Erfahrungen mit dem Podenco
Von Yvonne Hüer

Meinen ersten Podenco-Mix lernte ich kennen, als eine Bekannte im Spanienurlaub eine Hündin von der Straße weg adoptierte. Bisher hatte ich meist mit Schäferhunden zu tun und eigentlich war auch immer der DSH mein Wunschhund. Tja, dann kam der Sommer 2002 und Supresa, wie wir die Hündin tauften, trat irgendwie auch in mein Leben. Die Tierärztin vor Ort sprach von einem Podenco-Pointer-Mix….. Pointer sagte mir etwas, da meine Tante einen Pointermix hatte, aber Po - Po…..? Was?
Wieder in Deutschland, ging es an die Recherchen. Im Internet fand sich dann doch so einiges und wir konnten uns mit der Rasse beschäftigen. Supresa musste leider einige Wochen später eingeschläfert werden, mit min. 7 Welpen im Bauch, sie hatte alle 3 Mittelmeerkrankheiten und die Tierärztin sah keine Hoffnung für sie.


Azunela (Betty) Podenco Andaluz-Mix Foto:Yvonne Hüer
Meine Bekannte suchte wieder und wurde auf Azunela (damals Betty) aufmerksam, sie wandte sich an den Ver- ein und nach der Vorkontrolle stand fest, dass sie Azu- nela bekommt. Sie sollte Mitte Dezember morgens um 10.00 Uhr in Pforzheim per Transporter ankommen. Da wir in Düsseldorf und somit ca. 600 km von Pforzheim entfernt wohnten, kam uns der Gedanke, dass wir sie - in Zeiten des Billigfluges, auch in Vic (Nähe Barcelona) ab-holen können. Gesagt - getan. Schnell wurde mir klar, dass ich mich mit meinem Mann einigen musste, falls dort "mein" Hund saß… Nach 14 Tagen überlegen, reden, In-ternetrecherchen wurde beschlossen: Wenn ich dort unt-en einen Hund sehe, der mir gefällt, dann darf ich ihn mitbringen!
Der Verein war begeistert und so wurde für mich Sissy, die Schwester von Azunela, reserviert.
Am 27.11.2002 startete der Flieger in Richtung Barce-lona. Der erste Flug meines Lebens, um den ersten Hund meines Lebens abzuholen - perfekt! Die Übernachtung war bei der Tierschützerin vor Ort möglich und der
Rückflug am 28.11.2002. In der Auffangstation haben wir uns erst einmal alle Hunde angeschaut, bevor wir zu unseren sind. Mo zeigt uns die Hunde, zwei Mini's! Ich wollte doch immer einen richtigen Hund! Aber trotzdem, ich sah zwei riesige Ohren und zwei große Augen und es machte "Klick" und ich wußte:
das ist mein Hund! Es war Betty - Petra war sie zum Glück zu klein, und die Schwester, die für mich bestimmt war, fand ich grottenhäßlich. (Joelle verzeih mir…) Sissy heißt jetzt Chilli und hat ihre Familie in Luxemburg gefunden. So konnte ich dann am nächsten Tag mit meiner Zaubermaus nach Hause fliegen - meine Bekannte hatte eine Galga adoptiert.
Mein Mann hat unsere Maus gesehen und sich auch direkt verliebt. Dann begann der Alltag.
Azunela war vom ersten Tage an stubenrein, blieb alleine, fuhr Auto und hat uns in den ganzen 5 Jahren nichts kaputt gemacht. Eigentlich ein Traumhund… Schmusen war anfangs nicht so ihr Ding, aber inzwischen ist sie ziemlich kuschelbe-dürftig und anhänglich - zumindest zu Hause.

Chili (Sissy) Foto: Joelle Bourkel
Bezüglich der Ausbildung hatten wir uns für den Polizeihundesportverein vor Ort entschieden - gut zu Fuß zu erreichen. Leider wurde mir schnell klar, dass ich dort keine Hilfe bezüglich des starken Jagd-triebes bekommen konnte. Obwohl sie allen Rassen gegenüber sehr aufgeschlossen waren, hatten sie so etwas wie Azunela noch nie erlebt. Ich stürzte mich also auf Bücher, in unserer Stadtbücherei lieh ich mir alles aus, was mit der Erziehung von Hunden zu tun hatte. Ich ging weiterhin auf den Hundeplatz, aber insgesamt wurde es immer schlimmer, da Azunela sich langsam einlebte und auftaute. In unserer Siedlung wohnen sehr viele Ka-ninchen und bei jedem stand Azunela auf den Hinterbeinen und schrie die ganze Umgebung zusammen. Sie wiegt zwar nur 9 kg - aber anfangs hatte ich nach jedem Spaziergang lange Arme!

Azunela in Aktion. Foto: Yvonne Hüer
Ich verschlang alle Bücher, die mir unterkamen, unterhielt mich mit allen möglichen Leuten - aber eine Lösung meines Jagdproblems war nicht in Sicht.
Bei unseren Internetrecherchen kam heraus, dass sich Podencos gut für Agility eignen, also ausprob-ieren. Azunela fand die Wurst ja ganz nett, aber die interessanten Gerüche in der Umgebung noch netter. Und so kam der Tag, an dem ich hinter der Hürde stand, mit einem Stück Fleischwurst in der Hand, und wunderbar beobachten konnte, wie die Nase meines kleinen Hundes anfing zu arbeiten - Azunela machte auf dem Absatz kehrt, spurtete los - fand sofort!.... das Loch im Zaun und jagte lustig auf der anderen Seite… O.k. - also kein Agility……
Da ich seit Jahren ehrenamtlich bei den Johan-nitern tätig war, kam uns ziemlich schnell die Idee mit einer Rettungshundeausbildung. Gesagt - getan. Und wieder das Internet be-fragt. Schnell fand ich eine Staffel hier in Düsseldorf, die auch bereit war, es mit uns zu versuchen. Diese Staffel bestand fast nur aus Jagdhunden und endlich fühlte ich mich ver-standen und bekam kompetente Tipps! Azunela machte es einen Riesenspaß - man sah ihr an, dass die Nasenarbeit ihre Welt ist. Unsere Spaziergänge waren immer noch der reinste Horror, kaum vor der Tür, war sie in Jagd-stimmung, überhaupt nicht ansprechbar und zerrte uns durch die Gegend.
Daher bekam ich den Tipp, dass ich im Sommer

Waldspaziergang - nicht immer stressfrei. Foto: Yvonne Hüer

mit dem Jagdgebrauchshundeverein trainieren sollte. Über jede Hilfe dankbar, habe ich mich angemel-det. Der Sommer hat mir viele schöne Erfahrungen und Tipps gebracht. Mein Jagdproblem wurde minimal besser - inzwischen hatte ich sogar einen Platz gefunden, wo ich Azunela ableinen konnte, da es dort kein Wild gibt. Ihre Kreise waren groß, aber sie folgte schlussendlich doch immer. Ich las weiter-hin jedes Buch, das mir in die Finger kam und versuchte ihren Jagdtrieb in den Griff zu bekommen. Kleinere Erfolge wurden sichtbar, aber die großen blieben weiterhin aus. Zumindest die Ausbildung zum Trümmersuchhund machte ihr Spaß - dort war sie sehr motiviert und da es auf eingezäuntem Gelän-de stattfand, konnte sie auch ohne Halsband und Leine suchen. Sie wurde immer besser und die Hoff-nung stieg.
Irgendwann entdeckte ich den Clicker und damit kam der Durchbruch. Anschließend habe ich bei Pia Gröning ein Antijagdtraining absolviert und nach 10 Wochen klappten auf einmal Sachen, von denen ich 2 Jahre lang nicht zu träumen gewagt hatte!


Azunela als Suchhund. Foto: Yvonne Hüer
Die Rettungshundeausbildung musste wir leider abbrechen, nach über 2 Jahren stand fest, dass Azunela sich im Zwei-felsfall immer für das Kaninchen ent-scheiden würde - damit war an eine Prüfung nicht mehr zu denken.
Inzwischen war ich auch in einem Forum für Jagdhunde angemeldet, auch dort habe ich sehr viele Tipps bekommen und umsetzen können. Dort fand ich auch Anja, sie suchte eine Trainingspartnerin fürs Mantrailing - "just for fun".
Mantrailing kannte ich schon aus der Staffel und es faszinierte mich - und so habe ich mich gemeldet und es nicht be-
reut. Anja und ich arbeiten seit 2 Jahren zusammen, unsere Gruppe ist größer geworden, und Azunela macht es richtig Spaß! Insgesamt sind unsere Spaziergänge entspannter geworden - dadurch dass sie jetzt zweimal in der Woche "jagen" (Mantrailen) darf ist sie insgesamt ruhiger geworden. Wir arbeit-en weiterhin mit Clicker und Schleppleine, an unserem Rheinabschnitt darf sie ohne Leine laufen und auch unsere erste Waldrunde "offline" haben wir bereits absolviert. Azunela wird nie ein Hund sein, der immer und überall ohne Leine laufen kann, aber durch ihr Wesen macht sie das alles wett. Inzwischen ist sie total verschmust, gelehrig, klug und ein Clown - halt ein richtiger Podenco! Über ei-nige Umwege ist sie doch zum absoluten Traumhund geworden. Podencos sind von ihrer ganzen Art her etwas Besonderes, aber sie sind und bleiben 200 %ige Jagdhunde, die einem deshalb sehr viel Geduld, Arbeit und Zeit abverlangen.
Luna ist im März 2005 bei uns ein-gezogen. Sie saß in Grand Canaria in der Tötungsstation; ausrangierte Zuchthündin, leerer Blick und Ge-säugetumore, ein großes Häufchen Elend.
Eine Tierschützerin entdeckte sie und beschloss, dass sie ein Recht darauf hat zu erfahren, wie schön die Welt sein kann. In Deutschland wurde sie dann operiert. Ich hatte sie auf der Internetseite gesehen und mich sofort verliebt. Da Azune-la aber sehr wählerisch bei anderen Hunden ist, zog sie zuerst als Pfle-

Luna, Podenco Canario. Foto: Yvonne Hüer
gehund bei uns ein. Luna bot einen jammervollen Anblick. Durch einen falsch zusammen gewachsenen Bruch hat sie zwei krumme Vorderbeine, ein Schlappohr, da ihre Ohrmarke an der falschen Stelle saß, und keine, überhaupt keine Muskulatur. Sie konnte entweder stehen oder flach auf der Seite liegen - mehr als 10 Minuten laufen war nicht drin. Sie konnte sich nicht setzen, noch nicht einmal strecken. Ihr Blick war leer und trotzdem waren es ihre Augen, die mich in den Bann gezogen haben. Kurze Zeit vor-her hatte ich eine Hundephysiotherapeutin kennengelernt, dank ihr konnte ich Luna einen kontrollierten


Luna, das Leben macht wieder Freude. Foto: Yvonne Hüer

Muskelaufbau zukommen lassen. Ihre Muskeln wuchsen, ihre Augen fingen wieder an zu leuchten, nach ca. drei Wochen wollte und konnte ich sie nicht mehr hergeben.
Wir haben diese Entscheidung nie-mals bereut. Obwohl Luna mindestens 8 Jahre alt war und ihr ganzes Leben im Zwinger zugebracht hat, war sie vom ersten Tag an stubenrein, blieb alleine und hat mir bisher auch nichts kaputt gemacht. Azunela hat sie vom ersten Augenblick an akzeptiert. Inzwischen ist Luna seit 2 Jahren bei uns, die Tumor-OP war erfolgreich,
sie kann an guten Tagen 3 Stunden mit uns laufen - an schlechten nur 15 Minuten, sie ist frech - ihre Augen glänzen, und ihr sitzt öfters mal der Schalk im Nacken. Sie läuft fast überall ohne Leine, wenn allerdings der Hase vor ihr hochgeht, dann ist auch sie nicht mehr zu halten. Allerdings muss sie immer schnell aufgeben und dann kann ich sie einsammeln. Luna ist ein absolut problemloser Hund, sie liebt alles und jeden und ist einfach nur lieb!


Links: Portrait Luna. Oben Luna und Azunela.
Fotos: Yvonne Hüer



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