Indische Laufenten, "Laufis" oder Schneckenvernichter
Von Angelika Bartsch

Vor einigen Jahren saßen mein Mann und ich bei einem Trödelmarkt mit Kleintierhandel auf der angren -zenden Treppe und diskutierten darüber, ob wir von dem wortkargen norddeutschen Bauern, heute noch spontan zwei Entenküken mit nach Hause nehmen sollten. Da der Bauer mit wenigen Informationen über Enten herauskam und wir damals noch nicht viel Ahnung von diesen Tieren hatten, beschlossen wir, es erst einmal nicht zu tun. Denn wo sollten sie im Garten sicher übernachten, ohne Stall und mit Mardern und Katzen im angrenzenden Wäldchen, was fressen sie, fliegen sie, brauchen sie einen Teich, wie viele sollte man haben? Fragen über Fragen…

So vergingen ein paar Jahre, und ich dachte eigentlich gar nicht mehr über eine Entenanschaffung nach - bis zu dem Zeitpunkt, als die Schnecken aus dem Wäldchen meine Beete massiv und mit einer für Schnecken unglaublichen Geschwindigkeit vernichteten und ich deshalb überlegte, wie ich die Beete vor diesen Schnecken-Invasionen retten könnte.
Da ich Schneckenkorn wegen unserer anderen Tiere ab-lehnte, suchte ich nach einer Alternative. Und plötzlich war der Gedanke an Enten wieder da. Denn Enten fressen Schnecken...!
So beschloss ich, mich bei mehreren Züchtern über Rassen und Haltung zu erkundigen, und wir landeten schließlich bei Indischen Laufenten.
Uns wurde erzählt, dass Laufenten nicht weit oder gar nicht fliegen und so müsste man ihnen nicht die Federn stutzen, was mir sehr gelegen kam. Sie sind auch ausgesprochen hübsch und erinnern ein wenig an Krückstöcke oder Holzlatten, weil sie sehr groß und schlank sind und dabei aufrecht laufen. Zudem sollten die Indischen "Laufis" laut Züchter die leiseste Rasse sein, was das Schnattern angeht. (Das stellte sich später als Irrtum heraus. Sie können nämlich auch gan(s)z anders! Gut, dass die Nachbarn so nett und tierfreundlich sind…)
Nun, ich "bestellte" also beim Züchter zwei Enten und einen Erpel - erstmal. Die Zahl unserer Enten variierte im Laufe der folgenden Jahre dann zwischen 9 und 4, bis ich mich bei 4 "einpendelte".
Der noch fehlende Stall und der spezielle Teich wurden schnell gebaut, und endlich konnten die Enten Einzug halten.
Seitdem gibt es keine Schnecken mehr bei uns, und der Garten zeigt sich in bunt.
Auch die Hunde mussten sich an die Entengesellschaft ge-
gewöhnen, und es musste anfangs mal der eine oder ande- re Wassereimer tief fliegen…
Mittlerweile ist es so, dass sich die Hunde vor den Attacken der Enten sputen, denn gewisse Hunde endeten schon mal mit einer Ente am Schwanz im Schlepptau. Jetzt machen sie einen respektvollen Bogen um die Enten oder behalten sie zumindest gut im Auge.
Dank der Laufis ist unser Garten also schneckenfrei, und außerdem ist dort nun immer etwas los. Übrigens: die Enten schonen Blumen, jedoch findet man überall "Tretminen", weshalb man lieber nicht ohne Schuhe in den Garten gehen sollte…

Alle Fotos: A. Bartsch