehr lange, dünne,
nach hinten spitz zulaufende typische Pointerrute, mit der der
Pointer,
der Wildwittrung hat, erregt pendelt und so dem Jäger schon
anzeigt, dass er jetzt bald vorstehen wird. |

Pointerhündin
Nele. Foto:
M. Kruse
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Im
Gegensatz dazu sind Bracken etwa seit annähernd 2000 Jahr-en
rein für die Jagd in Dornen, für das Aufspüren
und Hetzen des Wildes gezüchtet worden. Schon die Römer
haben mit Vor-fahren der Bracken gejagt, eb-enso mit den Vorfahren
der Ter-rier
und Laufhunde,und so kommt es, dass diese Hunde annähernd
perfektioniert sind im Körper-bau für die Jagd in genau
solch-en Waldteilen, die normalerweise nur das durch seine Schwarte
geschützte
Wildschwein unver-sehrt betritt. Sie sind oft klein-er als Vorstehhunde,
wodurch
sie flexibler sind und unter großen |
Hecken
besser durchkommen. Sie sind gedrungener und kräftiger,
muskulöser gebaut, gegen Widerstän-de auch fest verästelter
Hecken gewappnet. Und sie haben, was in der Geschichte der Bracken
schon immer nachzuverfolgen ist, eine verglichen mit der Rute des
Vorstehers eher kurzen, viel dickeren Schwanz, der eben nicht
so
spitz zuläuft und bei Erregung dadurch nicht so ausgreifend
peitscht. Aus diesem Grunde sind auch kurzhaarige Jagdhunde, die
eben keinen
Pointer als Vorfahren haben, auch für die Jagd im Wald bestens
ausgerüstet, während die eigentlich genetisch auf Feldjagd
eingestellten Vor-steher in der genetisch kurzen Spanne von 100
Jahren
nicht annähernd diesen Jagdbedingungen ange-passt werden konnten.
Einige Züchter nun haben reagiert und durch Einkreuzung anderer
Rassen versucht, das Defizit über das Haarkleid wieder auszugleichen.
Erreicht wurden die langhaarigen Vorsteher, die durch die gerade
zum Schwanzende hin besonders lange Behaarung, die Fahne, in der
Tat einen einigermaßen (wenn auch nur begrenzt) wirkungsvollen
Schutz haben; sie reißen sich zwar nicht selten ganze Haarbüschel
ab, was natürlich auch zu blutenden Wunden führen kann,
aber sie reißen sich nicht (oder vergleichsweise selten)
Haut und Fleisch vom Schwanzknochen.
Allerdings haben diese Hunde durch die Einkreuzung der anderen
Rassen eben auch Eigenschaften ge-wonnen oder verloren, die
die kurz- bzw.
drahthaarigen Rassen noch haben. Damit ist das Dilemma der Jäger,
die mit diesen für ihre Jagd optimalen Hunden jagen wollen, also
nicht gelöst. |
Wenn
nun ein Hund, der einen nicht von ein-er "Fellfahne" geschützten
Schwanz hat, jagt, kann das sehr unterschiedlich verlauf-en.
Es stimmt
wohl, dass es je nach Revier und Jagdart unkupierte Hunde gibt,
denen lebenslang gar nichts passiert. Und es stimmt auch, dass
es Hunde
gibt, die im dich-testen Unterholz jagen und denen nichts passiert
- es wird ja auch nicht jeder Hund, der eine Strasse überquert,
überfahren. Im Gegenteil, wenn es nicht gerade eine Schnell
-strasse oder Autobahn ist, passiert sehr häufig nichts.
Aber die meisten Hunde, die im Unterholz jagen, tun das eben nicht
so, dass sie vor- |
Deutsch Langhaar. Foto:
Stinie |
sichtig
und geduckt hindurchklettern und dann, wenn sie irgendwo hängen
bleiben, achtsam und bedäch- tig reagieren, wie das die menschlichen
Jäger tun, wenn dieser Fall eintritt (denn auch als Mensch
bleibt man hängen, mit Haaren, Händen, Füßen...ich
kann ein Lied davon singen). Ein Hund, der weiß, dass in
dem Untergehölz,
in das er läuft, Wild oder wenigstens eine Wildfährte zu
finden ist, der ist in Ek-stase, er jagt ja, und er bricht durch
das
Gehölz wie eine Dampflok, ohne Rücksicht auf Äste,
Dornen, Zweige. Das ist nicht weiter tragisch, wenn es eine normale
Hecke ist. Wenn es sich aber z.B. um Schwarzdorn handelt, den man
als Mensch ohne Hilfsmittel kaum durchdringen kann, dann ist die
Ver-letzungsrate
normalerweise recht hoch. Der Hund verletzt sich dabei natürlich
nicht nur an der Rute, er reißt sich im Gesicht auf, an den
Augenrändern, an den Ohren und Pfoten, an den Flanken. Meistens
sind das, da die Dornen ja nicht unendlich lang sind, keine tiefen,
aber oft durch die Geschwindigkeit und Wucht, mit der der Hund durch
die Hecke bricht, eben größerflächige und lange
Kratzer oder Wunden, und an besonders anfälligen Stellen
wie den Ohrenrändern
und der Rute, wo die Widerstands-fläche klein ist und die Dornen
nicht abprallen, und daher die Möglichkeit, sich zu verfangen,
groß ist, sind die Verletzungen auch häufiger tief.
Nun ist das alles normalerweise nicht so tragisch, Verletzungen am
Behang bluten oft stark, sind aber, sofern gut desinfiziert, nach
wenigen Tagen wieder abgeheilt.
Anders sieht das beim Schwanz aus. Auch kleine Wunden an der Rutenspitze
verheilen oft über Monate nicht. Wer jemals eine solche Verletzung
bei seinem Hund mitgemacht hat, weiß vielleicht, wovon ich
re-de. Der Hund kann ohne weiteres daran lecken und knabbern,
aber viel schlimmer
ist, dass der Schwanz als Hauptkommunikationsmittel immer in Bewegung
ist und aufgrund seiner langen und spitz zulaufenden Beschaffenheit
irgendwo in der Wohnung oder Umgebung immer wieder anschlägt,
so dass Schwanzwun-den oft über Monate jedes Mal, wenn knapp
geschlossen, wieder aufgeschlagen werden. Man kann (muß)
die Schwanzwunde natürlich verbinden, den Hund mit einem Schutz
um den Hals daran hindern, daran zu knabbern. Dennoch wird jeder
heftigere Anstoß mit dem Schwanz wieder neue Blutungen
und letzt- |
Post-operativer
Anti-Leck-Kragen. Foto:S. Hochhäuser |
lich
womöglich, je nach Grösse der Wunde, Entzünd-ungen
verursachen, und wenn der Schwanz erst mal entzündet ist,
ist die Wahrscheinlichkeit eines not-wendigen operativen Eingriffs
recht
hoch. Ich habe selbst nun schon einige Male solche Schwanzverletz-ungen
miterlebt und bisher nur bei langhaarigen Hunden, die durch
ihr Fell
einigermaßen geschützt waren. Im Normalfall ist das
ein für die Hunde, die am Schwanz typischerweise sehr empfindlich
sind, sehr schmerzhafter, stark blutender Vorgang. In den mir
bekannten
Fällen war es nach einigen Wochen ausgestanden, weil das Fell
jeweils verhindert hatte, dass Dornen oder Äste bis auf den
Knochen vorgedrungen sind. Aber in meinem Bekanntenkreis mussten
inzwischen
schon 7 Hunde nachkupiert werden, weil die Schwanzentzündungen
bis ins Rückenmark vorgedrungen waren, und den je- |
weiligen
Entscheidungen
gingen für
die Hunde qualvolle Monate voraus.
Ein anderer Hund, ein Weimaranerrüde, hat die Entzündung
im Rückenmark nicht überlebt.
Ich kann mir vorstellen, dass man diese meine Schilderungen möglicherweise
für übertrieben hält und nicht glaubt, bis man es
selbst gesehen hat. Wie schnell so eine Schwanzverletzung zustande
kommt,
wie gravierend das sein kann, wie lange es dauert, bis es wieder
heilt, und wie sehr ein Hund unter so einer anfangs eher kleinen
Verletzung
später leiden kann - all das hätte ich womöglich auch
nicht geglaubt, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte.
Aber ich habe es erlebt, ich habe die Hunde mit meinen eigenen
Augen gesehen und seither weiß ich, dass ich alles in meiner Macht
Stehende tun will, um meinen Hunden so etwas zu ersparen. Ich jage
mit ihnen, denn es sind Jagdhunde, wir züchten sie dafür,
bilden sie aus und jagen ein Leben lang gemeinsam mit ihnen. Aber
vor allem, wovor ich sie schützen kann, will ich das tun, und
vor dieser Art der Schwanz -verletzung sehe ich nur das Kupieren
als
Schutz.
Was mich so geprägt hat, ist die Erfahrung, dass eine Schwanzverletzung,
die ein Nachkupieren nötig macht, eine (für mein Empfinden)
schlimme Geschichte ist. Der Hund hat, bis die Amputation nötig
wird, starke Schmerzen, ein entzündeter Schwanz muss recht
häufig
ganz abgenommen werden, auch, wenn eigentlich ursprünglich nur
die Spitze verletzt war, weil die Entzündung unter keinen Umständen
ins Rückenmark ziehen darf, und wenn ein Hund mit langer Rute
aufgewachsen ist und plötzlich ohne kom-munizieren muss,
ist das verhaltenstechnisch eine anderes Problem als ein Hund,
der mit
Zweidrittel seiner Rute aufwächst. |
Ich
habe sehr lange nach Alternativen gesucht und nur zwei Ideen gefunden:
Die erste ist ein Schwanzschutz. Klingt lächerlich, wäre
mir aber egal, wenn's hilft. Ich dachte an irgendeine "Schutz
-bekleidung",
die man für die Dauer der Jagd am Hund befestigen könnte.
Es scheiterte leider an der Umsetzung - ich weiß nicht,
wo und wie man das Ding festmachen sollte, so dass der Hund
we-der behindert
wird, noch seinerseits mit dem Schwanzschutz
hängen bleiben und nicht mehr weiterrennen kann. |

Gordon Setter
und kupierter Deutsch Kurzhaar.
Foto: M. Kuntzsche |
Und
ich weiß
auch nicht, aus welchem Material das Ding sein sollte, so dass es
einerseits gegen Dornen schützt, die auch durch dickes Leder
durchkommen und andererseits nicht zu schwer ist, und, wichtig-stes
Argument, ich habe keine Ahnung, wie man einem Hund plausibel machen
soll, dass er den in jeder Hinsicht hinderlichen Schwanzschutz
nicht
nach spätenstens vier Sekunden abmontieren will, da er damit
nur stark eingeschränkt laufen und sich nicht angemessen verständigen
kann.
Sollte jemand eine Idee eines Schwanzschutzes haben, die diese
Probleme löst, ich würde (ernst ge-meint!) sofort für
jeden meiner Hunde einen kaufen und fortan nie wieder ans Kupieren
denken.
Die zweite Idee würde das Problem anders angehen, nämlich
genetisch und die Hunde so züchten, dass die langen, spitzen
Pointerschwänze ähnlich der brackenartigen Ruten dicker
und kürzer würden.
Das Problem gestaltet sich auf zweierlei Art, nämlich zum Einen
die Dauer einer solchen Selektion. Es wird seit annähernd 100
Jahren nicht mehr auf die pointertypische Rute zurückgezüchtet
und doch ist sie noch unverändert vorhanden. Die Entwicklung
einer solchen einschneidenden Entwicklung, eines völ-lig
neuen Rutentyps, braucht Dutzende von Generationen, wobei fraglich
ist, ob
man als Züchter, so man sich dieses Ziel setzt, nicht wie sooft
in der Geschichte der Zucht letztlich etwas völlig anderes
selek-tiert als das ursprünglich geplante. |
Langhaar Weimaraner. Foto:
R. Emrich |
Das
zweite Problem liegt darin, dass ich mit den Hunden jagen
will, sonst
hätte ich das Problem mit der empfindlichen Rute ja gar nicht,
und da ist eine solche rein auf die Rute bezogene Selektion über
so viele Generationen hin schlicht kontra-produktiv - denn bis
ich
einen Hundetyp gewon-nen habe, der die von mir gewünschte Rute
hat, habe ich womöglich (ja sehr wahrscheinlich) die jagdlich
erforderlichen Eigenschaften, wegen derer überhaupt Jagdhunde
gezüchtet werden und die ich für die Jagd mit
Hunden mit dieser Rute |
brauche, ebenfalls mit der ursprünglichen Rute wegselektiert.
Es ist ohnehin nicht einfach, diese Eigenschaften in der benötigten
Weise zu erhalten, man züchtet ja nicht mit dem Reagenzglas
- und wenn dann nur noch oder wenigstens primär unter Hunden
ausgewählt
werden soll, die eine bestimmte Rutenform haben und andere sinnvollerweise
nach und nach ausselektiert werden, ist das Spektrum aus jagdlicher
Sicht zur Zucht geeigneter Hunde stark eingeschränkt. Gerade
in den ersten 10 Jahren ein-er solche Einschränkung, wenn die
Mehrheit der Hunde noch die ursprünglichen Schwänze
hat, wäre die-se Einschränkung besonders gravierend
für
die Leistungszucht, da es dann Zufall ist, welche der wenig-en
kürzerschwänzigen
Hunde in die Zucht kommen und ob die nun jagdlich brauchbar sind
oder nicht.
Das Problem wird inzwischen europaweit diskutiert, nachdem sich
in Skandinavien herausgestellt hat, dass über ein Drittel
der jagdlich geführten Hunde der vorher kupierten Hunderassen
nun im Erwach-senenalter nachkupiert werden müssen und eine
entsprechende Untersuchungskommission den Regier-ungen die Wiedereinführung
des Kupierens dringend empfohlen hat. Es gibt aus der Feder von
Prof. Dr. med. vet. Hans
Wunderlich eine Untersuchung aus Schweden, bei der die dort gemeldeten
Verletzungs-fälle nach Einführung des Kupierverbotes
statistisch aufgeführt und ausgewertet wurden, und da ergibt
sich, dass 50 Prozent der Jagdhunde behandlungsbedürftige
Verletzungen hatten, wobei insgesamt ein Drittel als schwerwiegend
eingestuft wurde. Die Untersuchungen bezogen sich auf einen Zeitraum
von drei Jahren. (Anm.
der Autorin: Dieser Absatz wurde aktualisiert.) |
Ich
habe bis heute keinen Weg gefunden, wie man das Kupieren vermeiden
kann. Und ich wür-de es gerne vermeiden. Aber ich bin nicht
be-reit, den Preis dafür zu zahlen, dass bei jedem dritten
Einsatz die Möglichkeit besteht, dass mein Hund sich so verletzt,
dass er amputiert werden muss. Ich respektiere, dass jeder das
Kupieren anders
bewertet, aber wer sich in meine Position denkt, kann mich vielleicht
ver-stehen.
Ich kann damit leben, dass man mich als Tier -quälerin beschimpft.
Aber wenn mein Hund über Monate Schmerzen leiden und eventuell
sterben würde, und ich hätte es verhindern können,
damit könnte ich nicht gut leben.
Wer mir eine Alternative nennen kann, die den Hund schützt, der
kann sicher sein, dass ich jede Alternative wählen würde.
Aber solange |
Gibt es eine
Alternative zum Kupieren? Foto: S. Hochhäuser |
ich
keine sehe, werde ich weiter für das Kupieren bei jagdlich
geführten Hunden der kurz- oder draht-haarigen Vorstehrassen
bleiben. Ich habe mich lange und gründlich kundig gemacht,
ich habe miterlebt, was passieren kann und das nicht nur einmal.
Ich
habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber ich habe einfach
zu viele schlimme Fälle erlebt und kenne die Hintergründe
und Statistiken, die beleg-en, dass das nicht nur Zufall
war.
Ich kann nur noch einmal sagen, dass ich gern einen anderen
Weg fände
- ich wäre also wirklich froh, wenn jemand die zündende
Idee für eine Alternative hätte. |
Deutsch Kurzhaar
(auch im Startfenster) Fotos: Nicole Schröder
www.topdogz.de
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