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Der Ausreisser
Von
Renate Kainzberger
Es war der Spaziergang mit Bobby, der uns lange in Erinnerung bleiben
wird. Bobby ist ein rotbraun- er Cocker Spaniel und und gehört
der Hundelobbyistin Elke. Er ist ein sehr ruhiger, sanfter Hund
und schaut mit seinen dunklen Knopfaugen jeden freundlich an.
Nun musste aber sein geliebtes Frauchen Elke ins Krankenhaus, Herrchen
ist gehbehindert und wer geht nun mit Bobby Gassi? Wir, Marion und
ich, erklärten uns bereit, ihn zu unserer täglichen Hunde-runde
in die Harburger Bergen mitzunehmen.
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Die
Harburger Berge sind trotz ihrer gering-en Höhe für einen
aus der Übung gekommenen Wanderer, wie wir es sind, von alpinem
Aus-mass. Es sollte ein schöner Spaziergang werd-en. Doch am
19. Mai 2007 nahm das Unglück seinen Lauf: Bobby sah plötzlich
den für ihn scheinbar merkwürdig aussehenden anderen Vierbeiner,
der zu allem Überfluss plötzlich lospreschte und Bobby
hinterher. Wir stand-en einige Meter entfernt, riefen nach Bobby;
keine Reaktion.
Ohne jegliche Bremseinwirk-ung verschwand er im Unterholz aus unserem
Gesichtskreis. |
Oh
Gott, Bobby ist weg! Stundenlang liefen wir kreuz und querdurch
den
Wald laut rufend:" Bobby... Bobby....Boooobby!". Aber
er blieb spurlos verschwunden. Inzwischen beteiligten sich auch
andere
Hundehalter an der Suche. Doch der Hund blieb unsichtbar.
Wir waren verzweifelt. Unsere Hunde kratzte das wenig, sie genossen
fröhlich die überlange Hunde-runde, wurden aber auch allmählich
müde. |
Also
was tun? Ab nach Hause, Hunde abgeliefert, Suchmeldung verfasst,
wieder zurück in den Wald, Suchmeld -ung an vielen Stellen
angebracht und Handy-Suchmeldenetz aufgebaut, Po-lizei informiert
usw.
Nun kam das Schlimmste, wir mussten Herrchen Bericht erstatten,
und was sollten wir Frauchen Elke im Krank-enhaus erzählen? |
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Es
gab nur eins, Notlügen: Bobby geht es gut, er ist bei Marion
im Garten. Wir ahnten zu diesem Zeit -punkt doch nicht, dass uns der
Ausreisser eine ganze Woche auf Trab halten würde...
Das Handy-Netz funktionierte prima. Immer wenn er irgendwo gesichtet
wurde, hechteten wir ins Auto und nichts wie hin. Doch Bobby spielte
mit uns Katz und Maus; wenn wir ankamen war er schon wieder weg. |
Inzwischen
hatten wir am Ort seines Verschwindens ein Handtuch mit Frauchenduft,
seinen Spiel-Lieblingslatschen und Trockenfutter ausgelegt, und
Elkes
Familie half mit beim Suchen, ebenso einige Damen vom Cocker-Klub.
Besonderen Dank an Frau Clement, ebenfalls Cocker-Dame, die uns
mit
Kaffee, Kartoffelsalat und Würstchen überraschte. Sogar
der Förster versprach uns, seine Augen aufzuhalten und Bobby
nicht zu erschiessen, falls er im Wildgehege herum stromern sollte. |
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Dann
erfuhren wir, dass Bobby eines Nachts am Park-platz unter einem
Baum
geschlafen hatte. Oh, dachten wir, das wäre eine Chance ihn dort
festzunageln, noch besser wenn eine läufige Hündin dort
ihren Duft hinterliesse. Die Freude war gross, als wir tatsächlich
die kleine Foxter-rier Hündin Sarah fanden, doch sie wollte einfach
nicht auf die ausgelegte Decke pieseln. Also ein Stück gelaufen,
und dann hielt ich ihr beim Pieseln ein Tuch darunter. Jetzt wurde
die Decke für Bobby damit benetzt, und wir legten uns etwas
abseits im Auto auf die Lauer.
Es war spät, es wurde dunkel, es wurde unheimlich so ganz allein
im Wald, und ich erinnerte mich an einen Krimi im Fernsehen, wo ein
Pärchen auch nachts im Wald abgemurkst wurde. Kurz erzählte
ich es Marion, und aus war es mit dem Warten auf Bobby. Schleunigst
suchten wir das Weite.... |
Nun
war Bobby schon 5 Tage verschwunden, aber solange er noch gesehen
wurde hatten wir die Ge-wissheit, dass er noch lebte. Donnerstag
musste
dann auch Elke erfahren, was mit ihrem Liebling pas-siert war,
denn Freitag sollte sie das Krankenhaus verlassen. Elkes Mann
und Tochter
brachten ihr sehr vorsichtig und schonend bei: " Bobby ist seit
gestern verschwunden".
Sie verschwiegen, dass Bobby schon seit fast einer Woche vermisst
wurde. Elke weinte zwar, aber gleich am nächsten Morgen, es war
Freitag, stand auch sie mit ihrer neuen Hüfte im Wald und rief
nach Bobby, in der Hoffnung, dass er auf ihre Stimme reagieren würde.
Aber der Hund (wir bezeich-neten ihn jetzt als dummen Köter)
blieb unsichtbar. Inzwischen wurde das Wetter schlechter und es regnete
in Strömen. |
Aber
dann Samstagnachmittag die Erlösung, ein Anruf von der Firma
Holborn im Öl-Raffenerie- Hafen Moorburg:" Vermissen
Sie einen rotbraunen Hund? Der sitzt hier und will abgeholt werden!"
Als wir dort ankamen sahen wir einen pitschnassen Bobby, total
ab-geschlafft, dreckig und müde.
Etwas dünner aber sonst in gutem Zustand konnte Elke ihren Liebling
glücklich in die Arme schliessen.
Ein Wermutstropfen zum Schluss: auf Bobby hatten sich über 100
Zecken mit Nachwuchs eingenistet. Doch zum Glück war keine
infi-zierte Zecke dabei.
Jetzt mussten nur noch die Harburger, die bei der Suche so toll
ge-holfen hatten, über Bobby's Wiedererscheinen informiert
werden.
Eine Beschreibung, wo der Ausreisser überall aufgetaucht ist,
wür-de Seiten füllen, deshalb habe ich eine Karte von
Bobby's Odyssee gestaltet (siehe oben). Bei Überquerung
der Hauptstrassen muss Bob-by wohl einen Schutzengel gehabt habe...
Unten: Bobby, Frauchen und Vertreter der Hilfstruppe.
Foto 1: Fenski; sonstige: Kainzberger |
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