Mérens:
die Rasse
Einer der ursprünglichen Namen der Rasse - Poney Ariègois
de Mérens - sagt uns schon mal, daß es hier um Franzosen
geht, genauer: Franzosen von den Hängen der Pyrenäen.
Wer die Gegend ein bißchen kennt, weiß, daß es hier
zahllose unwegsame, versteckte Täler gibt, Berg-spitzen und Grate
auf denen sommers trockne Hitze, winters Eis, Schneestürme
und empfindliche Mi-nustemperaturen herrschen und es an rauhem,
regnerischem
Herbstwetter keineswegs mangelt. |
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Die
Mérens leben seit Jahrhunderten als Wildpferde in dieser
grandiosen, aber auch unbarmherzigen Region, denn Futter in
Fülle finden
sie nur für wenige Monate des Jahr-es, während die langen,
strengen Winter das harte Gesetz der natürlichen Auslese
treiben: nur die Starken, Gesun-den mit sicherem Tritt und sicherem
Instinkt
überleben.
Für den Großteil ihrer Geschichte diktierte die Natur,
und nicht der Mensch die Entwicklung und den Fortbestand dieser
Rasse,
und das Ergebnis ist beeindruckend: robust, |
genügsam, mit auffallend kräftigem Knochenbau, "eisernen"
Sehnen, sehr harten Hufen und optimalem Gleichgewichtssinn sind die
Mérens berühmt für ihre Kraft, Unermüdlichkeit
und ihren sicheren Tritt auf engen, schwer passierbaren Bergpfaden,
ihr ruhiges, freundliches Wesen und die Besonnenheit, die |
sie
in der Bergwelt vor der einen, falschen Bewegung aus Panik oder
Nervosität bewahrt.
Obwohl
sich der Mensch dieser perfekt an ihren Lebensraum an-gepaßten
Pferde seit grauer Vorzeit immer mal wieder bediente, in den
letzten
Jahrhunderten vor allem als vielseitige, willige Arbeitstiere in
der Landwirtschaft, begann die gezielte züchter-ische Beeinflussung
erst vor rund 60 Jahren. Dabei hat man mit seltener Weisheit
bedacht,
all die vorzüglichen Eigenschaften, mit denen die Natur diese
Rasse im Laufe ihrer Entwicklung ausge-stattet hat, zu erhalten,
und
auch mit dem äußeren Erscheinungs-bild nicht herumzuexperimentieren.
Entsprechend ursprünglich sind, zumindest in Frankreich und
Italien, die Haltungsbedingungen der Herden: den Sommer ver-bringen
die Pferde
wie eh und je unter Führung ihrer leitenden Artgenossen allein
in den Bergen. Nur im Winter bevorzugen manche Züchter sie
herab ins Tal zu holen. Damit das ihrer Wi-derstandsfähigkeit
und eisernen Gesundheit keinen Abbruch tut, bleiben die Tiere natürlich
draußen
auf der Weide, auch im dich- |
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testen
Schneegestöber und bei klirrender Kälte.So wenig
ihnen starker Wind verbunden mit Regen-schauern gefällt, sie
nehmen die Unbilden des Wetters stoisch hin und nutzen den kleinsten
natürlichen Unterstand,
den ihnen das Territorium bietet. |
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Die
einzige Veränderung gegenüber den wilden Mérens
aus den Pyrenäen, ist, so sagen Kenner, eine Zunahme der
Rückenhöhe und einer gewissen Eleganz. Statt 1,35 m
zeigen wohl die meisten Exemplare aus "menschlicher" Zucht
eher das zugelassene Stock-maß von 1,50 m, und neben den
typischen, kräftigen
Rassever-tretern trifft man auch ohne weiteres leichtere, elegantere
Ex-emplare an.
Selbstredend muß ein Mérens, ganz gleich woher er kommt,
rein schwarz sein, (wobei ein winziger weißer Stern zwar geduldet
aber nicht erwünscht ist) mit dichter langer Mähne,
breiter Kruppe, kraftvollem, weitem Schritt und dem allgemeinen
Er-scheinungsbild
eines starken, ausdauernden Arbeitspferdes. |
Mérens:
bei der Ausstellung
In der italienischen Voralpenprovinz Cuneo, in Piemont, befinden
sich die wohl wichtigsten Zuchtzent-ren des Landes für Merens. Einmal
jährlich findet hier die Mostra Nazionale Cavallo di Mérens statt,
eine kleine, fast familiäre Veranstaltung, bei der Rasseexemplare
der verschiedenen Altersstufen prä- sentiert und bewertet
werden. Hier einige Teilnehmer: |
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Fotos
1-5: Embrun dell'Aurora
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Foto
6: Zuchtstute Irundo dell'Aurora nach der Show
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Zaungäste
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Mèrens
bei der Arbeit
Dank ihrer Herkunft und psycho-physischen Eigenschaften eignen
sich die Mérens für vielerlei Auf-gaben. In Größe
und Statur genau richtig für die ganz jungen ReiterInnen,
empfehlen sie sich auch weg-en ihres ruhigen, freundlichen Wesens
für
die ersten Erfahrungen im Sattel, im Grooming und natürlich
im verantwortungsvollen Zusammensein mit einem Pferd. Selbst kleine
Jungs, die ob des obligaten Reit-schul-Ponys die Nasen rümpfen,
bekommen beim Anblick so eines selbstsicheren Rappen glänzende
Augen. (Auch Eltern dürfen aufatmen: die schwarzen Franzosen
kosten bei der Anschaffung und Füt-terung ein Gutteil weniger
als die "Großen", und ihre eiserne Gesundheit
macht - korrekte Haltung vor-ausgesetzt - die Besuche des
Tierarztes
zur Rarität.
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Selbstredend
trägt ein Merens auch problemlos jeden Er-wachsenen. Im
an Hügelland
reichen Italien ist er deshalb ein geschätztes Reitpferd
für ausgedehnte Trekking Tour-en auf engen, schwer begehbaren
Bergpfaden. Da macht sich seine Trittsicherheit, die instinktive
Besonnenheit und natürlich die viel gepriesene Ausdauer dieser
Rasse erst so richtig bemerkbar. Ein gut ausgebildeter Merens
trabt
ebenso unbeeindruckt durch kniehohen Schnee, wie er über
felsige Wildwechsel im Ginstergebüsch schreitet oder die
steilen Wege zu den Graten hinaufklettert.
( lks. die dreijährige
Orchidea mit durchsichtigem "Fliegengitter"
gegen sommerliche Plagegeister.)
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Wer
das Selbstversorgerleben auf dem Lande probt, findet im Mere-ns
den
perfekten Gefährten: ob man nun Baumstämme heimschleppen
muß, im Wald gesammeltes Kleinholz, Heu fürs Pferd und
sonstige Tiere nachhause bringen will, den Kindern im Winter Schlittenspaß
verschaffen oder mit einem leichten Wägelchen umweltschonend
den Einkauf für die Woche erledigen möchte, ob man ein
geeignetes Stück Land pflügen und später dann die
Ernte einbringen will oder sich einfach mal einen schönen,
ausgiebigen Ausritt gönnt (schließlich können
auch Selbstversorger nicht nur arbeiten) - der Merens ist immer dabei.
(rechts: Orchidea im "forstwirtschaftlichen" Einsatz.) |
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